Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 24 (17.6.1937)
- Date
- 1937-06-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2450961-2450984--83065-2541052- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
»i^W^'Ä^'*)!««^ Seite 10 Nr. 24 Der Israelit 17. Juni 1937 LITERARISCHE WARTE. Um eine Entscheidung des Rogozower Gaon. Von Benzion Rachels0hn in Frankfurt a, M. Anläßlich 'des ersten Jahrzeitstages für den Rogozower Gaon, wurde im „Israelit" Nr. 8 u. a. eine halachische Entscheidung desselben veröffentlicht dahingehend, daß bei der Rektalernährung am Jaum Kippur keine r-na -Strafe in Betracht komme. Gegen diese Begründung äußerte darauf der inzwischen lei der heimgegangen© Direktor -Dr. Fink ^"ST folgende zwei Einwände: 1. „Der Ausdruck vsi findet sich ja auch bei Tätigkeiten, bei denen von einem Vollge nuß der Seele schlechterdings gär keine Rede sein kann, z. B. "o yin '3 vsyt (III. 7, 21)." 2. „Außerdem stützt sie ■•- 'die Begründung — sich lediglich auf das s u b j e k t i v e Empfinden des einzelnen Genie Bens und läßt den Einwand zu yywv'f "]-m nna p ras-' Wer des Rogozowers Begründung und ihre Quellen im „Israelit" mit gebührender Aufmerksamkeit gelesen hat, der mußte sofort merken, daß hier zwei Momente zu Tage treten, ein Haupt- und ein Nebenmament. Hauptmoment: In Klp'l 17, 15 folgert der Sifro aus dem Ausdruck vni — v s 3 i>3i n^aa Sonn — daß das Essen eines n?T3 von einer Tints t)W rbll den Menschen nur k»ö» ist (verunreinigt), wenn der Bissen n^aa in die Kehle (nsrban wz) gelangt ist. Aus diesem Sifro folgert der Rogozower, daß bei Jaum Kippur, wo das Essen, worauf .die ma Strafe folgt, ebenfalls durch das Wort VSl zum Ausdruck gebracht wird, daß dort auch für diese Strafe die Berührung der Genußmittel mit der Kehle Grund bedingung und daß die Rektalernährung deshalb von dieser Strafe ausgeschlossen sei. Man muß selbstverständlich ein Rogozower sein, um auf eine derartige eigene Uebertragung einer ^"tn nurn hin eine praktische Entscheidung zu treffen. Ist man es aber und fühlt sich dazu berechtigt, dann ist die Ent Scheidung auf eine völlig unantastbare Grundlage gestellt. Denn die Lehre des Sifro kodifiziert der Rambam ('« 'n B'naK 'na a»a) als npios robn und gibt sie fast wörtlich wieder. Sie ist daher für uns unter allen Umständen maßgebend, einerlei, ob wir sie erklären und begründen können, oder nicht. — Das ist das Hauptmoment in der Begründung. Das Nebenmoment versucht an Hand des Verses ivhi ma hsaa (5, 12, 15)> zu beweisen, daß dort, wo das Wort »sa mit einer Eßtätigkeit oder deren Unterbindung im Zusammenhang steht, es eine seelische Behaglichkeit zum Ausdruck bringen will. — Darum wird auch später dieses Moment Behaglichkeitstheorie genannt — und, da die seelische Behaglichkeit von der Berührung der Speise mit der Kehle abhängt, so folgert der Sifro mit Recht aus dem Ausdruck »S3 bei lin» «|W ntei die Notwendigkeit dieser Berührung. Dieses Moment will also hauptsächlich den Sifro erklären. Indirekt wird natürlich auch Rogozowers pos durch diese Erklärung gewürzt; aber nur gewürzt, nicht begründet, begründet ist bereits der pos zur Genüge durch den Sifro selbst, mit oder ohne, diese Erklärung. Und obwohl mit Rücksicht auf diese Würzung Haupt- und Nebenmoment im „Israelit" bis zur Unkenntlichkeit miteinander verwebt sind, ja, /Nebenmoment sogar in den Vordergrund gerückt ist, so ändert das nichts an der Tatsache, daß letzteres für Rogozowers pos keine praktische Bedeutung hat und, daß es darum nur Nebenmoment ist. An dieser Tatsache aber