Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 27 (8.7.1937)
- Date
- 1937-07-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450961-2450987--83103-2541093- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
|^^^^||P^^^^^^i^P^IH^^^R|^^P^^^^^^^|^S^^^^^^^^^^^^^^ 8, Juli 1937. Der Israelit :o,»>^-swi.---if'.; Nr. 27 Seite 5 Dem Gebot der Sabbat r. u h e kann man nur an e i he m Tage der Woche, am siebenten, genügen, das Hü t en des 'Sabbat obliegt uns Tag für Ta g, die ganze Wöche hindurch. Ein Propagandamonat Jür den Säbbat besägt nicht viel, da wir d a s g atlze J ä h f h i n d ü r c h den Sabbat propagieren müssen, ohne Unterlaß, ohne Ablenkung. Halächisch gesprochen: Ein Wächter, der ssinen Dienst unentgeltlich verrichtet, ein mw Qjtl' ist für den ihm anvertrauten Gegenstand nur im Falle einer krassen Pflichtverletzung nyws haftbar. Trotzdem: Drangen Wölfe in die seiner Hut anvertrauten Herde ein und zerrissen die Schafe, ist er zum Schadenersatz verpflichtet, da er die Pflicht gehabt hätte, die umliegenden Hirten zu alarmieren. Wie krampft sich aber unser Herz zusammen, wenn wir Augenzeugen dessen sind, wie Sabbat für Sabbat Wölfe in Menschengestalt in unsere Sabbatburg eindringen, sie entweihen und demolieren, ohne daß wir nur einen Finger rühren. Für alle unsere nationalen Güter haben wir Wächter angestellt, Verwalter, Beschützer, nur der Sabbat, das größte nationale Kleinod, ist wehr- und schutzlos den Zerstörern ausgesetzt. Wenn wir aber dazu schweigen, so haben wir in unseren eigenen Sabbatstuben nur die eine Seite des Sabbat erfaßt, des TDT' nicht aber des -Höff« Trip cf Iis und Tel Awiw! In ersterer Stadt des dunklen Galuth jüdische Märtyrer, die unsägliche Leiden für den Sabbat auf sich nehmen, und in der großen jüdischen Stadt im jüdischen Nationalheim Juden, die freiwillig und leichtfertig ohne Not und Zwang den Sabbat von sich werfen! Welcher Kontrast: 150 Synagogen etwa gibt es in, Ter Awiw, die am Sabbat vollgefüllt von Betenden sind, die mit Begeisterung singen und sagen flhjfr'^iaW 'jri'DVön Ifttttf* ..es freuen sich Deines Reiches die Hüter des Sabbat", und auf der anderen Seite: 300 Straßen in der Stadt, von denen keine einzige frei von Sabbatentweihern ist! Woher dieser krasse Gegensatz zwischen Synagoge und Straße? Doch wohl nur dadurch, daß die Sabbat entweih er mit ganzem und vollem Herzen bei ihrem geistigen Vernichtungswerke sind und für dieses sogar werben, während die Sabbathaltenden sich gleichgültig mit ihrem Sabbat hinter ihre vier Wände verkrie-- chen, ihn wohl halten, aber nicht hüten. Eine traurige Zurückhaltung, eine mf?27l wie das neue Wort heißt, die gewiß kein Zeichen der inneren K r a f t i s t Die Existenz eines rinip mat2?a -Vereins in der jüdischen Stadt Tel Awiw wäre auch dann ein trauriges Zeugnis, wenn er die nötige Zahl von Mitgliedern und Arbeitern aufwiese. Abei selbst* daran fehlt es leider! , Sabbat wird niiK Zeichen, Symbol, genannt, auch Te fallin sind ein rnK' ein Zeichen, darum verdrängt der Sabbat die Tefillin. Warum dem Sabbat der Vorzug, wenn doch Zeichen gegen Zeichen steht? Aber es gibt Zeichen und Zeichen, Die Tefillin sind ein Symbol, das Hirn und Herz in den Dienst G'ttes spannt, der Sabbat ist aber selbst Hirn und Herz, Hirn und Herz des Judentums. Unsere ganze Gedanken- und Gefühlswelt kreist um den Sabbat, er ist die „Quelle alles Segens". Ohne Sabbat auch keine Originalität des jüdischen Gehirns und des jüdischen Herzens, des jüdischen Gedankengutes und der jüdischen Gemütswerte. Einmal erklärten wir (Misrachä) den Kampf gegen die Sabbatentweiher, auf dem Luzerner Kongreß, mit einem Redeboykott. Wir schwiegen. Tagelang kam kein Wort über