Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1937-06-24 · Heft 25 (24.6.1937) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 25 (24.6.1937)
Date
1937-06-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450961-2450985--83077-2541065
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

iJPB^^^^P^^^^^^^^P^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^P^P^^^^^^^^^^PS^^^^^^^^S^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^s^B 24, Juni 1937 -, ' . , _Der Israelit___*_ Nr. 25 Seite 9 E R E Z ISRAEL Wirtschaftliches aus Erez Jisroel. Tel Awiw, 16, Juni. Die Gesamtausfuhr Palästinas belief sich im Jahre 1936 auf Lst. 3,625.000 (im Vöfjähre Lst. 4,215.000). Pia Einfuhr erreichte die Höhe von Lst. 13,980.00G (iva (Vorjahr Lst. 17,853.000, so daß' der Saldo Lst. 10,355.000 ausmacht. Im Jahre 1935 betrug der Saldo 13,638.000, woraus mit Deutlichkeit hervorgeht, daß durch verschiedene neue Industriezweige eine geringere Abhängigkeit vom Auslande erreicht werden konnte. In, den vorhergehenden Jahren wurden noch vielfach Fertigfabrikate eingeführt. Die größere Leistungsfähigkeit der Wirtschaft des Landes bringt es mit sich, daß man jetzt vielfach nur noch die Rohstoffe importiert, um diese dann im Lande selbst zu Fertigprodukten zu verarbeiten. — Als „Kapitalisten" wanderten im Jahre 1936 3014 Personen ein, im vorherigen Jahr waren es 5500. In Anbetracht der Klagen, die., von der jungen Brauindustrie Palästinas seit einiger Zeit über die drückende Konkürrenz des zollfrei eingeführten syrischen Biers erhoben wurden, hat die Palästinaregierung beschlossen, vom 1. i Juli 1937 ab einen Einfuhrzoll von 10 Mill pro Liter für syrisches Bier zu erheben. Die vor zwei Jahren gegründete Palestine Roadand General ConstructionCo. Ltd, in Tel Awiw hat im Jahre 1936 einschließlich des Gewinnvortrags von 897 Pfund aus dem Jahre 1935 einen Reingewinn von 2682 Pfund erzielt, 1935 betrug der.: Gewinn 2222 Pfund. Im vergangenen Jahr konnte die Gesellschaft nur während vier Monaten arbeiten, da auch außerhalb der Regenzeit die Unruhen und ein zeitweiliger Mangel an Bausteinen und anderen Baumaterialien die Einstellung der Arbeit notwendig machten. Die Generalversammlung hat die Ausschüttung einer 6% prozentigen Dividende für Vorzugsaktien und einer 3% prozentigen Dividende für gewöhnliche Aktien beschlossen. 500 Pfund wurden dem Reservefonds zugeführt. Das eingezahlte Kapital ist im Berichtsjahr um 2107 Pfund auf 20:000 Pfund gestiegen. Das bewilligte Stammkapital beträgt 30.000 Pfund. Gegenwärtig führt die Gesellschaft den Bau von Straßen in der Achusa S-ir Herbert Samuel, in Hadar Harcarmel, Rechowot, Rischon le Z i o n und Petach T i k w a durch. Häuserbauten wurden 1936 in Jerusalem und in Haifa begonnen. Die Aussichten für das laufende Geschäftsjahr sind sehr günstig. Der Arbeiter-Darlehens- und .Sparkasse in Tel Awiw gehören jetzt 8079 Mitglieder an, d. h. 34,3 Proz. der gesamten Tel Awiwer Arbeiterschaft. Von den Mitgliedern sind 45 Proz. Bauarbeiter^ 33 Proz. Arbeiter anderer Berufszweige und 22 Proz, Beamte, Lehrer und Angehörige der freien Berufe. Das Grundkapital der Kasse beträgt 25.000 Pfund. Die Einlagen sind auf 78.000 Pfund angewachsen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat die Kasse Darlehen in der Gesamthöhe von 104.000 Pfund gewährt. , . . , Kleine Berichte aus Palästina. Jerusalem, 21; Juni. Amtlich wird bekanntgegeben,' daß 'der High Commissioner Sir Artur Wauchope sich dieser Tage nach London begibt und anfangs Juli wieder nach Palästina zurückkehrt. Man bringt diese kurze Reise mit der Veröffentlichung des Kommissionsberichtes in Zusammenhang. An der in Tel Awiw abgehaltenen Landeskonferenz des Angestellten-Verbandes haben 51 Delegierte aus dem ganzen Lande teilgenommen. Aus dem Berichte geht hervor, daß es zur Zeit über 10.000 jüdische Angestellte in Palästina gibt, von denen 60 Proz. in der Histadruth organisiert sind. Der Rat der palästinensischen Oberrabbinate hat in einer Sitzung in Tel Awiw beschlossen, an alle Gemeinden»einen Aufruf zu