Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 24 (17.6.1937)
- Date
- 1937-06-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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ft*' •ryjpfasjS^^C-^Jäeefi^i ij, Juni 1937 Der Israelit Nr. 24 Seite 3 - Die Unmöglichkeit des Teilungfsplanes. (Fortsetzung ypn Seite 1.) > / bedingen, 'daß innerhalb des jüdischen Staates fflin d e s t e n s 40 Proz. Araber wähnten, sobald maii fl°on 'das für die Entwicklung der nächsten Zukunft notwendige Gebiet im Süden und Norden hinzunimmt, sogar mehr als 50 Proz. Araber. Jede Vergrößerung des jüdischen Territoriums zur Erhöhung der wirtschaftlichen .Existenzfähigkeit des neuen Staatsgebilde® begreift eine Vergrößerung des arabischen Volksteiles in sich und birgt däm't den Keim, ewiger existenzbedrohenäer innerer "':;Känipfe. Wollte'''maai'' aber den jüdischen Staat künstlich aus denjenigen Gebieten zusammensetzen, in denen eine jüdische Bevölkerungsmehrheit besteht; so würde er in eine Anzahl ünzusammenhängender Fragmente zerfallen, die nur über arabisches Gebiet hinweg mit einander verkehren könnten. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, um sich auszumalen, wie, selbst den besten Willen der beiderseitigen Regierungen vorausgesetzt, der kleinste Zwischenfall genügen würde, um die schwersten Verwicklungen wegen „Unterdrückung" der fremdnationalen Minderheiten oder gar Mehrheiten heraufzubeschwören! Revisionistische Juden und arabische Extremisten außerhalb der nationalen Staatsgrenzen würden nicht ermangeln, sich der unterdrückten Volksgenossen anzunehmen, die Volksleidenschatten in fortdauernder Erregung zu . halten und damit aus den beiden Teilen Palästinas einen jederaeit eruptionsb er eilen Vulkan zu, machen, dessen zerstörende Wirkungen nur durch eine starke britische Militärmacht aufgehalten werden könnten., Der von gewissen Seiten vorgeschlagene Bevölke.run.g saust.aus' c ,h — die arabische Mehrheit des jüdischen Staates nach Transjordanien, die jüdischen Massen Jerusalems in den jüdischen Küstenstaat — würde ungeheure Kapitalien erfordern und schließlich noch daran scheitern, daß man aus den Arabern West-. Palästinas eben so wenig von heute auf morgen iransjordanische Bauern machen kann, wie aus der handeltreibenden jüdischen Stadtbevölkerung Jerusalems brauchbare Arbeiter in den westpalästmensischen Orangenplantagen und Fabriken. T Die unvermeidlichen „militärischen Zwischenfälle" an der künftigen jüdisch-arabischen Bin-; nengrenze in Palästina und ihre Rückwirkungen auf die englische Politik lassen sich im einzelnen heute schwer dm voraus beurteilen, aber daß sie jeder Kenner der Verhältnisse in Rechnung stellen muß, unterliegt keinem Zweifel. Die w i r t s c ha f t Ii che Lage der beiden auseinander gerissenen^ Teile Palästinas würde zunächst ziemlich gleich ungünstig sein. Aber während der arabische Teil durch ökonomischen Zusammenschluß ijäjjf!f. -b^äctifo&t&p; arabischen Staaten eine _ Besserung seiner;V;Wir;t^^äftliUli^n'| Lebensbedingungen '-'erzielen.könnte, lißgtj .für den jüdischen.'; Teil >; eine solche; Möglichkeit': nicht) i vor. Mit &nem stark reduzi^te^, (meist' von; •Jerusalem Haifa aJbsQrfoierterji:$^n^enver-sj kehr undhgeringer Industrie (insoferuj Haifa und) das Tote Meer außerhalb' bleibt),- würde ^- von der Selbstversorgung abgesehen — der Orangenexport so ziemlich die einzige Nahrungsquelle des jüdischen Wirtsehaftskörpers bilden, zum Sterben zuviel, zum Leben zu wenig.... Bemerkenswert ist die allmählich auch in zionistischen. Kreisen aufdämmernde' Erkenntnis, uäß ein jüdischer Staat — selbst wenn er ganz: "alästina umfaßte — innen- und außenpolitisch J^U so enormen-'Schwierigkeiten zu kämpfen hä-: en würde, daß daraus eine wesentliche Ver^-'' schlechterung der Gesamtlage des jüdischen Volkes resultieren 'könnte. Zunächst einmal