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Der Israelit · 1937-06-24 · Heft 25 (24.6.1937) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 25 (24.6.1937)
Date
1937-06-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 25 'S^^^R^^^^^P^^^S^sP^f^^^W^^^P^I^^^WW^^^^S^^^^g^^w^^ Der Israelit %$i!m$g&. 24. Juni 4937 \ D ie KEREN H ATO RAH- S am me l d OSe.gehort in; jedes jüdische Haus! Sie gibt jedem die Möglichkeit, durch kleine tägliche Spenden die Arbeit des Keren Hatorah zu fördern. Bitte Dosen anfordern: Keren Hatorah, Hamburg 13, Heinrich Barthstraße 21 es hat sich bitter gerächt. Die zweite Kenessio Gedaulo, die weitorganisatorisch irgend einen beachtlichen Fortschritt nicht zu buchen hatte, bewies es. Die dritte Kenessio Gedaulo wird sich nicht damit begnügen dürfen, ein oft gehörtes Schuldbekenntnis des Waad Hapoel entgegenzunehmen, dankbar froh, daß er im ehrenamtlichen Nebenbei überhaupt etwas getan habe, Sie wird, soll der Zustand der Weltorganisation nicht allmählich zum Gespött werden, Wandel schaffen müssen1. Freilich nicht durch momentgeborene Beschlüsse, denen nicht einmal die Bedeutung. einer leeren Demonstration beizumessen ist, sondern auf Grund sorgfältigster Vorberaiungen des Waad Hapoel selber, möglichst auch des Zentralrats. Man werde sich über das wirklich Erreichbare noch vor der Tagung völlig klar. Man vermeide haltlosen Optimismus nicht minder, wie lebenmordenden Pessimismus. Man halte Umschau über die zur Verfügung stehenden Menschen; und stelle fest, wie viele unter ihnen sich finden,- die der unermeßliche Jammer unseres Volkes, die Schmach der allenthalben von Feinden umstellten Thora dermaßen gepackt hat, daß sie zur äußersten Selbsthingabe bereit sind. Alsdann trage man dafür Sorge, daß diese äußerste Selbsthingabe, die unter den gegenwärtigen Verhältnissen unerläßliche Voraussetzung ist, nicht sinnlos sei und damit sich in äußerstes — Narrentum wandele. Man anvertraue die Leitung eher hauptamtlichen Sternen zweiten Ranges, ehe man sie Sternen ersten Ranges zur Erledigung im „Nebenbei" belasse. Mögen letztere von Zeit zu Zeit ihren Rat spenden. Das läßt sich allenfalls auch nebenbei leisten. Nur durch fortgesetzte planmäßige Reisen der Mitglieder des Waad Hapoel kann die Weltorganisation aus ihrergegenwärtigen Stagnation befreit werden. Ich fand bei meiner Rundreise die einzelnen agudistischen Provinzen in einer geradezu ausgehungerten Verfassung vor, Während die zionistische Organisation ihre besten Kräfte bis in die kleinsten Niederlassungen in regelmäßiger Folge entsendet, war es seit Jahren von den Mitgliedern des Waad Hapoel eigentlich nur Dr, Ehrmann, der sich in Europa von Zeit zu Zeit umtat, unendlich Licht zwar mit seinem Licht verbindend, doch leider auch wie ein Komet zumeist entschwindend. Wen kann unter solchen Umständen die Finanzlage der Aguda ernstlich in Erstaunen versetzen? -Ich traf zahlreiche Städte, bevölkert von Juden, die für uns durchaus zu gewinnen sind, denen die meisten Mitglieder des Waad Hapoel wie von legendärem Geheimnis umwallt waren: sie hatten sie noch nie zu Gesicht bekommen. Es versteht sich von selbst, daß Propheten im eigenen. Lande wenig gelten. \Große und wirkungsvolle Veranstaltungen können nur mit Hilfe auswärtiger Kräfte Erfolg haben. Treten in Jahresabständen die Führer auf, so können inzwischen sehr wohl auch weniger zugkräftige auswärtige Redner Verwendung finden.. Wir haben weder für das eine noch für das andere irgendwie ausreichend Sorge getragen. Die agudistische Finanzlage ist ganz wesentlich auch darauf zurückzuführen, daß die Aguda keine — Forderer hatte. Daß man ihr Geld von selbst entgegenträte, darf keine Organisation erwarten. Die thoratreue Judenheit schwebt in einer unermeßlichen Gefahr. Mit dieser Erkenntnis hat heute jede agudistische Selbstbesinnung zu beginnen. Sie bis ins letzte Dorf zu tragen, ihr aufrüttelnde Konsequenz zu geben und den Willen zur Rettung zu entflammen, ist Aufgabe der Weltorganisation. Weder durch Briefe noch auch selbst durch das gedruckte Wort allein, sondern durch unausgesetzte