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Der Israelit · 1937-07-01 · Heft 26 (1.7.1937) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 26 (1.7.1937)
Date
1937-07-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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^^i^ii^S^üs^ *T1&^&&7tPi, Juli 1937 Der Israelit Nr. 26 Seite 3 25 JAHRE AGUDA. (Fortsetzung von Seite 1.) spruch nimmt und jeder anderen historisch hinreichend legitimierten seelischen Haltung innerhalb der thoratreuen Judenheit die Gleichberechtigung abspricht. Auch dieser Grundzug unterscheidet die Agudisten von den übrigen thoratreuen Juden. Dein Agudismus schwebt das Bild der 12 Söhne Jakobs vor, ein jeder gesondert in Begabung, in Lebenslage, in Lebenshaltung, alle aber des individualisierenden väterlichen Segens sicher; Die Aguda verdankt ihren Erfolg unter anderem einer weitgehenden Anerkennung der Länderautonomie in ihren inneren Angelegenheiten. Diese Anerkennung muß aber ihre Grenze ini Agudismus selber finden. Die agudistische Volksorganisation ist nicht Selbst- 2weck, Aus der Erkenntnis der Gefahren, die der Thora und ihren Zwecken drohen, ist die Aguda entstanden. Selbst in formellem Sinne ist der Agudismus kein statischer, sondern ein dynamischer Faktor. Der Agudismus darf sich nicht damit begnügen, einfach das Bestehende unter allen Umständen zu konservieren, den Gefahren die Barriere der Organisation entgegenzustellen und sich dem Wahn hinzugeben, als ob auf diese Weise ihnen wirksam begegnet werden könne. Die Quelle dieser Gefahren liegt nicht zu geringstem Teil in objektiv wie subjektiv wirklich vorhandenen Problemen, die gebieterisch verlangen, wenigstens angegriffen, wenigstens allmählich irgend einer Lösung entgegengeführt zu werden. In der thoratreuen Judenheit ist ein gewisser Hang vorhanden, vor solchen Problemen, die natürlich landsmannschaftlich verschieden gelagert sind, die Augen zu verschließen, die Dinge an sich herankommen zu lassen und erst in zwölfter Stunde aktiv zu werden. Eine Organisation aber ist ohne grundsätzlichen Aktivismus nicht denkbar. Bei aller Anerkennung landsmannschaftlicher Autonomie muß der Agudismus als dynamischer Faktor in jedem Lande dafür Sorge tragen, daß aus der Landesorganisation selber heraus, also durchaus autonom, die im Lande vorhandene Problematik rechtzeitig erkannt, rechtzeitig erörtert, und rechtzeitig Wege der Lösung beschritten werden. Auf meiner Reise fand ich fast jedes Land der Probleme leider bis zum Bersten voll, Keineswegs aber hatte ich den Eindruck, daß ihnen gegenüber die Aguda überall oder selbst nur zumeist ihrer Pflicht als Organisation des Aktivismus Genüge getan habe. Für den Waad Hapoel wie für den Zentralrat liegen hier bedeutsamste Aufgaben vor. Aber auch von der 3. Kenessio Gedaulo könnten wirksame Anstöße ausgehen, zumal wenn rechtzeitig dafür Sorge getragen würde, daß die von den Ländern zu erstattenden Berichte ihre eigene Problematik in den Mittelpunkt stellen. Im verflossenen Zeitraum hat der Agudismus seinen aktivistischen Charakter vor allem in der Bewegung der Bnoth Agudath Jißr o e 1 bewährt, die wiederum mit der Beth Jaakob-Bewegung eng verknüpft ist. Hätte der Jubilar nichts anderes geleistet, als die Inaugurierung dieser beiden Bewegungen, die eines der brennendsten Probleme des Ostens betreffen, das nicht ohne Kühnheit angepackt Wurde, und dessen Behandlung allmählich geradezu zur Schaffung eines neu e n Frauentyps im Osten; führte, so hätte er \Y/6n Anlalj),; wenigstens für eines Augenblickes Weile Gräm und Sorge zu verscheuchen und einem frohen Lächeln dankbarer Genugtuung Kau rn zu geben.; Gerade in agudistischen Krei- Sen ist