gehen 'die zwei eingangs erwähnten Einwände achtlos vorüber. Sie wollen Rogozowers Begründung erschüttern und richten 'ihre Angriffe gegen das Nebenmoment bezw. gegen die Behaglicbkeitstheörie;,; die Rogozowers pos gar nicht begründet. Aber auch; der Behaglichkeitstheorie selbst vermögen die Einwände keinen Abbruch zu tun. Der erste Einwand fragt verwundert,, was werde die genannte Theorie sagen zu dem'ia Mn '3 »S3V wo doch von einem Vollgenuß der Seele schlechterdings gar keine Red© sein kann? — Hier ist die *«Wip selbst; der [beste pfn. -Gerade darum, weil von einem seelischen Vollgenuß bei dein *a »S3i nicht die Rede sein kann, muß dort das Wort VBi eine andere Bedeutung haben — vielleicht; um nur eine zu nennen, die von ivoaip: n»u ma*iV P33- — Liegt es doch im Wesen des G'tteswortes, daß nntf «sv in« Kipa Q'nyo (Sanhedrin 34a), d. h. „Ein einziges, von G'tt gesprocheneis Wort hat die mannigfachsten Bedeutungen", und kommt es nur darauf an, wo "und in welchem Zusammenhang das betreffende Wort steht (vgl. Jaumo 63b: mpi **3'3?a anni inpi siwn tan), wie z, B. hier. Steht das Wort »33 in Verbindung mit dem Zeitwort Essen oder nicht essen bezw. kasteien — wie bei nn» ni>33 und bei Jaum Kippur —, dann bedeutet da® Berührung der Speise mit der Kehle;, steht aber das Wort ws3 im Zusammenhang mit einem Ausdruck, der von der Berührung eines t>t»t> *m spricht, wie z. B. beim ffJD 'a »an, dann bedeutet das Wort »33 etwas anderes. Was den zweiten Einwand, der den subjektiven Charakter der Behaglichkeitstheorie kritisiert, betrifft, so muß hier etwas näher auf den Begriff Behaglichkeit eingegangen werden. i Gar Mancher glaubt, die Kehle bezw. das l~va iw^an sei nur rein Passage-Qrgairi, und der Hauptge nuß am Essen käme nur durch den Gaumenkitzel (vgl. Chulin 103b pa *-7tw :'*»i). Demgegenüber lehrt die (Praxis, daß der leise, kaum empfundene Wohlgenuß beim Geleiten der Speise durch die Kehle viel wichtiger ist für die Lebensdauer de Menschen, als das starke, aufdringliche Geschmacks empfinden, das durch den Gaumenkitzel ausgelöst wird. Und das dürfte auch der Standpunkt unserer Tauroh sein, die von eben diesem leisen, unaufdring liehen Wohlgefühl den Begriff nt>'as abhängig macht und auf den sogenannten Gaumenkitzel in der Regel ganz verzichtet. So genüge man z. B. nach der Tau roh der Pflicht von n5tö ft^att am Sederabend, wenn man den iiün rwa direkt in die Kehle tue und ihn ungekaut herunterschluckt NtS' nsa ybi, (Psochim 115b) und genüge dagegen .dieser Pflicht nicht, wenn man den nsa Ji'ia in Bast gehüllt heruntergeschluckt hätte SS' «b t»S>ai 3'oa pna (das.). Auch in dem hier angeführten Falle, nämlich bei nno tpy nVaa, steht nir gends, daß der n^as nna .gekaut werden muß, tun den Menschen snoa zu sein; wohl aber bleibt die nsaiü aus, wenn dieser n'ia An Bast gehüllt herunter . geschluckt wird (Tino rtr »in lybai a'Da w*». Rambam a 'n ö"nas na 3."Q)- Hätte* also die Behaglichkeitstheorie unter der Bezeichnung „Behaglichkeit" jenen Wohlgehuß ge meint, der durch den Gaumenkitzel hervorgerufen wird, dann wäre der Einwand, die Theorie würde sich lediglich auf das' subjektive Empfinden des einzelnen Genießers stützen, berechtigt. Denn dieser Genuß bezw. Geschmacksempfinden differiert wirklich von Fall zu Fall und von Mensch zu Mensch Man denke nur z. B. an den Gei&chmacksunterschied zwischen einem starken Raucher und einem Teeprüfer oder zwischen einem normalen und einem verschnupften Zustand, Aber wie bereits erklärt, kann hier von jenem Wohlgenuß überhaupt nicht die Rede sein, da die Tauroh