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Der Israelit · 1937-06-17 · Heft 24 (17.6.1937) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 24 (17.6.1937)
Date
1937-06-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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17. Juiii 1937 D « t 1 s r a. e 1 i t Nr. 24 Seite 7 und Eingaben jüdisch-religiöser Körperschaften, die M o n t aigs -K1 aus e 1. noch in dieser Woche wieder auf zuheb en.: Den Geschäften.t> leibt dann, wenn sie auf 'die- Sohntag&arbeit bis. 2 Uhr nicht verzichten wollen; keine aridere .Wahl, als am Sabbat, von Freitag Abend an, zu schließen und in das WD *->V2 jn» mW der bösen. Engel in dem alten Sabbatlied einzustimmen. ' Die ganze Sabbatfrage 'wurde in einer auf letzten Ponnerstag Abend von der „Union orthodoxer Gemeinden" einberufenen großen öffentlichen Versammlung auf breitester Grundlage erörtert. Den Vorsitz führte Dr. Bernhard H o ni a , der. Präsident der Union, der auf dem County Council angehört und dort viel zur' Aufklärung über das Sabbatproblem beigetragen hat, Weitere Redner waren die Rabbiner Moskowitsch, Singer, Spetmann, Lew, Rokeach, Twersky, Rappäport, ferner die Herren H. A. Goodman; Stern, Weil, Goß und Wohl. Auf Antrag Rabbi Dr. S. S c h ö n f e 1 d s wurden u. a. folgende Resolutionen angenommen: 1. Dies« Konferenz betont, daß nur die unverkürzte Beobachtung des religiösen Sabbats den Anspru-ch auf das Recht der Sonntagsarbeit rechtfertigt. ' : x : 2; Die.- Konferenz betrachtet den Anspruch der den Sabbat beobachtenden Juden uaf v o 11 e Samstagsarbeit als durchaus berechtigt lind empfiehlt alle Anstrengungen, eine Aenderung des Gesetzes *in diesem Sinne herbeizuführen. 3.- Die Konferenz beschließt die Bildung -eines S c h o m r e S eh a b b o s - V er band es , bestehend aus-.Rabbinen und Geschäftsleuten. , 4r Die Konferenz appelliert an die jüdische Oeffentlichkeit, solche Geschäft© zu ermutigen und zu unterstützen, die das ökonomische Opfer der Sabbatheiligung bringen. Jedeorthodoxe Synagoge soll ein Sabbat-Komitee •bilden, das Mitglieder für den Sabbatverband anwirbt und Stellenyeirmittlung betreibt. Ein Ständiges Komitee wurde von der Versammlung gewählt. " •". Der drohende 'Konflikt im „Board of Deput i e s " u2h die Zusammensetzung des Joint Foreign Committee — mit anderen Worten um die Stärkung des zionistischen Einflusses in diesem Komitee - ist am. Sonntag glücklich abgewendet worden. Der Kompromißantrag der gegenwärtigen Leitung .drang mit 120 gegen 74 Stimmen durch. Das Komitee wird zwar künftig nur aus zwölf Mitgliedern bestehen statt aus neunzehn, aber die Leitung bleibt koordiniert in den Händen der Herren Neville L a s k i .und Leonard Montefiore. '•'.<■.•,..- Der Council der britischen A g u d a s J i s r o e 1 hielt 'diese Woche eine ' gut besuchte Sitzung zur Vorbereitung der Kenessio Gedaulö-Wahlen ab. Es wurde beschlossen, kurz; vor der K G. eine Beratung der englischen Delegierten anzuberaumen, um eine möglichst einheitliche Stellungnahme zu den 'die K. G. beschäftigenden Fragen herbeizuführen. Fünf Aguda-Vertreter wurden in die Verwaltung der neuen Keren hathora-Jeschiwo H?8wV, 118 gewählt, die am 11. Tamus eröffnet werden soll. Auch die Sabbatfrage im Londoner Eastend wurde, erörtert. die übrigen 220 Zertifikate der Schedule ab zuleh n en. Es ist mir nicht bekannt, daß dieser Beschluß irgend eine Handlung seitens der Regierung erfordert. Der Council foj German Jewry berichtet, London, 14. Juni. Der Council f o r G e r rri a n J e w r y legt seinen ersten Bericht vor. Er ist von Lord Herbert Sani u e 1 unterzeichnet. Ein Jahresbudget von mindestens 750.000 Pfund sei erforderlich, um die vom Council sich gestellten Aufgaben zu erfüllen. Den Auswanderern aus. Deutschland, die einen Weg nach Süd- oder' Nord-Amerika gefunden haben, werde durch den Council durch Kredite die Einordnung in die Wirtschaft der Einwanderungsländer erleichtert. Etwa 24.000 Juden seien im Jahre 1936 aus Deutschland ausgewandert. Davon gingen, inach dem Berichte, 9000 nach Palästina, ' 10.