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Der Israelit · 1937-06-24 · Heft 25 (24.6.1937) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 25 (24.6.1937)
Date
1937-06-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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24. Juni 1937» Nr. 25 Seite 7 thisierende Verfasser dürch das palästinensische Gesetzbuch in peinliche Verlegenheiten versetzt wird. Dies Deuteronomium, das nicht aus der Orthodoxie des: Exils sich herleitet, müßte doch „modern" sein und nur sozial und human, damit man siph nicht vor dem hichtjüdischen Professor zu schämen braucht. Aber leider, es erspart einem humanen und sozialen, so ganz modernen Geschichtsschreiber Enttäuschungen nicht. <> „Ist das 'Gesetz in allen religiösen Dingen ..modern", so hält es im Gebiet dr.eligaös« Indifferenten zäh an alten Bräuchen fest. Der Genuß de« Blutes %st verboten, denn „Blut ist Seele". Die Speiseverböte, ursprünglich .gewiß dem Abscheu tfegen bestimmte Tiere entstammend, werden erweitert und in ein System gebracht. Warum hur die Wiederkäuer mit Spaltbuf und die Fische mit Flossen und Schuppen erlaubt sind, wird gar nicht zu begründen v e r s u cht; es ist eben reine Folge der S y © t e m k o n s t r u k t i o n , die alle yerabscheuten' Tier.e nimfassen wollte. Das tBöcklein soll nicht in der Milch seiner Mutter gekocht werden; in wie 'gewaltigem Ausmaße dieses zunächst nur. für den,' bestimmten Fall bestehende Verbot (s. dagegen Gen. 18, 8) später von der Systembildung verwertet wur(de, ist bekannt." Dazu die geistvolle Anmerkung: „Das älteste und verbreitetste Verbot ist das des SchweineiSv das ja bis heute auch im ganzen islamischen Orient' Geltung -hat; Ihm liegen gewiß nicht, wie rationalistisch gedeutet worden ist, hygienische Erwägungen zugrunde^, sondern, ähnlich wie bei dem Abscheu der. 'Deutschen gegen Pferdefleisch, die uralte Verwendung des Schweines zum Opfertier, wie sie für' das älteste Aegypten noch bezeugt ist. Natürlich, was den p. p. Theologen von der liberalen Schule nicht bedeutungsvoll erscheint, ist auch für Auerbach „religiös indifferent", schreibt er doch für den religiösen Indifferentismus eine Rechtfertigungsschrift. Die Gründe der jüdischen Gesetze versteht er nicht anders denn all Jdiosynkrasien und Zufälligkeiten. Die Begründüng, die das Gesetz selbst gibt: „Denn ein heilig- Volk bist Du dem Ewigen, Deinem G'tte", hat er übersehn. Kein Wort ist ja so unmodern wie das vom heiligen Volk. : Der Deutschte ißt kein Pferdefleisch, — vermutlich, weil es nicht schmeckt, — der Araber verabscheut das Schwein -— wobei aus Versehn verheimlicht wird, daß Mohammed dieses Verbot dem Judentum entlehnt hatc— also sind die Deutsches Reich. Entlassungsfeier am Rabbiner-Seminar.; .; B e, r 1 i n, 15... Juni, . Am 13. Juni- (4,, Tanius) fand im Rabbiner-Seminar zu Berlin die traditionelle^ Jahrzeitsfeier von- R'. EsrieF Hildesheimer und' die danlltr verbun-: dene Entlassungsfeier der Absolventen. statt.;:Nach s dem Vortrag d^sri^Psalm; 16 durch; Oberkantor. J.osef Apfel entwarf Herr Dozent Dr., S. G^ijnberg; ein eindringliche^ Bild der markanten Persönlichkeit R. Esnel Hildes heim ef s. Tn der heutigen Zeit '< erweist sich die erhabene Gestalt R. Esriel: Hildesheimers als starkes Vorbild für den jungen gesetzestreuen Rabbiner. Im Anschluß an die biblische Tragödie vom Haderwasser gab Rektor Dir. Weinberg eine tiefgründige psychologische Analyse der Persönlichkeit Mosche Rabbenus. Sich an die Absolventen wendend, ermahnte.