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Der Israelit · 1937-06-10 · Heft 23 (10.6.1937) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 23 (10.6.1937)
Date
1937-06-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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B^^sfj^SS i^^SS^jnW!^ (PR^PSIRR S*^?^?-;-7*J? 5^-1 mPfBs^^5^^sp^^^?^s^^w^^s IHIIH- -HIIHIIh- 3EB1@ mmm(||0|0|0||o—o|0|0|0|.|— -HIIHIIh— ^}\H1\& —(IIHI Erziehung und Lehre Pädagogische Beilage zum „Israelit" Organ des Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands IHllh- —lllMlll— ^^[H][^ —Illolollollo—o öloiolfi— -HIIHIIh- =DIM][& ^SSi Mußte das sein? Von Rabbiner Dr. Julius Merzbach in Darmstadt. Aus allen jüdischen Schulest! k'öti man die Klage, daß es an jüdischem Lesestoff für den Deutschunterricht fehle., .Billige Heftchen, die für die Hand jeden Schülers erschwinglich sind, .systematisch in der Auswahl und in Schwere des* Stoffes nach den Schuljahren steigend, voll jüdischen anregenden Inhalts, .erwartet man seit Jahren mit Sehnsucht. Nun hat der Jüdische Lehrerverband fünf Lesebogen für die Unter-, Mittel- und Oberstufe. (4. bis 9. Schuljahr!) herausgegeben. Mit gespannter Hoffnung nimmt sie der jüdische Lehrer in die Hand — und legt sie mit wehmütiger Enttäuschung zur Seite. Mußte das wirklich sleini? i Man beginnt den ersten Leseihogem für das vierte Schuljahr zu lesen. Als Erstes ein Gedicht „Mose". Dreimal enthält ©s deii. heiligen Namen G'ttes, den ''in av in «einer deutschen Aussprache! Hunderte jüdischer Kinder werden nun den heiligen Namen 'mmer wieder aussprechen. >V7M Hrr» ins? Kin ima si» am winS» Tis «an 's» at?n msin yawn lehrt der Talmud (:r önu). Es ist selbst strafwürdig; wer schweigend ohne einzuschreiten mit anhört, wie der Name G'ttes ausgesprochen wird. Dieser Satiz veirpflichtet wi®, gegen dies© Entweihung des G'ttesnamens öffentlich Protest zu erheben, so gern wir dies, vermieden hätten. Wo bleibt die Rücksicht auf das religiöse Kind? Ich denke daran, daß es uns in unserer Schulzeit in der staatlichen! höheren Schule gestattet war, im „B©lsazar"-Gedicht den heiligen Namen wegzulassen. Und nun "werden in allen jüdischen Schulen Kinder ihn in .den Mund nehmen. Wo bleibt aber vor Allem die heilige Ehrfurcht vor G'tt und Seinem Namen? j^nvi s*n r~iK ('3 mi»n) G'tt fürchten heißt: Seinen Namen nicht in den Mund nehmen. Soll das. Kind so zur Ehrfurcht erzogen werden? Soll es so lernen, daß -es die Pflicht des Zehnworte® Ntnitii selbst — nicht zu halten angeleitet wird? Mußte das sein? Wir beginnen den zweiten Lesebogen (Klasse 4/ und 3). Perez' Geschichte „Bonze Schweig". Das Gericht über die Seele im Himmel. Ein Gerichtspräsident. Der „Fall Schweig". Fünif Minuten wird der Prozeß dauern. Der Fürsprech nimmt die Akten. „Zur Sache!" schreit der Präsident, der ihn auch sonst amgedulclig' oft unterbricht: „Bitte Tatsachen, ohne Rhetorik." „Der 'Fürsprech nimmt einen Schluck Wasser" und fährt fort. Und in diesem frivolen Ton Seite um Seite Schilderung ides himmlischen Gerichts. Bis zum Schluß, in dem der arme, anspruchslose. Bonze Schweig, dem das Leben nichts gab, sich als des Himmels Geschenk erbittet jeden Morgen „eine warme Semmel mit frischer Butter" und „Richter und Engel' verschämt 'die Augen niederschlagen". D a s ist — -so fragen wir wiederum — Erziehung zur Ehrfurcht? Die gewaltigen Grandlehren des Judentums vom rrapn rrnn ->iEh pavm p> von der Rechenschaftsablage vor G'tt, und vom überirdischen Glück einer i^tan tbyf, —; s o sollen! sie in; die Herzen jüdischer Kinder vom Jüdischen Lehrerbund gepflanzt werden? Schämt man sich nicht vor der Welt draußen, das als jüdische Lektüre den Zehafährigen empfehlen ' zu lassen, wenn" man schon vor sich selbst und vor der min keine Ächtung hat? Und nicht genug damit: Zwiegespräch Fürsprech und Präsident: „Mit acht Tagen wurde er ibeschnitten . . ." „Bitte ohne realistische Details". Dem, gesunden Urteil des Lesers darf es überlassen; bieiberi, wi», er zu solcher; Schullektüre sich .stellt. j Und noch nicht genug damit: Man schaudert'/ n* iiai als