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Der Israelit · 1937-07-08 · Heft 27 (8.7.1937) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 27 (8.7.1937)
Date
1937-07-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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8. Juli 1937 . D er' 1 s r a e 1 i t Nx; 27. Seite 3; 25 JAHRE AGUDA. (Fortsetzung yön .Seite 1.) einwirken. " Vielleicht könnten/ auch von einet solchen Tagung Anregungen und Vorschläge ausgehen, die für die Kenessio Gedaulo selber recht wertvoll wären. — — Die Zielsetzung des Agudismus im f orm e ilen ■ Sirine'V'ist durch die bekannte Formel richtig umschrieben: Lösung tler Gesamtheitsaufgaben im Geiste der Thora. Für die von den Landesorganisatipnen zu entwickelnde Tätigkeit besagt freilich, diese Formel nichts. Es -versteht sich, daß die Landesorganisationen sich in den. Dienst der Gesamtheitsaufgabem zu stellen, darüber' hinaus-' aber flie Aufgaben ihres eigenen Landes zu erfassen und zu bearbeiten' haben. Es ist bereits darauf hingewiesen worden, daß. der wenig befriedigende Stand de** Landesorganisationen zum Teil auf den Mangel einer energischen zentralen Leitung der Aguda zurückzuführen ist. Es darf jedoch hierbei nicht verkannt werden, daß bei jeder größeren Organisation das Schwergewicht bei der Jugend liegt. Fast in allen für die Äguda in Betracht kommenden Ländern bestehen agudistische Jugendorganisationen. Sie bedürfen ganz besonderer Pflege seitens der obersten Leitung. Die Beziehungen der Jugendorganisationen zu den Landesorganisationen sind leider keineswegs überall die besten. Unverantwortlich ist es, wenn der Tatendrang der Jugend sich in Reibungen mit der Landesorganisation erschöpft. Es ist Sache der Zentrale, hier stets rechtzeitig einzugreifen und einen Ausgleich herbeizuführen. Unverantwortlich ist es aber auch, wenn die Jugend, etwa das Streben hat, ihre Organisation zu einer Art von Staat im Staat zu entwickeln. Die Jugendorganisation hat vor allen Dingen die Aufgabe, Agudisten zu erziehen. Ihre höchst natürliche Kritik an der Landesorganisation darf sie nicht dazu führen, sich selbst an die Stelle der Landesorganisation zu setzen. Aus ihr sollen, ausgebildet und erzogen durch sie, die Menschen hervorgehen, die die Landesorganisation, der Kritik der Jugend entsprechendr allmählich umgestalten sollen. Aus ihr sollen vor allen Dingen die künftigen Führer der Aguda erstehen. Sie hat sich auch namentlich vor der in jeder Organisation vorhandenen Gefahr der Veräußerlichung, der Verflachung, der Selbstgereqhtigkeit, der frühreifen Redegewandtheit, der; Freude am politischen Ziel fernzuhalten, und sie wird dies um so leichter tun können, -je weniger sie am Agudismus im formellen Sinne haften bleibt und je mehr sie zum Agudismus im materiellen Sinne vordringt, von dem weiterhin die Rede sein wird. —Die dritte Kenessio Gedaulo wird an der Frage -der Jugendorganisationen nicht vorbeigehen können. Ein zentrales Jugendamt, unmittelbar dem allweltlichen Waad Hapoel unterstehend, wird in Erwägung gezogen werden müssen, vorausgesetzt, daß es gelingt, dieses Amt wirklich zu aktivieren.' Die planmäßige Heranziehung des köstlichsten Teils unserer Jugend, der Jeschiwah-Jugend, wird ein aktives Jugendamt nicht außer acht lassen; Jugend ist kein Lebensberuf, sondern eine Lebenslage, eine Lebensstimmting. Poel zu sein, ist allerdings ein sogenannter Beruf. In Polen und' im Heiligen Lande besitzen wir "o a 1 im - Or g ani s a tion en. Die immer mebr zunehmende <j,Proletarisierung'' der Weltorthodoxie verleiht diesen Organisationen für *jle ganze agudistische Zukunft die höchste Bedeutung. Rein vom Standpunkt des formellen ^udismus kann man ihnen so wenig ■ gerecht erden, wie der Stellung des Heiligen Landes agudistischen System. Vom formellen Agudismus betrachtet, stellt das Heilige Land eine er vielen;vGesamtheitsaufgaben" dar. Das