bei Tinu tpsr n^ai auf denselben gar keinen Wert legt. Hier ist vielmehr das Wohlgefühl gemeint, das beim Geleiten der Speise durtfh dia Kehle sich geltend macht und das, trotz seiner unauffälligen Art, das Rückgrat der ganzen menschlichen Ernährung bildet. Dieses Gefühl der Behaglichkeit differiert aber nicht von Fall zu Fall und von Mensch zu Mensch, sondern ist stabil und darum auch durchaus objektiv. -- Aufsätze über Samson Raphael Hirsch y'XT« Ein Sammelwerk von umfassender Bedeutung. Wie schon mitgeteilt, wird demnächst aus d Feder des Oberrabbiner Fischer in Sarospatak ein großes Sammelwerk erscheinen, in dem sich alle Essais und Aufsätze, 'die dieser bekannte S. R. Hirsch- Forscher in Jahrzehnten über den Regenerator des gesetzestreuen Judentums geschrieben hat, komplett dem Leser darbieten werden. Schon aus den hier wiedergegebenen Ueberschriiften ist zu ersehen, von welch umfassendem bibliographischem und literarischem Werte dieses Werk sein wird. I. Ueber den geistigen Nachlaß S. R. Hirsch© **ät- (Ein Beitrag zur Würdigung der religionsphilosöphischen Bedeutung des Meisters.) I. Einleitung. ' II. „Geistige" Erfassung des Judentums. — „Durchgeistigte Orthodoxie". — Historische Kontinuität der. „geistigen" Erfassung, nixnn 'avo bei den' Religionsphilosöphen und Kabbalisten. —Die Exzeptionalität und Riesengröße. S. R. Hirschs auf dem Gebiete der „geistigen" Erfassung des Judentums.' -—; „Wissenschaft des Judentums nach S. R. Hirsch. III. i Der Ewigkeitswert der Werke S. R. Hirschs (19 - Briefe und Chaurew). — Besonders der Wert "derselben für 'die suchende Jugend. IV. 'Der Pentateuchlcömmentar S. R. Hirschs. '.V. S. R. Hirsch hätte selber, das .Studium seiner Werke nicht gewünscht? VI.' Was hat man denn vor. dem Auftreten S. R.' Hirschs^ getan? VII. Ist denn 'die „geistige" Erfassung derr-nsa überhaupt notwendig? VIII. Sind S". R. Hirschs/ Schriften nur „Entgiftungsmittel" für .„junge Leute; auf den höheren Schulen usw.", aber für die „an den Quellen Gesättigten" ganz und ^gar überflüssig? II. Zum Problem einer jüdischen Symbolik. I, II, III. Ist jede nix» als Symbol zu werten? IV. Die Bedeutsamkeit symbolischer Handlungen. V. und VI. Die „mechanisch-dynamische" Erklärungsweise symbolischer Handlung. VII. Die Heiligkeit des jüdischen Landes und des Sabbat. — Daff Werkverbot am Sabbat. — Das Gesetz über den jüdischen Knecht. VIII. Die fundamentale Idee des Judentums.— Der Rarzellismus zwischen der Handlungsweise des Menschen und dem Naturgeschehen. — Ist die symbolische Erkläriingsweise S. R. Hirschs : tatsächlich auf die idealistische Philosophie seines Zeitalters zurückzuführen? — Schlußbemerküng. III. Ueber Methoden und 'Richtungslinien S. R. Hirschs. I. Ein Selbstbekenntnis. II. Der „Denker". III. Einiges über die wissenschaftliche Methode S. R. Hirschs. IV. Gedankensplitter über S. R. Hirschs Verhältnis zur modernen iBibelkritik. k-Y, - Ueber die Bedeutung des Studiums der Schriften S. R. Hirschs. VI. S. R. Hirsch und die philologische Bibelexegese. VII. Bemerkungen zu einem Aufsatze Dr. J. Wohlgemutihs im Jeschurun (Berlin) über die Hirsch'sche Bibelexegese. VIII. Ueber das Forschen nach, msnn/ den Gründen der Mizwoth nach S. R. Hirsch. IX. Die biblische Interpretatipnsmetho.de S. R. Hirschs im Verhältnis zur talmudischen üterpretätiönsweise und seinen Vorgängern •(bes. zum Malbimji Xi Die talmudische Studiunismethode S. R. Hirschs geeignet zur Gewinnung der Jugend für das Talmudstudium. XI. „Rambam" oder „Maimonides" und — „Ben Usiel". IV. ' ". ' Das Prinzip. Thoraim'De