Lektüre der Zehnjährigen?! Der' Wohltäter, dem Bonze Schweig das. Leben gerettet, macht; ihn —. ironische Schilderung — zu seinem Kutscher. "Er tat noch mehr; verheiratete ihn; und noch mehr:; er versorgte ähns sogar gleich mit einem Kinde . . . ^r&i Punkte überlassen dem Leser die Ausmalung. Das mußte man, da® w«igte man, jüdischen reinen- Kindern als jüdische Lektüre zu bieten,?, ' , Der dritte Lesebogen. Aufsätze über Hillel und über Schammai .aus Katz, Biographische Charakterbilder, bearbeitet von Stern. ■ Hillel, der Feind „übertriebener Frömmigkeit", mit «einen, „zeitgemäßen Reformen", der „die überlieferten Halachot einer strengen Kritik unterzieht und sie erforderlichenfalls den Zeitbedürfnissen anpaßt. Schammai, dessen erschwerende Gesetzesauslegung „weniger in seiner starr religiösem als vielmehr in seiner nationalen Gesinnung" begründet ist, dem „Grundlage seiner Lehren und wahrscheinlich (!) auch seiner Handlungen seine streng nationale Gesinnung bildete", für den „daher auch die rein religiösen Vorschriften und Gebräuche nationale Einrichtungen'' waren. Wahrlich, ein hübsches Paar; tm7t?7\ der Reformer und ivmr der .Nationaljude —- aber beide beileibe nicht thoratreu! Alte Schlagworte ohne Sinn und ohne Grund, aus oberflächlichster Kenntnis der talmudischen Quellen, ohne 'Respekt vor wahrer traditioneller Ueberlieferung, sind es, die dem ahnungslosen Kinde hier geboten werden. Wie muß dag; auf den Schüler wirken? Aber damit man auch hier, wie bei den ersten beiden Bögen, sehe, daß nicht nur aus „orthodoxer Parteieinstellung" heraus solche Darstellung zu verurteilen ist, sondern damit man erkenne, wie sachlich Falsches, wi&siehisdhaftlieh Unhaltbares aus — Am- Haarez-Mund dem jüdischen Kind geboten wird und es vergiftet, dafür ein Beispiel: \ Schammai. der sonst Erschwerende, „wenn es sich um die Hebung und Sicherung der sozialen Lage des Volkes handelte, ließ er 'Neuerungen zu, selbst wenn sie igegen das .geschriebene Gesetz verstießen. Als ihm einst hinterbracht wunde, daß die Landbevölkerung die Heiligkeit des Erlaßjahres verletze, sprach er: „Die Zeit ist jetzt nicht dazu angetan, dem Volke das Pflügen und. Säen im Erlaßjahr zu verbieten." Soweit wörtlich der Lesebogen (nach Katz:). Und das jüdische Kind (was der Schreiber wollte), beginnt die „Grenzen des Ritualgesetzes" vor das Leben zu stecken. Also auch der strenge Schammai meinte, das Thorawort brauche in solchen Zeiten nicht gehalten zu wenden. Und die Geschichte von Schammai muß doch, so denkt es sich, wahr, kann doch nicht einfach erfunden sein. Der Lehrerverband wind doch nicht lügen. Wer in 'die Quelle schaut,' dieder Lesebogen zwar nicht, wohl aber Katz mit '3 myaip Rnaow angibt, findet: n/i'n rtK min jpm 'köb? w>2V 'RXi»3 nnw pym wwer mr jnrn nu i»*m« jv>3 .sn*h »aim ">iib nj>w Es ist also die. Frage, ob ein Bauer, der im Erlaßjahr sein Feld gepflügt hat — (genauer in Zeiten, in denen angesichts des Lebens Gefahr bei Nichtabgabe der 'Naturalien-Steuern e i n Pflügen erlaubt war, der es aber zweimal pflügte) — ob ein solcher Bauer zur Strafe das Feld nach Ablauf des siebenten, also im achten Jahr auch nicht soll besäen dürfen. Und Schammai sagte: Wäre die Stunde frei, würde ich — wie man es in der Tat nachher beistimmte — verhängen, daß e>s> zur Strafe im achten Jahre nicht besät werde, .Da® ist Alles. Selbst wenn man also .das ">13a?ttV»iTii>il so auffassen wollte, daß »nöip die schwere Zeit dafür nicht angetan hielt, so handelte es sich doch niemals um eine Erlaubnis des Brachjahres', sondern um Unterlassung einer rabbinischen Strafmaßregel na ch dem Erlaß jähr. Und nun lese man nochmals oben, wie man tendenziös diese Stelle verfälschte. Mußte das sein, daß man solcherart jungen jüdi-, sehen Kindern das' Religionsgesetz fälscht, um sie zur Uebertretüng des Religionsgesetzes zu erziehen? Der viert© Lesebogen — igerne erkennen wir Gm« tes ah — kann von uns .angenommen werden: Wie die Juden nach Jemen kamen, die Marranen in Portugal, die Niederlassung der Juden in Schweden,: Freitagabend im Schützengraben (ein Kriegsibrief vom