Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 26 (1.7.1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr, 26 Der Israelit 1. Juli 1937 ateS Kein jüdisches Haus ohne die KEREN HATORAH Sammeldose! Bitte D Q s eTi b e i . dje r Z e n f r a'le' anfordern am bürg- 13, Heinrich Barthstraße 21 diese Probleme aufzugreifen, sie den rabbinischen Autoritäten nahe zu bringen, ihnen eine gewissenhafte Erörterung zu sichern, die Stimmen zum Reden zu bringen, die sehr wohl Beachtliches zu sagen hätten, gewissermaßen ein geistig-kulturelles Proportionalsystem in Durchführung zu setzen, das nicht einer zahlenmäßigen oder auch einer machtmäßigen oder auch einer einflußmäßigen Majorität die durchaus unerwünschte Möglichkeit gibt, eine geistigkulturelle Alleinherrschaft auszuüben, die Freiheit der Meinungsäußerung innerhalb der genau zu wahrenden Grenzen der Thoratreue zu unterdrücken und damit eine der wichtigsten Quellen agudistischer Bewegung zu verstopfen. Es muß der Agudismus selbst in seinem formellen Sinne," als Träger der Weltorganisation, überall der Stagnation, dem leidigen Anspruch des Gestern, auch morgen zu gelten, weil es heute noch gilt, entgegenzutreten, und es müssen innerhalb der Organisation gerade die differenzierten Geister, die nachdenklichen, die originalen, die einsameren die Ermunterung finden, den Platz nicht gänzlich dem freilich unentbehrlichen Durchschnitt zu überlassen. Nur so kann der Agudismus als Organisation den kommenden Dingen gebührend Rechnung tragen und damit dem Volk der Thora Gefahren fernhalten und Gefahren mildern, die überall die Zeit in sich "birgt. Nur so auch kann allmählich, was bei den agudistischen Mädchen und Frauen in gewissem Sinne bereits sichtbarlich angebahnt ist, auch bei der männlichen agudistischen Jugend, vor allem des Ostens, erstrebt werden: die Entwicklung eines agudistischen Menschentyps, der den Stempel einer zwar nach Ländern durchaus verschiedenen, dennoch aber erhebliche einheitliche Züge aufweisenden agudistischen Erziehung an sich trägt. Das stolze Vertrauen zur siegenden Macht der Thora, die in Selbstbewußtsein wurzelnde Furchtlosigkeit in der Auseinandersetzung, der mutige Offensivgeist anstelle des ängstlichen Defensivgeistes, vielleicht sogar, nach und nach, die Ueberzeugung von dem Aufeinander-Abgestelltsein der Thora und der Welt, beides Schöpfungen eines und desselben Schöpfers, die Ueberzeugung von der grundsätzlichen Thora-Gemäßheit der Welt, der grundsätzlichen Welt-Gemäßheit der Thora: all dies könnten füglich einige dieser einheitlichen Züge sein. Meine Reise hat mir des öfteren gezeigt, daß die innerhalb der Grenzen der Thoratreue vorhandenen, gewiß nicht wegzuleugnenden Gegensätze bei persönlichein Sich-treffen, bei persönlicher offener und ehrlicher Aussprache sich als weit weniger tief herausstellen,-als dies' aus der Entfernung, aus der durch den Raum bedingten Entfremdung der Fall zu sein scheint. Nur so kann schließlich der Keren Hathora allmählich seinem großen Ziele näherkommen. Er bedarf, bei Meidung des völligen Scheiterns, einer innerlich bewegten agudistischen Weltorganisation, und er muß sich selbst zu einem wichtigen, zu einem unentbehrlichen Exponenten dieser Bewegung machen. Letzten Endes ist doch die ganze jüdische Frage eine Erziehungsfrage, Die Thora selber ist ja ihrem innersten Wesen nach kein Lehrbuch irgend einer Wissenschaft, sondern G'ttes Erziehungs-Lehrbuch. Nicht nur einen finanziellen, sondern auch einen geistig-kulturellen Fonds hat der Keren Hathora zu schaffen. Aus G'ttes Erziehungs- Lehrbuch haben wir die nach Zeit und Menschen verschiedenen — Schulbücher bereitzustellen, um nur eine, freilich