rech ErezbeJ S. R. Hirsch. I „Allzu scharf macht schartig!" Eine Zurückweisung unbegründeter Angriffe gegen S. R. Hirsch. War H. „Assuuilant?" — Th. i. D., E, bei Hirsch. — H.,im Urteile der Gedolim Ungarns und de® Ostens. — Die Wahrheit' über Th. i. D. E. bei Hirsch: — Das Verhalten von R. Elia Wilna und des Chatham Szofer zu Th. i. D. E. II. Lebt noch der Meister? III. „Das Gesetz und das Land". V. R e 1 i g i o n s p o 1 i t.i s c h e s. I. Ein Zeugnis von S. R. Hirsch zu den neuesten Auseinandersetzungen in der ungarischen Orthodoxie. II. Die Neunzehn Briefe und der Zionismus. III, Zionismus, Misrachismus, Agudismus, S. R. Hirsch und — ungarisch-jüdisch-orthoidoxer (Negativismus! VI. Biographisches. Zeitgenossen und Nachfahren über S.R.Hirsch. I. Rabbiner S. Spitzer in Wien über S. R. Hirsch. II. B. H. Fassel und Leopold Low über S. R. Hirsch. III. Ein Anhänger Z. Frankels {Elieser Zeitlini) über den Hirsch-Frank eis oben Streit und über die Persönlichkeit S. R. Hirschs. TV. Der hebräische Ueb-srsetzer der Grätz'schen Geschichte (S. P. Rabbinowitz) über S. R. H. V. Ein Lehrsatz S. R. Hirschs in dem Werke des Haupts ehülers von Z. Frankal (Rektor A. Schwarz in Wien). VI. Von den Einwirkungen, S. R. Hirschs auf den Osten. VII. Von den Einwirkungen. S. R. Hirschs auf. den Westen (Italien). VIII. Die Werke von S. R. H. bewegen einen Nichtjuden zum Uebertritt zum Judentum. IX. Ein evangelischer Vikar über S. R. Hirsch. X. S. R. H. im „Deutschen Pfarrerblatt". (J. J. 1932,) XL Professor Carl Hilty, Verfasser von „Das Glück", und Rabbiner S. R. Hirsch. — Von Pfarrer Otto Kober in Heldenfingen. ' t VII. Biographisches. S. R. Hirsch in Ungarn.. L S. R. H. in Ungarn. II. Ein Wort über ungarischjüdische Literatur. Mit späteren Anmaßungen. III. Vorrede zur ungarischen Üebersetzung der Neunzehn Briefe. IV. Das EmpfehlungsschreibenÄdes. Oberrabbiners M. H. Fuchs «. A. .zur unigariscnen Üebersetzung der 19 Briefe. V. S. R. H. und seine Richtung in dem Buche von Dr. L. Kessikemeti: „Gibts bloß eine jüdische Religion oder mehrere?" VI. ,',Der Jude". Eine Buchrezension. VII. Reminiszenzen an S. R. H. VIII. B i b 1 i o g rapKisches, I.. Zum 27. Teweth, II. Zum 27. Teweth. III. Beiträge zu einer Vervollständigung der Bibliographie der Schriften und Werke des Meisters. IV. do. do. . * . ' IX. "" '. ■ : ..- ■■ ■ ,!'. l'- r- Ueber GesinnungsigenbsiSien; uiid, Nachfolger des Meisters*,; I.'..Em"! Nachwort zum Heimgange R. Esriel Hildesheime|S. i, IL Dr. a Mendel Hirsch s; A. III. Dr. S. Breuer s.'.'Ä. als Kanzelredner. IV; Dr. R. Breuer s. A. ■: ■ k :, ■■' :' ■;;v*'" :• . ■ : V . v ' ' ■ .. X. "r ' - / . ' \ B u ch erb es:p-f e öh un'g en. L Jac.öb; Rösejnheim: v^f 'Vnk IL Jacob Rosenheim: Das ^ldungsideal S. R., Hirsch®! III. Dr. J. Wohlgemuth:" Grundgedanken der Religionsphilosophie Max Schelers in jüdischer Beleuchtung. -— Neue Wege: (Auseinandersetzungen mit den neuesten geistigen Strömungen > innerhalb der deutschen Orthodoxie.) IV. Simon Schwab: Heimkehr in© Judentum. V. Dr. Elie Münk: Das Licht der Ewigkeit. ';? XI. Aus Briefen. S. R. Hirsch und ©eine Wirksamkeit betreffende Auszüge aus meinem Briefwechsel mit: Dr. J. Braun, Breslau; Rabb. Dr. R. Breuer: Dr. S.1 Ehrmann; Rabb. Jes. Fürst, Wien; Rabb. M. J. Fischer, Detroit; Julius und Markus Hirsch, Frankfurt a. M.; . Rabb. J. Hirschowitz, Wirbaien; Rabb. S., Kutna, Eisenstadt; Rabb. Dr. J, Low, Szegedin; Rabb. Dr. J. Pollak, Wien; Jacob Rosenheim, Rabb. Dr. H.. Rosenberg, Ancona; Rabb! Dr. J. J. Weinberger, Berlin; Dr. J. Wohlgemut, Berlin.