ist ^eht wenig; keineswegs. Aber es trifft nicht en Kern. Vom formellen Agudismus betrachtet, könnte man füglich fragen, ob eine Poalim- Organisation überhaupt Existenzberechtigung besitzt, wenigstens soweit sie mehr sein will, als eine — Arbeitsvermittlungszentrale. Und sie w i 11 mehr sein. Sie will ganz wesentlich mehr sein. Ganz wesentlich mehr auch, als eine Berufsorganisation/ Hiervon W#d noch die Rede sein. An dieser Stelle sei lediglich festgestellt, daß der Waad Hapoel als solcher sich bis jetzt recht wenig mit der Poalim-Qrganisation befaßt hat, daß auf der Tagung, des Zentralrats in Marienbad, im, Sommer des vergangenen- Jahres, wohl überhaupt zum ersten Male sich eine agudistische Versammlung mit dem Poalim-Problem auseinandersetzte, und daß diese Auseinandersetzung selber weniger das Problem als "Solches betraf, als vielmehr die Beziehung unserer Rpalim im Heiligen Lande zum Poel Hamisrachi und die Beziehung der polnischen Ppalim-Organisation zur polnischen Jugendorganisation. Es ist kein gutes Zeichen, daß letztere Beziehung überhaupt den Zentralrat beschäftigen müßte. Zwischen Jugendorganisation und Poalim-Organisation brauchten Reibungen überhaupt nicht zu bestehen. Die Jugendorganisation könnte und müßte eine ganz wesentliche Unterstützung der Poalim-Organisation bilden. Ein wirklich aktiver Waad Hapoel hätte es niemals dazu kommen lassen dürfen, daß Reibungen entstanden, die sich fast schon bis zu ideologischen Gegensätzen ausweiteten. Ich hoffe, daß die Poalim- Organisationen auf der dritten Kenessio Gedaulo so hinreichend und so wirksam vertreten sein werden, daß sie eine Klärung der Situation auf Grund wohl vorbereiteter Vorschläge selber herbeiführen werden. Auf der Tagung des Zentralrats in Marienbad waren sie sonderbarerweise überhaupt nicht vertreten; auch nicht von Polen.-- Es kann dieser Abschnitt, der vom Agudismus in formellem Sinne handelt, nicht abgeschlossen werden, ohne daß in Kürze auch noch von der agudistischen Finanzgebaru lvg gesprochen werde. Ihr wäre zunächst, im Rahmen des heute Möglichen, eine größere Publizität zu wünschen. Publizität ist immer noch, das beste Mittel zur Festigung des Vertrauens. Mögen die Ziffern vielleicht auch nicht sehr erhebend, sein, so ist gleich Wohl der Nachteil, der aus ihrer Verschweigung entsteht, der weitaus überwiegende. Des weiteren aber ist nirgends Zentralisierung so sehr erforderlich, als gerade auf dem Gebiete der Finanzgebarung. Das Fehlen einer wirklich handlungsfähigen und nach den Grundsätzen der Arbeitsteilung gegliederten obersten Leitung hat sich hier bitter und schmerzlich gerächt. Dies gilt vor allem für die Angelegenheiten, die das Heilige Land betreffen- „Ganze Landesorganisationeh sind von schwersten Krisen heimgesucht,, worden und mußten teuer erarbeitete Errungenschaften völlig schwinden ' ** «• ■ M ■ i';i nji.J' sehen, weil die Verwaltung nicht gesund, mit kaufmännisch gewissenhafter Technik" geführt war und schließlich Situationen heraufbe*; schwor, die den Beteiligten unerträgliche Schädigungen bracriten und das Vertrauen aufs schlimmste erschütterten. Eine immer wache Kontrolle eines aktiven Waad Hapoel hätte es niemals so weitkommen' lassen. Es ist geradezu eine organisatorische Lebensfrage, daß die dritte Kenessio Gedaulo Wandel schafft,. die Wiejäerholungsgefahr völlig ausmerzt und damit eine neue Basis für1 -die1 Zürückgewinnung des Vertrauens herstellt, wo immer es geschwunden oder geschwächt unentbejitrlich. Bei bestfem-Wollen/kann der Mangel »an Schulung Unheil stSfteiu-' Die Aguda hat, wie jede andere X^^ltprganisation,- teueres Lehrgeld/ gezahlt. Es ist "Zeit, Vdaß auch für sie endlich die Meister jähre beginnen; * Bei der Neuordnung der Dinge, die unterallen Umstände von der dritten Kenessio Ge-: daulo ausgehen^ muß,: wird man größten Wefrt darauf zu legen-haben, daß in keiner