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Der Israelit · 1937-07-15 · Heft 28 (15.7.1937) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 28 (15.7.1937)
Date
1937-07-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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15. Juli. 1937 Der I s r ,a e 1 i t Nr. 28 Seite 3 Dia Wende der engl. Palästina-Politik, {Fortsetzung von Seite 1.) folge eine fast voll ige Abdrossel u n g der jüdischen Einwanderung nach Palästina und die praktische Beseitigung der Balfour-Erklärung, deren Unausführbarkeit sich dann eben angesichts der angeblichen Unversöhrilichkeit der jüdischen und arabischen Ansprüche erwiesen haben würde. Es erscheint fast paradox, daß gerade diejenigen .Krcisje* die, jeder , jüdischen Emunp; alten Schlades;} batV jahrzehirrtelä^^ die.. T^hes'c ^rfoch-<. ten haben, das jüdische Volk könne „nicht mehr warten, bis der Eselreiter kommt" (Nordaüs zynischer Ausspruch auf dem ersten oder zweiten Zionistenkongreß), es müsse durch eine große p o 1 i t i s c h - m a t e r i e 11 e Kraftanstrengung, nicht mehr wie bisher durch sittliche Mittel die Geula, erzwungen werden, daß diese selben Kreise nun plötzlich das "fy nan tltittüTV1 DK auf ihre Fahne schreiben, und den autonomen „Judenstäat auf beiden Ufern des Jordans" oder den Kampf um Hyerosolyma irredenta zum nationalen Dogma des jüdischen Volkes erklären- Das orthodoxe Judentum sollte sich, geführt von s/einen, Thora-Weisen, zu einer solchen Desperado-Politik nicht hinreißen lassen. hie Fata-Morgana des Judenstaats lockt uns weder, noch schreckt sie uns. Dieser kleine Judenstaat könnte, wenn er wahrhaft-jüdisch wäre oder würde, im geschichtlichen Sinne, wenn urkräftiges, vom Thorageist : erfülltes Leben in ihm aufblühte, eine Keimzelle der „Geula" werden — aber wie die Dinge heute stehen, müßte man zufrieden sein, daß im Rahmen dieses Miniaturstaates das geschichtliche Judentum wenigstens eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte, der Sabbat und die jüdische Erziehung ein Nachtasyl fänden. Aber d e n n o c h — die Führer der jüdischen Parteien haben kein Recht, im Namen ihrer Parteidoktrinen den Hunderttausenden unglücklicher jüdischer Existenzen den Ausweg zu versperren, den — neben der unendlich vieLmal schwierigeren Ueberseeauswanderung — der vorgeschlagene jüdische Staat mit all seinen Mängeln doch nun einmäFbietet. Siedlungsraum für eine Million Juden zu haben, ist besser, als Raum für drei Millionen zu fordern. Die Politik ist noch immer die Kunst des Möglichen. Von der britischen Regierung darf und kann erwartet werden, daß sie eine grundsätzlich p o s i t i v e Einstellung, zu ihren Beschlüsse^, von jüdischer Seite — der Verhandlungspartner kann allerdings unmöglich die z i o n i s - tische Part eiof ganisati o n , sondern muß das j ü dische Volk als Ga n z e s * e i n — durch V e r h andlungsber e i t- Schaft hinsichtlich der Einzelheiten lohnen wird. . < :"; 1 (jl [<.f*i ■■]',: ■!N;! . . ~ Dabei. ,;Sc^eint:; uns. eine, erweiterte Grenze Ziehung '-H-^-jder'1 Negew als jüdisches Siedlung^-' gebiet, itihd^ die gesetzliche Sicherung des Wohn- und, s iEinwariderungsrechtes in , die britische Zone mit Jerusalem — die Hauptsache 2U sein. Gaß man auf arabischer Seite, wenn der erste Zorn verraucht ist, sich eines. Besseren besinnen und;die Gelegenheit zur. Schaffung des palästinensi!scji-# , Araberstaates «ch nicht ]; entgegen . lassen wird,, dafür . werden schon die, arabischen .Könige und der Emir Äbr Mullah sorgen';!. •'; ,/: ' -!