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Der Israelit · 1937-06-17 · Heft 24 (17.6.1937) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 24 (17.6.1937)
Date
1937-06-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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17, Juni 1937 später dem Serubabel gegenüber auftretenden denstämmlingen zu tun. Im Gegenteil: aus dieser Stelle folgt, daß in den Städten Palästinas, in deneh. sich noch versprengte Reste des jüdischen Volkes bis . zur vollständigen Vergehl epimng gehalten hatten, man nichts vom 9, Aw wußte. Dieser war also erst in B a b y 1 ojn ien zum Nationaltrauer- I a o eingesetzt worden. Die Samaritaner können von ihm gar nichts 'gewußt und noch weniger ihn gehalten haben. Wären sie von vornherein mit der Rückkehrenden in Freundschaft vereinigt gewesen, warum sollte es ihnen verborgen geblieben sein, wie die junge Gemeinde sich an den Trauertagen führe? Die Anfrage als eine von den nächsten Nachbarn Jerusalems kommende ist vollkommen sinnlos.. Siekonnte nur aus Babel stammen. Dort hatte die Gemeinde trotz der Proklamation des Gyrus zunächst die alten Bräuche zur Erinnerung an Jerusalem beibehalten, wußte man doch nicht, ob der Tempelbau geEngen würde, die junge Siedlung erfolgreich wäre. Zeigte doch ferner die Entwicklung, die Esra und Nehemia nach Jerusalem rief, wie oft trübe Kunde in Babel die Exilierten traf. Für sie\ war es eine sehte Schaalo, eine innerlich begründete Anfrage, ob mit der Tempelweihe die Zeit für Tisch'o-b'aw vorüber sei. Das Kartengebäude Auerbach^ fällt in sich zusammen, Aber er hat doch auf die N amen uns verwiesen, die ,, durchaus^ für semarische Herkunft sprechen" sollen, Namen, die 'man sonst nur bei den Juden von Elephantine finde, auch hier ,.gewiß aus samarischeT Quelle", „denn (Bethel als G'ttesnamensersatz) ist wohl nur im Anschluß an das Heiligtum von Bethel denkbar." Wenn Auerbach „gewiß" sagt, hat er „gewiß" das Gefühl, daß es nicht gewiß ist. Denn wenn der Name vom früheren Kälbertempei zu Bethel herrührte, was hat er mit den Samaritanern zu tun? Bethel wa*r als Tempel längst zerstört, e he d er erste S a - maritanet-in Palästinaangesiedelt war. Die Kolonie in Elephantine aber geht ins siebente Jahrhundert vor umsrer Zeitrechnung zurück, in die Zeit vor Jirmija, die Namen der Israeliten dort stammen also ganz gewiß nicht aus samardscher Quelle. Auch der Name Regem- Melech, der angeblich „arabisch-ammondtischen" Mischcharakter trägt, ist in Wirklichkeit ein gut chaldäischer Name, heißt vermutlich Pfeilschütze des Königs (wie im Targum zu Klgl. 1, 18 E3Jl*l "»V^ er schleudert wider mich Pfeile) und Sarezer — klanglich genau wie Scheschbazar- Serubabel — ist Schatzmeister (vergl. Levy sub Der Israelit *73fN'" der zitiert: -m»3 pXXtf a'fD IXXTD'DJ ]i"l.m. Nebukadnezar heißt auch Nebukadrezar, weil er die Israeliten in der Wüste zusammengeschleppt jind getötet). Abgesehen davon ist aus Namen überhaupt ein Schluß nicht zu ziehen. Gab es nicht einen Lewiten Obed-E d o m zu Dawids Zeit? Hieß nicht einer der Vornehmsten unter den Rückkehrern mit Serubabel (Neil. 7, 10) Pachath Mo ab? Und hatten doch weder mit Edom noch mit Moab etwas zu tun. Das B e t h. e 1 des Sechariaverses will nun Auerbach