-er sie, sich einzugliedern in den Lebens- und' Lernprozeß der rabbinischen Generation. Am Schluß seines'großangelegten Vortrags übermittelte Rektor' Dr. Weinberg '• im Na-) men des Seminars dem langjährigen Dozenten Dr. J os^f Wphlgeniiiith herzliche Grüße, ZU seinem 70.' Gcburtstageündr verband damit de» aufrichtigen Wunsch um Wiedergenesung des verdienten jüdischen Gelehrten. Im Namen der Absolventen erit-, wickelte Rabb. Dr. Blaser seine. Auffassung vom Rabbinerherufe. Aufgabe, des Rabbiners ist die Festigung der Traditionstreue. Stand'orj; der Betrachtung bilden die Bezirke der •Hälachä. Seelsorgerisches £i.el ist es, den Menschen-r von heute durch die Thora Lebenskraft und Lebensmut zu vermitteln jüdischen Gesetze Produkte einer physischen Abscheuempfindung, religiös indifferent. Es erklären sich die Speiseverbote als Systemkonstruktionen." ' Muß nicht eben die „Systemkonstruktion," die Allgemeinheit des biblischen Gesetzes schon zeigen, daß hier etwas anderes vorliegt als das Produkt bloßer Abscheuempfindung? „Sage nicht, ich mag kein Schweinefleisch, sag', ich mag's wohl, aber mein Vater im Himmel hat's verboten." Aber Auerbach ist offenbar Anhänger der von Schopenhauer einmal, charakterisierten Logik: die Gans hat zwei Beine, Du hast zwei Beine, also bist Du eine Gans. Aus der Uebereinstimmung eines Merkmals will er auf die Gleichheit zweier Dinge schließen. Ein ernster Denker, der alle Merkmale ins Auge faßt, wird die unterschiedlichen Kennzeiphen nicht, übersehn und vor vorschnellen Verallgemeinerungen sich . hüten. Er wird das Prinzip der Heiligung als grundlegend für die jüdische Gesetzgebung erkennen und alle Speise-, Ehe- und Reinheitsgebote als Folgerungen dieses Prinzips. Wir empfehlen Auerbach, für eine besinnliche Stunde ein schönes Wort' von Goethe, das ihn von seiner „Systemkonstruktion" kurieren mag: ... wer Wirde leugnen, daß alle existierenden Dinge unter sich Verhältnisse haben!" Aber erlauben. Sie mir zu bemerken, daß diese Art, zu betrachten und aus den Betrachtungen zu folgern, für uns Menschen gefährlich ist. Wir sollten, dünkt mich, immer mehr beobachten, worin sich die Dinge, zu deren Erkenntnis wir gelangenmögen, voneinander unterscheiden, als wodurch sie einander gleichen. Das Unterscheiden ist schwerer, mühsamer als das Aehnlichfinden, und wenn man recht gut unterschieden hat, so vergleichen sich alsdann die Gegenstände von selbst. Fängt man damit an, die Sachen gleich oder ähnlich zu finden, so kommt man leicht in den Fall, seiner Hypothese oder seiner Vorstellungsart zulieb Bestimmungen zu übersehen, wodurch 1 sich die Dinge sehr voneinander unterscheiden." Nach einem eigens für diesen Zweck verfaßten E' mple rachamim für R. Esriel Hildesheimer, vorgetragen von Oberkantor Apfel, schloß die würdige Feier, der Vertreter des Rabbinats und der Gemeinde beiwohnten. K. K. £>er Etat der Breslauer' Gemeinde. B r e s 1 a u , 18. Juni. In der Gemeindevertretersitzung vom 16. Juni * wurde der Etat;der Synagogengemeinde für das Haushaltsjahr 1937/38 mit einigen Aenderungen, die der Etatsausschuß der Gemeindevertretung vorgeschlagen hatte, in einer mehrstündigen Nachtsitzuhg angenommen. Der Etat erfordert bei Einnahmen von ■rund 391.000 (361.000) RM. und Ausgaben .von Mk.j 1,460.000 (1,226.000), d. h. gegenüber dem. Vorjahr ein Mehr von RM. 205.000. Bei einem geschätzten. Aufkommen an Steuern von .insgesamt; rund 870.000 (775.000) RM. ,ist die Deckung des Zuschußsolls nur durch eine Entnahme aus" Kapitalvermögen in Höhe .von*rund 185.000 (S3.ÖQÖ) RM. .möglich. Die ^Erhöhung i (all. dieser Zahlen beruht im wesentlichen .1 auf stark, erhöhten Anforderungen für Zwecke der Fürsorge, | der Schulen und des von der Gemeinde sübventib1 -1 nierten Krankenhauses/Die Steuersätze bleiben gegenüber dem Vorjahr unverändert: 25 v. H. Zuschlag zur Einkommensteuer, 45 v. H. Zuschlag zur Vermögenssteuer und ein abgestuftes Gemeindegeld von 6 .bis 60 RM. i Der . Vorstand der Breslauer Synagogengemeinde» hat eine .Vermittlungsstelle,^eingerichtet, die die Beilegung von Streitigkeiten unter Juden ohne Anrufung der, staatlichen Gerichte ermöglichen soll. Die Vermittlungsstelle hat,lediglich Streitigkeiten gütlich zu schlichten, nicht als Schiedsgericht zu entscheiden. Die Mitwirkung von Anwälten ist weitgehend vorgesehen, j : x Tagung des Sächsischen Israelitischen Gemeinde-Verbandes. - Dresden, 14. Juni. In Dresden' fand die diesjährige Tagung des Säe h s i s chen Israelitisch e n G e m e i n d e- Verbandes statt. Bei jden Wahlen zum Verbandsvorständ für die Geschäftsjahre 1937 und 1938 ging der; Vorsitz auf Herrn