Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 28 (15.7.1937)
- Date
- 1937-07-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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15. Juli 1937 Der Israelit Nr. 28 Seite 5 zu Generation — Neues. Nicht die Thora wandelt sich. Aber das jüdische Volk. Die Geschichte der Thora ist die Geschichte 4es 'jüdischen Volkes» Es ist das Höchste, was über das ' jüdische Volk ausgesagt werden kann: seine Ges chich'te ist die Geschichte des Absoluten. — — Solange das jüdische Volk in seinem eigenen Lande wohnte, war ihm der Sinn seines eigenen nationalen Entwicklungsprozesses, eben der Sinn seiner eigenen Geschichte, durchaus klar, Diesen Sinn zu wecken und wach zu halten, war die vornehmste Aufgabe seiner Propheten und nach ihnen seiner großen Gesetzeslehrer. Nicht nur die Beziehung des Einzelnen, sondern auch, ja vielleicht vor allem, die Beziehung der Nation zum,Absoluten, zu G'tt und G'ttes Thora, war der Inbegriff dieses Sinnes. Jedes Zeitalter stellte die sich entwickelnde Nation vor neue Aufgaben der sich entfaltenden, am Sinai geoffenbarten Thora und legte den Propheten und ihren Nachfolgern, den Gesetzeslehrern, neue Rufe an die Nation in den Mund, getreu ihrer Pflicht als Messer des Abstandes zwischen der unabänderlichen Thora und der erziehbaren Nation. Der jüdische Staat zerbrach, als er ein taugliches Mittel nicht mehr war, den Abstand zu verkleinern. — ., _ Die vielen Jahrhunderte der Galuth haben das jüdische Volk über den Erdkreis zerstreut. Von einer einheitlichen Entwicklung der jüdischen Nation in ihrer Beziehung zum Absoluten der Thora konnte keine Rede mehr sem. Die Nationalgeschichte . als solche hörte auf. Aber ein doppeltes Geschieh ts wunder vollzog sich vor den Augen der ganzen Welt: die Erhaltung der Nation Und dU Erhaltung de* Thora. Das Absolute wie der Träger des Absoluten erwiesen sich als unzerstörbar. Das Absolute trug den Träger. An die Stelle der Nationalgeschichte trat das National wunde r. Die vielen Jahrhunderte der Galuth erscheinen uns Heutigen, rückblickend, als ein einziger Einbruch G'ttes in die Welt der sogenannten Wirklichkeit. Die Nation als solche, in der Welt der Wirklichkeit allseitig von Feinden umstellt, eines eigentlichen nationalen Lebens durchaus beraubt, klammert sich mit aller Kraft des Geistes und der Seele an das ihm anvertraute Absolute, und wird durch das Absolute in eine Sphäre hinausgehoben, die jenseits aller Erscheinungen liegt und dem Hauch der Vergänglichkeit entrückt ist, In dieser Sphäre aber hat sich zugleich in unserer Nation ein Grundstock gebildet, auf dem unsere ganze Hoff- Wie dem auch sei: der neunte Aw ist mit jener Verkündung nicht abgeschafft und das Finale unserer Trauerlieder, mit dem wir uns vom Boden erheben, wird auch dieses Jahr lauten: •tnpo wa? »in"naiwi yb» "t wa»»n l^ao pfiS nnnn ts; pnin '•»ays 'notf nnrin *ry piär# ••»»■"ö w-.nnm vb htd jrm »iprw na a>mn Vip '.minn Vij? •ipm na nimn pa Dntppm >w>w>b TpatzrnK mtV "nn ' •tpnnp-na&n *]wm a>apa n^flx süöo "]Y7 tiit •n^saan ms?a^ masn *np.^ - pa D*rru DS^a psa n'rahi •D'io s1? oa'p^sai Dna bm 'Wniaswa-to tonn .? qvküns ä^aia nao^» VömThiöS'jaVntoKi '«» ,wj?a! wruKi frcnn mfran ^jw *wk nung beruht in der neuen Zeit, die längst schon über uns gekommen ist.