Reisen der verantwortlichen Führer kann diese Aufgabe gelöst werden, und sie ist immer wieder von neuem zu lösen. Es ist klar, daß dies im Nebenamt nicht möglich ist. Schwerlich wird es vermeidbar sein, daß die Mitglieder des Waad Hapoel zum großen Teil an verschiedenen Orten wohnen. Dies liegt im Wesen einer Weltorganisation. Für die engere Exekutive wird das gleiche schon nicht mehr gelten können, und im übrigen müssen eben — Reisen die räumliche Entfernung überwinden. Wenn die oberste Leitung eine wirkliche Aktivität nicht zu entfalten vermag, macht sich dies bei allen anderen zentralen Organen in stärkstem Maße bemerkbar. Sowohl die Exekutive des Rabbinischen Rates wie auch der Zentralrat hätten im verflossenen Zeitraum sich ägnz anders entwickelt, wenn der Waad Hapoel ernstlich dafür hätte Sorge tragen können, den Rahmen der Organisation unausgesetzt mit pulsierendem Leben zu erfüllen. — Das Hauptamt .kann natürlich 'auch ein Ehrenamt sein. Aber es darf nicht grundsätzlich ein Ehrenamt sein. Ganz im Gegenteil muß es grundsätzlich ein . besoldetes sein. Ist jemand in der besonders glücklichen Lage, auf Gehalt verzichten zu können, so mag er- <?fJ gleichwohl in Empfang nehmen und irgend einem agudistischen Zweck zuführen. Jede ändere Regelung verscheucht gerade die wertvollen und feinfühligen Persönlichkeiten und verleiht dem Geld ein untragbares lieber gewicht. Mit dem Geld hat es eine ganz besondere Bewandtnis. Es ist eines der notwendigsten und zugleich eines der widerlichsten Uebel von der Welt, Sein Anspruch, als Aequivalent schlechterdings für alles zu dienen, für das Höchste und für das Niedrigste, erhebt niemals das Niedrigste zum Höchsten, sondern birgt die Tendenz in sich, das Höchste zum Niedrigsten herabizuzerren. Das gesunde Empfinden sträubt sich gegen diesen Anspruch und lehnt das Geld als Wertmesser für Immaterialgüter ab. Es gibt aber Immaterialgüter, deren gesellschaftliche Wertschätzung sich dermaßen durchgesetzt hat, 'daß das Geld sie nicht mehr zu beeinträchtigen vermag, daß seine Empfangnahme weder den Leistenden noch die Leistung herabsetzte zu ihnen beiden überhaupt nicht in wertende Beziehung gebracht wird, vielmehr lediglich dazu dienen soll, den Leistenden in die Lage zu versetzen, die Leistung des Immaterialguts dauernd" vornehmen zu können. Dies gilt im großen und ganzen für alle akademischen Berufe. Es gilt im 'Kreise der ihofatreuen Judenheit, von den hie und da angeblich vorkommenden Ausschreitungen ländlich orientierter Vorsteher abgesehen, für das Amt des Rabbinen. Dagegen hat sich die gleiche gesellschaftliche Wertschätzung anscheinend bis jetzt noch nicht durchgesetzt für die Leistung agudistischer Führer, wie überhaupt für die agudistische Leistung. Hier rührt der Finger an eine der schmerzlichsten Wunden der Aguda. Sie steht im Zeichen des „Nebenbei", und zwar des ehrenamtlichen Nebenbei. Da sich Menschen nicht fänden, die das Ehrenamt als Lebensberuf hätten versehen können, ging es eben nur nebenbei. Das Ehrenamt war die Ursache des Nebenbei. Man fand sich' mit dem mörderischen Nebenbei ab, um am Ehrenamt festhalten zu können. Persönlichkeiten, die der Aguda Kraft, Gesundheit, Lebensbehaglichkeit opferten, konnten zu dem WPW:- Die Bedeutung von HKTS Dlltf* Von Rabbiner Dr. Kaatz in Hindenburg O.-S. Berachot 17a heißt es: rinn a^n -p mva ntcra anj? dir srp oVisrV "nin ''»wa t&nia „Abaje führte den Wahlspruch dm Munde: Stets sei der Mensch klug in der G'ttesfurcht,* eine sanftmütige Antwort stillt den Zorn (Mischle 15, 1), und er mehre den Frieden mit seinen Brüdern und mit seinen Angehörigen und mit jedermann, selbst mit dem Nichtjuden auf der Straße, damit er 'droben geliebt und drunten angenehm sei und wohlgelitten unter den Geschöpfen. Man erzählt von R. Jochanan ben Sakkai, ihm sei niemals jemand mit dem Friedensgruß zuvorgekommen, nicht einmal der Nichtjude auf der Straße." Den Ausdruck nxi'a trmy erklärt Raschi dahin, daß man auf alle Arten, bemüht sein solle, Werke der G'ttesfurcht zu ersinnen, Abel* der Satz bleibt in mannigfacher Hinsicht schwierig. Weshalb