Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 27 (8.7.1937)
- Date
- 1937-07-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr. 27 Der Israelit 8. Juli'1937 Holland. Berufsumschichtung in Holland. Rotterdam, 2. Juli. Auj Anregung von Dr. Nathan Birnbaum wurde vor zwei Jahren in Holland ein Komitee gegründet (Sitz in Rotterdam),. das die Möglichkeiten einer Be rufsumschichtung in Holland untersuchen soll. Nach etwa sechs Monaten veröffentlichte das Sekretariat einen Bericht, der sehr interessante Momente aufzeigen konnte. Es erwies sich nämlich, daß alle Reichskonsulente, Beratungsstellen usw. in dem Punkte einig gingen, daß in Holland gute Möglichkeiten da sind für Gärtner und dergl., die sich ansiedeln wollen. Im letzten Jahr« wurde nun beschlossen, vorerst damit anzufangen, daß in der Umgebung vom Haag, ein Internat eröffnet werden soll. Ein Teil der Jungens wird ausgebildet im bekannten Gärtnerland „Westland" bei Haag, während der andere Teil die Fachschulen im Haag besuchen wird. Im Anschluß an diese Schulausbildung ist eine mehrjährige Spezialisierung vorgesehen. Das Komitee, dessen Vorsitzender der bekannte Spezialist Dr. E 1 z a s , Chef des jüdischen Krankenhauses in Rotterdam, ist, stellt sich weiter die Aufgabe, den ausgebildeten Kräften den Eintritt ins Leben zu erleichtern, durch technische und finanzielle Hilfe. Wichtig ist auch, daß der Verpflegungssatz sehr niedrig'gestellt werden konnte. Es besteht die Möglichkeit, auch einige. Jungens und Mädels aus dem Auslande aufzunehmen im Haager Internat. Daß nur eine beschränkte Zahl von Ausländern aufgenommen werden kann, liegt daran, daß das Institut den holländischen Charakter beibehalten muß. Das Internat soll schon Ende September ds. Js. eröffnet werden. Das Sekretariat ist in Rotterdami Dr. N. Birnabum Stichting, 's-Gravendijkwal 157, » Tschechoslovakei. Anträge zur Minderheiten- und Staateülosenfrage auf dem Kongreß der Völkerbundligen, Prag, 1. Juli. Dem in Bratislava stattfindenden Internationalen Kongreß der Völkerbundsligen hat die österreichische Abordnung u. a. einen Antrag unterbreitet, in dem die Gründung einer ständigen Minderheitenkommission im Rahmen des Völkerbundes angeregt wird. In dem Antrag heißt es, daß die Lage der nationalen Minderheiten zu schweren Bedenken Anlaß geben könne, da sie die Gefahr der Unruhe mit sich bringe. Es wird vorgeschlagen, den Rat der Völkerbundsligen zu beauftragen, möglichst bald eine allgemeine Erhebung über die Lage der rassischen, sprachlichen und religiösen Minderheiten in Europa vorzunehmen und das Ergebnis der nächstjährigen Sitzung der Union mitzuteilen, In einem weiteren Antrag, wird verlangt, die Union möge dem Völkerbundsrat Vorschläge zur Unterstützung der Staatenlosen unterbreiten. Die tschechoslovakische Abordnung auf dem Kongreß der Völkerbundsligen besteht aus Vertretern der tseheehoslovakischen, deutschen, ungarischen und jüdischen Völkerbundligen, der Qhelcicky- Gesellschaft und der Brünner Friedensvereinigung Die jüdische Liga ist durch Dr. Emil Margulies vertreten. Zum ersten Mal sind die Völkerbund-Vereinigungen aller Nationalitäten der Tschechoslovakei in einer gemeinsamen Abordnung vereinigt. Prag, 1. Juli. Dem "in Bratislava tagenden Internationalen Kongreß der Völkerbundsligen hat die palästinensische Liga eine Denkschrift über die Lage der Juden in Polen und Rumänien überreicht. In dem Memorandum wird betont, daß die Sicherung des Friedens zwischen den Völkern Und Rassen durch internationalen Minderheitenschutz unter der Aegide der Organe des Völkerbundes einer der Grundsätze sei, auf denen nach dem Weltkrieg die moderne internationale Organisation aufgebaut wurde. Prag, 2. Juli- Die Minderheiten-Kommission des in Bratislava tagenden Internationalen Kongresses der Völkerbundsligen hat eine Resolution gefaßt, in der die Einführung des allgemeinen Minderheitenschutzes gefordert wird. Alle Staaten sollen veranlaßt werden, das Minderheitsschutzgesetz anzuerkennen, Minderheitenschutz auf Grund der Friedensverträge gilt in der Tschechoslovakei, Polen, Oesterreich, Ungarn, Rumänien und Bulgarien. Die baltischen Staaten haben freiwillig Minderheitenverpflichtungen auf sich genommen. Zu der von der britischen Völkerbundliga eingebrachten Resolution, in der gefordert wird, daß der Völkerbund Erhebungen über die Stellung der