ÖÖ0 nach anderen überseeischen 'Ländern; 1500 nach 'europäischen Ländern und 3800 in ihre' Heimatländer lzurück. >r -'; ' %> Einwanderungs-Department:. der Palästina- ■v- Regierung verteilt' die Zertifikate. Lphdon, 9. Juni., In Beantwortung einer Anfrage des Abgeordneten Geoffrey. Mander gab Kolonienminister Ormsby - Gore im Unterhause bekannt, daß das Einwanderungsdepa'rtment der Palästina-.Re^ierung über;die von der Jewish Agency abgelehnten 220 Zertifikate aus der letzten Schedule .-verfügen werde! '■■■] ' 1;" ■ '■ ■ " ' " , /Der Abgeordnete hatte gefragt, ob die " Jewish Agency die gegenwärtig« Arbeiter-Schedule. angenommen oder abgelehnt habe, nur 220' 'Zertifikate anstelle, der , zur Beipi&Mpiu^ der . aii^ernei'nen BeK dürfnisse des jüdischen Arbeitsmarkte® angeforderten 11.250 ■ anzüneihmen, und. was die Regierrihg zu tun gedenke.;. Der Kolonienminister' antwortete: Von *der- Jewish Agency wurde eine Erklärung veröffentlicht, au® der zu' entnehme'n ssi, daß eie> beschlossen hat.; zwar die 400 Zertifikate -anzunehmen,- die .für. deutsche Juden /bestimmt sind^ deren Ansiedlüng aus Mitteln unterstützt werden soll, die der Central Council for German Jewry zur Verfügung gestellt hat, dagegen Die Woche. Berlin. Der Berliner jüdische Turn- und Sportklub Bar iKochba-Hakoa hielt am 12. Juni in Berlin seine Generalversammlung ab. In dem Bericht wurde festgestellt, daß der Verein im vergangenen Jahre durch Auswanderung 924 Mitglieder verloren hat. ' Breslau. Das Schöffengericht R a t i b o r hat, wie die „Leobschützer Zeitung" berichtet, den 61jährigen Siegfried Kochmann wegen Vergehen® gegen das Gesetz über das Schlachten von Tieren vom April 1933 zu » z w e i M o n ate n G ef än gh is verurteilt. Er hatte das Fleisch geschächteter Tiere ms dem oberschlesischen Abstimmungsgebiet nach anderen Gebieten des Reiches versandt. Wien. Im abgelaufenen Schuljahr waren die höheren Schulen Oesterreichs von 49.723 Schülern, unter ihnen 6912 Judjen, besucht. Die amtliche Statistik stellt einen etwa zehnprozentigen Rückgang der Zahl der jüdischen Schüler gegenüber dem vorangegangenen - Jahre fest. — Bei der Neuwahl der Vertretung der Kultusgemeinde in der Kurstadt Baden bei Wien haben die Zionisten zwei Drittel aller Mandate erhalten. Budapest .Das Gericht. in. O e d e nb u r g (Sopron) hat auf den Einspruch gegen eine Pfändung entschieden, daß die Bestimmung der Pfändungsnovelle, derzufolge die letzten vier Schweine von der Pfändung auszunehmen sind, bei Juden billigerweise auf acht Gänse zu. erstrecken ist, ob-, wohl ein. solcher Pfändungsschutz in der Novelle nicht ausdrücklich angeführt wird; denn die "Haltung von ' Gänsen ersetze den Juden die Schweinehaltung. Kowno. In Mariampol, wo der vor kurzem in Litauen eingetroffene Vizebürgermeister von Tel Awiw, Dov Hos, in einer' zionistischen Versammlung sprechen >' sollte, . ist es zu stürmischen Kundgebungen des B et a r gekommen. Die Versammlung wurde nach einem Saalkampf, bei dem Messer und Revolver gebraucht wurden, von den Betardm gesprengt. Auf beiden Seiten gab es mehrere