Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 24 (17.6.1937)
- Date
- 1937-06-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 24 Der 1 s r a e Ii t 17. Juni 1937 Die Thora uns und den kommenden Geschlechtern zu erhalten, ist die unabweisbare Pflicht eines jeden Juden! Kannst Du nicht selbst durch „Lernen und Lehren" diese Pflicht erfüllen, so verhelfe.wenigstens änderen dazu. - Stütze und fördere den KEREN HATORAH! „ '> / , . Keren Hatorah, Harn bürg, Heinrich Barthstraße 2 1 ,Pos tschec k konto: Hambu rg 24753 doxie verdolmetschen. Daß Herr Stern in •direktem Auftrag der Gemeindeorthodoxie handelte, ist nicht anzunehmen, daß er es aber für gut fand, in diesem Zusammenhange überhaupt von. der Gemeirwleorthodoxie zu sprechen, ist wieder einmal bezeichnend für die Auffassung der liberalen Gemeindeführer vom Wesen und Charakter der ihnen angeschlossenen oder, wie sie vielleicht glauben, ihnen anvertrauten gesetzestreuen Gemeinschaft. Die Skepsis, die wir den Beschlüssen der in Kolumbus (Ohio) tagenden Zentralkonferenz der amerikanischen R e f o r m r a b b i n er, sich „der Tradition zu nähern", entgegenbrachten, wird leider durch den weiteren Verlauf der Versammlung nur allzusehr gerechtfertigt. Es kamen zum Schluß auch Eherechtsfragen auf die Tagesordnung, auch das Problem der Mitchell«. Man machte Vorschläge zur „Verbesserung der veralteten Kke^eÄetz©"r Di& Kpm-mi&sioji fefytte SV^ftF T h?• - sen zur Frage der Mischehe ausgearbeitet, über die weder im Communique noch im Berichte der ITA. Genaues gesagt wird. Man. erfährt nur, daß •die Behandlung dieses Teiles des Berichtes bis zur nächsten Konferenz verschoben wurde und zwar bis eine zu diesem Zwecke «ingesetzte Studienkommission die rFrage geprüft hat. Eine rabbinische Instanz, für die es «ine' Mischehefrage überhaupt gibt, 'die zum Studium einer solchen Frage eine eigene Kommission, einsetzt und bereit ist, über Vorschläge in dieser Sache zu verhandeln, hat kein Recht, von einer „Annäherung an die Tradition"' zu sprechen und zu „einer stärkeren Berücksichtigung der Religion" aufzurufen. Renegaten des Geistes« Von Oberrabbiner Dr. Carlebach. (Fortsetzung.j Eine zweite für die Gesamtauffassüiig der Geschichte Israels "wesentliche und grundlegende jStelle konstruiert sich Auerbach im Abschnitt über Di-eS-a maritaner. Welche Bedeutung die Samaritaner für die Rechtfertigung unsrer Tradition haben, wird noch darzulegen sein. Hier im Abschnitt über Auerbachs Methodik soll nur wieder die ßrüchigkeit seiner Fundamente aufgezeigt werden. Bekanntlich versuchten die von Assyrien nach Palästina angesiedelten Samaritaner, sich mit der unter Serubabel heimkehrenden Judenheit zu einem Volk zu vereinen und mit ihr gemeinsam den Tempel auf Zion zu bauen. Aber kategorisch wies Serubabel sie ab: ,,Nicht euch und uns gemeinsam liegt es ob, ein Haus unsrem G'tte zu bauen, sondern wir allein wollen einig bauen dem Ewigen dem G'tte Israels, wie uns auch geboten /Kyros, . der König von Persien (Esra 4, 3)." Durch diesen religiös und politisch begründeten Bescheid, dessen Authentizität für sich selbst spricht, war der definitive Trennungsstrich zwischen Israel und Samaria gezogen. Herrn Auerbach paßt dies Faktum, das die ganze Theorie Wellhausens bedroht, durchaus nicht. Er will uns das Gegenteil beweisen und aufzeigen, daß in den ersten Jahrzehnten der Rückkehr die herzlichste Freundschaft zwischen den Juden und den Samaritanern bestanden habe. Dazu bedarf er eines quellenmäßigen Beleges, und dem Tausendkünstler ist nichts unmöglich. Es heißt in Secharja Kap. 7: „Im Jahre 4 des Königs Darius erging das Wort G'ttes an Secharja am vierten des neunten Monats Kislew. Es hatte nämlich eine Botschaft geschickt Beth-El Sarezer und Regem-melech und seine Leute: Man sollte die Priester im Hause des Welteng'ttes und Propheten fragen: soll ich weinen im fünften Monat (im Aw), mich enthalten, wie ich es getan soviele Jahre? . . . Da erging das Wort G'ttes an mich wie folgt: So spricht G'tt: der Fasttag des vierten Monats, der des fünften, der des siebenten und der des zehnten Monats werden dem Hause Juda zu Wonne und Freude und Festtagen sein . . ." * Im unterstrichenen Vers .