-- Diese neue Zeit erblicke ich an dem Wiederbeginn der jüdischen Natiqnaigeschiente, dem Wiederbeginn einer nationalen Entwicklung in der Beziehung der Nation zu dem ihm anvertrauten Absoluten. — Ist die Aguda in Wahrheit die nationale Weltorganisation der Thora, so darf sie beim formellen Agudismus nicht stehen bleiben, so muß sie den materiellen Agudismus aus sich herausstellen und sich ganz in den Dienst der neu begonnenen jüdischen Nationalgeschichte, ganz in den Dienst der neu begonnenen nationalen Entwicklung begeben. ■Agudismus im materiellen Sinne bedeutet nicht Lösung der „jeweiligen" Gesamtheitsaufgaben, sondern bedeutet die Selbstbesinnung auf unsere, die neue Zeit, auf Erfassung ihrer spezifischen Aufgaben und das Streben nach Lösung dieser spezifischen Aufgaben. In all den vergangenen Jahrhunderten weilte unsere Nation, aus der irdischen Welt verstoßen, in der Sphäre des Absoluten, dem Hauch der Vergänglichkeit entrückt, entrückt aber auch der — Geschichte. Die Sphäre des Absoluten, die reine Metageschichte, hatte keine Beziehung zur Geschichte, deren Schauplatz die Welt der Erscheinungen ist. Waren die vergangenen Jahrhunderte ein einziger Einbruch G'ttes in die Welt der Erscheinungen, so charakterisiert sich die neue Zeit als ein Einbruch der Welt der Wirklichkeit in die Sphäre des Absoluten oder richtiger als Beginn der Auseinandersetzung zwischen Metageschichte und Geschichte, worin gerade das Wesen der jüdischen Nationalgeschichte liegt. Damit aber gewinnt die währende Galuth einen ganz neuen Sinn. Das Nationalwunder wird durch die Nationalgeschichte abgelöst. In ihr soll sich die jahrhundertelange Erziehung durch das Nationalwunder bewähren. Die Nation, wurzelnd in der Welt des Absoluten, tritt in die Welt der Wirklichkeit hinaus. Die nationale Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit, eigentliches Thema des jüdischen Nationalstaats, wird in währender Galuth Thema der immer noch zerstreuten Nation. Zugleich aber haben die unglaublichen technischen Errungenschaften der neuen Zeit die räumliche Zerstreuung in ihrer Wirkung außerordentlich gemildert, die zerstreuten Glieder einander ungemein genährt und eine Weltorganisation überhaupt erst ermöglicht. Die Wirklichkeit hat nun erst die Gelegenheit, auf die ganze Nation einzudringen, sei es als „Aufklärung", als „Haskalah", als „Reform", sei es als „Wirtschaft", als „Weltantisemitismus" oder als — „Weltzionismus". Unsägliche Opfer hat der Einbruch der Wirklichkeit unserer Nation gekostet. Unsägliche Opfer kostet er ihr noch immer. Immer klarer aber tritt der Sinn der neuen Zeit hervor: immer deutlicher weist die einbrechende Wirklichkeit auf — Erez Israel.-- Wie die jüdische Nationalgeschichte die zeitliche Vermittlerin ist zwischen der Thora als dem Absoluten und dem in die Welt der Erscheinungen hineingestellten jüdischen Volk, sö Erez Israel die räumliche Vermittlerin. Die nämliche Vorsehung, die noch in währender Galuth die jüdische Nation aus ihrer früheren Geborgenheit den Einflüssen der Welt der Wirk- Jichkeit ausantwortete, hat auch dafür Sorge getragen, daß noch in währender Galuth die Kostbarste der Wirklichkeiten, auch Erez Israel nicht fehle. Um die drei Grundelemente der. jüdischen Nationalgeschichte, zugleich Grundelemeiite des jüdischen Staates, um Thora, V o l'k und Land, geht