eine überaus wichtige, positive geistige Aufgabe zu nennen. — — (Fortsetzung folgt.) Wochenrundschau, Allerlei Werbungen — Der Mann, der sich „abseits" stellte — Erschreckende Zahlen in Ungarn. Schekel war der Name für die Münze der jüdischen Liebe, der jüdischen Zusammengehörigkeit und bedeutet etwas „Abgewogenes". Er mußte auch ein inneres Gewicht haben: durch die Freudigkeit, Ehrlichkeit, und Aufrichtigkeit, mit der der Schekel „ins heilige Haus" gebracht wurde, Wenn aber der Schekel heute als Bekenntnis zur zionistischen Weltanschauung und zur zionistischen Partei ebenfalls sein inneres Gewicht behalten will, so dürfen Werbungen um den Schekelbeitrag nicht mit Methoden vor sich gehen, die in einer Bayrischen Mitlelgemeinde angewandt wurden und worüber uns ein dortiger Freund mitteilt. Der Ortsschekelleiter, der zugleich Mitglied de& Kuratoriums der dortigen jüdischen höheren Schule ist, wollte, gestützt auf diese Personalunion, eine Schekelpropaganda in der Schule, die zum großen oder größten Teil von orthodoxen Kindern besucht wird, deren Eltern den Zionismus aus weltanschaulichen Gründen ablehnen, vornehmen. Er behauptete dabei, daß alle Schulen in Deutschland, einschließlich der S. R. Hirsch n Schule in Frankfurt a. M., die Schekel-Äktion genehmigt hätten; ferner, daß die einzelnen Länder im Maße der von ihnen aufgebrachten Schekalim mit mehr oder weniger Zertifikaten bedacht werden. Zuletzt behauptete der rührige Werber, daß in diesem Jahre die Gelder aus der Schekelaktion nicht der zionistischen Organisation, sondern der J e w i s h Agency zufließen. Was die erstere Behauptung betrifft, so muß nicht erst gesagt werden, daß sie, gelinde gesagt, auf einer irrigen Vermutung beruht. Weder in der S, R. Hirsch-Schule in Frankfurt noch 'in der jüdischen Realschule zu Leipzig wurde auch nur der Versuch gemacht, Schekelaktionen durchzuführen. Den weiteren Angaben des Herrn Ortsschekelleiters ging der Einsender auf den Grund und stellt uns ein vom Central Bureau for the Settlement of German Jews in London erhaltenes Schreiben vom 15. Juni zur Verfügung (gez. Dr. M. Rosenblüth), in dem es erstens u. a. heißt: „Grundlage der Verteilung der Zertifikate auf die einzelnen Länder bildet (nicht die Zahl der Schekalim) die Zahl der in jedem Lande in landwirtschaftlicher und handwerklicher Hachsehara ausgebildeten Personen, die als alijahreif zu betrachten sind." Ferner „kann keine Rede davon sein, daß die Schekalimbeiträge der Jewish Agency zufließen. Die Jewish Agency hat einzig den Keren Hajessod als Einnahmefonds. Der Schekel, der nach wie vor das Bekenntnis zur zionistischen Organisation dokumentiert, fließt der zionistischen Organisation zu und wird für die Äufrechterhaltung und den Ausbau ihrer organisatorischen und propagandistischen Arbeiten verwendet." Das ist deutlich und klar. Man sieht daraus, daiJ die Zentralstellen jede Tarnung ablehnen/ Um so mehr sollten sie darauf bedacht sein, daß auch die unteren und örtlichen Instanzen von der Vorspiegelung unzutreffender Tatsachen absehen. Pinchas und was dem folgt. Zum Wochenabschnitte. Wenn wir auch sonst den Grundsatz haben T« n-virn -mnwi Dipnnr daß in den Berichten der Thora ein chronologischer Zusammenhang nicht zu suchen ist, so wird es dem Schrifterklärer, dem Lehrer oder Leiter der Sabbatveranstaltungen nicht schwer fallen, auch in den bunten Text, unseres Wochenabschnittes, aller Wochenabschnitte, ein System hineinzutragen, den Faden zu gewinnen, an dem sich die einzelnen Ereignisse, wie die leuchtenden Perlen an einer Schnur, aneinanderreihen. Pinchas' Tat und Lohn, erneute Volkszählung, der Anspruch der Töchter Zelofchods, Moses' letzte