Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 23 (10.6.1937)
- Date
- 1937-06-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr. 23 Oer Israelit 10. Juni 1937 EREZ Eine Aguda-Delegation beim neuen .Chefsekretär der Palästina-Regierung. Jerusalem, 8. "'Juni. Am Donnerstag, den 17, Siwan, hat der neue Chefsekretär der Palästina-Regierung eine Delegation der Agudas J i s r o e 1, bestehend aus Rabbi Duschinski, Rabbi Mosche Blau und Eden empfangen. Rabbi Blau entwickelte in kurzen Strichen das Programm der Agudas Jisroel und ihre Hoffnungen und Wünsche in Bezug auf das jüdische Nationalheim im Geiste der Thora. Der Chefsekretär unterhielt sich mit den Agudavertretern in liebenswürdigster Weiseüber alle Belange Palästinas und über 'das Wesen der unabhängigen Orthodoxie in Palästina. Schiedswesen in Palästina. Tel Awiw, 30. Mai. Man schreibt uns: Das Schiedsgerichtswesen spielt im Rechtsleben Palästina eine besonders große Rolle, Insbesondere stellen die Schiedsgerichte bei den schwierigen Fragen, die durch Umschichtung, Transfer, Einwanderung usw. entstehen und die oft eine rasche Erledigung, bisweilen nach ausländischem Recht, verlangen, eine notwendige Ergänzung des ordentlichen Gerichtswesen« dar. Bei dem wachsenden Umfang des Schiedsgerichtswesens erscheint es notwendig, auf eine gewisse Konzentrierung hinzuarbeiten, die durch Vereinheitlichung der Rechtsprechung Rechtssicherheit garantiert. Von diesem Gesichtspunkte aus hat sich unter dem Namen „Arba" („Arbitrator«' Association"} in Tel Awiw eine Institution gebildet, welche sich als IS RA ständiges Schiedsgericht -diese. Aufgabe gestellt hat. Die vier Schiedsrichter sind die Herren: Gronemann, Netter, Strauß und Tuchler, sämtlich frühere Anwälte oder Richter. Autounfall der Habima. Ein Todesopfer. Jerusalem, 6. Juni. Ein> schwerer Autounfall der H a b im a - Truppe rief hier große Aufregung hervor. Der Autobus* mit dem die Theatergesellschaift reiste, stürzte vor Tiberias um. Zwei Schauspieler, K1 a t zk i n und* A v i t a 1, wurden schwer verletzt und eine Passantin, die überfahren wurde, <g e t ö t e t. Andere Mitglieder der Truppe erlitten leichte Verletzungen. * Jerusalem, 7. Juni. 'Der Schauspieler des Habima-Ensembles, Jacob A vital, ist den Verletzungen, die er bei dem Autounfall der Habima-Truppe in Tiberias erlitten hat, erlegen. Die übrigen bei def Unfall verletzten Mitglieder des Ensembles befinden sich auf dem Wege der Besserung. Kleine Berichte aus Palästina. Jerusalem, 8. Juni. Die jüdischen Flüchtlinge, die während der vorjährigen Unruhen Jaffa verlassen mußten, haben vor dem Stadthause in Tel Awiw eine «türmische Kundgebung veranstaltet. Sie drängen auf eine endgültige Regelung ihrer Unterbringung. Die Polizei mußte gegen die Demonstranten eintreten und in drei Fällen Verhaftungen vornehmen. Die Zahl der jüdischen Beamten und Privatbeamten in Palästina ist im Jahre 1936 von 478 auf 983 gestiegen. In den. nationalen Institutionen arbdten 277 Beamte. Im Jerusalemer Amtsblatt wird die Einsetzung -einer Kommission zur Prüfung der Entsclädigungsansprüche der Un ru h e o pf er angezeigt. | Ueber den Anteil der Juden in der palästinensischen P o 1 i iz ei wird bekanntgegeben, daß von den 24 höheren Polizeiinspektoren im Lande nur zwei Juden sind, der große Rest besteht aus Arabern. Unter 35 Polizeiinspektoren zweiten Ranges sind 11 Juden, von 65 Hilfsinspektoren 16 Juden, davon 8 in Tel Awiw. 12 jüdische Polizeisergeänten, davon 4 in Tel Awiw, befinden sich unter insgesamt 85 Sergeanten. Unter den 600 Mann der Polizeiihannschaft sind 200 Juden, Im ersten Vierteljahr 1937 sind 3166 Juden in Palästina eingewandert. Der F r e m d e n. v e r k e h r in Palästina hat im