Verletzte. Drei Betarim wurden verhaftet. - Die für Sonntag und Montag in verschiedenen iProvinzstädteh'> Litauens angekündigten Versammlungen sind mit Rücksicht auf die Vorfälle in Mariampol abgesagt . worden. — Der Vizebürgermeister von Tel Awiw, Döv Hos, hat dem Bürgermeister von Kowno und früheren Ministerpräsidenten M e r k i s einen Besuch abgestattet. Bürgermeister. Merkis sprach Dov Hos seine Bewunderung für den Aufschwung von Tel Awiw aus. Lodz.o Durch einen Riesenbrand, der am Sonnabend vom Vormittag bis in die späten Abendstunden in dem L 6 d z e r jüdisch-proletarischen Viertel Baluty,.wütete, sind 160 jüdische Familien mit etwa 400 Seelen obdachlos geworden. Hundert Personen.. wurden " verwundet, davon zwanzig so schwer, daß sie ins Krankenhaus 'gebracht , werden mußten. Der Schaden beträgt über 1 Million Zloty. Luxemburg. Bei der allgemeinen Neuwahl der Luxemburgischen Kammer ist der Präsident des jüdischen Konsistoriums', von Luxemburg, Marcel C a h eri", als einziger jüdischer Kandidat der Liberalen Partei wieder zum Ab- . geordneten gewählt worden. London. Lord .' Samuel, der nach seiner Erhebung in den . Adelsstand den. Titel ^Viscouni Samuel of-Mount Canherand of Toxteth in the city of Liverpool annahm, hat' am 9. Juni seinen : , Sitz, im Oberhaus eingenommen. Der Titel . des neuen Lord erinnert einerseits an sein Amt als erster High Commissioner Palastinas, anderejjpeitis daran, daß. die Familie Samuel seit zwei Jahrhunderten in Liverpool ansässig ist, wo die Eltern des Visebunt und er selbst geboren wurden. Athen. Im Namen der griechischen Regierung hat der Kultusminister G e o r g a c o p o u 1 o u 3 ■die Gründung /..eines Verbandes d,er jüdischen G e me i nden Gr.i e c h en- 1 and s,, genehmigt. Gleich^iti^.^rtente der Ministerj die. Bewilligung; dafür, daß.-, auch .ausländische Staatsangehörige; in die jüdi- : "sehen Gemeinden aufgenommen werden, so,- 1 fern sie ihren «tändl^n',^ohn«fe i'n^Gxie- > . chehland haben..'— Anläßlich, des 5Öpjähril gen;A bj a r B'ia n.e 1 u bi l ä u m sf i,at die : größte ^Ab^e^nidzeituni C^echeitlandsj,', Jkf ] ,.((Vradyi^i mit .'iier y©röf£entUchung ' einer \ ■ ümfanigrieichen^'Studie über das Leben. Don i ..Jizchkk, .. Abarban'els . aus der'; Feder' des; i jQberrabbiners Dr. Zwi /P^oretz begonnen. Der Minister. nimmt. an, daß die Behörde in Palästina die Zertifikate'verteilen wird, nicht aber die Jewish Agency. Wenn sie 'diese 200 Zertifikate, die der High Commissioner nach dem üblichen Verfahren herausgegeben hat/nichf will, dann sei das Einwanderungsdepartment durchaus berechtigt, selbst darüber zu verfügen.!' Auf eine Frage des Abgeordneten Morgan, ob der neue Kolonial-Handelsausschuß sich mit dem Absatz der Produkte von Mandatsgebieten des britischen Kolonialreiches befassen Und ob er iti der Lage sein werde, im besonderen den Absatz von palästinensischen Zitrusfrüchten zu fördern, antwortete der Kolonienminister, der erste Teil der Frage sei zu b e j ah en. Was den-zweiten Teil betrifft, so werde es innerhalb der Befugnis des Ausschusses liegen, sich mit dem Absatz palästinensischer Zitrus-Früchte zu beschäftigen. Doch werde es Sache des Ausschusses selbst sein, sein Programm festzulegen. Er, der Minister, könne dem Ausschuß hierbei nicht vorgreifen. '■ . .'