Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 25 (24.6.1937)
- Date
- 1937-06-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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*sg^^^|£.i!*yy2p ^Jg!3^«*w^sa!w.*f?*»*»w-~fi^ PiPPiiP^^ 24. Juni 1937 Dei Israelit Nr. 25 Seite 5 letzten, dem schwersten Opfer sieh nicht v erstehen: von der Aguda — Geld anzunehmen. Hierbei waren wohl zwei Beweggründe maßgebend: die große Unsicherheit der Lebensversorgung bei Preisgabe des nährenden Berufs, sowie die Scheu, von der Aguda gewissermaßen abhängig zu sein und damit eine soziale Minderung zu erfahren. Vom ersten Beweggrund ist nicht weiter zu reden. Es ist letzten Endes eine reine Privatangelegenheit, inwiewit agudistische Führer der eigenen Bewegung oder der eigenen Kraft vertrauen, um auf sie ihre ganze „Existenz'' abzustellen. Höchstens verdiente angedeutet zu werden, daß ein Vertrauen, das man selber nicht in vollstem Ausmaße besitzt,, von der Masse meist nicht einmal zu einem weit bescheideneren Teil erwartet, verlangt und erzielt werden kann. Weit wichtiger ist aber der zweite Beweggrund. Er. wurzelt ganz und gar im Geld als diffamierendem Aequivalent. Jeder gewissenhafte Führer weiß sich seiner Organisation verantwortlich^ und in diesem Sinne auch von ihr abhängig; Die Abhängigkeitsscheu bedeutet daher nichts anderes, als .die-Scheu, die „Existenz" von der Aguda abhängigzu wissen, gleichgültig, ob letztere hinreichende wirtschaftliche Sicherheit zu bieten vermag, und diese Scheu wiederum ist natürlich nichts anderes, als die Scheu vpr dem —-Gel d. Die Scheu vor dem Geld ist die Scheu vor sozialer Minderung. Der Mensch ist ein gesellschaftliches Wesen, und nichts ist ihm in. der Regel unerträglicher, als das Gefühl, auf der Stufenleiter gesellschaftlicher Achtung, gesellschaftlicher Geltung herabzusteigen. Wer dieses Gefühl einer guten Sache wegen zu überwinden vermag, muß in der Tat von ihr restlos besessen sein. Von den ägudistischen Führern hätte vielleicht eine solche »Besessenheit erwartet werden können. Nur ganz Vereinzelte haben sie bis jetzt gezeigt. Aber vermutlich gerade wegen der Vereinzelung und gerade weil das agudistische Führeramt grundsätzlich ein Ehrenmal blieb, konnte das Opfer der Besessenheit sich nicht auswirken. Es ist erstaunlich, daß die gesellschaftliche Bewertung der ägudistischen Führerleistung in 25 Jahren noch nicht einmal der Bewertung etwa der rabbinischen Leistung in einer Gemeinde unbedeutenden Formats gleichgekommen ist. Und dies gilt selbst für die agudistische Gesellschaft. Nur schwerste Fehler können ein solches Phänomen erklären. Die Fehler wurden bereits in der Geburtsstunde der Aguda begangen. Der Glaube, die Weltorganisation im Nebenbei gesund entwickeln zu können, war von vornherein ein alberner Köhlerglaube. Konnte man ihr hauptamtliche Führer - ersten Ranges nicht zur Verfügung stellen, hatte man die Gründüng gar nicht vornehmen sollen. Es ist aber gar kein Zweifel, daß bei rechtzeitiger Erkenntnis der unabdingbaren Notwendigkeit hauptamtlicher agudistisGher Führer die konsequente Durchführung und auch die konsequente Bereitstellung der hierzu erforderlichen Mittel vorgenommen worden wäre. Es ist heute schwerer als damals. Wäre von der ersten Stunde an der ägudistischen Gesellschaft das Bild ausnahmsloser agudistischer Hauptämter vorgeführt worden, hätte das Dickicht törichter gesellschaftlicher Vorurteile, das gegenwärtig das agudistische Hauptamt umgibt, gar nicht emporwuchern können. Je erstrangiger die ersten Führer gewesen wären, um so wirksamer "wäre der lebendige Anschauungsunterricht gewesen. Der Westen hätte ohnedies keiner allzu gründlichen Belehrung bedurft. Dem Osten mag freilich noch die Vorstellung der „Stadlonim" aus seiner nahen Vergangenheit vorgeschwebt haben. Auch mag die „Geldtheorie" des Ostens überhaupt noch einigermaßen hinterwäldlerisch sein. Der Belehrung