Schau vom Berge Abarim, Josüas' Erwählung, Opfer- und Festesvorschriften, dies der Inhalt der Sidra. Von einem zentralen Punkte aus gesehen, bilden all diese Einzelheiten ein Gemeinsames, ein Einheitliches und Ganzes. Pinchas begeht in einer Stunde, da die berufenen Führer versagen, seine mutige, rettende Tat. Sie macht einer Katastrophe ein Ende, die Israel 24.000 Menschenopfer gekostet hat. Nunmehr muß eine erneute Volkszählung einsetzen. Es gleicht einem Hirten; sagt Midrasch, in dessen Herde die Wölfe eingedrungen sind. Nach Abwehr der Gefahr nimmt der Hirte eine .neue Zählung unter seiner Herde vor, um festzustellen, wie viele von den ihm anvertrauten Schützlingen verlorengegangen und wie viele ihm übrig geblieben sind. So spricht auch jetzt G'tt zu Moses und Eleasar, dem Sohne Arons des Priesters "Iii DK Machet eine Bestandaufnahme der Gemeinde Israels. Diese Zählung nach Geschlechtern war mit der Zuteilung des Bodens an die einzelnen Stämme verbunden. So ist es Zeit für die Töchter Zelofchods, an Moses, die Priester und die Fürsten mit ihrem Anspruch heranzutreten: „Unser Vater ist tot und Söhne sind keine da, folglich gehört da^ Vätererbe uns!" Mit der Entscheidung, die Moses auf g'ttliches Geheiß hier zugunsten der Bittstellerinnen trifft, hat er dem Volke die letzte Lehre geboten, die in den früheren nicht enthalten ist. Seine Aufgabe ist im Ganzen erfüllt.. So ist es denn Zeit, daß er den „Berg der Uebergänge" besteigt, um mit dem Seherauge Abschied zu nehmen von dem heiligen Boden, dem er das Volk vierzig Jahre lang entgegengeführt hat. , ■ Allein vor dem ersten Akte des Abschiednehmens will der Führer den Nachfolger sehen, in dessen Hand sein heiliges Gut gelegt wird, dem das Werk zur Vollendung übertragen wird. Josua wird erwählt und auf G'ttesgeheiß für sein hohes Amt geweiht. Aber nicht allein die Menschen, auch die Gesetze und die erhabenen Tage, zur Vertiefung in diese Gesetze bestimmt, sind es, die den Gedanken an G'tt und seine Lehre im Volke wach erhalten sollen. So schließt die Sidra mit kurzer Erwähnung der „beständigen Opfer", die als Kundgebung der Huldigung der gesamten Nation morgens und abends su G'tt emporsteigen, um dann auf Sakfeat, ^eijmoiyi'- und die Feste überzugehen. Was Moses auf Geheiß G'ttes gelehrt hat, bleibt ewig erhalten in der Opferfreude des Volkes, in seinen Sabbaten und Festtagen, angefangen mit dem Feste des Auszuges bis zum Feste der Freude. Ueberall grüßt uns die gütliche Ordnung in und aus den Dingen; aus dem Buche der Natur sowohl wie aus dem Buche de? Lehre. Kleines Feuilleton, Eine Bibel-Ausstellung. Vor kurzem eröffnete eine der ältesten Buchhandlungen in Holland, die Firma W. P, Stockum u, Zoon. Buitenhof 36, im Haag, eine B i h e 1-Au s ® t e VI u n S< deren «jüdischer Teil vom bekannten Antiquariat Louis Lamm, früher in Berlin seit vier Jahren in Amsterdam, stammt. Zum ersten Male werden hei dieser Gelegenheit ein Teil der Kostbarkeiten und Seltenheiten, die sich im Lamm'schVen Antiquariat befinden, der Oeffentlicjikeit /unterbreitet. Nur einige wenige 'dieser Raritäten seien hier, genannt. Unter den Handschriften bß' findet sich ein Fragment von einem hebräischen Pefltateuch, da© beiläufig, 1300 Jahre alt ist.' Es wurde in Ober-Aegypten gehenden, und zwar in «hier Gegend, in .der sich noch zu Trojans Zeiten eine ]ü' discfoe Soldaten-Absiedlung befand. Nur etwa 70" Jahre alt sind einige Pergamentblätter aus dem Tßnach, die charakteristische hebräische Schrift des 12- Jahrhunderts aufweisend.. Viel jünger als/diese Dinge ist das. herrlich auf 'Pergament (geschriebene, und f««" weis©', gemalte^ Thitlim, yeirlea-tiig't; von, il&m, „Kaysef'