(7, 2} ist der Sinn des Wortes Beth-El nicht War. Nach Ibn Esra ist es der Name eines vornehmen babylonischen Juden, wie Sarezer und Regem-melech; nach dem Targum und dem Redak ist Beth-El gleich Beth-Haschem, der Tempel (es schickten zum Tempel . . .); nach Raschi haben die in Beth-El angesiedelten Juden die Anfrage ihrer babylonischen Verwandten überbracht. Jedenfalls ist dieser Vers mit seinen textlichen Schwierigkeiten zu irgendwelchen Schlußfolgerungen nicht zu verwerten. Denn aus dem Klaren, EPe s t i m m t e n , Eindeutigen muß jede Unklarheit erläutert werden, nicht umgekehrt. Für Auerbach liegt aber die Sache anders. „Die landläufig© Meinung, daß die Samarier gleich: nach der Heimkehr der Exulanten vergeblich ein& Annäherung versucht und nach ihrer Zurückweisung sich sofort feindselig verhalten haben, geht auf die irrige Darstellung zurück, die der weit später schireiteade Chronist in Es. 4, 1—5 lange nach der Esra-Zeit von dieser ernsten Zeit gibt. Demgegenüber geht die freundliche Einstellung und religiöse Verbundenheit der Samarier ganz einwandfrei aus der ritualen Anfrage hervor, die sie im Jahre 518 nach Jerusalem richteten, während der Tempel seiner Vollendung entgegenging." (S. 225.) Dagegen auf S. 230t „Wenn nicht alles täuscht, haben wir aus dieser Zeit ein Zeugnis dafür, daß 'die Samarier sich der neuen. Gemeinschaft in Juda zugehörig fühlten und die leitende reEgiöse Stellung Jerusalems anerkannten. Im Dezember 518 beantwortet der Prophet Zacharia die Anfrage zweier Samarier Betel-sar-ussur und Regem-melech, ob man auch in Zukunft noch den Fasttag wegen der Zerstörung des Tempels innezuhalten habe . . . Die Frage selbst zeigt, daß die Samarier bis dahin diesen Trauertag gehalten haben (vergl. auch Jer. 41, 5j)i und in Ritualfragen die jerusalemer Instanzen- .als. entscheidend ansahen-," „Die Namen sprechen durchaus für samarische Herkunft , der Frager. Auf judäischem Gebiet sind sie ohne Parallele. Dagegen finden wir mit Betel zusammengesetzte Eigennamen bei den Juden von Elephantiae, auch hier gewiß a-us samarischer Quelle. Die Entstehung .dieses G'ttesnamenersatzes ist wohl nur im Anschluß an das Heiligtum von Betel denkbar. Der zweite Name trägt das Gepräge eines aräbischämmonitischen Mischnamens, weist also auch a m ehesten nach Samaria." Hier zeigt sich die Arbeitsweise Auerbachs in ihrem'richtigen lichte. Zuerst ist sein Beweis „einwandfrei", einige Seiten später, schon etwas schamhafter, nur haltbar: „wenn nicht alles täuscht". Aber ihn täuscht eben alles. In Jer. 41, 5 wird erzählt, daß zwei Monate nach der Tempelzerstörung noch Leute aus Sichern, Silo und Schomron nichts vom Brand des Heiligtums wußten, und als sie mit Gaben nach Zion unterwegs sind, von. der Trauerpost überrascht und vom Schmerz übermannt werden. Keine Spur deutet darauf, daß diese Unglücklichen andere als Judäer oder Israeliten waren, jedenfalls haben sie nichts, auch gar nichts mit den 70 Jihre In fremder Redeweise. Zum Wochenabschnitte. Von Rabbiner Dr. Cohen in Hamburg. Es ist auf den ersten Blick auffällig, daß uns Bemidbar XX, 16 berichtet wird, Mos© habe den Durchlaß durch das Edomiterland mit den Worten erbeten: G'tt sandte einen Engel, und der führte uns aus Aegypten. In der Erzählung des Auszuges ist wohl für die Führung durch die Wüste, nicht aber für den Auszug selber ein Engel benannt, und bekanntlich hat auch der Tanna, dem unsere Hagada entstammt, es noch besonders betont, daß die Erlösung aus Aegypten durch G'tt selber und durch keinen Engel ^erfolgte. Raschi und andere Erklärer haben diese Schwierigkeit bemerkt; so erklärt Raschi, mit dem Erlöser sei hier Mose selber gemeint. Es will jedoch scheinen, als gehöre dieser Ausspruch zu einer ganzen Reihe ähnlicher Worte der