Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 23 (10.6.1937)
- Date
- 1937-06-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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10. Juni: 1937 Der Ist a e I i t Von der Hilfe*, die für die Opfer in Polen eingesetzt hat, ist in erster Reih© «las 2ntr&lhilfsk o m'i tee für Brest-Lito w sk zu nennen, .das vom Innenministerium legalisiert wurde. Dr. Bernhard C a h n , der im .Auftrage. de!» J o i n t Polen bereist und'zumeist unbekannt die Elend&gebiete: in den polnischen Städt&n besucht hat,, erstattete in Paris einen Bericht, der an erschütternden Einzelheiten alles bisher Bekannte übertrifft. Er hat auf Grund seiner Beobachtungen neue Pläne für eine Erweiterung der Jointhilfe für Polen ausgearbeitet. Auch der Board of Deputi.es in London beschloß, nach einem Bericht Neville Laskis, die Durchführung einer einheitlichen Hilfsaktion für die Juden Polens. ' Neben dem groß aufgemachten Prozeß gegen den halbirren jüdischen Schneider aus Brest gehen vor verschiedenen Gerichten mehrere Verhandlungen' gegen Pogromteilnehmer vor sich. .Die Exzedenten finden fast überall sehr milde Richter. Vom Krakauer Kredsgericht wurden 11 Angeklagte zu j& einem Jahre, andere zu einigen Monaten Gefängnis verurteilt. Ueb er die Haltung der Re-gierung muß gesagt werden, daß Oberst Kowalewski, der Stabschef des Oberst Koc, in einer Ansprache auf emer Warachauer Ae*zte Versammlung den „Kampf gegen fremde Elemente" als eines der Hauptziele des. gegründeten Lagers der Nationalen Einigung beizeichnete. Was Oberst Kowalewski unter „fremden Elementen" versteht, ist nicht allgemein bekannt. Berichte über Proteste gegen Brest-Litow&k kommen aus Amerika, Palästina und auch Frankreich. In Frankreich wunde eine Hilfeaktion für jüdische Kinder in Polen .eingeleitet. Auch der W a a d L e u m i in Jerusalem legte offiziellen Protest gegen die Vorgänge bei der Warschauer Regierung ein. Frankreich. Protest-Kundgebung in Paris gegen Brest-Litowsk. . .Paris', 1. Juni. In Paris fand eine große Protestkundgebung gegen den Pogrom von Brest-Litowsk statt, bei der jüdische und nichtjüdische Redner sprachen. Der frühere Minister Paul Reynaüd hat eine Zustimmungserklärung gesandt. - Belgien. , Der Protest der im Ausländ lebcnden polnischen Juden gegen Brest-Litow.sk. Brüssel, 1. Juni. Die Exekutive des W elt Verbandes der im Ausland, lebenden polnische>n Juden bat im Namen der in Westeuropa und in überseeischen Ländern ansässigen Juden aus Polen gegen .die Passivität der polnischen Behörden in Brest-Litowsk protestiert. In der.-Entschließung wird erklärt, daß der Pogrom von Brest-Litowsk planmäßig vorbereitet war und die Polizei trotzdem nichts dagegen unternommen hat. Die Behörden hätten die Stadt an dem Tag. des Pogroms absichtlich verlassen. Die polnische'Regierung solle wissen, daß die Millionen im Ausland lebenden polnischen , Juden es nicht zulassen" werden, daß ihre,xBrüder iß Polen zu wehrlosen Parias herabgedrückt werden. Die polnischen Juden des Auslahdes seien entschlossen, stets für die elementaren Menschenrechte der jüdischen Bevölkerung Polens einzutreten. Zum Schluß wird von der 'Regierung die Bestrafung der Teilnehmer