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Der Israelit · 1937-07-01 · Heft 26 (1.7.1937) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 26 (1.7.1937)
Date
1937-07-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 26 D I s i i t 1. Juli 1937 „Heil denen," so schließt Rabbi Chajim Oset, „die, sei es durch Arbeitsbeschaffung oder durch Geldunterstützung, jenen beistehen, die dieses wichtige Thoragebot zu erfüllen sich anschicken. Es wird ihnen beschieden sein, die Erlösung .Israels und Erez Israels und den Aufbau von Zion und Jerusalem zu erleben ... Daß diese Appelle in allen gut jüdischen Kreisen ein Echo finden werden, war zu erwarten. Dennoch muß noch vielmehr geschehen, um den Keren Haschmitto zu einem wirksamen Instrument für die Heiligung des Landes im kommenden Jahre zu machen. Aus der Fülle der Kundgebungen greifen wir eine Bekanntmachung des Komitees für Keren Haschmitto in Rumänien heraus. Das Rundschreiben, von der Zentrale in M e d i a s erlassen, wendet sich an alle Rabbinen und Gemeindeführer in Rumänien, daß: sie, , getreu den Aufrufen von Oberrabbiner Duschinski in Jerusalem und von Rabbi Chajim Oser, der Schmitto- Aktion alle denkbare moralische und materielle. Hilfe angedeihen lassen möchten. Wir lesen in der Kundgebung wörtlich: „Irn Jahre 5698 wird das heilige Land einen J ahr essabbat halten,' wie( es ihn seit bald 2 00 0 Jahren nicht mehr gesehen hat. . ■■ Zur Durchführung dieses gewaltigen Planes zu Ehren G'ttes, Israels und Seines Landes bedarf es der Mithilfe aller Brüder in der Gola. Irrtiimlich. zu glauben, daß dieses Gebot nur das Land und seine Bewohner "angeht. Denn wenden auch die Grundbesitzer diese nicht zu ' leichte Prüfung bestehen,- so frage man sich doch aber.' Was sollen die Arbeiter in diesem Jahre anfangen* die doch» nur vdn ihrem Tagesverdienst, sozusagen von der Hand in den Mund leben?"'So entsteht für alle' Juden, ohne Unterschied der Pärteianschauung, die heilige Pflicht, mit Hand-und Herz sich dem Schmittofonds anzuschließen!" Man erfährt aus dem Rundschreiben, daß auf Veranlassung der Orthodoxen Ländeskanzlei für Sabbat xun 'Q ein Hilf s sab bat fü,r Schmitto proklamiert wurde, an dem alle Spendisn vor der offenen Tböra (diesem Fonds zuflössen. In anderen Länden* unct anderen Gemeinden war bekanntlich der Sabbat 'fl-ipna *in3 für diesen Zweck bestimmt. - Aus anderen Teilen Europas kommen ,^thriliche Berichte, die .darauf schließen lassen, ..!daß. die Zahl derer in der Welt, denen* an der r ü c k h al tlosen Dar chf ührun g di e 's<e sei ns c hn e i d.end e ri. Th o rag e s e t z,e s ' in E r e z Israel -gelegen ist unddie dabei mit wirken, wollen,«-weit größer ist, als man äuge nommen hat; > ' , Ist Schmitto ein Jahressabbat, sö gilt ääch. hier das Wort f1XT^//yiniÜTßi,0> Die R ü s t z e i t für diesen Sabbat hat begpnnen. Wir wollen mit dabei sein und uns unseren Anteil an diesem Jahressabbat, wie "ihn vielleicht Erez Israel im' Golus noch nicht erlebt hat, sichern! LEO WRESCHNER TXT Reiche Ernte hat der Tod in diesem Jubiläumsjahr der „Agudas Jisroel" unter denen gehalten, die ihre geistige und materielle Kraft dem großen Werke des Wiederaufbaus der Thora-Nation ein Leben lang gewidmet und an dieses heilige Werk ihre Erlösungssehnsucht für Klall Isroel 0 geknüpft hatten. Nach Nathan Birnbaum und Julius Hollander ist nun auch Leo Wreschne r — trotz kurzer Leidenszeit, darf man sagen, mitten aus rüstigem Schaffen :^fin die Ewigkeit abberufen Wörden, und,, dje. jüdische. Gemeinschaft hat in ihm eine Persönlichkeit von seltener Eigenart, von schwer zu ersetzender individueller Charakterprägung verlorenv •!. .