-;';;'■ Was. zukünftige."Jahrzehnte freilich bringen' Verden,. wei4': verknäg e,st!zu erschauen? >j '. |; , Die; Tisöho beaw-Kiage hat an Aktualität ^chts, abjeri ^uch;: gar rii;chts für; unseingebüßt'!'' le oeiäehiNachbarstaaten Izchaks unä, , Jspb.- moels, die da auf dem Boden.. erstehen, der einst Vater Abraham, dann aber erneut seinem Enkel Ißroel geschenkt wurde, sie könnten wohl — wenn sittliche Reife und staatsmännische Besinnung auf beeiden Seiten das Szepter führten — ein Leben brüderlicher Hilfeleistung miteinander führen. . Aber das ist kein-t politisches, sondern ein s i 111 i c h - r e 1 i g i ö s e s Problem. Und solange^ das Golus Schechina währt, . sieht es; leider aus, als ob. auf - lange Zeiträumer hinaus noch immer der nationale Egoismus mit dem S c h w e r t als der ultima ratio der Politik der' Staaten das Gepräge geben sollte. Wird es also auch in Erez Isroel allein die englische Polizeiaufsicht sein müssen, die den jüdischen und den arabischen Staat verhindert, über einander herzufallen und ihre beiderseitige Irredenta mit Waffengewalt zurückzuerobern? Das ist eine bange Frage an das Schicksal, über die sich Lord Peel und seine Kollegen, ^denen für ihr Streben nach Gerechtigkeit Dank und Anerkennung gebührt, doch wahrscheinlich den Kopf nicht allzuviel zerbrochen haben. Aber ün s stiehlt sie sich ins Herz, wenn wir in der Tischo b'aw-Nacht' die Träne um das unerlöste Zion und — die unerlöste Menschheit weinen. Ob es bei den geschichtlichen Krisen, in deren Mittelpunkt das heilige Land gestellt ist, sich um Vorstadien der Geula handelt oder hur um neue Golus-Phasen, wir wissen es nicht und brauchen es nicht zu wissen. — 13'J?^K 'tlb nnnoan — wohl aber wissen wir, daß unser Denken und Handeln inmitten aller dieser Krisen unter der Losung zu stehen hat, die Jahrtausende hindurch der Leitstern unsrer Väter im Golus gewesen ist: nam minn nai.te na nwfi oVisr iriabi iti> mVaan Die Bedingungen zu schaffen für die möglichst - unverkürzte Verwirklichung des Thorageistes im öffentlichen und privaten Leben, ist die einzige politische Aufgabe des jüdischen Volkes. Daß zu diesen Bedingungen vor allem auch ein Mindestmaß von äußerem Frieden und wirtschaftlicher Existenzmöglichkeit gehört, liegt auf der Hand. (Zum gleichen Thema liegen noch andere Aeußerungen vor, die in nächster Nummer erscheinen, Red.). nun imvr* n»w na »pro Die Nationaltrauer des jüdischen Volkes über sein.; zerstörtes Heiligtum und den Verlust seiner staatlichen Selbständigkeit, das wehmutsvolle Gedenken an Israels einstige Größe und' Würde verbindet sich in den „Drei Wochen" dieses Jahres und ganz besonders am Fasttag . des ^Monats Aw bei jedem geschichtsbewußten jüdischen Menschen mit dem Nachsinnen über die Gestaltung und innere Berechtigung eines jüdischen* Staates, dessen Konturen sich, gerade ..jefatfe '. ,ait. .. unserem■'. :po&täschen. ■ Horizonte . abzeichnen. „Weshalb mußte das Land zu Grunde gehen? G'tt' spricht: Weil sie meine Thöra verlassen, die ich ihnen vorgelegt hatte, auf meine Stimme nicht gehört haben und ihr nicht gefolgt sind." (Jeremias 9, 11—12)i Soll auf heiligem Boden ein jüdisches Volksleben Bestand haben, darf es^ von vornherein nicht mit den gleichen Verfallserscheinungen behaftet sein. Nur eine nach den g'ttlichen Grundsätzen geformte jüdische Gemeinschaft kann und wird der geschichtlichen Aufgabe des Judentums ge- ' recht werden und Bestand haben. Aus dieser Erkenntnis heraus hat seit 16 Jahren der KEREN HAJISCHUW begonnen, ein Aufbauwerk auf religiöser Grundlage in Erez Israel zu schaffen. Diese dem Keren Hajischuw zu Grunde liegende Tendenz wird in der nächsten Zukunft noch an Bedeutung außerordentlich gewinnen. Der 9. Aw dieses Jahres soll jedem Juden Erez Israel als ein einzigartiges Mittel für religiöse Bewährung der jüdischen Gesamtheit und für wahrhaft jüdische Kulturentwicklung in Erinnerung bringen und ihn zu gesteigerter Mitarbeit an dem Aufbauwerk des KEREN HAJISCHUW anspornen, das im Dienste der einzigen Idee steht, die einem zukünftigen jüdischen Staate Dauer und Festigkeit zu bringen vermag! Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel in Deutschland Spenden für den Keren Hajischuw anläßlich des 9. und 10. Aw wolle man gefl. auf, eines der folgenden Konten überweisen:. Postscheckkonten „Keren Hajischuw": Frankfurtmain 13802 — Berlin 178611 — Nürnberg 28881 — München 26780. Bankkonten: Kreditverein für Handel und Gewerbe, Berlin C. 2 — J. A. Schwarzschild Söhne, Frankfurt a. M. Wpclienrundschau. Jüdischer w eltfasttag — Einigkeit in der Reichs Vertretung — Erkenntnisse in Amsterdam. Unter dem Platzregen der Kundgebungen, Resolutionen und Proteste, der auf uns niederprasselt, finden wir eine kleine bescheidene Notiz aus Warschau, die, aus dem Politischen herausgehoben* an dieser Stelle^ gewürdigt werden soll. Die Notiz lautet: jjj ü d,i s c'h e r' W' e; 1t f a s 11 a g am 29. August. Der polnische . Rabbinerverbahd hat vor einigen Wochen, grundsätzlich beschlossen, im- 'Hinblick auf die, andauernden Leiden in Osteuropa eittefi jüdischen Weltfästtag zu-proklamieren. Im Einvernehmen mit . den tRabbinerverbänden aller Länder . ist \der Weltfästtag für den 2 9. Aug u's t festge- setzt forden.":*!' . .j... j Ein Blick, in den jftalender belehrt uns, daß Sonntag, der 29. August; d err 2 2. E l ü:l u n d d e r erste S ^,1 ic h a u s t a g i s t.r Der Tag , ist wahrlich gut gejwählt für .ein^;;:Kundgebung: der .jüdischen Leiden in der -Welt. Es magiiKlügler; geben, :die einen solchen Fajsttag als eine jÄKti^ijjSungerstreik;' bespötteln. Der jüdische Taanis, zumal. er außer der Reihe von den obersten religiösen Stellen proklamiert wird, ist doch etwas anderes. Der Hungerstreiks bedarf das jüdische Volk zur Bekanntgabe seiner Lage nicht. Hunderttausende Juden in den Ostländern darben anhaltend, mit ihren Kindern. Man will sie raus haben und sie wollen raus. Aber die Pforten der Ei'nwanderungsländer diesseits und jenseits des Ozeans sind ihnen verschlossen., Ihre letzte; Hoffnung, Erez Israel, erhielt durch die neuesten Vorschläge einen, empfindlichen Schlag. In politischem Getriebe, in dem wir zumeist Objekt sind, vergessen wir oft das Nächstliegende: den Aufschrei zu Ihm, der die Geschicke der Welt und Israels lenkt. Die Warschauer Rabbinen erinnern uns an die altbewährte jüdische Waffe: das Gebet, in den Tagend die' „der Buße,' dem Gebete und der Wohltat" gewidmet sind. Wir wollen über dem' Protestgeschrei in der Welt diese einfache rabbinische Weisung nicht überhören. In der krisenbedrohten Reichs Vertretung ist eine Versöhnung eingetreten. Den Wünschen der Berliner Jüdischen Gemeinde ist man durch Eintritt von Vertretern neuer Organisationen; in den Rat der R. V. entgegengekommen. Das neuei, Abkommen besagt, daß die R. V. die Vertretung der Juden in Deutschland gegenüber den deutschen Behörden und den Hilfsorganisationen, des Auslandes sei und über die Verteilung aller ihr zufließenden Gelder zui bestimmen habe, Die R< V, betrachtet sich als die Spitzenorganisation für , die jüdische Wohlfahrtsarbeit in Deutschland. Nach 1 der neuen Arbeitsteilung gehört Errichtung und Aufrechterhältung von Schulen in das 'Arbeitsgebiet der Landesiverbände, die freilich im Einvernehmen mit der R. V.

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