unsere Lippen. Dann aber, des Schweigens müde, fingen wir mählich wieder zu reden an. Leider griffen wir nach dem Kongreß wieder zu der Luzerner Waffe, T-vir hüllten uns in Schweigen, in dem wir bereits seit anderthalb Jahren verharren. Sabbat für Sabbat sehen wir die Entweihungen und Verletzungen unseres Heiligtums und wir schweigen beharrlich und energisch, Unwillkürlich kommt uns die Tragödie jenes großen Märtyrers in den Sinn, der bei allen Martern schwieg, als aber die Henker an die Stelle der Tefillin kamen, gab er einen erschütternden Schrei von sich. Die Sabbatschänder gehen nicht gegen die Tefillin des Einzeljuden an, sondern gegen die Tefillin des Volkes, gegen den Sabbat. Aber jener Schrei bleibt aus, der Schrei aus der tiefsten Seele des thoratreuen Judentums, der die Welt von Pol zu Pol erschüttern und die Toten aus den Gräbern wecken müßte. \ Man hatte zum Propagandamonat für den Sabbat den A d a r gewählt. Der Adär hat;.n unserer Geschichte schon Aehnliches gesehen (siehe Talmud Rosch Haschanah 19, 1). Es war im Adar, als die Juden geschlossen gegen einen römischen Befehl, den Sabbat zu entweihen, Klage und Protest erhoben. Damals richtete sich der Protest gegen die heidnische Welt, heute aber sind wir in der fürchterlichen Situation, unsere Stimme zu erheben und unser heiligstes Gut zu verteidigen gegen Brüder im eigenen Volke. Aber wie damals ist heute noch die Frage berechtigt Böl« ^>5ö WiTMl?HS* Warum sollen wir anders sein als alle Völker der Erde? Auch bei den Völkern der Erde gibt es religiöse und unreligiöse Menschen, aber wann hätten die Unreligiösen versucht, einen Druck auf die Religiösen auszuüben und ihre heiligsten Gefühle in so gröblicher Weise zu verletzen? Alle Völker der Erde kennen einen Ruhetag. Wir aber müssen Stellung nehmen gegen solche, denen nicht allein die Heiligung, sondern auch die Ruhe des siebenten Tajes abhanden ge-. kommen ist. In unseren Kreisen sei es aber gesagt: Nicht allein halten wollen wir den Sabbat, sondern ihn auch hüten, gegen die Anderen und für die Anderen. Oer Delegiertentag der Landesorganisation der A. J. in Deutschland, (Vorläufiger Bericht.) Vor der Kenessio Gedaulo ist es unabweisbar notwendig, daß die einzelnen Landesorganisationen zu einer Aussprache über die Probleme der Agudas "Jisroel und zu einer Stellungnahme zu den Fragen, die die K. G. beschäftigen werden, zusammentreten. Der Delegiertentag der Agudisten in Deutschland am Sonntag und Montag in Nürnberg hat, um mit einem Worte alles zu sagen, wertvolle Vorarbeit für die Kenessio Gedaulo geleistet. Gegensätze kamen zum Ausdruck, ohne Explosion; Meinungen wurden geäußert, ohne, wie der beliebte Ausdruck lautet, „aufeinanderzuplatzen"; Anregungen wurden gemacht, Anträge gestellt und Beschlüsse gefaßt, die gutes Material für Marienbad darstellen. Unter straffer und umsichtiger Leitung konnte alles zur Sprache kommen, was insbesondere die Agudas Jisroel in Deutschland im Zusammenhang mit Erez Israel bewegt und beschäftigt. Und die Gesamtarbeit der zwei Tage zeichnete sich durch eine wohltuende Sachlichkeit aus, die unter Vermeidung klingender Rhetorik nur das eine im Auge hatte: den in 25 Jahren zurückgelegten Weg ohne Enthusiasmus, aber auch ohne Selbstverkleinerung zu sehen und die große Linie für die Haltung der Delechen Zeiten vielleicht unabweisbare Notwendigkeit. Maimonides wird dennoch gleichfalls aus einer ir> seiner Zeit herrschenden Not heraus seine Meinung geäußert haben, Er war das geistige Oberhaupt der Juden seines Landes, aber er fristete sein Leben durch seine Heilkunst. In sefardischen Ländern war die Einrichtung gemeindeseitig bestallter Rabbiner noch bis über die Zeit der