nagelneu erklären durch Rückgriff auf eine Namensliste der Juden in Elephantine, wo Bethel in verschiedenen Verbindungen sich vorfindet. Diese Liste hat schon sein Rebbe und Meister, der Antisemit E d u a r d Meyer, zu den sinnlosesten Kombinationen benutzt und in geistiger Hörigkeit phantasiert auch Auerbach von Götzen, wie As ima und Anat, die angeblich darin die Mischreligion der ersten jüdischen Exulanten verraten. Die Entlarvung dieser Fälschungen hat ein andrer verdienter Forscher S. Spinner 1933 vorweggenommen, in seinem Werk; Herkunft und Entstehung des hebräischen Volkes (Wien, John N. Vernay A. G. Verlag) S, 12 und wir geben ihm daher gern das Wort: „Der bekannte Historiker Ed. Meyer, der in seiner Geschichte des Altertums bei Darstellung der israelitischen Geschichte .die wildesten Argutien der trübsten Q u e 11 e n auf diesem Gebiete verwertet, schreibt (H/2 pag. 147); „Die Aegypter haben die Göttin Anat (von den Semiten) übernommen, die auch dem J *) zugesellt war", und erweitert diese Angabe (daselbst pag. 227): „Derartige, Js Hofstaat bildende G'ttheiten finden wir vielfach in den israelitischen Heiligtümern bis auf -die Kultusreform von 621 hinab; so haben noch im 7. Jahrhundert di« jüdischen Militärkolonisten in Elephantina die Asima und die Anat in dem dort erbauten J-tempel als zugehörig verehrt.". . . . „Derselben ,Asima des G'tteshauses' überweist die jüdische Militärkolonie in Elephantine im Jahre 419 einen Teil der für den J-tempel eingenommenen Gelder und daneben der „Anat des G'tteshauses", die in einem Eide als Anatjah, als Genossin J's erscheint." Prüft man nun diese Angaben, gewahrt man, daß die Quellen geradezu da s Gegenteil dieses .Sachverhaltes, der mißverstanden oder willkürlich entstellt wurde, erweisen. Bekanntlich war bei den Juden von jeher das Tetragrammaton (des G'ttesmamens) aus heiliger Scheu unaussprechbar. Selbst 'in der Bibel wurde hierfür einfach ha-schem tzawn, der Name, gesetzt. So machten es auch die Samaritaner beim Lesen des Pentateuchs und. in späteren Schriften, daß sie in ihrer aramäischen Mischsprache für das Tetragrammaton „Sc'hima" und mit Aleph prost, vor zwei Konsonanten nach Art der Anamäer Asima, kq'pr lesen und schreiben (vergl. Ibn Esra in dem Vorwort zu Esther; Kanne Shomron, pag. 94, 112; Cowley, Samaritan Liturgy, pag. XLI: „J. is prononced and rhymed as Eschdma") ... Bei den Judäern war die *) J als Abkürzung die® Schern Hawaja. _' _ Nr. 24 Seite 5 Aussprache des Tetragrammaton in jeder Form und Umschreibung verpönt {jerus. Synh. X, 1). Bei dieser erwähnten Gelegenheit wird ausdrücklich betont, daß selbst in der Form wie die Samaritaner bei der Eidesleistung es tun, dies verboten wäre. (Jerus. Joma X, pag. 28, j'jranwm 'Kni3 j'Vk jus wofür im babylonischen Talmud (Synh.