Max L e s s e r (Dresden) über, während Herr Carl G o 1 d s c h m i d t (Leipzig) zum zweiten Vorsitzenden und .Herr Hermann Schokk e n (Dresden) als weiteres Vorstandsmitglied gewählt wurden: . ' , Die Jahresrechnung 1936 wurde einstinunig genehmigt. Ebenso wurde der gründlich vorbereitete Etat einstimmig angenommen. Die bisherige Sonderverwaltung der Landeskasse Sachsen für jüdische Wanderfürsorge wurde aufgehoben und mit der Geschäftsführung des Verbandes" vereinigt. Ein Verwaltuhgsbericht wurde erstattet, zur Förderung eines Jugendübernaehtüngsheims dem Vorstand Vollmacht erteilt und über die Angliederung eines Internats für auswärtige Mädchen an die in Leipzig bestehende Haushaltungsschule eingehend gesprochen. In einem Referat „Die Gemeinden als Steuerträger"- brachte der Verbandssyndikus Dr. Saalheimer (Dresden) einen ausgearbeiteten Vorschlag über' Steuerausgleich bei Fortzügen aus Notstandsgemeinden, Der Vorschlag wird über die Reichsvertretung den Landesverbänden zur Annahme vorliegen. Ein Referat über die Tätigkeit der Reichsvertretung hielt Herr Landgerichtsrat Dr. Lilienthal (Berlin). ' Ungarn. Der Terror in Hodmezoevasarhely. — G'ttesdienst unter Polizeischutz. Budapest, 17, Juni. Im Zusammenhang mit den antijüdischen Ausschreitungen in Hodmezövasarhely hat der Stadthauptmann bis auf weiteres ein allgemeines Demonstrations- und Aufmarschverbot erlassen. Auch Ansammlungen auf, der Straße sind nicht gestattet. Der letzte Freitagabend-G'ttesdienst wurde unter Polizeischutz abgehalten, „Egyenlöseg" bemerkt hierzu, daß die bedauerliche Verhetzung der Bevölkerung in den Städten der großen ungarischen Ti#febene systematisch betrieben werde^. Die Jüdische Gemeinde von Hodmezövasarhely hat sich mit einer Eingabe an . den Staatsanwalt von Szeged gewandt und um energische Bestrafung der Hetzer ersucht. Wieviel gerade: die Juden dieser kleinen Provinzstadt für das ungarische Vaterland geleistet haben, ist daraus zu ersehen, daß von tausend jüdischen. Einwohnern 180 im Weltkriege in der ersten Feuerlihie gekämpft haben und neun Offiziere und einundzwanzig Soldaten gefallen s'ind. Tschechosloyakei. Forderungen der jüdischen Bevölkerung Karpatho-Rußlands vor dem tschechoslovakischen Parlament. Prag, 16. Juni. Die Forderungen der jüdischen Bevölkerung Karpathorußlands wurden von dem Abgeordneten der Jüdischen Partei, Dr. Chaim Kugel, anläßlich der Debatte über die provisorische Verfassung Karpathü- Rußlands im Abgeordnetenhaus vorgebracht. Im Namen der jüdischen Bevölkerung dieser Provinz, di© 14 Proz. ihrer Gesamtbevölkerurig umfa'ßt, begrüßte der Abgeordnete das . neue Verfassungsgesetz. Die jüdische Bevölkerung erwarte nunmehr vom Gouverneur, der nach der Verfassung der entscheidende Faktor für Fragen des Kultus und Unterrichts sein soll, daß er die berechtigten Schulforäerungen der jüdischen Minderheit .unterstütze. Von den 20.000 jüdischen Schulkindern Karpatho-Rußlands besuchen ~ 12.500 tschechische Schulen, 5000 ruthenische, 500 ungarische und 750 hebräis'che\£chu]en. Es gibt nur sieben hebräische Schülanstalterineben 440 ruthenischen, 167 tschechischen,' 112 ungarischen, f 17 deutschen und 4 rumänischen.' Die Juden Karpatho-Rußlands erwarteji vom' Gouverneur den Ausbau des jüdischen Schulvferkes1 'twö'hl auch der religiösen Schulen). ■ Der Abgeordnete erwähnte zum Schlaft die Zusammenstöße, zu denen es vor kurzem in M u n - k a c e v o kam und die zur Verhaftung einiger Juden geführt haben. Als Schuldigen an diesen Ausschreitungen bezeichnete der Abgeordnete einen Leutnant der dortigen Garnison. Dieser habe die jüdische Bevölkerung wiederholt provoziert. Abg. Kugel bat die1 Regierung, dafür 2U sorgen, daß solche Provokationen sich nicht mehr wiederholen. Polen. „Joint" und „ORT" koordinieren ihre Axbeit in Polen. : ,f Ergebnisse einer gemeinsamen Konferenz . in Warschau. Warschau, 15. Juni. Die Verhandlungen, die in Paris zwischen dem euroDäischen Direktorium des Joint und der Zentral-Exekutive der Ort-Union über die Regelung

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