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Der Israelit · 1937-07-01 · Heft 26 (1.7.1937) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 26 (1.7.1937)
Date
1937-07-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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1. Juli 1937 Der Israelit Nr. 26 Seite 9 E R E Z ISRAE Der städtische Haushalt von Jerusalem. — Ungerechte Verteilung. — Bevölkerungsbewegung. Jerusalem, 24. Juni. Der Haushaltsvoranschlag der Stadtgememde von Jerusalem für das Jahr 1937/38 sieht Einkünfte in Höhe von 106.861 und Ausgaben in Höhe von 93.522 Pfund vor. Den größten Teil ihrer Einnahmen, nämlich 42.000 Pfund, erwartet die Stadt von der achtprozentigen Grundbesitzsteuer. Der Regierungszuschuß, der im vergangenen Jähr 50.000 Pfund betrug, macht in diesem Jahr nur noch 18.000 Pfund aus, und auf 10,500 Pfund werden die zu erwartenden Einnahmen des städtischen Schlachthauses geschätzt. Als weitere Einnahmeposten sind eingesetzt 6000 Pfund aus Gebühren für Baugenehmigungen, 5000 Pfund Kraftwagensteuer und 2000 Pfund Getränkesteuer, Von den Ausgaben entfallen 25 Proz. auf Gehälter des städtischen Personals, 25.000 Pfund sind für Straßenbau- und -erhaltung, 10.000 Pfund für den sanitären Dienst und 15.000 Pfund für die Erhaltung und Verbesserung der Straßenbeleuchtung vorgesehen. Die Wasserversorgung wird Ausgaben ia Höhe von 71.738 Pfund erfordern, denen Einnahmen in Höhe von 59.413 Pfund gegenüberstehen werden. Das zu erwartende Defizit von 12.335 Pfund wird durch den Ueberschuß gedeckt werden, den das Department für -öffentliche Arbeiten bei der Belieferung der Stadt mit Wasser aus dem Reservoir von Ras el Ain erzielt hat. Obwohl die jüdische Bevölkerung von Jerusalem 90 Proz. der Gemeindesteuern tra'gen muß, hat die Stadtverwaltung soeben einen großen Auftrag auf öffentliche Arbeiten im Werte von 4000 Pfund zu 92 Proz. arabischen Firmen übertragen, während nur ein einziges jüdisches Bauunternehmen einen kleineren Auftrag erhalten hat. Außerdem hat die Stadtverwaltung der jüdischen Firma die Bedingung gestellt, daß sie zu 50 Proz. arabische Arbeiter beschäftigen müsse, während den arabischen Firmen die Beschäftigung jüdischer Arbeiter nicht zur Bedingung gemacht wurde. Während der ersten zwei Monate dieses Jahres haben die beiden Elektrizitätsgesellschaften (Ruthenberg-Ges'ellsöhaft und die. englische Gesellschaft in Jerusalem) 7.714.000 Kilpwatt Strom (gegenüber 7.587.000 im _ gleichen Zeitraum des Vorjahres geliefert. * * * Aus den soeben veröffentlichten Statistiken über die Bevölkerungsbewegung in Palästina im ersten Vierteljahr 1937 ist zu ersehen, daß die Zahl der jüdischen Geburten 2630 gegenüber 2878 in demselben Zeitraum des vorangegangenen Jahres betragen hat. Dagegen ist bei den Mohammedanern die Geburtenzahl von 12;240 im ersten Vierteljahr 1936 auf 13.018 im ersten Vierteljahr 1937 gestiegen. Auch bei den Christen war eine Erhöhung der Geburtenzahl von 1051. auf 1164 festzustellen. Auf je 1000 Einwohner sind in diesem Jahre bei den Juden 27,6 (im vergangenen Jahre; 32,0), bei den Mohammedanern 