Landes*' Organisation die ganze Leitung und 'damit letz-! ten Endes auefc' die ganze Verantwortung nur in einer einzigen Hand liegen. Für den materiellen wie auch für den geistigen Stand der Organisation ist eine solche Erscheinung gleichermaßen untragbar. Es ist eine oft gemachte Erfahrung, daß gerade,befähigte, der Sache durchaus hingegebene Persönlichkeiten bitter darüber klagen, daß sie" Völlig allein ständen und keine1 geeigneten Mitarbeiter finden könnten, indes ringsherum, meist freilich in .gemessener Eni-' fernung, Stimmen laut werden, die von uneir-, träglicher Diktatur, von der Unmöglichkeit der Zusammenarbeit^ der Verdrängung oder Unterdrückung aufkommender Tälente reden. Ueberau, wo diese Erfahrung gemacht wird, liegt ein sicheres Symptom dafür, vor, daß die Organisation krank ist. Der Fehler liegt meist auf beiden Seiten. In; einer; gesunden Organisation darf der Einzelne niemals unentbehrlich sein, darf der Einzeihe sich weder unentbehrlich dünken noch auch unentbehrlich machen. Gerade wenn er ah wichtigster Stelle steht, wird seine oberste Sorge sein müssen, weder in sich selbst noch in 1. anderen die Vorstellung von seiner eigenen Unentbehrlichkeit aufkommen zu lassen. Der Einzelne muß sich sagen, daß es organisatorisch vorzuziehen ist, daß die Dinge weniger' gut, weniger vollkommen behandelt werden, als daß ihre Behandlung zur vermeint«- liehen oder wirklichen Unentbehrlichkeitdes Einzelnen führt. Zuweilen darf der Einzelne selbst vor einem zeitweiligen Rücktritt nicht zu? rückschrecken, wenn anders1 eine angemessene Verteilung der Kräfte und damit der Verantwortung nicht zu erzielen ist. Seit , das Volk der Thora den Verlust unseres Lehrers Mosche überdauern konnte, ist niemand mehr im Volke der Thora — unentbehrlich. — — ■ '(Fortsetzung folgt.)1 WoGhenrundschati. Religiös liberale Heeresschau in Holland — Zweierlei Berichte „Erklärungen". Der' Welt v e rb a n d d <a r .. r e 1 i g i ö s - 1 i b e - raien Juden hält seine, Heeresschau diesmal in Amsterdam, wohl zü^EhreBT'äer dort vor kurzem neu eröffneten religiös-liberalen Synagoge. Und gerade ,im. Zusammenhanget'nait jenem neugeschaffenen migi^^hberalen Stü^p^nI|P;in der führenden Geme^l ^Hollands wird d|& ' holländische Judenheit die Yersämmlupg in Amsterdam als eine starke Heraus f ör d e ruri g empfinden. Wir ersehen aus dem Vorbericht und aus dem Programm, daß alle bekannten religiös-liberalen Gröi ßeri aus London und Berlin anwesend sind. In der ITA. vom '29. Juniist wörtlich zu lesen: T,Im Anschluß» daran,, (an eine Vorstandssitzung) tritt das Komitee über die Frage der. Autorität im Religiösen unter dem Vorsitz von Rabbiner Dr. Max Diene^ mann, Offenbach, zusammen.1' Wenn hier nicht ein Druckfehler vorliegt,- so 1 könnte man dem Worte „tritt" die ganz richtige 'Deutung geben. Noch nib hat sich das Bestreben der Religiös-Liberalen,,-übe? alle Autorität im Religiösen takt- und pietätj los hin weg zus.c'hreifeh/ so deutlich' gezeig tV wie gerade mit jenem Einbruchin--diefeste, 'so wohlgehütete Burg des religiösen Lebens in Holland Ein Land von innerer religiöser Geschlossenheit, mit streng auf dem Thoraboden stehenden Oberrabbij nen und religiösen Funktionären, mit trefflich ausgebauten Gemeindeihstitutiönehrmit einem Kasch* ruthweseri, wie es [seinesgleichen, sucht, mit einem lRabbinerseminar und jüdischen Schulen, die ihrer Aufgabe, für Nachwuchs an. Führern und Geführten zu sorgen, vollkommen;, gerecht werden. . Und da wagt es ein Häuflein religiös-liberaler Männer aus; London und BerKn-*West, mit' Hilfe einiger' „Abseir;tigen'', in ^Holland %etbst,' "eine Bresche in diesej Festung., zu schlagen j und mit Orgel und Frauenchor eine "Taktlosigkeit einzuspielen, wie sie .in dieser Art1 .ohnel^äzeden^fall In der .Geschichte steht, Und nun tritt der Generalstab des Religiös-liberalen

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