hätte auch er sich ohne Zweifel zugänglich erwiesen, Vom ersten Tage an hätte man ihm die Fabel von den „reichen Juden des Westens", die schon alles bestens schaffen würden, zerstören müssen, .statt daß man alles getan hat, um diese bequeme Fabel lange noch aufrecht zu erhalten. Sage mir, wie du gesellschaftlich das agudistische Hauptamt bewertest, so sage ich dir, was für ein Agudist du bist. Es gibt Agudisten, die vor dem zionistischen Hauptbeamteten in tiefer gesellschaftlicher Hochachtung den Hüt schwenken, für den ägudistischen Hauptbeamteten aber nur ein ungemein orthodoxes Naserümpfen hätten. In all ihrem Agudismus zollen sie dem Zionismus ein weit größeres Maß gesellschaftlicher Anerkennung, als der eigenen Sache. Die Emanzipation des, hauptbeamteten ägudistischen Führers bedeutet die Emanzipation des — Agudismus. Selbst die Scheu der ägudistischen Führer selber , vor dem ägudistischen Hauptamt ist am Ende das Zeichen des Mangels an agudistischem Selbstbewußtsein. — Es ist heute weit schwerer, als damals, die Vorurteile sind nun einmal da, die in mangelhaftem Agudismus wurzelnde gesellschaftliche Minderbewertung der ägudistischen Leistung ist nicht wegzuleugnen. Die Verarmung der jüdischen Weltorthodoxie hat rapid zugenommen, die ägudistischen Bedürfnisse sind im gleichen Maße gestiegen. Dennoch muß es geschehen. Die Auswahl der in Betracht kommenden ägudistischen Führer muß sorgfältig und rechtzeitig erfolgen. In den hauptamtlichen Dienst der Weltorganisation gestellt, werden sie in geordnetem, systematischem Zusammenwirken ein Vielfaches dessen „einbringen", was für sie bereitgestellt werden muß. Braucht es nochmals gesagt zu werden? Bringen die Menschen das Geld oder bringt das, Geld die Menschen? 25 Jahre haben nicht ausgereicht, die Aguda aus dem Zauberkreis dieses Zirkels zu erlösen. Mir aber will scheinen, daß nicht das Geld, daß vielmehr die Menschen den Anfang machen müssen. Der Klügere gibt nach. Es muß geschehen schon des Nachwuchses wegen. Will man denn alles dem Ungefähr anheimgeben, daß sich immer wieder Menschen finden werden, die ihrem Lebensberuf kärgliche Stunden dem ägudistischen Nebenbei absparen werden, um, von der Tagesarbeit ermüdet, mit dem Rest ihrer Kraft allabendlich oder allwöchentlich das thoratreue Judentum zu retten? Wie sollen sich Menschen in ihren besten Jahren dazu entschließen können, in den Dienst der Aguda zu treten, wenn diesem Dienst nicht jed-l weder soziale Makel genommen wird? Glaubt manernstlich, daß die Aguda künftighin etwa auf Persönlichkeiten angewiesen sein soll, die nach ihr langen, weil sie sich anderswo nicht bewährt haben? Das agudistische Führertum ist in der Regel keine Laufbahn, zu der man sich, wie zu jedem anderen Beruf, entschließen mag. Der junge Agudist soll sich zunächst ruhig zu einem ihm gelegenen Beruf hinwenden, die entsprechende Ausbildung genießen, sich sogar zunächst in diesem Beruf bewähren. Dann aber muß, die sonstigen Bedingungen vorausgesetzt, die Möglichkeit bestehen, daß er mit all seiner Berufsausbildung, Berufserfahrung und Berufsbewährung, von Begeisterung getrieben, der ein Tropfen Ehrgeiz, ein Tropfen Lust, am Regieren, ein Tropfen Freude am Organisieren, am Gewinnen von Menschen, durchaus nicht zu schaden brauchen, da auch die Aguda nicht Engeln gegeben ist, der Aguda sich ganz zur Verfügung stellt, um dort bis zu der Stelle emporzusteigen, die seinem jüdischen Charakter und seinen Anlagen das größte Maß von Betätigung, die größte Summe von Einfluß sichert. Der offenkundige Mangel an Nachwuchs agudistischer Führer hängt aufs engste mit dem Problem des ägudistischen Hauptamtes zusammen. Die Emanzipation des ägudistischen Hauptamtes bedeutet die Sicherung des Nachwuchses agudistischer Führer. Möge die dritte Kenessio Gedaulo hier gründlich Wandel schaffen. Mögen die Vorbereitungen so rechtzeitig und so gründlich geschehen, daß die dritte Kenessio