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Der Israelit · 1937-07-08 · Heft 27 (8.7.1937) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 27 (8.7.1937)
Date
1937-07-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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8, Juli 1937 Der Israelit Nr. 27 Seite 7 Zur Eröffnung der Ludwig-Tietz-Lehrwerkstätte in Jagür. Berlin, 4. Juli. Anläßlich der, Eröffnung der Ludwig Tietz- L ehr w e r k s t ä t1 e in Jagur hat die Reichsvertretung der Juden in Deutschland (eine Festschrift herausgegeben, deren Aufsätze zum Teil dem Werke gewidmet sind, das durch die Eröffnung der. Lehranstalt heuen Auftrieb erfahren .hat, zum Teil dem Gedächtnis des. Mannes, dessen! Namen die Ausbildüngsstätte trägt. Arbeitsgemeinschaft für die Errichtung konservativer Schulen innerhalb der Jüdischen Gemeinde zu Berlin« B e r 1 i n , 3. Juli. Die Berliner Misrachi-Gruppe,. der Verein zur Erhaltung, des überlieferten Judentums und der Verein gesetzestreuer jüdischer Lehrer und Lehrerinnen Berlin reichten den'maßgebenden Behörden und dem Vorstande? der Berliner Jüdischen Gemeinde ein Memorandum ein, in dem* das Ziel der konservativen Schule erschöpfend erörtert wird. Ueber die praktische Durchführbarkeit der konservativen Schule wird u. a. gesagt: „Die Errichtung einer bloßen Privatschule mit" gemeindlicher Subvention widerspricht ^m. Rechi des konservativen Judentums auf Berücksichtigung" seiner- Gewissensfbrderurigen innerhalb der- Gemeinde. Eine Suhy;entioriss<?hule. wäre auch praktisch schwer durchführbar, da das konservative Judentum zwar von sich sagen kann, daß es stärkstes moralisches Gewicht, nicht aber, daß es finanzielle Kräfte in entsprechendem Verhältnis besitzt. Es bleibt also aus prinzipiellen .und technischen Gründen nur der Weg der konservativen Gemeindeschule. Wir glauben, daß es für die Gemeinde möglich sein müßte, diesen Weg zu gehen. Auf einer außerordentlich stark besuchten Massenkundgebung im März ds. Js. ist der. Wille der gesetzestreuen Elternschaft auf Errichtung konservativer Schulen deutlich zum Ausdruck gekommen. Vor wenigen Wochen ist von allen konservativen Kanzeln Berlins seitens der Rabbiner der Ruf nach der konservativen Schule laut gewordert. Wir hoffen,1 daß, der Vorstand der Berliner Jüdischen- Gemeinde sich diesem'Rufe nicht verschließen wird." <'■>' mehr sein kann, so verfallen sie der Auflösung. Eine ganze Reihe solcher Auflösungsbeschsüsse werden auch in Baden in Kürze, soweit es nicht bereits geschehen ist, gefaßt iwerden müssen. Die Bestände an Thoraröllen {leider meistens possul gewordener!), an Kultgegenständen usw. häufen sich in den Räumen des Oberrats. Neue Aufgaben drängen Vorübergehende Schließung des QesamJ-Archivs der Juden in Deutschland. ••■''"' B e r Iji ri, 1. Juli.: Der ITA. wird mitgeteilt: jTJas, Gesamtarchiv der Juden in Deutschland, B erlin. K 4, Oranienburgerstraße 28, bleibt wegen dringender . Ordriungsarbeiten in der Zeit vom 15..,Juli bis 15.: August d. J. geschlossen. Anfragen wolle man dem Archiv schriftlich zuleiten., Aus Baden. Mannh er m, i. Juli.' Die Schrumpfung der jüdischen Gemeinschaft macht in Baden nicht : wenigerstarke Fortschritte wie anderwärts. Immerhin ist die festgefügte. Organisation auch und erst recht in dieser Zeit eine Gewähr, daß die tragenden Pfeiler der Israelitischen Religionsgemeinschaft Badens nicht" zu rasch ins Wanken geraten. Aber man soll sich nicht Illusionen hingeben. Die Gremien zeigen