- 90) steht: nuk jus griechisch aion, aiwon mit Digamma aevum, für welches ausgefallene Digamma der hebräische Text, wie es in verschiedenen griechischen Dialekten geschieht, eingesetzt.) Die Samaritaner übersetzten demnach den Sinn des G'ttesnamens ,,J" traditionsgemäß mit „unbegrenzte Zeit", „Ewigkeit", in der urspi-üAgliehen Bedeutung des G'ttesnamens das ..ewige Sein". Die Israeliten des- Zehnstammereiches sind im , Jahre 721 v. Ztr. in die Taurusgegend exiliert worden . . . Sie gebrauchten für das hebräische Ha-schem als Ersatz das aramäische A-sima, mit dem Zusätze de® •Kultortes Bit-el, G'ttesthaus, gleich Charim-bitel, geweiht dem G'tteshaus, dem Tempel G't« tes; dagegen gebrauchten sie bei 'der Eidesleistung, wie die Alten - bezeugen, für den G'ttesnamen eine Uebersetzung des Sinnes J in der Landessprache. Sie übersetzten also den G'ttesnamen ins Aramäische mit Anat-jabu; zusammengesetzt aus anath, Ewig-» keit, und jah, Sein, also der „Unveränderliche" oder ,das ewige Sein". Wenn diese im 7, Jahrhundert v. Ztr. nach Elephantine, in Südägypten, versprengten Kolonien, abgesprengt vom Brennpunkte des jüdischeuJGeAsteslebens in Palästina, noch diese Ehrfurcht bewahren, * den G'ttesinamen auszusprechen, lind selbst bei der Eidesleistung, da» Tetragrammaton nur in einer Uebersetzung gebrauchen, muß dieser Usus auf eine uralte Tradition (zurückgehen. Das beweist außer Zweifel, daß der' Monotheismus der Hebräer in uralter Zeit schon in einer reinen Form existierte, denn der wiedergegebene Sinn anat-jabu, das „ewige Sein für „J" schließt eine jede Trübung dieses Begriffes aus." (Schluß folgt.) Korrespondenzen, Deutsches Reich* Für die Einrichtung tboratreuer Volksschulen. Berlin, 11. Juni. Wie die Arbeitsgemeinschaft für die Errichtung theratreuer Volksschulen innerhalb der Jüdischen Gemeinde zu Berlin mitteilt, ist im Sabbatg'ttesdienst am 5. Juni von sämtlichen konservativen Kanzeln der Berliner Jüdischen Gemeinde das Thema der konservativen Schulen in der Predigt der Rabbiner behandelt worden. Es wurde einmütig der Forderung und der Erwartung Ausdruck gegeben, daß von der Schulverwaltung der Jüdischen Gemeinde die Gründung konservativer Volksschulen, die eine Eeben®- notwendigkeit für 'die thoratreue Bevölkerung darstellen, in Angriff genommen werde. zen auf eine Stufe stellen wollen. Er wußte aber, zu wem er sprach und hatte keine Hoffnung und kein Interesse, 'den Heiden zuerst von «einen verderblichen Ideen zu befreien. Daher diese eigenartige Gleichsetzung. Der Sinn ist: Selbst wenn in deinen Götzenideen eine Spür von Sinn wäre, dürftest du nicht uns und dein G'tt. nicht G'tt in» Gehege kommen. ' r- Ab aUerdiiigs; Vater Jakob bei isedner Aussöhnung mit Laban merkte, daß dieser keinen Unterschied zwischen dem Götzen Nachors und dem G'tte Abrahams machte und beide Begriffe mit dem Worte G'tt benannte, da vermied Jakob gänzlich den Ausdruck G'tt und leistete seinen Friedenseid bei dem „Gegenstände der Ehrerbietung seines' Vaters". So werden wir ermahnt, nicht den Versuch der uns nicht gebotenen Völkerbekehrung zu machen, wohl aber uns selber von jeder Trübung unseres G'ttesgedankens seitens Anderer aufs Aengstlichste izu hüten. ~— fi..........j i i _ i'~ i ,__ j Kleines Feuilleton. Dr. Joseph Wohlgemuth, ei& Gruß , zum 70. Geburtstag. „Die letzte Aufgabe, die uns zu gewinnen vorsteht, 'ist die Keduscha, die Heiligkeit. Ihr ) Obwohl eine Würdigung Dr. Wohlgemuths. aus Anlaß seines siebzigsten Geburtstage® bereits an vori- &6r Nummer erschienen ist, glauben wir auch dieses warme Grußwort unseren Lesern nicht vorenthalten 2u dürfen. Wesen beruht in einer Hingebung an G'tt, die so innig ist, daß sie in jeder Handlung des Menschen zum Ausdruck kommt, die auch