an den Ausschreitungen und die Wiedererrichtung der zerstörten jüdischen Geschäfte verlangt. Der Wortlaut der Entschließung wurde; dem polnischen Ministerrat übersandt, , ... England. Eine Unterhaussitzung .befaßt sich mit Palästina und der Not in Polen. * ■ London,, 3. Juni. In. der, Uhterhaussitzung vom 2. Juni teilte, auf eine Anfrage\Aer Kolomeaminister mit, daß bisher keine Verhandlungen über jüdische Einwanderung nach Transjordanien mit Emir Abdulla geführt wurden. :Der,_ Abgeordnete Wedge wo od lenkte die Sprache auf die 'zunehmende Not der Juden in, P o - len und fragte, ob die englische Regierung hier nicht helfen könnte. Der Außenminister Ed en sagte,' er verfolge die Dinge in Polen,mit größtem Interesse, habe aber keinen Grund, anzunehmen, daßj ausländische Interventionen angebracht wären.. Die Fr,age,- °Q man nicht mit Rücksicht, auf die Verfolgungen in 1 olen die Tore Palästinas für die Juden , weiter . öffnen könnte, blieb, unbeantwortet, •? In derselben .Sitzung kam. auch das angeblich geplante „Attentat auf den Mufti" zur Sprache1. Der Minister sagte, daß nach einem Berichte des High ^ommis'sioner die Sache' noch nicht geklart sei. Der Reisebegleiter;:.-.- des •'•Mufti.', .will gemerkt haben, daß «mer de,r Juden; in dem Auto, der dem Wagen des jluHi entgegenkam, einen . Revolver geschwungen »abe. Diese Annahme konnte aber nicht bestätigt werden. Ein Zusammenstoß gab es aus diesem Anlaß nicht. Ein Communique mußte über den angeblichen Zwischenfall. herausgegeben werden, um 'die falschen Gerüchte zu zerstreuen, Abgeordneter Wedgewood Die Woche. Köln. Der ^Westdeutsche-Beobachter" berichtet,: daß der Gemeiniderat von O v e - r a t h beschlossen habe, das Gemein denutzungsrecht allen Personen zu entziehen, die mit Juden in geschäftlichem, oder gesellschaftlichem Verkehr stehen. Wien. Als Antwort auf ein Glückwunschtelegramm, das der Vorstand der Wiener . Israelitischen; Kultusgemeinde vor kurzem an Franz W e rf e 1 anläßlich einer ihm von der österreichischen Regierung verlieihenen hohen Auszeichnung gerichtet hat, sandte der Dichter dem Kultusvorstand .ein Schreiben, in dem er u. a. versichert, daß sein gegenwärtiges und zukünftiges Werk noch offener und stärket?; 'dem Dienste am Judentum geweiht sei als sein vergangenes, —2500 Sportler aus Oesterreich, Polen und der Tschechoslovakei marsahierten an dem am 6. Juni in Wien abgehaltenen „Tag der jüdischen Jugend"'unter dem Jubel vieler tausender Wiener Juden auf. Es folgten Massenfrerübungen und . Sonderyorführungen aller . Sportzweige.' "Das Dr. Krüger-Heim in Wien, eine Institution, die auf dem Gebiete der Bjerufsumschichtung jüdischer Mädchen in Oesterreich hervorragend tätig ist, konnte dieser Tage das Jubiläum seines 40jährigen Bestehens begehen. Unter den offiziellen Persönlichkeiten, die an der Festversammlung teilnahmen, befanden sich auch die 'Gattinnen des Bundespräsidenten M i Je I a s und des Wiener Bürgermeisters Schmitz. Nach der Feier nahm die Gattin des Bundespräsidenten die Eröffnung der Jubiläums-Ausstellung vor. Bundeskanzler. Dr. Kurt S c h u s c h n i g g hat dem Institut aus privaten Mitteln eine größere Spende überwiesen, -r^ Zwei jüdische Aerzte, der Orthopäde