keine- Stetigkeit mehr. Durch Abwanderung, Wegzug, und durch andere Gründe unterliegen die die eigentliche Arbeit tragenden Stellen der Unruhe häufigen Wechsels Und es sind oft nicht die Schlechtesten, die aus ihren Posten und wichtigen Stellungen ausscheiden, In diesem. .Zusammenhang., muß es mit großem Bedauern vermerkt werden, daß — wie Wir hören — der bisherige Vorsitzende des 0 b e r r a c s . Prof. Dr. Nathan S t e i n (Karlsruhe), in diesen"'.Tagen, -aus. gesundheitlichen . Gründen dem Oberratskollegiuni davon Kenntnis gegeben hat, daß er aus dem Oberrat auszuscheiden gedenke.. Wer die Arbeit kennt, die ffieser Yof sitzende des , badis'chen Oberrats in vielen und schweren Jahrep und Situationen geleistet hat, wird. Dankbarkeit und Anerkennung in hohem. Maße, aber eben auch tiefes Bedauern empfinden, weil Prof, Steins Ausscheiden einen großen Verlust für die Israelitische Religionsgemeinschaft Badens bedeutet. Es darf damit gerechnet'werden, daß die große Erfahrung dieser Persönlichkeit dem badischen und deutschen Judentum in den kommenden- Zeiten nicht entzogen bleibt;.; . Wie im zeaträlen Gremium^'so in den Gemeinden. Auch hier,1 in den Größgemeinden, kaum ersetzbare ' Lucken '.durch den Weggang wertvoller Menschen." Für führende Männer werden, langsam oder rascher, die Aufgaben in den kleiner werdenden, sich verengenden Gemeinden zu klein. Man ,j konstatiert es.scÜmei'zliäh. Aber, es» gibt" Menschen, die für die -größeren Aufgaben an'dem Ort, ah< dem sie zu leisten ".sind, gerade, recht sind. Die kleineren; Zentren müssen sich bescheiden. Die ganz kleinen ' ' Zentren, -.die K'jl e i n g e m e i n 4 en leben ihr Leben 2u Ende. Erreichen sie eine unterste Grenze viferer .Mitgliederzahl, so daß von Eigenleben keine,.-Rede Die Woche. Wien. Im Alter von 65 Jähren ist in Wien der bekannte Soziologe, Prof. Dr. Max Adler gestorben. Bis zum vergangenen Jahre, hielt Prof. Adler an der Wiener Universität Vorträge, die besonders von ausländischen Studenten stark besucht waren. Von seinen Werken hat insbesondere das 1924 erschienene Buch „Neue Menschen" starke Verbreitung gefunden, in dem Adler eine soziale Staatserziehung der Jugend zur Verantwortung für die ganze Gesellschaft im Sinne Piatos fordert. — Wiener Blätter melden, daß in Tobolsk der russische Ortsgeistliche und der Rabbiner F a i n g o 1 d „wegen Hochverrats und Spionage zugunsten der Imperialisten" verurteilt und sofort erschossen worden seien. Warschau. Der Staatsanwalt hat die Anklage gegen die vier Betarim, die beschuldigt waren, eine Demonstration vor der englischen Gesandtschaft in Warschau organisiert zu haben, aus Mangel an Beweisen fallen gelassen. Ferner wurde die Untersuchung gegen die des seinerzeitigen Ueberfalls auf das Warschauer Palästinaamt beschuldigten Betarim eingestellt. Budapest. Bei einem Besuch in der Grenzstadt Salgotarjan erklärte der ungarische Innenminister Dr. Joseph S z e 11 den ihn begrüßenden Vertretern der Jüdischen Gemeinde, er halte die Juden,für ein durchaus staatstreues Bevöl« kerungselement. — In der letzten Zeit sind mehrfach planmäßig vorbereitete Anschläge gegen das Gebäude des Gymnasiums der Pester Israelitischen Religionsgemeinde verübt worden. Die Täter, die von der Polizei erst' jetzt ermittelt werden konnten, gehören rechtsextremen Krei- . sen an. Warschau. Im Alter von 44 Jahren ist in Warschau Mattatiahü Schocham (Polakiewicz), der bedeutendste hebräische. Dichter Polens, gestorben. Schocham war Vorsitzender