heiligen, Schrift, die davon zeugen, daß .die Propheten und daß gelegentlich sogar G'tt selber Worte sprach, die der Denkweise g'ttfremder Personen und Zeiten angepaßt sind. I. Wir lesen Beresch; XX, 7 die Worte G'ttes an Abimelech; Gib Abraham die Frau, zurück, denn er ist ein Prophet; dann , wird er für 'dich beten. — Und wenn Abraham kein Prophet,.gewesen wäre, wäre seine Frau herrenlos und müßte Abimelech sie ihm nicht zurückgeben? Einige antworten darauf: Das Prophetentum Abrahams sei hier erwähnt, um das Nachfolgende zu begründen: Stimme ihn günstig, dann wird sein Gebet für dich sicherlich gute Wirkung tun, weil er ein Prophet ist. Aber viel einfacher liest sich die Stelle als ein Zugeständnis an die finstere heidnische Denkweise Abimelechs: Du heidnischer König kennst nicht die gleichen Rechte aller Menschen auf Respektierung ihrer Familienreinheit; ich will dich jetzt nicht erst lange über diese Selbstverständlichkeit aufklären; selbst wenn deine Meinung Sinn hätte, nach der man nur die Rechte der Hochgestellten, z. B. der Propheten zu respektieren hat, mußt du diesem Manne die Frau zurückgeben, denn er ist ja 'fein Prophet. II. Nachdem Pharao sein vermessenes „Wer ist G'tt?" Mose entgegengerufen und .damit dem G'ttesbefehl Israels Trotz angesagt hatte, sprachen Mose und Aharon: Der Hebräerg'tt ist uns über den Weg gekommen; «o möchten wir doch einen Weg von drei Tagen in die Wüste hinaus gehen und unserem G'tte opfern, damit er uns nicht mit Krankheit oder Schwert heimsucht. — Mose und Aharon verzichten also erstens darauf, Pharao darüber zu belehren, daß unser G'tt nicht der „Hebräerg'tt", sondern der Herr •der Welt ist, als. den er ihn ja doch nicht anerkennen wollte; sie haben ihn auch nicht darüber aufgeklärt, daß G'tt seinen wahren Propheten nicht wie den. heidnischen Sehern (Raschi zu Wajikra I, 1) gelegentlich über den Weg kommt und sie mit Grauen erfüllt, sondern sie in Liebe ruft und' belehrt; endlich haben sie nicht' versucht; .und sollten es* auch nicht, versuchen, über die 'Notwendigkeit des völligen Endes7 der-Knechtschaft weiter zu belehren, die er ja mit Gewalt fortsetzen wollte; besonders* aber verrieten sie ihm nichts von der großen Liebe, die jeder Befolger des G'tteswortes in Israel seiner Thora entgegenbringt und ließen ihn in dem ihm gewohnten Glauben, auch in Israel herrsche wie bei anderen Völkern der Gehorsam gegenüber dem höchsten Wesen aus purer Angst vor Krankheit und Schwert. Und diese Verhängnisse könnten, einmal losgelassen, uns alle, auch dich, 'Pharao, treffen. Daher tätest du weise, unseren Wunsch zu erfüllen. III. Aus demselben Anlasse sehen wir Mose den Durchlaß durch Edom mit den Worten verlangen: iiin Engel hat uns aus Aegypten befreit. Die Erlösung durch G'tt selber ohne Mithilfe eines anderen höheren Wesens ist ja eben das., wodurch sich Israel von anderen Völkern unterscheidet! die Ueberzeugung, daß G'tt ganz von allen sonstigen überirdischen Mächten unabhängig handeln kann," also ein absolut freies Wesen ist, unterscheidet eben die jüdische von .jeder sonstigen G'ttesanschauung. Solche Gedanken aber wollen durch ein ganzes Leben des Gehorsams gegenüber dem Gesetze G'ite© innerlich errungen und nicht bloß einmal gehört worden sein. Auch ein einmaliges Hören solcher Gedanken aus dem Munde des Höchsten selber verschlägt nicht*. Daher verzichtet G'tt oder der Prophet auf diese Belehrung des Heiden und verlangt den Gehorsam des Heiden auch in dessen eigener Denkweise. IV. Sicherlich läßt sich auch die uns sonderbar anmutende Redeweise Jiftachs gegenüber dem Ammoniterkönig in ähnlicher Weise rechtfertigen. Er weist dessen Anspruch auf .einen Teil des. jüdischen Landes nach einer längeinen historischen Darstellung mit folgenden Worten zurück: (Ri; XI; 24; 'Haftara ChukkathJ „Was dir dein G'tt Kembsch zur Eroberung gibt, das magst du terobern; -und was. unser G'tt vor uns von seinen Besitzern räumte, das besitzen wir." Sicher hat auch Jiftach nicht G'tt mit d«n Göt-