ersten Vierteljahr 1937 ^gegenüber dem gleichen Zeitabschnitt des Vorjahres eine kleine Erhöhung erfahren. Die Zahl der Touristen betrug 20.400 gegen 19.200 im Vorjahre. In der /größten Bäckerei von Tel Awiw sind nach Entlassung einiger Arbeiter 130 Arbeiter in den Ausstand getreten^ Es arbeiten zur Zeit im Betrieb nur noch 20 Arbeiter, die den Bedarf der Kundschaft nicht decken können. Oberrabbiner Dr. Jizchak Herzog besuchte zusammen mit dem isefardischen Oberrabbiner Jacob M e i i r den Chefsekreiär der , Palästina-Regierung. Oberrabbiner Herzog sagte, er hoffe, daß Jerusalem, das von altersher als die Hauptstadt der Juden betrachtet wird, auch in aller Zukunft bis zur Ankunft des Moschiach die Hauptstadt Erez Israels bleiben wird. Personalien. Berlin, 7. Juni. Am 1. Juni starb nach langem Leiden Allred B ib eri eld , der Sohn Dr. Eduard Biberfelds '"i- Der nicht kleine Kreis derer, die ihn kannten, seine Verwandten und Freunde, seine Kollegen und Schüler — er war Lehrer am Schulwerk der Israelitischen. Synagogengemeinde Adaß Jisroel in Berlin — trauern um den Zurückgezogenen, der nie in die Oeffentlichkeit (getreten ist, denn sie wissen, was sie an ihm verloren haben. Von Jugend auf körperlich zart, kannte er keine Schwäche, wenn es galt, mm zu lernen. Er war sich bewußt, daß Adel der Abstammung «ine Verpflichtung darstellt, daß die min keine nwTV ist, die dem Menschen zufällt, daß sie in mühsamer Arbeit am Tag und in der Nacht erworben werden muß. Mit dieser Liebe zur nun und diesem Ringen um die .tilrt verband sich h&i Alfred BiberieJd b»xr ein tiefer Sinn für alles Schöne der Welt, eine rege Begeisterung für Kunst und Wissenschaft. Seine Kenntnis der min befähigte ihn, zwischen Echtem und Unechtem, Wahrem und Falschem zu scheiden und den g'ttlichen Funken zu erkennen, der in aller wahren Kunst und. Wissenschaft l hervorleuchtet. Ihm war «eine Liebe zur min und sein Streben zur Kunst und Wissenschaft kein Gegensatz. Alles war ihm letzthin g'ttliche Offenbarung, 'die der Mensch aufzunehmen hat. Mit dieser Gesinnung trat er an sein Lehramt heran, um eine neue Jugend zu echten nrnn» heranzubilden. Was ier sich ■erarbeitet hatte und erarbeitete, das wollte er dieser Jugend geben. Die Kinder merkten und fühlten, daß er ihnen das Beste gab, was ihm möglich war, daß er um ihre Seele rang, und darum liebten und verehrten sie ihn und waren untröstlich, als ihnen die Mitteilung gemacht werden mußte nach einem Jahre sorgenvollen Bangen©: Alfred Biberfeld ist nicht mehr am Leben. Auch die Kollegen klagen um den tragischen Hingang dieses feinen, ruhigen Menschen, der W '*na sein Lebenswerk verlassen mußte. Am meisten aber trauert um ihn der Vater der nun auch diesen Schicksalsschlag über sich, ergehen lassen muß, die Brüder, die er geliebt und die an ihm gehängt haben,' wie man es selten unter Geschwistern findet. Möge der Allbarmherzige die Ea'^ax trösten und ihnen Kraft geben. Das Andenken des Verklärten aber wird bei denen, die ihn gekannt, niemals/ vergehen. Möge es, als p'TC nsr allen zum Segen gereichen. ,V3SJfl Der „Tarnopoler Raw" V'XT. Montreux, 6. Juni. Man schreibt uns aus Montreux: Aus Polen kommt die erschütternde Kunde, daß der Gaon, Rabbi Memachera. Bah ad, genannt der „Tarnopoler Raw", am vergangenen Montag im Alter von 70 Jahren abberufen wurde. Der „Tarnopoler" war ein anerkannter mwa »185. dabei von einer Herzensgüte, daß er als Mittelpunkt seines Kreises galt, wo Jedermann Hilfe und Aufrichtung fand. Er ist auch Verfasser des bekannten Responsenwerkes |1*ieti /iVsfan- Wir in Montreux hatten das große Verdienst, den „Tarnopoler" oft in Leysin zu besuchen und zu sprechen, wo er für einige Jahre Kuraufenthalt nahm. Es war ein