die; Kritik an; der agudistischen Leistung meist überstark entwickelt und besteht die seltsame Neigung, sie mit zionistischer Brille, zu prüfen. Was hat denn der Agudismus im Verhältnis zum Zionismus geleistet? Diese Frage schwebt keineswegs nur auf zionistispher Lippe, und sie holt sich aücbf bei Agudisten vielfach die Antwort unter einseitiger Zugrundelegung der politischen und wirtschaftlichen Erfolge des Zionismus im Heiligen- Lande. Mögen sie es alle. Freunde wie Gegner der Aguda, wissen und beherzigen; »Während der Zionismus .das Land aufzubauen versuchte, hat der Agudismus sich dem Aufbau des Volkes geweiht. Der vom Agudismus geschaffene neue Frauentyp ist wahrlich noch so viel wert, wie ein Dutzend Kolonien, und vielleicht werden künftige Generationen von Beth Jakob.noch sprechen, wenn sich längst der Zionismus in seiner G'ttesferne als Rauch und Schall erwiesen haben wird. Unvergeßlich sind mir die Eindrücke, die ich von der agudistischen Frauenbewegung in Lodz, in Krakau, in Bilitz, in Wien, in Preßburg erhielt. In ihr besitzt die Aguda ein schier unerschöpfliches Kräftereservoir, dem keine andere Organisation auch nur entfernt Aehnliches zur. Seite zu stellen hat. Noch haben die agudistischen Führer nicht gelernt, auf diesem Instrument richtig zu spielen. Werden sie erst einmal so weit sein, braucht man sich um die Zukunft der Aguda keine Sorge mehr zu machen. — Ein Analogon für den Frauentyp der Beth Jakob-Bewegung besteht bei der männlichen agudistischen Jugend nicht. Die erste Kenessio Gedaulo hat den Keren Hathora geschaffen. Die ihm zugrunde liegende Idee ist berückend schön. Es hat das jüdische Volk kein höheres Gut, als die ihm von G'tt anvertraute Thora. Auf ihr allein beruht seine Existenz und sein Recht zur Existenz. Was sind Volk und Land ohne Thora? Kann eine Organisation, die das jüdische Volk in Einheit zusammenfassen will, ein höheres Anliegen! haben, als die Erhaltung der Thorastätten, die Gründung neuer Thorastätten? Die Mehrung des Nationalkapitals an Thora ist das wirksamste Mittel zur Rettung der Nation. Kann in einer Zeit, die die Nation zum Aufbau des Landes aufruft, der Ruf zum Aufbau der Thora ungehört verhallen? Ist die Sorge für die Jeschiwöth wirklich nur ein Anliegen Privater? Ist nicht der Stand der Jeschiwöth, die Art ihrer Stützung, eine wahre Schmach der Nation, und ist nicht die Ehre der Thora die Ehre der Nation? Und so war es wohl der Grundgedanke des Keren Hathora, durch gemeinsame und dauernde Kraftanstrengung aller Glieder des jüdischen Volkes, denen die Thora noch zu Herzen spricht, einen nationalen Fonds zu schaffen, der die Thora aus ihrer schmachvollen Armut befreien und dem Chinuch der Thora in all seinen Verzweigungen Entfaltung und Blüte sichern sollte. Wäre das jüdische Volk gesund, so hätte dieser Fonds der! populärste aller Fonds, die Propaganda für ihn die leichteste und willkommenste aller nationalen Betätigungen sein müssen.'; Aber; das jüdische Volk ist nicht gesund. Für den Erwerb von Boden im Heiligen Lande, für seine Erschließung und Bewohnbarkeit werden relativ gewaltige Summen zur Verfügung gestellt. Wird aber wirklich einmal für kulturelle Zwecke groß gespendet, so ist nicht die Jeschiwah die Empfängerin, sondern die — Universität. Nirgends zeigt sich die vom Zionismus' ausgehende verhängnisvolle U m w e r t u n g d e r jüdischen Werte deutlicher, als auf den) Gebiete des Chinuch, als in der Beziehung gerade der potenten Teile des jüdischen .Volkes zur Thora. Die Jeschiwa, Hauptquelle der Lebenskraft und seelischen Gesundheit unseres Volkes, liegt durchaus außerhalb des zionisti^ sehen Interessengebiets. Sie ist wenig geeignet) die