., y Bericht nicht vor Mitte Juli? London, 9. Juni. „Manchester Guardian'' erklärt, daß der für die dritte Juni-Woche erwartete Bericht der Kgl. Kommission, vermutlich weil der; von der Kommission angeblich befürwortete Teilungsplan mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurde, erst Ende Juni fertiggestellt und nicht vor Mitte Juli veröffentlicht werden würde. Demgegenüber erfährt 'die ITA. von amtlicher Seite, daß für die Annahme^ die Erklärung des Kolonienministers über den Zeitpunkt der Veröffentlichung des Berichtes sei nichtmehr in Kraft, kein Anhaltspunkt besteht. Personalien* Sigmund Bondi, Obmann der Adas Jisroel in Wien, sechzig Jahre alt. Wien, 8. Juni. Der Obmann der Wiener Adas Jisroel, Herr Sigmund Bondi, vollendete am. 2. Juni sein sechzigstes Lebensjahr. Sigmund Bondi wurde am 2. Tamus 5837 in Mainz geboren. In seinem väterlichen Hause, unter Leitung seines Vaters, dem Vorbilde echter Frömmigkeit und edler Güte, und seiner dem Gatten gleichgeeinnten Mutter, einer feinsinnigen, vornehmen Frau, genoß er eine ausgezeichnete Erziehung, die seine Anlagen entwickelte und festigte und ihn zu einem überzeugten, begeisterten Juden machte, der mit allen. Fasern seines Heraens an dem altüberlieferten Judentum hängt. Er wurde vor 26 Jahren, als ein verhältnismäßig ijunger Mann, in den Vorstand der Adas Jisroel, berufen. Die Adas Jisroel (Schiffschul) ist wohl. — dem Namen, nach —- nur ein Bethausverein, wie es deren in Wien viele gibt. Sie ist aber in Wirklichkeit die qrthodoxe Wiener Kehilah. Wer die Wiener Verhältnisse kennt, weiß, daß es eine Wiener Judenheit als etwas Einheitliches, als etwas Ganzes, das von einem wirklichen Zusammengehörigkeitsgefühl getragen wird, nicht gibt. Der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde fehlte immer vollständig der Charakter und die Bedeutung der jüdischen Kehilah,;die ihre Mitglieder allesamt in Liebe und Begeisterung zu einer gemeinsamen Aufgabe vereinigt. Ein ausgeklügelter Paragraph schafft eben kein jüdisches Gemeinwesen, der 'Steuerbüttel macht keine Kehilah. Nur der eis e r n e ,. f r ei e . W i 11 e zur Erfüllung gemeinsamer jüdischer Aufgaben ist die Grundlage einer jüdischen Kehilah. Diese Idee hat die Schiffschul geschaffen und sie bleibt auch weiter ihr Träger. Sigmund Bondi war -eon diesem Gedanken immer durchdrungen und hat ihm seinen Dienst geweiht. Nach dem; Tode Philipp B a.cks im Jahre 1922 wurde Bondi zum. .Obmann der Adas Jisroel gewählt. B, ald darauf wurde er auch als Obmann zur Leitung de«, „ Vereins zur Unterstützung cur m er, kranker Isra.eliten" (Krankenhausverein) und als Obmann, zur Leitung des „Talmud Thor a - S.c hu lv er'ei,n8 " gerufen, nachdem sein Vater Wegen des vorgerückten Alters auf .diese Stellen; verzichtet hatte. , Die Festigkeit im Kampfe für die Grundsätze und Aufgaben der Orthodoxie ist bei Sigmund Bondi um so bemerkenswerter, als er ein. Mann von ungewöhnlicher Sanftmut ist. Jedem kommt er in herzgewinnender Liebenswürdigkeit und stiller Bescheidenheit entgegen. Für jeden hat er freundliehe Worte ytad :.ean^ lächelnde Miene..,Unerschöpflich- und, unermüdlich.'^sjb;.seine 'Hilfsbereitschaft,.,.seine freigebige Qpf erwilligkeit kennt .-keine Grenzen. Wo und wie er helfen kann, ist' seine Sorge; da ist er der Erste in der. Gemeinde, da is^t; er der wirkliche R o s c b H a k o h o 1. . Sein, Haus, dank s-einer Gemahlin, der Tochter des unvergeßlichen Leopold Mosbacher ^""ST aus Frankfurt a. M., ist von .der wohligen Atmosphäre echten alten" jüdischen Lebens erfüllt, es steht allen offen und wird von jedem gerne aufgesucht. •-Älioge.-er .^.voller 'Gesundheit..und in voller Kraft das begonnene Werk weiter ..führen, möge er die Adas Jisroel .«2u fdem.; ersehnten Ziele, die Wiener orthodoxe Judenheit, zum endlichen Siege führen.

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