die Frage der „Minderheiten''. Zu diesen würden nicht nur die vierzig oder sechzig, Prozent Araber zählen, sondern, zahlreiche Ausländer, zum Beispiel auch die deutschen Kolonisten in Sarona und Wilhelma .nut'yihrer keineswegs judenfreundlichen Einstellung? An Anlässen zu internationalen Reibungen nüt katastrophalen Rückwirkungen auf die jüdischen Minderheiten in den beteiligten Ländern wird es also nicht fehlen. Wie der jüdische Staat, der — und dies ist ja sein eigentlicher Existenzgrund — zwei oder drei Millionen jüdischen Neu-Einwanderern eine Heimat zu bieten bestimmt ist, auf eigene Verantwortung mit der R e g u 1 i e r u n g dieses Einwänderungsstromes fertig werden soll, ist unerfindlich. Die um ihre Existenz ringenden, in ihrer .Existenz bedrohten Millionehmassen der dstjüdischen Diaspora werden notwendiger Weise einen , so ungeheuren Druck auf ihren neuen „Heimatstaat" ausüben und von manchen Regierungen ihrer Wohnländer dabei aus naheliegenden Gründen so wirksam unterstützt werden« daß die Widerstandskraft der jüdischen Regie-, rung auf eine außerordentlich harte Probe gestellt werden müßte. Dabei sind die noch viel gefährlicheren weiteren politischen Verwicklungen ganz außer acht gelassen, die für die gesamte Diaspora-Judenheit aus der bloßen Existenz eines nominellen, aber machtpolitisch doch vollkommen belanglosen jüdischen Duodezstaates erwachsen müssen. Dieser Staat wird eine bequeme Ausrede sein für alle diejenigen Völker, die ihre Juden zu Fremden deklarieren oder gänzlich loswerden wollen, während er doch nur in langen, langen Zeiträumen und auch da nur in verschwindendem Umfange den depossedierten Volksgenossen Boden und Heimat bieten könnte. Es ist zu hoffen, daß alle diese Bedenken gegen die unglückselige Idee der Teilung Palästinas und der Schaffung eines jüdischen Staate«! wenn sich ihnen die Royal Commission auch verschlossen haben, sollte, doch bereits, im. Schöße des britischen Kabinettes gewürdigt, jedenfalls aber im Parlament starken Ausdruck finden werden. Das Palästina-Problem ist und bleibt nur lösbar auf dem .Wege einer festen, entschlossenen, mandattreuen britischen Politik, die zunächst den arabischen Extremisten die Führung entreißt und alsdann die arabisch-jüdische Verständigung in geduldiger Arbeit herbeiführt. Diese Verständigung setzt auf jüdischer Seite Opferbereitschaft und KompromißWilligkeit voraus, vielleicht sogar den Verzicht auf manche liebgewordene Vorstellung. Daran.aber wird es gegenüber einem klaren politischen Verständigungsprogramm des englischen Imperiums — allem revisionistischen Radikalismus zum Trotz — nicht fehlen. Wochenrandschau. Krisis in der Reichs Vertretung—Reformgememde in Amsterdam Was sie in Amerika „Tradition" nennen. Am Dienstag, den 15. Juni, traten in Berlin Rat und Präsidialausschuß der R-eichsv er tretung der Juden in Deutschland zu einer Tagung zusammen, die noch andauert. Nach den Ouvertüren in der Berliner jüdischen Presse >zu urteilen, wird bei dieser Tagung eine ernstliche Krise kaum zu vermeiden sein. Die Auseinandersetzung spitzt sich auf die Frage zu: Wer soll künftighin die Oberhand in der Reiohsvertretung haben,, die bisherigen sie beherrschenden Organisationen'ipder der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde? Der Jüdische Cen t r a 1 v er e in nimmt an leitender Stelle seines Organs scharfe Stellung gegen die führenden Persönlichkeiten der Berliner Jüdischen Gemeinde, die der bisherigen Leitung und Verfassung der R. V. den Kampf angesagt haben. Es wird hier , 'die Meinung ^ausgesprochen,:daß hinter jenen Männern, die aus. personellen, taktischen und .Prestigegründen «ane»\^rjait Entfachen,; die Gemeinde ■ als solche nicht stehe, da diese.,zur Zeit''andere Sqi--;'gen hätte! und nur sachlichen)' Belangen jhr Interesse. zUwende. Daß dabei alle;j Verdtiei^stfe der R. V. in '.