65,9 (63,3), bei den Christen 43,2 (39,7) Geburten entfallen. Die Zahl der Todesfälle betrug bei den Juden .8,6 (1936: 7,9), bei den Mohammedanern 22,5 (21,6), bei den Christen 13,9 (13,8) Promille. Der Geburtenüberschuß auf je 1000 Einwohnet* betrug im ersten Vierteljahr 1937 bei den Juden 19, bei den Mohammedanern 43,4 und bei den Christen 20,7. ' »Tel Awiw bleibt das Zentrum des Jischuw". Aus dem Jahresbericht j der Stadtverwaltung. Tel Awiw, 23. Juni. Die Stadtverwaltung von Tel Awiw hat soeben ihren Bericht für das Finanzjahr 1935/36 veröffentlicht. . " . In der Einleitung zu dem Bericht spricht der Bürgermeister von Tel. Awiw, Israel Rokeach, der Regierung die Anerkennung dafür aus, daß sie ln Erfüllung berechtigter Forderungen der Stadtverwaltung die Erlaubnis zum Bau des Hafens erteilt und einen Teil der Regierungsämter von Jaffa nach Tel Awiw verlegt haiT Andererseits erhebt der Bürgermeister gegen die Regierung den Vorwurf daß Sle ihre alte, die Bedeutung der jüdischen Stadt unterschätzende und dieser ihre Rechte vorenthaltene Politik fortsetze. „Dennoch" bleibt. Tel Awiw das Zentrum - des Jischuw und ist bereit, /seinen Platz in dem gegenwärtigen Kampf auszufüllen. Tel Awiw ist weit davon entfernt, zu* verzweifeln; es hegt die Zuversicht, alle Schwierigkeiten überwinden zu können." In dem Bericht der Gemeindeverwaltung wird festgestellt, daß die Einnahmen im letzten Finanzjahr 417.828 Pfund betragen haben, somit gegenüber den Einnahmen des Finanzjahres 1934/35, die 317.479 Pfund betrugen, um 31,6 Proz. gestiegen sind. Die städtischen Einkünfte haben sich in den letzten vier Jahren vervierfacht. Dagegen ist der Regierungszuschuß von 5,9 Proz. des städtischen Haushaltes i. J. 1934/35 auf 4,8 Proz. im letzten Finanzjahr gefallen. Die Ausgaben im Berichtsjahr betrugen 461.993 Pfund gegenüber 326.871 Pfund im vorangegangenen Jahr, Im Lauf der letzten vier Jahre haben sich die Ausgaben der Stadt verdreifacht. Unter den Einnahmequellen der Stadtverwaltung stehen an erster Stelle die allgemeinen Abgaben mit 165,317 Pfund oder 37,7 Proz. der Gesamteinnahmen; es folgen die Wasserabgaben mit 74.532 Pfund (17 Pr6z.), die Gebühren für Straßenpflege, sanitäre Einrichtungen usw. mit 51.420 Pfund (11,7 Proz.) und die Schulgelder mit 11.779 Pfund (2,7 Proz.). Die hauptsächlichsten Ausgabenkosten waren: Städtische Arbeiten — 106.759 Pfund (23,1 Proz.j; Erziehiungswesen — 89.840 Pfund (19,4 Proz.) und Gesundheitsdienst — 67.573. Pfund (14,6 Proz,), In der letzten Sitzung des Stadtrates gab Stadtverordneter Z b a r s k y bekannt, daß die Regierung nach den letzten Mitteilungen beabsichtige, das Budget der Stadt Tel Awiw um 100.000 Pfund zu kürzen. Durch eine solche Kürzung würden lebenswichtige Interessen der Stadt beeinträchtigt werden Bürgermeister Rokach erklärte, der Magistrat werde sich mit dieser Angelegenheit befassen. Allerlei aus Erez Israel. Jerusalem, 29. Juni. Wie aus Haifa berichtet wird, hat dort die Polizei die letzten Führer der arabischen Terrorbande „Die schwarze Hand" verhaftet, die sich darauf spezialisierte, wohlhabende Araber, die als