Minderheiten durchführen solle, stellte der tschechoslovakische Magyare Abg. Szüllö einen Abänderungsantrag, demzufolge an Stelle des Schutzes der sprachlichen, konfessionellen und rassenmäßigen Minderheiten ein Schutz der Minderheitsvölker treten sollte. Der Antragsteller' bezweckte damit, daß die Juden vom Minderheitenschutz ausgenommen werden. Sein Antrag wurde fast einmütig abgelehni. Dagegen wurde der ursprüngliche Resolutionsentwurf in der Weise abgeändert, daß die Erhebungen sich auf alle Staaten und keineswegs bloß auf diejenigen erstrecken sollen, die durch den internationalen Minderheitenschutz gebunden sind. An der Arbeit der Minderheitenkommission nahm u. a. auch der Vertreter der jüdischen Völkerbundliga in der tseheehoslovakischen Delegation,. Dr. Emil Margulies, teil. Auch im Plenum des Kongresses fand nach einem Referat des Präsidenten, Lord Dickinson, eine eingehende Aussprache über die Minderheitenprobleme statt. Der Redner setzte die Notwendigkeit einer genauen Ueberpriifung der rechtlichen und tatsächlichen Lage der europäischen Minderheiten auseinander und unterstützte den Antrag der österreichischen Delegation auf Schaffung einer ständigen Minderheitenkommission beim Völkerbund. In der Debatte wies der Sudetendeutsche Rutha darauf hin, daß es nur dann Frieden zwischen den Staaten geben könne, wenn diese auf gleichberechtigten Völkern aufgebaut sind. Die Behauptung, daß di'j Behandlung der Minderheiten ausschließlich eine innere Angelegenheit der einzelnen Staaten sei, lasse sich weder völkerrechtlich noch ethisch begründen. Der Anspruch der Minderheitengruppen auf internationalen Schutz sei ebenso berechtigt wie der An«- spruch der Staaten auf internationalen Schutz ihrer territorialen Unversehrtheit. Das Plenum nahm sodann die Entschließung der Minderheitenkommission, die die Ausdehnung des Minderheitenschutzes auf sämtliche Staaten fordert, sowie eine Anzahl weiterer Anträge zum Minderheitenproblem an. Polen. Berichte aus Polen, . W'a r s c h a u , 6. Juli. Das Kreisgericht in Czenstochau hat den 36jährigen Fleischergehilfen Bendrak, der in einem Streit mit einem Polen diesen erschossen hatte, was den unmittelbaren Anlaß zu den Ausschreitungen ergab, zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Der Angeklagte beteuerte vor Gericht, in Notwehr gehandelt zu haben, und mehrere Zeugen, von denen nur zwei Juden waren, bestätigten seine Angaben. Auch der polizeiliche Leumund des Angeklagten war günstig. Dieser Umstand rettete ihn vor der Todesstrafe, die der Staatsanwalt beantragt hatte. Die politischen Motive, die der Anklagevertreter geltend machte, wurden vom Gericht nicht anerkannt. ' . Ungefähr zur gleichen Zeit bestätigte das Berufungsgericht in Lodz das Urteil gegen den Polea Szaniawski, der wegen Ermordung der Lodzer jüdischen Einwohner Berkowitz und Zondel zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt worden ist. Weitere judenfeindliche Ausschreitungen fanden in L o m z a statt. Starke Polizeiabteilungen konnten die Ruhe wieder herstellen. Zwei Angreifer und vier Juden wurden verhaftet. Kleinere Unruhen ereigneten sich in Prezemysl, in Podhajce und im bekannten Badeorte Zakop a n e , wo einige Nationaldemokraten wegen verübter Bombenanschläge verhaftet wurden. In mehreren Orten wurden während der Markttage Terrorakte gegen jüdische Händler verübt. Die Ausschreitungen in Brest-Litowsk haben nachträglich noch ein weiteres Opfer gekostet. Der 20jährige Jacob Kalt mann mußte sich im Warschauer Krankenhaus infolge der in Brest erlittenen Verletzungen einer Amputation beider Beine unterziehen. Sein Zustand ist, nach dem Bericht der ITA., hoffnungslos. Der Teilungsplan in Palästina beschäftigt auch die polnische Presse sehr lebhaft. Insbesondere die Regierungspresse wendet sich gegen die Teilung Palästinas, unter Berufung auf Jab 0 - t i n s k y und betonend, daß ganz Palästina zu beiden Seiten des Jordans für die unbeschränkte jü* dische Einwanderung zur Verfügung stehen müsse. England, Jahresversammlung der Anglo Jewish Association. London, 5, Juli. Auf der in London abgehaltenen Jahresversammlung der Anglo Jewish Association ist Leonard G- Mbntefiore einstimmig zum Präsidenten der Vereinigung' wiedergewählt worden. Der 6& Jahresbericht der Anglo Jewish Association beleuchtet die Lage der Juden in' einer Reihe von