nationalistische Phantasie zu entzünden. Mit einer — Universität läßt sich dies viel leichter machen. Dem —• Amerikaner kann mau unschwer einreden, daß in unseren erleuchteten Tagen die Universität an Stelle der Jeschiwah getreten ist und zu treten' hat. Die Jeschiwah ist eine rein — religiöse Angelegenheit, also Parteisache, noch dazu , Sache einer im Dunkel wandelnden Partei. Die Universität aber ist Nationalsache. Und Amerika spendet gläubig, Ist nicht des Weiteren etwader Hafen von Tel Awiw für unsere nationale Zukunft bei weitem wichtiger, als die Erziehungsstätten der Thora? Mögen immerhin Tausende jüdischer Kinder im Heiligen Lande in trostloser Unwissenheit und Kulturlosigkeit groß werden. Der Hafen von Tel Awiw marschiert. Es ist eine Krankheit. Der Keren Hathora als solcher hat keinerlei Konkurrenz. Und dennoch fand er taube Ohren. Der Erfolg im Großen blieb ihm gänzlich versagt. Gewiß hat er im Verhältnis zu den ihm zur^ Verfügung stehenden Mitteln, namentlich im Osten, Erhebliches geleistet. Aber zu einer wirklichen Fondsbildung ist es niemals gekommen, und weder konnte er in hinreichendem Maße überall, wo die Notwendigkeit besteht, neue Thorastätten gründen, noch auch die bereits bestehenden, vor allem die Jeschiwah, aus ihrer steigenden Krisis befreien, wobei vom Heiligen Lande gar nicht gesprochen werden soll. Von einer Popularität des Keren Hathora ist wenig zu spüren. Wollte man die heute im jüdischen Volk noch vorhandene Liebe zur Thora an seiner Beziehung zum Keren Hathora, dem einzigen Fonds dieser Art, messen, so käme man zu einem geradezu , trostlosen Ergebnis. Ohne Zweifel besteht zwischen der Situation des Keren Hathora und dem allgemeinen Stand der agudistischen Weltorganisation ein genauer Zusammenhang. Es fehlt der starke Auftrieb, die Frische des Beginnens, die tiefere Teilnahme der Massen, ihre freudige Zustimmung, der lebendige Widerhall für Erfolg und Mißerfolg, es fehlt die Bewegung, die die Aktionen kräftigt, die Lauen an sich reißt, den Gegnern Achtung und Beachtung abnötigt. Der Keren Hathora ist eben ein Teilstück' der Aguda. Die Schwäche der organisierten Weltorthödoxie ist auch die seine. Darüber hinaus wird aber die dritte Kenessio Gedaulo, wenn von ihr wirklich die Rekonstruktion der Aguda ausgehen soll, nach rechtzeitiger und genauer Vorbereitung, Vorschläge zu erörtern und zu genehmigen haben, die etwaige Mängel im Aufbau des Keren Hathora abstellen und eine klare Zielsetzung und einen gewissenhaften Arbeitsplan für die Zeit bis, zur nächsten Kenessio Gedaulo enthalten müssen. / Die Sorge für die Thora; die dem Keren Hathora und seiner Verwaltung obliegt, darf sich schließlich keinesfalls auf die Aufbringung der erforderlichen Mittel beschränken. Die Vertretung des Keren Hathora im allweltlichen Waad Hapoel wird immer wieder darauf drängen müssen, daß die überaus schweren Probleme, die in der Gegenwart in allen Ländern der Diaspora gerade im Erziehungswesen, und zwar im weitesten Sinne des. Wortes, vorhanden sind und überall eine unmittelbare Gefahr für die Zukunft unseres Volkes bilden, vom Waad Hapoel nicht ignoriert, ihre Behandlung nicht unter der einigermaßen bequemen Berufung auf die Länderautonomie aus der agudistischen Interessensphäre ausgeschlossen,, die Leitung der einzelnen Landesorgänisätionen vielmehr vom Waad Hapoel immer wieder angehalten werde, % im aiRÜMPFHÄÜS METZOER im M *M$ß Herren w äse he, Trikotagen und. Bade Wäsche^ $j$rtuiiil|lSaccdr|fnziige Zainen-i u|a4; LU^-erkll^ldun ci SommerhöSen ih großer Auswahl außjWunsch Sto'Vera'ibialturig!; "; Frankfurt a.M. Hindenburgplatz 12 gegenüb. d. Hauptbahnhc

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