Gegner der Extremisten bekannt waren, zu terrorisieren.. Man glaubt, daß die Bande nun für alle Zeiten unschädlich gemacht ist. Bei der Festnahme wurde ein flüchtender Araber getötet. Trotzdem scheint der kleine Terror noch nicht tot zu sein. So wurden die Telefonleitungen in der« Umgebung von, Hebron durchschnitten. Besondere Polizeipatrouiiren bewachen nun die Leitungen Tag und Nacht. In Jerusalem wurde der 55jährige Josef T r i g o d a , Angehöriger einer alteingesehenen sefardischen Familie, in seinem Geschäfte in der Altstadt von einem Araber durch Revolvers chüsse ernstlich verwundet. - All diese Vorkommnisse führten dazu, daß neu«: Sicherheitsvorkehrungen in der Jerusalemer Altstadt getroffen wurden. Die Betarim in Jerusalem haben einen eigenen Schutzdienst zur Bewachung der Westmauer organisiert. Zwei Häuser unmittelbar vor der Mauer dienen ihnen als Kaserne. Die Sehutztruppe hat die Genehmigung der Behörde bekommen und wird von einem jüdischen Komitee, dem führende Persönlichkeiten angehören, unterhalten. ' . Auf den Feldern der Kolonie Kfar Chassidim wurden jüdisohe Hilfspolizisten von einer Araberbande beschossen. Es gelang aber den Polizisten, die Banditen zu vertreiben. Nach arabischen Meldungen werden zur Zeit von der Behörde Untersuchungen angestellt, ob und inwieweit arabische Polizisten mit arabischen Geheimorganisationen in Verbindung 'stehen. , Zwei neue Regimenter sind ' aus Aegypten auf dem Wege nach Palästina. Diese neue Maßnahme wurde nach "dem. Attentat auf den Generalinspektor G. Spicer getroffen. Die letzten Terror-Akte in Jerusalem. Erklärung der Colonial Office. London, 25. Juni. Das Colonial Office hat der ITA. eine amtliche Darstellung über die vereinzelten Terrorakte übergeben, die sich am 22, und 23. Juni in Jerusalem ereignet haben. Durch diese Darstellung, so erklärt das Colonial Office, solle etwaigen aus anderer Quelle stammenden Berichten entgegengetreten werden. Der vom Colonial Office ausgegebene Bericht hat folgenden Wortlaut: „Am 22. Juni, 4.20 Uhr Nachmittag wurde beim Herodes-Tor in Jerusalem ein vom Toten Meer kommender jüdischer Lastkraftwagen von arabischen Schuljungen mit Steinen beworfen. Ein jüdischer Insasse wurde getroffen, aber nicht ernst verletzt. Am 22. Juni, etwa um 6 Uhr Nachmittag, wurde der jüdische Inhaber eines Ladens in der Altstadt von Jerusalem von einem Araber, der in sein Geschäft kam, in die Brust geschossen. Seine Verletzung ist nicht schwer. Frühmorgens am 23. Juni wurden zwei christliche arabische Maler auf dem Wege zu ihrer. Arbeitsstätte in der Ben Jehudastraße in Jerusalem von einem aus einer Seitengasse kommenden Juden beschossen. Von den sechs abgegebenen Schüssen träfen drei eines der Opfer in den Rücken. Der zweite Mann wurde einmal am Arm getroffen. Der Zustand der beiden Verletzten ist nicht ernst. Es herrscht keine merkliche Spannung als Folge dieser Zwischenfälle; es gibt auch keine Anzeichen dafür, daß sie auf einen vorbedachten Plan zur Störung des Friedens zurückgehen." Wirtschaft, Aufbau und Wachstum. Jerusalem, 29. Juni. In H a i fa ist unter Beteiligung von mehr als 