richten, Reformversuchen, egal welcher 'Art, in Gemeinden und Synagogen mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten. Die fällige Wahl der jüdischen Ge.meinderepräsentanz von Jerusalem soll mit Rücksicht auf die gegenwärtigen politischen Verhältnisse, die die Durchführung von Wahlen nicht angezeigt erscheinen . lassen, auf ein Jahr verschoben werden. Eine neue hebräische Zeitung, die unter dem Titel „Chadaschot" zweimal täglich erscheinen soll, wurde in Tel Awiw gegründet. Chefredakteur des Blattes ist der bekannte Publizist Benzion K a t z. Die „drei Wochen"-Aktion für Erez JisroeL Die Blüte des Fastens ist das Wohltun. IKfipm KTMäHtt K-ßK Unsere Führer richten an uns das Ersuchen, jeden Juden und jede Jüdin im Namen der Thora aufzufordern, ihren am 18. Tammus und 10. Aw an Speise und Trank ersparten Geldbetrag dem Keren Hajischuw zu weihen. Von Rechts wegen sollte jeder, der nicht seihst mit der Notdurft zu ringen hat, jeden Monat einen Beitrag leisten, aber wem das nicht möglich ist, der berechne, was er für sich und seine Familie an Speise und Trank für 2 Mahlzeiten verbraucht und weihe sein Fasten zur wahrhaft heiligen Tat, indem er im Sinne des talmudischen jKnpns KpMwn ruK diesen Beitrag für Zedokoh spendet. Der Beitrag soil am 19. Tammus, spätestens aber am 11. Aw auf das Postscheckkonto Nr. 53 900 der Palästina- Zentrale der Agudas Jisroel, Frankfurt a. M>, überwiesen werden. Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel Frankfurt a. M., Schwanenstr. 12. In einer Sitzung des Waad Leumi hat sein aus Europa zurückgekommener Vorsitzende Ben Z w i über die Lage berichtet. Die Einberufung der Assefat Haniwcharim wurde für den 5. Juli beschlossen. Heilige Reste. Man schreibt uns aus Jerusalem: Ganz unauffällig legt man mir in Schul eine Einladung hin zur Teilnahme an der feierlichen Genisah von rnm in einem eigens zu diesem Zweck errichteten Bau auf dem ta»fl»tr? *ht» unterzeichnet von dem amerikanischen Philantropen Harry F i s c h e 1. Ob Neugier oder Interesse, die Einladung war von mir schon angenommen, ehe ich sie recht zu Ende gelesen hatte. Und keiner, der dabei war, wird diese Erinnerung missen wollen. - Punkt 3 Uhr versammelte sich erlesenes Publikum in der von Fischel restlos finanzierten Jeschiwa und nach einer kurzen Ansprache von Raw Wilkanski begaben sich die Gäste in bereitstehenden Taxis mit Oberrabbiner Herzog zum Oelberg. Hoch oben im amerikanischen Feld, erhebt sich ein massiver Neubau, überstrahlt von herrlicher Nachmittagssonne, nach Westen ausgerichtet zur Kossei, nach Osten grüßend die blaurot umrandeten, fabelhaft schönen Berge Transjordaniens, mächtig unterkellert von einer Halle für 16 Gräber für den Erbauer und seine Familie, in der Nordecke mit einer 2 Meter tiefen Nische, der heute unser ganzes Interesse gilt. Zwei sefardische Poalim enfernten die Marmordecke, und vor diesem offenen Grabe entwickelte Oberrabbiner Herzog Grund und tiefsten Sinn der nroa rosn« Anschließend an einen Midf aseh dankte er dem Mann, der nicht nur den toten Buchstaben einen würdigen Platz an heiliger Stätte bereitet, sondern der gleichzeitig der a"n min ein Heim in Jeruscholajim geschaffen hat, in demThoralehrer sorgenfrei ihr ganzes Leben ausschließlich dem Limmud tauroh widmen können. Alsdann versenkten Rabbi Israel Ahron, Fischl und zwei greise Rabbonim in großer, irdener Urne drei Sifre Tauroh und in zwei neuen Säcken unbrauchbar gewordene Sifre kaudesch in der Nische, Chasan Bardaki sang ein herrliches Ifioa aPf' Raw Dov K u k führte mit feinen Taurohworten die Stimmung aus den Gebieten der Unendlichkeit wieder zurück auf unsere erd« gebundene Pflicht von limmud tauroh, und mit dem Minchohgebet schloß die einzigartige Feier. Der Stifter sagte selber das Kaddisch an der Stelle, an der er. einst den Goel zedek erwarten will und die Zeugen dieser Stunde^, überwältigt von den Eindrücken dieser Feier, fanden sich nur langsam zurück zum Alltag. Manches gute Taurohwprt der Teilnehmer klingt in unserem Herzen nach, angepaßt an Zeit und Ort, die Harmonie suchend in der Dreiheit von n*a trmpn 8n',»"n8'> ^K-ie?'