und Chirurg Dr. Alfred S a x e 1 und der Pathologe Dr. Robert Wilhelm, sind zu außerordentlichen Professoren der Wiener Universität ernannt worden. Prag. Orthodoxe Eührer gründeten einen Jüdisch« n religiösen K eh i 11 o t h v e r b a n d für die Provinzen Böhmen, Mähren und Schlesien unter dem Namen „Sinai". Zweck des Verbandes ist Neubelebung' des jüdischen Geistes und Kampf gegen die neologen Strömungen in Prag und in der Provinz. " Budapest. Wie das Ungarische Telegraphenbüro aus H o d m e z ö v ä s a r h e 1 y berichtet, kt es dort in den letzten Tagen wiederholt zu .Ausschreitungen extrem-judenfeindlicher Elemente gekommen, Warschau. In Lemberg haben Gruppen nationaldemokratischer Exzedenten planmäßig Ueberfälle auf jüdische Passanten unternommen, Die Polizeistellte die Ordnung schnell wieder her und nahm mehrere Verhaftungen vor. — In dem Städtchen S Iowa tycz haben nationalradikale Hetzer jüdische Passanten provoziert und belästigt. Es entstand eine Schlägerei, der aber bald dadurch ein Ende gemacht wurde, daß die zu Einkäufen in .die Stadt gekommenen Bauern die Exzedenten abfingen und sie außerhalb der Stadt brachten. — Die letzte Ausgabe des _ in Warschau erscheinenden Zentralorgans „Unsere .Welt" ist wiegen des Leitartikels',- -in'-' dem zu 'den! Pogrom '' iit*'- Bre.st-Litowsk Stellung-genommen war, beschlagnahmt worden. London. Im Auftrage ' des Präsidenten der Agudas Jisroel-Weltorganisation begaben tgich der politische Sekretär der A. J., A. H;- G o:o d nva n und! ' Rabbiner .Dr. Salomon Schön f/el d zum rumänischen Botschafter, um scharfen Protest der Aguda gegen einen Aufsatz der Bukarester antisemitischen Zeitung „Universul" einzulegen, der, wie schon berichtet, vor einiger Zeit die widersinnige - Behauptung aufstellte, die Agudas Jisroel propagiere ' kommunistische' Tendenzen. . Nunmehr erhielt die Agudaexekutive eine Mitteilung der rumänischen Botschaft in; London, wonach von London aus die genannte Zeitung über das Unsinnige ihrer Behauptungen belehrt worden sei. — Der hiesigen Agudas Jisroel ist es nach langen - i •Verhandlungen - gelungen, der Schaffung einer Jeschiwa in London-Nord die ■ Wege-zu ebnen. Die Jeschiwa wird den Namen „Or 'Israel" führen und ein eigenes Internat haben. Das Lehrhaus soll am 11. Tamus eröffnet werden. ■■■■•' hatte es nämlich für sehr merkwürdig gefunden, daß man aus diesem Anlaß, der nur auf einem Gerücht beruhte, soviel Aufliebens durch Ausgabe eines Communique gemacht hatte. Im weiteren Verlauf :der Debatte erklärte der Kolonienminister Ormsby-Gore, daß die Ungewißheit über die politische Zukunft Palästinas die weitere Erschließung de© Landes nicht hinflertt werde.; Bulgarien. Amtliche Anerkennung für die Juden in Bulgarien. Sofia, 2. Jtmi. In der soeben veröffentlichten amtlichen Kriminalstatistik für Bulgarien wird festgestellt, daß der kleinste Prozentsatz krimineller Vergehen ift Bulgarien auf »die jüdische Bevölkerung entfällt. In diesem Zusammenhang wird amtlich erklärt, daß die Juden Bulgariens ein die Gesetze streng beachtendes Bevölkerunigselement sind, das sich ausschließlich seinen beruflichen Aufgaben widmet, ohne irgendwelchen , politischen oder sozialen Kämpfen in dem Lande