Austreibung hinaus nicht allgemein eingeführt. Darunter litt, obgleich das Rabbineramt aus reinem Idealismus ausgeübt wurde, doch so manches. Nur die, welche keine persönlichen Sorgen hatten, konnten sich um die religiösen Belange der Gemeinden bekümmern. Auch konnte sich gelegentlich durch dieses System dasselbe herausbilden, was einst die altrömischen Staats- Ehrenämter später so unterhöhlt hatte: Ein Verbleiben der wichtigsten Aemter in den Händen der Vermögenden. Denn -die Zeiten, in denen auch ein Rabbi Jochanan der Sandalenmacher und Rabbi Jizchak der Schmied dem Volke, auch den Begüterten den nötigen Respekt abgewinnen können, sind doch immer schnell verblüht, und der rauhe Wind des "gesellschaftlichen Ansehens" zerstörte schnell die geistige Blüte der zu der Menschheit aufgestiegenen köhne des Volkes. Die emporgekommene Volksmenge gehorcht bald nicht mehr den Königen im «eiche des Geistes. Ein großer Teil dessen, was dem: sefardischen Stamme später Unheil brachte, ist auf diese Dinge zurückzuführen. Briefkasten. T, »Eis". Vom Frankfurter Rabbinate wird uns auf "ire Frage mitgeteilt, daß beim. Genuß von Eis aus nicht unter Aufsicht stehenden Betrieben größte Vorgeht geboten sei. ' Kleines Feuilleton/ Jüdische Kunstausstellung in Wien* Erwin Singer, dessen künstlerisches Schaffen in Deutschland sehr bekannt ist (Jüd. Museum, Berlin, Jü.d, Gemeinde Sitzungssaal Stettin, Haggada des Kindes mit bewegl, Bildern) stellt ziitz&'ii in der Jüdischen Kulturstelle, Wien, eine Kollektion seiner Bilder aus, welche in kunstinteressierten Kreisen besondere Beachtung findet: nicht wegen der Sujets, die, soweit sie Landschaftliches betreffen, an der adriatischen Küste beheimatet sind, sondern ob der Schlichtheit und Wärme, mit der alles — Vegetation, Mensch, Tier, Architektonik — gestaltet ist. Erwin Singer hat trotz seiner Jugend schon ein reiches künstlerisches Werk hinter sich. Im jüdisch-seelischen Bereich ebenso zu Hause wie in den Themen der jüdischen Antike, konnte er seine starke Begabung an vielen Aufgaben beweisen. Daß er beispielsweise die Haggada illustrierte, biblische Themen und Rituales malte und daneben noch die Reize holländischer, französischer und". jugoslavischer Land" schaft darzustellen verstand, zeugt vom großen Umfang seiner Begabung. Die Ausstellung in der „Jüdischen Kunststelle", die seit einiger Zeit wertvolles Kunstgut beherbergt, zeigt Erwin Singer als strebenden und in diesem Streben: aüfsteigeÄäen Maler. Von der Schablone ebenso weit entfernt wje von einer Originalität, um jeden Preis gibt: er .sich wie er ist; als treuer, aber nicht sklavischer Diener der Natur, als erfahrener Techniker, als Beherrscher einer umfangreichen Palette, 07 R. 580 jüdische Zeitungen. In der vor kurzem erschienenen Mai-Nummer der „JIWO"-Blätter, der Monatsschrift des Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts, wird eine Aufstellung der jüdischen Zeitungen und Zeitschriften gegeben, die das Institut im Verlaufe der Jahre 1936 und 1937 erhalten hat. Es werden 580 verschiedene Zeitungen aus allen Teilen der Welt angeführt. Die Zeitungen sind in jiddischer, hebräischer, polnischer, englischer, deutscher, spanischer, französischer, portugiesischer, dänischer, holländischer, flämischer, tschechischer, serbischer, kroatischer, finnischer, russischer und rumänischer Sprache veröffentlicht. Hebräische Zeitungen erscheinen in Palästina, Lettland, Oesterreich, Polen, Rumänien, der Schweiz und in USA. Wochenkalender. Vöm 10. — 17. Juli 1937 / Vom 2. — 9. Ab 5697 Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag 10 2 '»y» sjn K3 11 3 33 12 4 A3 Juli 13 3R 5 Ii 14 6 r\i 15 7 13 16 8 T3 17', 9 m »yoa nwn yitn 'v onn