■djen ivier Jahren ihres Bestehens (einzeln aufgeführt > werden, ist notwendig, um dem Plädoyer die kon-' 'ik'-reteri Unterlagen zu schaffen. Den Beweis dafür, ' daß all die Leistungen uhd Verdienste nicht auch i'(0jhnedie R. V. zü verzeichnen gewesen wären, bleibt allerdings, oder Artikelschreiber . schuldig. 1 Im „Gemeindeblatt", dem Organ des Vorstandes der Berliner Jüdischen Gemeinde, wird aber zur gleichen Zeit der Vorstoß; gegen die Positionen der R. V/ mit voller Wucht; eingeleitet, Die Kampfparole heißt hier: Gegen G r u p p e n i n t e r e s s e n für die Gemeinschaft! :Eine: Gesamt Vertretung, wie sie die R. V. sein will, heißt . es hier, habe sich von allen Interessengruppen zu lösen, um einzig die ,g e - m e ins chaftlichen An g e le g e n h ei t e n zu. vertreten., Auch nach Begründung des Rates, der doch die Aufgabe hätte, eine stärkere Verbindung mit den.:,Qenieinden herzustellen, .seien nicht die Gemeinden, (lies : die Berliner1 Jüdische Gemeinde.), sondern die Organisationen in der R. V. dominierend. All das, was heute auf Konto der R, -V. gebucht werde, hätte auch schon von den früheren Instanzen geleistet werden können, auf dem Gebiete der allgemeinen jüdischen Angelegenheiten habe aber die R. V. vollkommen versagt. Erforderlich sei u; v. a. die Abschaffung überflüssiger Aemter uaad Stellen und Anerkennung der erhöhten Einflußnahme der Berliner Gemeinde als der Trägerin der Interessen von fast der Hälfte der in Deutschland lebenden Juden. Selbstverstnädlich nehmen auch die Zionisten in ihrem Zentralorgan zu der bevorstehenden Tagung das Wort. Daß diese Stellungnahme nicht gerade zugunsten der Jüdischen Gemeinde ausfällt, ist bei der derzeitigen Zusammensetzung der Gemeindekörperschaften erklärlich. Vor allem hält aber das Blatt mit Rücksicht auf die* Durohführüng der Auswanderung und die Lösung anderer Probleme die geschaffene Krise für ein gefährliches Spiel, das die. friedliche Zusammenarbeit bedrohe. — Die unabhängige Orthodoxie, 'die in der R. V. nicht vertreten ist, und ihr Verhältnis zu ihr unter Bedingungen geordnet hat, die nach Lage und Bedarf eine Mitarbeit möglich oder unmöglich machen, kann auf eigene Stellungnahme verzichten und die weitere Entwicklung der Dinge aruhig abwarten. Die R ei o rm g-emeind« in Amsterdam, um die und gegen die einige Jahre gekämpft wurde, ist nun dag Ihre Synagoge ist am Sonntag, den 6. Juni, mit Orgel und gemischtem Chore und allen Attributen einer radikalen Reform eingeweiht worden. Ueber die Einweihung i wird juns aus Amsterdam berichtet, daß Rabb. Dr. Mehlef die Mitglieder der neuen Gemeinde aufforderte, sich „in die Reihe der Geherationen" einzuschalten, zugleich aber ,",dem Prinzip der Freiheit in Praxis und Theorie" zu huldigen. Daß man aber mit der reEgipsen Freiheit,wie sie. Herr Dr. M: meint, iganz aus der Reihe der". Gener rationen fallen müß, stört das logische'DenKen der Männer, die es wagen, in den wahrhaft stolzen und schönen Einheitsbau der Amsterdamer Gemeinde eine Bresche zu legen, nicht im geringsten. Sie wagen 'es sogar, bei diesem Anlaß von Einheit und Friedenswillen zu sprechen. Herr R.-A. Heinrich Stern aus Berlin überbrachte die Glückwünsche der B erlin er jüdisch en G ein eind e' ,l indem er die Berliner Ei nh ei t s g em eijnd e , die Liberale und Orthodoxe in gleicher Liebe umfasse, als Muster auch für Holland hinstellte. Es hört sich sogar, wenn wir die uns zugegangenen Berichte richtig verstehen, beinahe 60 an, als wollte Dr. Stern auch die Glückwünsche der der Berliner jüdischen Gemeinde angeschlossenen G e m e i n d e o r t h o - Kauft im STRUMPFHAUS METZGER ZEIL 87 such Herrenwäsche, Trikotagen und Badewäsche I Sportünd Sacco-Anziige Leinen- und Lüslertcleldung Sömmerhosen in grofler Auswahl auf'Wunsch Verarbeitung. Frankfurt a.M. Hincienburgplatz 12 gegenüb. d. Hauptbahnhof