Ländern. Er wurde nach Reden von Montefiore und Oberrabbiner Dr. J. H. Hertz zur Kenntnis genommen. Montefiore berichtete weiter über die Umgestaltung des Joint Foreign Committee, in dem die Association in Zukunft statt durch neun, nur noch durch drei Mitglieder Vertreten sein wird. Es sei bedauerlich, daß durch diese Reform Männer aus dem Committee ausscheiden müssen, die durch ihre Kenntnis der Dinge Wertvolles 1 für diese Körperschaft leisten konnten. Es werde die Pflicht der neuen Mitglieder sein, auch in Zukunft die Ansichten dieser Männer entsprechend zu berücksichtigen. Als Vertreter der Anglo Jewish Association im Joint Foreign Committee wurden neben dem Präsidenten Sir Philip Magnus und Leonard Stein gewählt. Amerika. Die Hilfsarbeii des Joint, — Europa-Reise des stellvertretenden Vorsitzenden. I New York, 30. Juni. Der stellvertretende Vorsitzende des American Jewish Joint Distribution Committee, Alexander Kahn, hat an Bord des Dampfers „Normandie" am 30. Juni die Ueberfahrt nach Europa angetreten, um dort umfassende Erhebungen über die soziale Lage der jüdischen Massen durchzuführen. Der soeben veröffentlichte Bericht des Joint Distribution Committee für 1936 gibt eine Schilderung der wachsenden jüdischen Not in Mittel- und Osteuropa. Im abgelaufenen Jahre hat der Joint in diesen Gebieten 2,185,135 Dollar ausgegeben. Personalien. Die Bestattung Leo Wreschners ^"ST* Amsterdam, 6. Juli. Ueber die Bestattung von Leo Wreschner geht uns von unserem Amsterdamer Berichterstatter noch folgender Bericht zu: Die Beteiligung an den Bestattungsfeierlichkeiten war so groß, wie man es; in Amsterdam nur selten gesehen hat. Neben den zahlreichen Freunden aus Deutschland, denen, die in Holland wohnen und denen, die als Trauergäste von auswärts gekommen waren, ließ es sich auch die Amsterdamer Gemeinde als solche nicht nehmen, in überaus reicher Zahl ihrem vielverehrten neuen Mitgliede das letzte Geleite ZU geben. In der Friedhofshalle sprach zuerst im Namen der Gemeinde Amsterdam Rabbine- Frank über den Verlust, . den die Amsterdamer wie auch die holländische Judenheit mit dem Heimgang dieses seltenen Mannes, der in kurzer Zeit zu einer Stütze der Amsterdamer Kehillo geworden war, erleidet. Es sprachen dann im -Namen der Familie die Neffen des Heimgegangenen, Rabbiner Jacobowitz aus Berlin und Rabbiner Ephr a j i m aus Kissingen herzliche Worte des Dankes. Nachhaltigen Eindruck machten dann die warmen und in der Form schönen Worte des Herrn Dr. Albert Sondheimer im Namen der Freunde und der Mitarbeiter Wreschners in den Jahren des Aufstieges der Firma. Unmittelbar nach der Bestattung sprach im Trauerhause Herr,Jacob Rosenheim, London, als persönlicher Freund und zugleich im Namen des G. A. der Agudas Jisroel. In tiefer Ergriffenheit hörte das große Auditorium den wunderbaren Nachruf an, der mit der diesem Redner eigenen Innigkeit und künstlerischen Abrundung ein Bild Leo Wreschners als Menschen, Philanthropen, gehämmerten und gelehrten Jehudi und exponierten sozialen Führer entwarf. Ein großes, reiches Leben hat nach g'ttlicheffl Ratschluß ein frühes Ende erreicht. In den Tränen Vieler um diesen Mann liegt zugleich der Trost für die Familie wie für Klall Jisroel, in dem sich Männer finden mögen, die Leo Wresohner nacheifern. rrasin Schweinfurt, 5. Juli. In tiefe Trauer versetzt wurde unsere Gemeinde und der ganze Bezirk durch den unerwarteten Heimgang der Frau Anna Köhler, der Gemahlin unseres verehrten Rabbiners Dr< M. Köhler, Am 19. Tammus hauchte diese edle Frau bei der treuen Erfüllung ihrer Mutterpflichten ihr junges Leben aus, Nach kauni siebenjähriger, überaus glücklicher Ehe schenkte sie einem dritten Kinde das Leben und, gab das ihre dafür. Mit ihr verlor der Gatte die treueste Lebensgefährtin, die dem Rabbinerhause Schönheit und Glanz verlieh, verloren die unmündigen Kinder die fürsorgendste Mutter, In tief er Erschütterung teilen weite Kreise den Schmerz der Familie. Die herzliche Anteilnahme katt ergreifend bei der Beerdigung im Beth-chajim zU Würzbürg zum Ausdruck, wobei die Herren Rabbiner Dr. Hannover, Würzbürg,, Dr. Münk, Burgp/ep' Dach und Lehrer Reiter, Gerc-tehoien, eirf treues Lebehsbiid der etilen' Heimgegangenen zeichneten. Mö'ge der Ällgütige den schwergeprüften Gatten Trost in den -höhen Pflichten seines heiligen Amtes finden lassen.' nraxan