- Am nächsten Morgen lese ich in der Tagespressa, daß aus Anlaß des Erew «nn psn großer Ansturm war am Raheigrabe und an der Kossei; von der Genisah wußte man leider in der Oeffentlichkeit nichts- Schade! Aschkenasi. Personalien. Geilenkirchen, 21. Juni. Am 1. Juli tritt unser seit 45 Jahren tätiger Lehrer und Kantor, Herr Gerson Frohmann, in den wohlverdienten Ruhestand und siedelt nach Frankfurt a.- M. über, um im Kreise seiner dort wohnhaften Geschwister seinen Lebensabend zu verbringen. Herr Frohmann tat drei Generationen hindurch die hiesige jüdische Jugend .geleitet. Er war der Jugend nicht nur ein Pidagoge, sondern auch ein guter Freund und Bester, In treuer Pflichterfüllung hat er in unserer Gemeinde gewirkt. Nur ungern sehen wir ihn scheiden. - Vermischtes, Berlin, ,15. Juni. Aus einem im „Deutschen Po.- hresbeamten" erschienenen Aufsatz des Majors der Schutzpolizei Daume vom Hauptamt , Ordnungspoliim Reichs- und Preußischen Ministerium des Ini^rn über die außerdienstlichen Pflichten des deutschen Beamten nach der einheitlichen Neuordnung °G»' Beamtengesetzgebung führt die „Frankfurter Leitung" ül a. die Richtlinien an, die für das Verhalten von Beamten zu Juden gelten. Der deutsche/ Beamte —• und das treffe für seine Angehörigen genau so zu — habe in seinem persönlichen Umgang mit" Juden (Volljuden) bestimmte Grenzen zu ziehen und •einzuhalten, um nicht gegen die nationalsozialistische Weltanschauung, gegen Grundforderungen . des nationalsozialistischen Staates und damit auch 'gegen die Beamtenpflichten zu verstoßen. Jeder persönliche Verkehr des Beamten mit einem Juden (Volljuden) sei demnach unzulässig, wenn er nicht ausschließlich in geschäftlichen Dingen (Jude als Hauswirt) stattfinde. Er müsse sich dann auf das unumgängliche Maß beschränken. Jeder sonstige Verkehr und persönliche Umgang eines Beamten mit einem Volljuden verstoße gegen die Pflichten eines Beamten im nationalsozialistischen Staat« und dies könne strafrechtliche Maßnahmen nach sich ziehen. Das gelte für Besuchsverkehr, gegenseitige Einladungen, Vermietung von Wohnungen und Zimmern, wie besonders in Kur- und Badeorten, für das Wohnen in jüdischen Pensionen und bei jüdischen Familien usw. Das treffe ferner für die nicht durch einen persönlichen Notstand gerechtfertigte Inanspruchnahme jüdischer Geschäfte und für die Heranziehung jüdischer Rechtsanwälte zu. Der Beamte habe die Pflicht — abgesehen von Notstandsfällen, wie sofortige Heranholung eines Arztes bei drohender Lebensgefahr — vorher festzustellen, ob das betreffende Geschäft oder der Arzt arisch seien. Gerade Beamte, die im fünften Jahre der nationalsozialistischen Erhebung noch irgendwelche Verbindungen mit Juden hätten, stellten sich in Gegensatz zur nationalistischen Weltanschauung und den Beamtenpflichten. Lasse das Verhalten des Beamten eine bewußte Mißachtung erkennen, so müsse er die Folgen tragen, die sich in Dienstentlassung zeigen könnten. Diese Forderungen erstreckten sich nicht nur auf die Familienangehörigen, sondern auch auf etwaige noch zur Hausgemeinschaft gehörende Personen^ wie Hausgehilfen. Jeder Beamte müsse Frau und Kinder mit allen Mitteln zu einem einwandfreien Verhalten bringen. Beim Verhalten gegenüber den jüdischen Mischlingen könne man eher vom persönlichen Taktgefühl des einzelnen Beamten ausgehen. Duisburg, 14. Juni. In einem Bericht des „Generalanzeigers" über die Genehmigung der Errichtung einer nur für Juden bestimmten Fremdenpension durch das Stadtverwaltungsgericht heißt es: Wenngleich die Bedürfnisfrage für einen derartigen Betrieb von dem Vertreter des öffentlichen Interesses verneint und auch die Zuverlässigkeit der Antragstellerin in Zweifel gezogen wurde, verschloß sich das Stadtverwaltungsgericht doch nicht der Tatsache, daß in anderen Gaststätten im allgemeinen Juden nicht erwünscht sind und man infolgedessen eine Unterbringungsmöglichkeit nicht ohne weiteres ablehnen könne. Der Antrag wurde daher genehmigt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.