des hebräischen Schriftsteller-Vereins und stellvertretender Vcrsiizender des hebräischen Pen-Klubs in Polen. Seit 1934 war er auch Dozent für neuKebräische, Literatur an dem JüdaistiscKen Iii-" stitut in Warschau. Sofia. In der Nacht zum -2p. Juni sind in Varna gegen die . Synagoge und "ein jüdisches Haus """Bomben" geworfen worden, die jedoch keinen Schaden -anrichteten. Es ist dies bereits der vierte Bombenanschlag, der in den letzten Wochen gegen jüdische Häuser in der bulgarischen Stadt verübt wurde. Tel Awiw. Von der hebräischen Enzyklopädie ist soeben der sechste (Schluß-)Band erschienen. Er umfaßt die Buchstaben Pe bis Taw. Die Enzyklopädie enthält 12.000 Stichworte und 1000 Bilder und Karten. Buenos Aires. ,Der Präsident der Republik Argentinienhat vor kurzem anläßlich eines offiziellen Besuches in der Provinz E n t r e , R i o s auch;die Kol ö n i e n der I C A. Santa. Isabel und Palmar besichtigt. Dublin. Der bisherige , Abgeordnete des irländischen Dail, Robert Briscoe, ist trotz heftiger judenfeindlicher Propaganda, in seinem Wahlkreis wiedergewählt worden. Abg. Briscoe, ein Mitglied, der Regierungspartei, spielt seit vielen Jahren eine bedeutende Rolle in der irländischen Politik. Er ist mit Präsident de Valera eng befreundet und hat ihn auch auf seiner Amerikareise begleitet. Am jüdischen Gemeindeleben nimmt Abg. Briscoe aktiv teil. sich stärker in den Vordergrund. Die Abnahme der Lehrer . deren es oft für ganze Bezirke nur wenige mehr gibt, bedeutet, daß viele Gemeinden und Einzelne, die : da un,d dort noch wohnen, kaum' mehr richtig betreut Werden können, zumal viele" Lehrer durch Ueberalterung den Aufgaben dieser Zeit' nicht mehr,.gewachsen sein können. Da sind die Friedhöfe, idie? betriebt;»werden ^müssen, vor allem auch ah Orten, wo keine ,,Jehudim: mehr".^wohnen; Da sind.iWohlfährtiäufg^ben': zu'' Ibisten. Man wird sehen müssen; wie die nö'cn> ^vorhandenen rüstigen Kräfte, seien ^ep •£ehrW4• pd^i $ai£n, besoldete, oder ehrenamtliche, durch .geschickte; Verteilungda ,. eingesetzt; werden*; wo noch wichtige Arb.eit zu leisten ist. — Die Hauptaufgabe des jüdischen Lehrers, die Kinderunterweisung, ist freilich, soweit es die noch in Kleingemeinden vorhandenen. Kinder betrifft, durch die Gestaltung des jüdischen Schulwesens in Baden weitgehenden Veränderungen unterworfen worden. Wir. haben in Baden es erreichen können, daß die überwiegende Zahl aller jüdischen Kinder in die jüdischen Schulabteilungen eingeschult wurde. Die Schulabteilungen in Mannheim, Karlsruhe, Heidelberg,, Bruchsal, Pforzheim, Emmendingen und Freiburg genügen heute dem, was wir an jüdischen Schulzentren in Baden ^benötigen. Gewiß wäre eine jüdische Schulabteilung auch noch in anderen Städten erwünscht gewesen. Aber zwingende Gründe lassen dies heute um so mehr unmöglich erscheinen, als die Abnahme der Kinder in ländlichen Bezirken sehr groß ist. Bereits heute gehen in die vorhandenen jüdischen Schulklassen viele Kinder aus den Landorten. Teils fahren sie täglich zum Schulort, teils verbringen sie. die Woche vom.Montag bis-zum Freitag am Schulort, um wenigstens über Schabbos bei ihren Eltern sein zu können. Selbstverständlich erfuhren die jüdischen Schuiabteilüngen eine stärke Hebung und Belebung der jüdischen Fächer, und^ es bleibt nur zu wünschen, daß gerade Kinder, die aus dem Milieu gesetzestreüen Lebens kommen, in den Schulen, die sie nun besuchen, den Widerhall der häuslichen Jüdischkeit, und -— was oft sehr notwendig ist — eine