Gedaulo in die Lage versetzt wird, wirksame Beschlüsse zu fassen. Es geht um die Rettung der ägudistischen Weltorganisation. (Fortsetzung folgt.) bensregem gibt, die ein sanftmütiges Verhalten zw den Menschen zu ihrem Inhalt haben: die Klugheit de» G'ttesfürch'tigen kommt in seiner Sanftmut zum Ausdruck. So gewinnt meines Erachtens der Wahlspruch Abajes seinen rechten Sinn. Bemerkung. Die Neuherausgabe des seit langem aus dem Buchhandel verschwundenen bsrar Jrmy '0 von Baer durcji den rührigen Schocken-Verlag ist eine Leistung, für die wir ihm besonders dankbar sein müssen. Denn trotz der seit seinem Erscheinen verstrichenen fast 70 Jahre ist er noch nicht überholt; auch rieben dem reichhaltigen n^snn ixik hat er noch volle Berechtigung. Der erstaunlich hillige Preis der neuen Auflage wird zweifellos viel zu sedner Verbreitung beitragen. Um so mehr erscheint es angebracht, : auf einige (Druck-)Fehler hinzuweisen, idie schon in der Original-Ausgab© enthalten sind, damit die Benutzer ^nd der Verlag für eine ev. erneute Auflage sie '•'erbessern können; 's S. 65, Zeile 5 'ajna, S. 134, Z. 4 S". 143, Z. 21 (wohl) nrn», S. 118, Z. 18 nsifliT/ S. 78 nwa (wie in der {m Kommentar abgeführten' Stelle Zef. 39), S. 364, Z. 15■'fl i»»n»a-i»«»i (hierauf machte mich dar Nürnberger Dajan Ansbacher &. A. aufmerksam). Bei dieser Gelegenheit sei auch darauf hingewiesen, daß in der fcpyin t-i>s>n (zumeist) (.Tia^ VW* .n*B^ gedruckt Vst« Nach '« 'n» r-vrnaa 'M wäre bei iman* das man tortzulassen (also zu sagen nna'JtV 'nbv ntösn)- Auch, bei Gizra lautet der Text auf .Männer. Bei .Frauen wäre entsprechend zu ändern, schon bei runpan K'n ni'ui irn mrw p^> K'n mns 'a nm ninwi .n»S>j?a am tanmv . . s. Kleines Feuilleton. Die heilige Schrift, neu ins Deutsche übertragen. Wir haben bei diesem Buche zunächst die graphische und buchtechnisehe Leistung zu bewundern. Die gesamte Bibel, von Bereschith bis zum letzten Worte der Chronik, beinahe 1870 Sei-- ten, und das Ganze ist nicht größer und wiegt nicht schwerer wie etwa ein besseres normales Gebetbuch für das ganze Jahr. Die Ausgabe ist auf Dünndruckpapier mit biegsamem Glanzleineneinband in sauberster Ausführung hergestellt. Der Druck ist licht und deutlich und die Typen nicht zu klein. Wer sich das Werk zu dem relativ billgen Preise von Mk, 7.50 anschafft, hat 'die komplette Bibel in deutscher Uebersetzüng in so handlichem Formate vor sich, daß er sie sogar auf Reisen in der Tasche mitnehmen kann, ohne eine Taschenausgabe im eigentlichen Sinne, ein Miniaturwerk von bloßem Kunstwert, zu besitzen. Der J. Kau ff mann-Verlag in Frankfurt a. M. hat mit dieser Ausgabe wieder einmal eine Meisterleistung hervorgebracht. Die Bibel ist auf Veranlassung der Jüdischen G e m e i nd e B« r 1 in von H a r ry Tor czyner mit Hilfe mehrerer Mitarbeiter herausgegeben. Auf die Uebersetzüng selbst und diversen Schönheitsfehler derselben wollen wir hier nicht eingehen. Um so mehr, als dies beim Erscheinen der Einzelteile bereits ausgiebig geschehen ist, Harry Torczyner ist bekanntermaßen in Dingen der Tradition nicht der Mann unseres Vertrauens und unter seinen auf dem . Vorderblatte genannten zwölf Mitarbeitern befindet sich mancher, der .der Bibelkritik in mehr oder minder bedenklichem Maße nahesteht (u. a. auch Benno Jacob, Elias Auerbach). Verstöße gegen die tradi«- tionelle Auffassung fallen, wenigstens im Peniateuehteile, nicht ins Auge. Es wird sich noch Gelegenheit finden, auf Einzelteile kritisch einzugehen, hier soll aber das Ganze als Ganzes ge wert et und die Gesamtleistung als das, was sie ist, hervorgehoben werden: ein- Meiterstück der Graphik und* der buchtechnischen Kunst. 'Wochenkalender. Vom 26. Juni bis 3. Juli 1937/Vom 11.—24. Tammus 5697 Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag 26 17 »Ol» SJT l'5>in rf> "i 'n pna pto 27 18 i\> mra nw? mop 28 19 rr> 29 nnn 20 ob 30 21 a Juli 1 \ 3 22 23 24 KB a» 20