Martin Feist'n»»). ' Aber der fünfte! Elias Auenbachs „Wusle und' gelobtes Land" wird gleich in zwei Aufsätzen als Lektüre der obersten Klasse, serviert: 'Den Israelitlesern'dürfte die Besprechung dieses Buches Und die, Aufzeigung sedner verworrenen Irrwa'hrheiten in Erinnerung sein, die vor kurzem Oberrabbiner Dr. Carlebach eindeutig in diesen Blättern gab. Und das nun Lektüre unserer Schüler? Vom beduinischen Stammesleben unserer Väter erfährt der Schüler. „Der Israelit blieb seinem Beduinentum treu" in seinem Sinn für Abstammung. „Er unterschied sich und verwandte Stämme als „Die Leute, die einen Namen haben" (bne Sem) von den Kanaanäern." Was will Auerbach mit diesem Satz, was soll das jüdische Schulkind, das nach dem Inhalt forscht, erfahren? Daß — die alt© Ahnentafel der heiligen' Sehrift, die erzählt, daß wir „und verwandte Stämme" von Noahs Sohn Sem [czv) abstammen und ]W3 von an und andere von nsV von Herrn Elias Auerbach besser verstanden worden ist. Alte Märchen; nachträglich erfunden; Sem hat nie gelebt; wir und die Verwandten stammen nicht von ihm, wir nannten uns nur so „Leute, .die einen Stamm haben, bne Sem." Und nun 'dieses besserwissende Achselzucken über g'ttliches Wort ja rasch vom Jüdischen Lehrerbund in die Hände jüdischer Schuljugend gegeben, damit sie recht schnell a'OTip'SR -werden! Und dabei wie lachhaft di© ganze Auffassung der Ahnentafel, die doch bis ins Einzelne genau die Vorfahren aufzählt. Wie ist dannir3E3-)K »33 erklärt? Und M» »33? Und berichtet uns nicht die Thora gerade dort »eben der Ahnentafel schreienden Protest geigen die un jüdische Auffassung des dv nvsi „sich einen Namen machen"-Wollens, die wir ablehnen. Mußte gerade da® jüdischer Schuljugend als Lektüre gereicht werden? Warum denn nicht endlich eine Stoffsammlung für unsere jüdisch© Jugend, .die aus Midrasch und Talmud, aus alter und aus modernster Literatur die Themen heraussucht, die die jüdische Seele richtig formen, zur Liebe zu G'tt, zur min» zu bsrw> , zum heiligen Boden, zu jedem Menschen, /zur ganzen Schöpfung, zu allem Edlen und Guten? Wo bleibt die orthodoxe Lehrerschaft, die ausdem Vollen schöpfen könnte? Warum schafft sie nicht, was uns nottut? Sollte sie etwa ihre Arbeit ganz — im allgemeinen Jüdischen Lehrerverband erfüllt sehen?? Elasar Hakalir. Die Bemerkungen von J. Popper in Ihrer Ausgabe vom 15. März, S. 30, bedürfen einiger Ergänzungen bezüglich desi Lebens des Elasar Hakalir. Hinsichtlich der Frage, wie idie Pijutim Eingang in das Gebetbuch fanden, dürfte eine Aeußerung des Rabbi. Jehudö ben Barsilai hanossi aus Barcelona in seinem ta'nyn isjd S. 254, Aufklärung geben. Hier wird zum Ausdruck gebracht, daß diese Dichtungen aus der Zeit stammen, wenn infolge von Judenverfolgungen balachische und midraschische Vorträge in der Synagoge verboten. Man hat daher besondere Gebetstücke mit halachischen und midraschischem Inhalt eingeführt und mit Rücksicht auf etwaige : Anklagen in umsohreibe.nde Form gekleidet Jim übrigen ist diese umschreibende Form nicht' neu, wir finden Beispiele hiervon bereits in der J>t*i»3 wie von Jawitz in der Festschrift für Dr. David Hoffmann hebr. Teil S. 69 gezeigt wurde. Was nun den\ Namen Kalir und seine Geburtsstadt Kirjath Safer betrifft, so hat Eppenstein in der Monatsschrift f. Gesch. u. Wissensch, d. Judentums, Bd. 52, S. 594 mit einleuchtender Begründung ausgeführt, daß mit Kirjat Sefer die Stadt Tiberias gemeint ist, .die'als die Stadt der jüdischen Gelehrsamkeit diesen Namem geführt hat. Damit kann auch der Name Kalir erklärt werden. Wie- Eppenstein; «eigt, wurden in der römisch-griechischen Zeit Badeplätze mit .diesem Namen bezeichnet, der für Tiberias als altbekannte" Badeanstalt sehr •zutreffend erscheint. Und daß Kalir in Palästina gelebt hat, dürfte heute kaum mehr bestritten werden können! , Zunächst wissen wir, .daß seon Lehrer Jannai in Palästina gelebti da dessen Dichtungen für nrnzp , für,das ganze Jahr gefunden worden sind, die auf dem in Palästina üblich gewesenen 'dreijährigen Zyklus der Thoravork

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