rührender und zugleich erhebender Anblick, die wunderbar patriarchalische Gestalt auf dem Krankenlager aufgerichtet beim Thorastudium zu sehen. Aus seinem Munde ergossen sich ohne Aufhören Thoraworte wie aus einem sprudelnden Quell. Mit welcher Güte begrüßte er jeden jüngsten Bochur der Jeschiwa und wie sprach er mit Begeisterung über .die Thorastätte auf der schweizerischen Höhe. In unserer Lehranstalt wird das Andenken des Tarnopoler Gaon ewig fortleben. ph—d. Briefkasten. Das gesuchte Buch. Das Buch ist uns inzwischen in mehreren Exemplaren zugegangen und sagen wir allen Einsendern besten Dank. Paris. Sie wenden sich am besten um Auskunft an.Herrn Dr. Herz 8 bis rue de rArivee, 15 Arrendissement. S. Gr. Der Raum gestattet uns leider nicht, Berichte über (Predigten au bringen. Besten Dank! Vermischtes. Eine Trauerieier für Nathan Birnbaum in Amsterdam. Amsterdam, 7.. Juni. Im geräumigen und vornehmen Forestersh u i s , Sarphatistraat 8—10, versammelte sieh am Sonntagabend ein nach Hunderten zählendes Auditorium aus allen Schichten der jüdischen Bevölkerung Amsterdams und a,us. anderen Gemeinden, um Dr. Nathan Birnbaum noch einmal zu ehren. Dia Einladungen waren unterzeichnet von sämtlichen jüdischen Vereinen und Organisationen Amsterdams. Herr Lissauer leitete 'die Versammlung mit Worten der Begrüßung ein. Als erster sprach Herr Dr. Herziberg für die Zionistische. Vereiaigung und schilderte mit kurzen Worten den W«^, Nathan Birnbaums. Birnbaum habe nicht, wie man sagt, mit dem Zionismus begonnen, sondern der Zionismus begann mit ihm. Herr Dr. J. Taub es sprach für die Ostjüdische Organisation und schilderte u. a. eingehend die von Birnbaum einberufene Jüdisch« Spracklcnf^f6flz in Czernowitz, wobei sich, bei allen Enttäuschungen, die B. auch bei diesem Anlaß erlebte, das ganze große . Wollen Birnbaums und seine glühende Liebe zum Volke gezeigt hatte. Für Misrächi .sprach Herr Dr. Hans Goslar. Im Bewußtsein, daß man in Aufsätzen und Vorträgen 'die Persönlichkeit Birnbaums nicht ausschöpfen könne, ließ Redner Birnbaum selbst sprechen und las aus seinen Schriften charakteristische Stellen so wirkungvoll vor, daß auch den Uneingeweihten eine "Ahnung kam von der Größe und Schwere des Kampfes, den Birnbaum um die Wahrheit und um die letzten Erkenntnisse führte. Für das letzte Referat war von der Agudas J i s r o e 1 Redakteur S. S c h a c h n o w i t z , Frankfurt a. M., berufen worden. Unter atemloser 5t'He des zahlreichen Publikums schilderte Herr Schachnowitz den Weg Birnbaums von „Daas" (Erkenntnis) über „Rachamim" (Liebe.) zu „Tiferes" (Harmonie), vom Zionismus und Jiddisohismus zur Aguda, die die nsvmsn nsrm die letzte Etappe seines Lebens, bildete. Redner fand warme Worte auch für den M e fl ■ sehen Birnbaum. Die Kundgebung, die mit einem ergreitenden „El mole Rachamim-Gebet" des Oberkantör Landau schloß, hinterließ einen mächtigen Eindruck. Es war wie idie Abtragung einer Dankesschuld der holländischen Judenheit an den großen Meister, der im holländischen Seebad Soheveningen seine letzte Lebensetappe fand, M. Rom, 8. Juni. Unter den italienischen Ju" den ist eine Neubelebung de® jüdischen Geistes nicht zu vierkennen. In Rom, Milano, Triest und Padua wurden Referate de® Oberrabbirier von Milano über Tnach und Dinim von vielen Hunderten besucht. Der Oberrabbiner von Milano, Dr. Castel B o 1 a - nies, entwickelt eine lebhafte Propagandatätigkeit für alle Belange der Religion im ganzen Lande. Wochenkalender. Vom 12.—19. Juni 1937/Vom 3.—10/Tammus 5697 Tai»' tp \>bv\ JO; " Samstag 12 3 'a /« p-is mp Sonntag 13 4 ■TJ Montag 14 5 .na / Dienstag Juni 15 M»>1 6 « ' Mittwoch 16 7 ra Donnerstag 17 8 na Freitag 18 9 83 ~ Samstag 19 10 S» 'V 'i pis ripn