das Thema der neuen Zeit. — Nicht um „Wiederbelebung" der jüdischen Nation handelt es sich, wie der Zionismus vorgibt, vorgeben muß, weil er selber ganz und gar der Welt der wechselnden Erscheinungen angehört, in der freilich die jüdische Nation als solche in den vergangenen Jahrhunderten der Galuth nicht zu finden war. Wohl aber um ihre beginnende Rückkehr in die Welt der Erscheinungen, um ihre b ©- ginnende Wiedervereinigung mit dem köstlichsten Teil der Welt der Erscheinungen: Erez Israel. Nicht um die jüdischen Einzelnen, auch nicht um jüdische Landsmannschaften, sondern um die jüdische Nation als solche geht es heute, in der neuen Zeit; zum ersten Male seit dem Untergang unseres Staates. Ob die Thora auch weiterhin der sowohl Einzelleben wie Volksleben beherrschende absolute Wille G'ttes, die Nation auch weiterhin nicht als dienende Trägerin dieses absoluten G'tteswillenSi das Land auch weiterhin nichts als auserwählter Herrschaftsraum dieses absoluten G'tteswillens sei: auf die jüdische Nationalgeschichte bis zum Untergang des Staates muß man zurückgreifen, um diese Fragen, die das Angesicht der neuen Zeit bestimmen, wiederzufinden. — — — Der Agudismus in materiellem Sinne erschaut das Angesicht der neuen Zeit und entnimmt dieser Schau die Erkenntnis der spezifischen Gesamtheitsaufgabe der neuen Zeit. In ihren Dienst will er die Aguda stellen, für ihren Dienst die agudistischen Menschen erziehen. Der Beweis für die Richtigkeit seiner Schau ' ist weder auf dem Wege der Logik noch auf dem Wege der Mathematik oder der Physik zu erbringen. Es handelt sich um eine geschichtliche Schau. Der einzig mögliche Beweis liegt in den geschichtlichen Tatsachen der neuen Zeit selber, denen diese Schau einen sie zusammenfassenden Sinn gibt, aus dem sie die Aufgabe folgert. Widerlegt kann sie nur werden durch Aufdeckung eines anderen Sinnes, der den geschichtlichen Tatsachen in gleicher Weise gerecht wird, oder durch neue geschichtliche Erfahrung. .— Bereits der Agudismus im formellen Sinne enthält die Setzung der jüdischen Nation und die Anerkennung der Pflicht zu nationalgeschichtlicher Leistung. Der Agudismus im formellen Sinne enthält daher bereits den Ruf zu nationalgeschichtlicher Schau, aus der allein sich die Konkretisierung nationalgeschichtlicher Leistung ergeben kann. Nationalgeschichte: sie umfaßt immer Thora, Volk und Land in Einem. Weilt die Nation nicht mehr allein in der geschichtslosen Wundersphäre des Absoluten, so ist sie stets, das Absolute tragend, entweder im Land oder auf dem Wüstenweg zum Land. Die Wirklichkeit der Nation ist ihr Land. Der Einbruch der Wirklichkeit auf die Nation ist der Einbruch von Erez Israel auf die Nation. — So ist der Agudismus im materiellen Sinne die Rückkehr der jüdischen Nation in ihre Nattonalgeschichte, ihr bewußtes Beschreiten des gefahrvollen Weges aus der geschichtslosen Sphäre des Absoluten, das Absolute mit sich tragend, in die Geschichtswelt der Wirklichkeit, in das Geschichtsland des Absoluten; Erez Israel. — — — (Fortsetzung folgt.) Wochenkalender. Vom 17. — 24. Juli 1937 / Vom 9. — 16. Ab 5697 '»■p sjt l'Vw Samstag 17 9 TU pin 'v> w-arx Sonntag 18 10 m arm atu nvvn Montag 19 11 0 Dienstag Juli 20 3« 12 KD Mittwoch 21 13 30 Donnerstag 22 14 30 Freitag . 23 15 10 ivy nvnn Samstag 24 - 16 no •rem na» ]3x\rm )