- V.; . Das Geheimnis dieser Persönlichkeit lag in der wunderbaren Synthese eines — bis ins hohe Alter hinein gerade jugendlichen — 'hochgespannten Idealismus der Gesinnung und Weltbetrachtung mit äußerster Willensenergie, wirtschaftlichem Weitblick und praktischem Realismus, in der Kombination einer kindlichen Liebesfülle und Herzehs^üte mit der nüchternen Lebenserfahrung des Weltmannes. Einer Familie des deutschen Ostens entstammend, die " auf Generationen iJ rabbinischeT . Geistesfürsten zurückblicken könnte, der Sohn eines Vaters, in dessen Mund bis in sein zehntes Lebensjahrzehnt hjnein, das. ^<>rt „der, T^qra'. Tag und Nacht nicht ..verstummte, hain Leo: Wreschner die Liebe zu G?tt und seinem-ewigen Gesetze als kostbarstes Erbe aüs!'dem Vater- ' hause in den Kampf ums Daseip mit hihaüsgenommen, der ihm nicht leicht gemacht werden sollte. Jahre schweren Ringens um die knappste, mit Hunger und Entbehrung erkaufte Lebensexistenz waren die Jähre seiner. Jugend. Sie stählten ihn zum Manne?^ohne;' sein Herz hart zu machen; sie> gaben-ihm im Gegenteil für die kommenden Jahre des sozialen , Aufstieges rand des äußeren:. Glanzes jenes tiefe, mitfühlende' Verständnis . für /alle menschlibii-jüfjische $öt, das spezifisch, jüdische Brudergefühl für,;,alle; leidende Kreatur, aber -auchjene im. Westenleider iiicht alltägliche' tät mit. dem Talnj'f d QT^^Ic/Köm i (das ti.^fe Verstehen für den Sonder,bewirk der eigentlichen jüdischen Not, der Not 'dep T h o r a u h d ihr e'r 'Träger.;! ' ' Erwußte, was diese *Thora dem Einzelnen in seinem Lebenskampf, der Nation, in, ihrer Ger - schichte bedeutete; er wußte nicht minder — und hielt' es als höchste Errungenschaft aus jenen Zeiten des Kämpfens fest—, was jüdische T.efilla der jüdischen Seele.ist un,d die Inbrunst seines eigenen Betens im stillen Kämmerlein wie iri 'xlem Cho^ der'.'öffentlichen Geb,etVersammlung, ließ ihn qft genug ,in biiiet&n Worten über die Entseelung . klagen,. die das Gemeindegebet im Westen so manches Mal erfahren hat. Er war ein begeisterter Verehrer e c h tiß. tl Chasonus und -ein „scfiarfer* 'Kritiker aller kantoralen Mache.. Mit diesen seelischen Voraussetzungen tratder Fünfundzwanzig)ährige, aus dem Osten und Norden' kommend,, in die süddeutsche Geschäftswelt' 'ein, und in rascher Karriere stieg er vom kaum gekannten Agenten und Reisenden' d$r damals aufblühenden Frankfurter; Mdtallfirma Beer Sondheimer u. Co, zum Mitinhaber des Welthauses empor, durch Sachkenntnis, tatkräftige Entschlossenheit und gesunde geschäftliche Phantasie an der "Seite Louis Feist's y'XT» den er aufs tiefste. verehrte und, bewunderte, zum guten Teile der Initiator djeses.j Aufblühens. Weitäusgedehnte" Reisen führten" ihn über die halbe Weit und von überall ■ i . ' ■ tTL- 1! i j: * {■ . :i.. ■ ..;,;)ji ■_ 2 her brachte er nicht nur;, Güter , tund i kaufmännische^ Erfahrungen heim,i sondern immerneuen: Stöffj zur Vertiefung jenes zugleich-; et;^t | indisch eh -iunbf ec|ii philoso^nisclien / Interesses "aa' der berückenden Fülle tun^^c^önhei^, ß'ir\ teswel^ undo an deni besonderen Schicksal;des, G'ttes^olkes, das inmitten''dieser '■Welt5'dieiMär-> tyreraufgabe seines Geschichtsganges zu lösen hat. Der bohrende Verstand, des Weltreisenden, trieb ihn zu vielem Fragen, aber die Wärme/ seines!! religiös-jüdischen Gefühls^'sicherte --ihm die U^gebröchenheit und ^die L'Reinheit'V^eln^r,' EmunäP und seiner Thofatreue.! fff rr,,{ Ti/t-^-i «•.SWKff^T? A'Mii ••■ ■ ^UVfi-.'-rjiXiftjXMi^ -r.ii«. ^Mit Louis Feist zusammen traf auch Led ^reschner dem Kreise der. Männer bei, die .unter dem, Namen .des „Provisorischen •<3omitps,'i; vor mehr als 25 Jähren > das ' Wagnis! der, Gründr düii^ xjer 'ägudistisfcSfen Weltoj-gahisatioii unter^ riahme^. Mehx als fielen andren'.w^ifeurör'* Pieschen Mjtgliedern^| dieses Comites warei^ $inic< als (genauem!