ist gerade der Ausdruck ovw gewählt, der zwar auch klug heißen kann, aber in der Regel listig bedeutet? Die Wahl dieses mehrdeutigen Ausdrucks anstatt irgend eine« andern mit Klugheit synonymen Wortes muß doch wohl irgend einen Grund haben. Ferner ist es rätelhaft, weshalb der Mischlesatz ganz unvermittelt und ohne jeden stilistischen Zusammenhang eingeschoben wird. Noch befremdlicher erscheint es, daß er nicht nach seinem genauen Wortlaut zitiert wird, da der Text nicht nnn a'jpn lautet, sondern nnn a'ffv wie das am Rande der Ausgaben vermerkt ist. Schließlich ist es schwierig, warum Abaje als Ausführungsbestimmungen von ns-pa ans? lediglich solche Mahnungen aufzählt, 'die sich auf das Vrenalten zum Nebenmenschen beziehen. Es: muß doch also in dem Ausdruck on? etwas enthalten sein, was eine Beziehung zum Nebenmenschen hat, Wir werden meines Erachtehs alle diese Fragen beantworten können und überhaupt dem Sinn des Wahlspruchs Abajes gerecht werden, wenn wir zu seiner Erklärung eine Deutungsregel zu Hilfe nehmen, die sich in Talmud und Midrasch sehr häufig findet. Es ist dies das Tif»'i»W Notarikon, ein Terminus, der so viel bedeutet wie Kurzschrift, d. h. eine Auslegungsmethode, die ein Wort in seine einzelnen Buchstaben oder Bestandteile zerlegt und diese als Anfangsbuchstaben anderer Worte deutet oder zur Bildung anderer Worte verwendet, so daß das betreffende Wort in aibgekürzter Form mehrere Wörter umfaßt. In der dem Traktat Berachot beigedruckten Boraitha der 32 Regeln des R. Elieser ben R. Jose Haglili bildet das Notarikon die dreißigste Regel und ihr Ursprung wird dort wie an andern Stellen des Talmuds auf die Thora zurückgeführt, wo z. B. am3K gedeutet wird als QU llJan 38- Das Notarikon wird an zahlreichen Stellen des. Talmuds und der Midrasohim angewendet, wobei zuweilen die Deutung ausdrücklich als Notarikon bezeichnet wird, an den meisten Stellen jedoch die Auslegung erfolgt, ohne daß gesagt wird, daß dieselbe auf einem Notarikon beruhe. Einige Beispiele: Berachot' 10b wird nenrr? zerlegt in rvse> r-nn; Berachot 15b wird tannaVi gedeutet ab an jnab,. Sabbat 105a wird »33K mehrfach als Notarikon erklärt, ebenso tnv ferner \>n-ß u. a. m. Rosdhhaschana 26a wird aus *is TW gebildet -iBltt».; Arachin 15b wird Jmsn erklärt mit K'Xin sn Bv, Nidda 31b wird *i3T zerlegt in 13 nr« Auf ein besonders interessantes; Notarikon verweist Waldberg in . seinem wertvollen Buche Darke haschinujim (Lemberg 1870), auf das mich Esriel Hildesheimer aufmerksam machte: Berachot ,5a heißt es, der Fürst Contardcus habe R, Jochanan ben Sakkai gefragt.. . . "n 333 aaai np»? und habe zur Antwort erhalten, unser Lehrer Mosche sei "^ti •>py\ gewesen. Die Anfangsbuchstaben dieser drei Worte bilden ein Notarikon für 335- Die Beispiele brauchen nicht gehäuft zu. werden. Eine Liste sämtlicher Stellen in den Talmuden und Midrasehim, an denen ein Notarikon angewendet wird, würde hunderte von Nummern, aufweisen. Die Heranziehung dieser Auslegungsmetho de dürfte nun geeignet sein, ein Licht auf den Sinn des Wahlspruchs Abajes zu werfen. Aus dem Umstände, daß auf den Satz n«V3 nvw tn« sn' aVwV unmittelbar und o'hne ®liHsii&ah& Verknüpfung der Mischlesalz folgt, darf geschlossen werden, daß mny nach P> des Notarikon im Sinne dieses Satzes zu deuten e-i- Abaje wendet hier den Ausdruck erny als ein aas dem Mischlesatz gewonnenes Notarikon an, dergestalt, daß öViy die Anfangsbuchstaben "des Saü es "131 nisn bezeichnet, wobei er von. na»» den zweiten Buchsstaben Ajin wählt, welcher der Anfangsbuchstabe der Wurzel nasr ist. Man muß sich et,/a folgende® Notarikon eingesetzt denken 3'»ni "p „Stets soll der Mensch beim Sprechen und Antworten sanftmütig in der G'ttesfurdht sein." Aus diesem Grunde wird auch der Maschlesatz nicht nach seinem Wortlaut --s»»» zitiert, sondern es wird dafür vaS Partizipum 3'Pö angewendet, um durch das hierdm'^-j gewonnene Mem das Notarikon zu eirmöglichen. Und nun. wird uns auch verständlich, warum Abaje ^s Ausführung und Sinngebung des Wortes an* L3*

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