tsarke und zusätzliche Belebung dessen erfahren, was ihnen oft zu Hause nur spärlich geboten wird. Daß natürlich in allen Schulabteilungen das Englische ab 5. Klasse (mit vier oder fünf Stunden wöchentlich) besonders gepflegt wird, bedarf keiner Begründung. In den Rahmen der : Jugenderziehung und -bildung gehört die gemeindeeigene 9. Klasse in Mannheim, die dort befindliche Anlernwerkstätte für Schreinerei und Schlosserei, und nun wohl auch bald die,. landwirtschaftliche Ausbildungsstättes in Sennfeld (bei Mosbach), die in diesen Tagen bezogen wird. Daß für 1 uns die Mannheimer Jeschiwa. nicht eine Einrichtung am Rande, sondern im Zentrum alles Jugendbildens steht, versteht sich von selbts. Es bleibt nur zu wünschen, ,daß hier wie dort die noch kommenden Jahre ein Höchstmaß, und eine Höchstentfaltung lebendigen jüdischen Lehrens und Lernens zeigen können. Denn alle, die geistig oder körperlich geschult werden, die am Boden oder am Buch arbeiten, sind festgelegt auf ein Lebensziel: sie ziehen in die Welt. Wer sie hier formt und bildet, trägt bei zur Bereicherung jüdischen Lebens in neuen und fernen Ländern. Damit ist, neben dem, was für die Bleibenden noch zu tun ist, auch in Baden den leitenden Persönlichkeiten und Gremien ihre Aufgabe gestellt. Unter ihrem Zeichen muß,: die künftige Arbeit geleistet werden, solange noch Jugendliche hier sind. Was dann fü^.die Nicht-mehr-jtmgen zu tun .noph übrig.M.eibt, darf füglich einer, späterent Berichterstattung überlassen werden. -■ i Schweiz. Aufdeckung des mittelalterlichen jüdischen Friedhofes in Basel. Ueberiührung der Gebeine nach dem jetzigen Friedhof' B a s e 1, 3. Juli. Eine überaus seltene Mizwah-Hahdlung fand am Montag, den 28. Juni in Basel auf -dem Areal des ehemaligen Zeughauses (künftiges Kollegiengebäude der Universität Basel) statt. Beim Niederreißen des Zeughauses war vor kurzem der alte jüdische Friedhof, der zur Zeit des Schwarzen Todes und der Judenverfolgung von 1349 ander Stelle des späteren Zeughauses bestanden hat, aufgedeckt worden. Auf ein an den Chef des Baudepartements, Herrn Re gierungsrat Dr. E b i, gerichtetes Ersuchen, zu gestatten, daß die jüdischen Gebeine gesammelt und auf einen anderen jüdischen Friedhof überführt werden, hat derselbe bereitwilligst und in zuvorkommender Weise die Genehmigung gegeben uiid zugleich 1 die Bauleitung beauftragt, alles zu tun, Was im Interesse der Erfüllung dieser religiösen> Pietätspflicht sich als notwendig erweisen sollte. Es waren bisher ca. 25 Skelette jüdischer Leichen — kenntlich an ihrer nach Misrach gerichteten Lage und den ausgestreckten Armen — aufgefunden. Unter Leitung des Präsidenten der Chewra Kadischa, Herrn Samuel Eisenmann, und in Anwesenheit der beiden Baseler Rabbiner, Herrn Dr. Weil von;der Jüdischen Gemeinde und Herrn, Rabbiner S c h ochet von der Israelitischen Religionsgesellschaft, sowie einiger Mitglieder der Chewra Kadischa sind diese Reste am Montag Nachmittag sachgemäß verpackt nach dem jüdischen Friedhof Basel überführt Worden, wohin demnächst noch weitere Knochenreste gelängen werden. Ii Soweit bis jetzt verlautet, soll dann am 1, Selichaustag eine würdige Bestattungsfeier in einem Ehrengräb veranstaltet-werden. , ■: ,> Interessant ist, daß ,man unter dem Schädel eines f jeden Begrabenen deutlich die Erez ' I sr o el - Erde, dieV in der langen Zwischenzeiteine ganz andere Färbung angenommen hatte, zu erkennen »vermochte.; ' .

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