Beachtung zu schenken. Chile. Zum ersten Mal jüdische Abgeordnete im Parlament von Chile, ■Santiago de Chile, 1. Juni. Zum ersten Mal seit dem Bestehen des Parlaments von Chile sind drei jüdische Abgeordnete in die Volksvertretung entsandt werden. Es sind dies der frühere Präsident der Circula Israelita, Angel Faivovitsch, die frühere Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung von Chile, Dr. »Natalie B e r m.a n n und ein Journalist aus Valparaiso, Marco Chamudos. (ITA.) i An. die Schriftleitung des „Israelit" Frankfurt, a. M. . .;.,/{ London, den 1. Juni 1937. In der mir heute von befreundeter Seite zur Veri fügünggestellten April/Mai/Juni-Nummer der Zeitschrift „Nach'Iath Zwi" beschäftigt sieb. Herr Rabbiner Dr. Weinberg in Berlin erneut mit meiner Interpretation des „Thora im Derech Erez Prinzips" Rabbiner Hirschs b"2i Ich stelle zunächst aus Gründen der Loyalität auch hier fest, daß Herr Rabbiner Dr. .Weinberg die unkorrekte Zitierung meiner Ausführungen in seinem ersten Aufsatz, gegen die ich mich natürlich zur Wehr setzen mußte, auf einen Schreib- oder Druckfehler zurückführt, was ich dankbar zur Kenntnis nehme; damit kann ich die h i e r"]fe g e n gerichteten Ausführungen meines; Artikels zu meiner Freude zurückziehen. Dagegen bleibt Herr Dr. Weinberg bei der erstaunlichen Anklage gegen mich, daß ich in meiner Broschüre Rabbiner Hirsch unterstellt hätte, „in der Biidungshöhe einer Realschule 'die Grenze für die Gültigkeit des. Thora, im Derech Erez Prinzips zu erblicken, die nicht überschritten werden darf." Ich wiederhole: daran iist objektiv kein Wort wahr, wie ja das. ganze Kapitel mei- .. ner Schrift, das sich mit der höh e r en wissenschaftlichen Bildung im Verhältnis zur Thora befaßt, sonnenklar erweist, Statt aber das Ganze meiner Ausführungen zu würdigen, klammert sich. Herr Dr. Weinberg wiederum, an den von mir' in meinem Abwehr-Artikel deutlich genug interpretierten Satz, in dem' ich die Vermutung aussprach, daß die Ablehnung bibelkritischer Studien ei n e* der Ursachen,, nicht: die alleinige, dafür gewesen sein kö n-n t e , daß Rabb. Hirsch J>"»r die'Ausbildung von Rabbinen niemals systematisch in die Hand genommen hat. Daß aber die Heranbildung von glaubenstreuen . M ed.i zin erJuristen,' Philosophen, Naturforschern von Rabb, Hirsch gewollt und erstrebt wurde, habe ich deutlich genug ausgesprochen, womit ja die ganze Theorie .des Herrn Dr. Weinberg, die mein mangelndes. Verständnis für Rabb. Hirschs Anschauungen auch jetzt noch nachweisen soll, in sich zusammenfällt., Medizin ,und . Jurisprudenz 'gehen doch über die Bildungshöhe einer Realschule wesentlich hinaus* Angesichts der freundschaftlichen Beziehungen, die mich mit Herrn Rabbiner Dr. Weinberg von jeher ve'rknüpft haben, glaube ich gerne, daß sein ganzer Angriff gegen den ihm 'Zufällig zu Gesicht gekommenen anonymen . Israelit-Artikel von vo rn herein unterblieben wäre, wenn er den Autor und vor allem auch - die Gesamtheit der Aufsätze (die ein Ganzes bilden) gekannt hätte. Aber Herr Dr. Weinberg sollte gerade darum anerkennen, daß ich 'die Abwehr seines auf irrigen Voraussetzungen beruhenden Angriffs meiner literarischen Ehre schuldig war. ' Jacob Rosenheim.