^Kenner des Ost en s. u nid' ..des Westens die'in der Sache 'liegenden:'Schwierig'' > keiten klar, lebte aber auch der Wille in ihm, diese" Schwierigkeiten in |eduldigex Arbeit zu .üb/erwinden und das binwi fl»3 V das keinen Osten und keinen Westen kennt, auf der go\. denen Grundlage des Thoragesetzes, aufzuerbatien. Viel, unendlich viel, hat „AguJas Jis. roel"' deni Heimgegangenerr zu danken, und auch er selbst wußte zu würdigen, welche Bereicherung der agüdistischö Gedanke seinem; eigenen Innenleben gebracht jxat. \ Bis zu seinem Tpiie hat Leo Wreschner der obersten Leitung der Agudas JisroeL angehört. Es war seine stille Hoffnung, an der „Kenessio Gedaulö"' teilnehmen und dort — erst recht nun nach dem ihn tief erschütternden Heimgangdes viel jüngeren Freundes Julius Hollander y^T seine 'Kraft und Erfahrung in den, Dienst des Agudo-Werkes stellen . zu. können.! 'C)ie Vorsehung hat es; anders gewollt. Leo W^schh'eTr V"ST — das darf Und muß 'ausgesprochen werden —^ ist'' jgeidti£ üttd/ söeliöch jung geblieben fast bis zum Letzten Atemzug. Nicht umsonst hat er, noch vor zwei Jahren einem Freunde bekannt: ,,Wehn GHt^ mir die Frage stellte,;«.ob ich-s>mein Leben nxivt allem Schweren noch, einmal von vorne durchleben möchte — mit einem jubelnden;.„ J a " würde ich antworten!" So hat der ewig Jugendliche die Kraft besessen, sein zerstörtes Heim noch inv.t vorgeschrittenen Lebensalter1 an der Seite einer ebenbürtigen Gefährtin wiedef aufzubauen, das mn 2~)S7m -y?^ zu er. füllen und in seinen Kindern, Söhnen und Töchtern, die Weiterentwicklung, die Erfüllung der eigenen Lebensideale in Zuversicht zu erhoffen. Sein Andenken wird lebendig bleiben in der Geschichte des jüdischen Volkes. ■ '" n^asjn Deutsches Reich. Der Oberrat der Israeliten Badens bekennt sich zur Reichsvertretung, Karlsruhe, 23, Juni. Der Vorsitzende des Oberrates der Israeliten Badens, Prof. Dr. Nathan Stein, hat am 23. Juni folgendes Schreiben an die Reichsvertretüng der Juden in Deutschland z. Hd. des Herrn- Präsidenten Dr. Leo Baeck gerichtet: ■ ' „Der Oberrat der Israeliten Badens hat heute üa! seiner Vollsitzung einmütig beschlossen, sich d'er1 Vertrauenskundgebung, die der Rat der Reichsver.tretung. in seiner Tagung vom 15. Juni d: J. dem Präsidenten der Reichs Vertretung, dem Präsidialausschuß, Herrn Dr. Otto Hirsch ün'd seinen Mitarbeitern ' ausgesprochen hat, anzuschließen.'* ' ';!1-, if.rr -.h-. ■ ' A i ir. >.l >;;^C^eS.*.'«f!%**va^»'? :^. ii;>-' Aijpibliche j,Hosti^nsc^ [|; ,..i9?3i> ÄfiitcL.h,, ■".:>^1.;y.:':, d k [ :'t Wien;;20. Juni. •tJnter der Behauptung, ein~jüdischer Gutsbesitzer habe Hostien als Schweinefutter verwendet, ist in den' österreichischen Provinzstädten Waidhof«11 und Mitteregg eine 'lebhafte judenfeindliche Pro" pag'anda entfaltet worden. In Wirklcihkeit hatte der jüdische Gutsbesitzer S c h w a r z in Mitteregg Abfälle, i dierih^m "ein 'Erzeuger °V.6n Hostien ' verkaufte, zu ^iktter?wecken yerwendet.; Als' 'in'' Zeiturigsartikelö unil;öffentlicheri' Versammlungen 'die^ei*3iybrfall a|*' jüdische' HeraüMqrderung' der chrisdichenj-Bevölk*" rüng' b^eichnef ' wurde; s* .V^dt4i"t^i6nf-',^tsbi?sitzer; . Schwjarz/an ,die I^irchenbeliörd^? Diese7 stellte"1 fesb daß es ^sich' iüm ^eirien erlaubten Verkauf' vvdh Ab'" .fällen gfe'Haiia4lt hät;- diid': daßc'keiäe>lei-3Vefletzunä;christliblier,; ¥&igiöVer; Vbrscliriffek1'r Vörli^ßU Der Gutst>esi|zer hat . gegen den Förster, der Uluv ange" fzergt| hatte"ühä' geged M^Zenmg^'Jdie ^den Vo* fall: zum' A^laE'':eiÜesr fu<lejbfemclliöhen »Fetdziiges nommen/shaBenJ eiiifeh'Prozeß we^en- Verleumdung 'ange^treij^tv ' :-. 1-i;;';rl!,f:; b- '"'*■'

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