die materiellen Dinge, von denen der Fromme, Gebrauch macht, adelt. Der Heilige, der in der Hingebung an seinen G'tt aufgeht,'dessen Seele voller Liebe und Ehrfurcht vor seinem Schöpfer im Lichte der reinen Ideen wandelt, für ihn ist schon sein irdischer Lebenswandel gleichbedeutend mit >dem Wandel vor G'tt im Lande des ewigen Lebens. Die Heiligkeit ist zugleich ein Teil des Lohnes, den G'tt gewährt, wenn auch .zunächst ein Ergebnis angestrengter Mühewaltung, ist sie dann eine freie Gabe des Himmels; zuerst muß der Mensch selbst eich heiligen, dann empfängt er seinerseits die Weihe'.' (Aus dem Vorwort zu „Der Weg der Frommen".) So hat Joseph Wohlgemuth vor 30 Jahren das Hochziel jüdischen Menschentums geschildert. So ist er selbst vor »einem G'tte gewandelt: „im Lichte der reinen Ideen''', gewissermaßen hienieden schon im Lande des ewigen Lebens. Wie sein Gesicht und seine Stimme, so war auch sein Wort, ja sogar sein kämpferisches Wort, durchglüht von Heiligkeit, von der Wonne, ein Jude zu ein, vor G'tt im Lichte der prophetischen und rabbinischen Gedanken zu wandeln. Nicht Pathos, sondern Weihe lag immer ausgegossen über diesen Menschen; in dem die demütige Ehrfurcht vor unserer Tradition, Emunas Chachomim, «ich vermählte mit dem Abglanz vom Strahlendiadem der Prqphetenworte. F. e i e r 1 i c h hat er sein Amt als Lehrer, als Forscher, als Schriftleiter des „Jeschurun" geführt; sein Stil wie sein Leben kannte nichts. Banales; sein Reden; wie sein Streben, auch die materiellen Verrichtungen de® Alltags1, waren geprägt und belohnt durch die ihm geschenkte Gabe der Heiligung und Selbst Verklärung. Daß die Keduscha alles zu adeln vermag, ist eigentlich das Lebensgeheimnis der frommen deutschen Juden aus der Schule S. R. Hirschs und Esriel Hildesheimers. Sie ließ ihn begeisterungstrunken durch die Naturwandern, psalmodierend, wie in einem Tempel G'ttes; sie ließ ihn auch die ganze belletristisch© Literatur der Gegenwart mit den Augen eines Menschen lesen, der überall die Spuren de® Messias sucht, der in allen Aeußerungen der dichtenden Menschenseele Funken einer höheren Welt erblickt. Sie ließ ihn schmerzlich zusammenzucken vor der Selbstverkennun^ des 'Monismus, der als einziger die' Sprache der Natur verstanden zu haben glaubt, aber sie nur mißverstanden hat; sie ließ ihn in unpersönlichem, fast mitleidigem Zorn aufwallen, wenn er die Verirrungen der „Richtlinien für das liberale Judentum", den Flitterschein moderner Schlagworte, mit den Herzensworten des Glaubens, mit dem echten Ophirgold der Thora verglich; sie ließ ihn selbst in den tragischen Verwicklungen des Weltkrieges immer .die Größe der Memschenseele bewundern, die gewaltige Hingebung für da® im Herzen still glühende Ideal. Aber das Höchste und Erhabenste, womit G'tt durch Heiligkeit seine Frommen belohnt, ist und bleibt doch ihre selbstvergessene Andacht zu Thofa und Mizwaus. Da sieht man — und seine Schüler und Verehrer haben es täglich und stündlich in Synagoge und Lebrbaus und im Familienkreis bei ihm gesehen — wie G'tt „Ehre, Ruhm und Zuversicht Seinen Frommen gibt," wie alle Welt in. nichts vergeht vor der 'Beseligung, die sie in ihrer G'tthörigkeit und Frömmigkeit empfinden.

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