120 Firmen die erste Industrie-Ausstellung eröffnet worden. Die Ausstellung dauert zwölf Tage. Laui den von der Regierung veröffentlichten Ziffern wurden im ersten Vierteljahr 1937 von Juden insgesamt '6 200 Dunam Boden zum Preise von 85.500 Pfund, d. h. durchschnittlich 13,8 Pfund pro Dunam, bei Arabern gekauft. Im Gebiet des Tel ^wiwer Hafens wurde eine Reihe neuer Arbeiten mit dem Zwecke der Erweiterung des Hafens in Angriff genommen. Unter anderem ist mit dem Bau von sechzehn neuen Hafenbooten begonnen worden, die demnächst dem regelmäßigen Verkehr übergeben werden sollen. In der Kolonie R a a n a n a wurde die E n t - sumpfung einer Bodenfläche von 25 Dunam in Angriff genommen. Die Arbeit steht unter der Leitung des Direktors der Tel Awiwer Gesundheitsabteilung. Fünfzig bis sechzig Arbeiter werdeneine Zeitlang mit dieser Arbeit beschäftigt sein, die einen Kostenaufwand von 4000 Pfund erfordert. Die im Auftrag der Exekutive der Jewish Agency durchgeführte Zählung der jüdischen Industrie- und Handelsunternehmungen Palästinas ist in Haifa bereits abgeschlossen worden. Es gibt dort 168 Industrieunternehmungen, in denen 3500 Arbeiter beschäftigt sind. Weitere 1350 Arbeiter sind in den 440 Werkstätten dieser "Stadt tätig. Die Zahl der Groß- und Kleinhandelsfirmen beträgt 930, die ihrer Angestellten 2770. Gegenwärtig sind .30 Beamten mit der Durchführung der Zählung in Tel Awiw beschäftigt. Diese dürfte Mitte Juli zum Abschluß gelangen. In Anwesenheit des stellvertretenden Distriktskommissars Foot und anderer offizieller Persönlichkeiten fand in Natania die Grundsteinlegung zu dem zweiten Haus des „Handelszentrums" statt, das dort errichtet wird. Das neue Haus wird nach dem Muster des ersten gebaut. Nach seiner Fertigstellung wird der Bauplan zur Hälfte verwirklicht sein. Gleichzeitig mit der Grundsteinlegung wurde das im ersten Haus des Handelszentrums untergebrachte Eden-Hotel, das größte Hotel des nördlichen Scharon, mit einem Bankett eröffnet. Der Sfadtbaukommission von Haifa wurde von dem Wiener Architekten Theodor Menkes ein Plan zur Errichtung eines neuen Typs von. Wohnhausblocks in dem Viertel Hadar Harcarm e 1 unterbreitet. Um einen freien Platz von ungefähr 14 Dunam sollen 28 Wohnhäuser angeordnet werden. Die 1933 gegründete Siedlung Kirjat Chaim an der Bucht von Haifa hat einen lebhaften Aufschwung genommen. Sie beherbergt bereits 1300 Familien mit rund 5000 Seelen. Schon jetzt besitzt die Siedlung eine Reihe von Gemeinschaftseinrichtungen, eine Konsumgenossenschaft mit sechs Läden, ein Volkshaus usw. Das Budget von Kirjat Chaim betrug 1936 12.000 Pfund. Ohne Regierungshilfe wurden 1800 m Straßen gebaut und 20.000 Bäume gepflanzt. Viele hunderttausend Pfund wurden in Kirjat Chaim investiert, davon 50.000 Pfund allein für Straßenbau. Dutzende Häuser stehen jetzt im Bau. Das Gesamtgebiet, das Kirjat Chaim zur Verfügung steht, umfaßt 3300 Dunam, Es können auf diesem Gebiet 5700 Familien angesiedelt werden, davon 2500 in Einfamilienhäusern, 2800 in Mehrfamilienhäusern und 400 in Kibbuzim.

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