Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 23 (10.6.1937)
- Date
- 1937-06-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 23 ^^^^^^^^^I^^^^^^^^^^^^^^^W^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^m^^^^^^^^S^!^ Der Israelit 10. Jüni 1937 KEREN HATORAH ist der Treuhänder des jüdischen Volkes für die Erhalfung seines nationaien Gutes vom>S)nai. Helfet dem KEREN HATORAH!;• . . . v . . •■, \, , -. Keren Hatorah, Hamburg,Heinric Ir B a r t h s t r a ß e 2 1, P o s t s c h e c k k o n t O: Homburg ,24753 k'Sk IKHiM HAIDRAH sie mit starker Hand über die Gefahren des Büros, der Fabrik, der Straße, des Kinos und des Varietees hinwegheben und jene ewige Freude am Lernen in ihnen wecken, die sich, — wie in den heiligen Hallen des Krakauer Seminars' — an einem Kapitel Te hall dm oder Jeschajohus begeistern und daraus die Kraft schöpfen kann, allen Versuchungen des Lebens Widerstand zu leisten. Die rn'ft' TW2' die mit offenen Augen das Leben erfaßt und es ergreift und b e - herrscht, ha't das jüdische Weib oft zur ni3D 1T5T des jüdischen Mannes gemacht, wenn dieser mit all seiner nöSn" dem praktischen Leben hilflos gegenüberstand — heute ruft das schwergeprüfte jüdische Volk des Ostens seine Frauen und Töchter zur Hilfe, zur Rettung seiner Zukunft. Ein Wort zur Wahlordnung der Histadruth Olamith N'schei Uwenoth Agudath Jisrael. Die Leitung der H. 0. N. U, A. J. veröffentlichte in der jüngsten Ausgabe des „Israelit" die Wahlordnung für die Frauenkonferenz in Marienbad anläßlich der Kenessio Gedaulo. Es ist dies 'die erste Handlung, durch welch© .die H. O. N. U. A. J., die durch Beschluß des Waad Hapoel anläßlich seiner Märzsitzung in Antwerpen wieder ins. Lehen gerufene frühere internationale Vereinigung der Agudas Jisroel-Frauen- und Mädchengruppen Zürich, für einen größeren Kreis nach außen in .die Erscheinung tritt. Bei dieser Gelegenheit hält es die Leitung der H. 0. N. U. A. J. für angezeigt, folgendes über ihre Auffassung von den Zielen der Histadruth unbeschadet der Rechte der Frauenkonferenz, die hierüber endgültig zu beschließen haben wird, zu sagen. Auch die Frauen und Mädchen der A. J. haben eine Organisation nötig, in welcher sie neben den Organisationen ihrer Männer und Brüder ihr eigenes Leben gestalten können. Man muß sich klar sein, daß es nicht darauf ankommt, was die einzelne Frau, das einzelne Mädchen vom Leben fordert oder nicht, sondern das Leben fordert sie. Wir müssen Frauen haben, da© ihren Männern als Eser Keiiegdatt ZUf Seite stehen, wir müssen Mütter haben, .die ihre Kinder erziehen können, wir müssen Mädchen haben, die echt jüdische Häuser gründen wollen. Diesen Forderungen will die Frauenorganisation dienen, denn sie will die Lebensforderungen der einzelnen unterstützen und die Forderung der jüdischen Gesamtheit an die einzelnen stellen. Die Organisation will die Hilfe zu einer rein jüdischen Lebensgestaltung bieten, hineingestellt in die Welt der Wirtschaft, des Geistes, des Berufes und der Wissenschaft unserer Wirtsvölker. Dieser Außenwelt will der agudistische Mensch ein selbstsicheres und zielbewußtes jüdisches Eigenleben, eine feste Persönlichkeit entgegenstellen, die allen fremden Krankheitskeiinen einer unjüdischen Betätigung gegenüber immun ist. Ausgehend von dieser Aufgabe der Organisation wird es die Aufgabe der Konferenz sein, die Wege zu beraten, welche zu diesem Ziele führen. Die Leitung der H. O. N. U. A. J. erwartet unverzüglich Vorschläge aller Landesorganisatioiien und -Gruppen, um danach die Tagesordnung und damit 'die Richtung dieser Wege bestimmen zu können. Die Wahlordnung ist der erste Schritt zur Vorbereitung der Konferenz. Manches' an der Wahlordnung wie auch an der Organisierung der Frauenkonferenz wird zu wünschen übrig lassen. Die* Leitung der H. O. N. U. A. J. legte Wert diarauf, die Konferenz anläßlich der Kenessio Gedaulo stattfinden za lassen, um mit der Konferenz zugleich (den anwesenden Frauen und Mädchen das mitder Kenessio verbundene Erlebnis zu vermitteln, und ferner auch, um die Lösung mancher Fragen zu erleichtern, die in Verbindung mit anderen agudistischen Stellen, insbesondere dem lRabbinischen Weltrat zu behandeln sein wenden. Unter diesen höheren Gesichtspunkten glaubte die Leitung den Agudistinnen der Welt manche Mängel in .der Organisierung der Frauenkonferenz und in dem Wahlverfahren zumuten zu dürfen, die nur hei längerer Vorbereitungszeit hätten vermieden wenden können. Mangel an Zeit hatte auch zur Folge, daß ifür »die Vorbereitung zur Wahlordnung nicht diejenige Fühlung mit den Länderorganisationen bezw. den Gruppen der verschiedenen Länder aufgenommen werden konnte, die bei späteren derartigen Anlässen für erforderlich gehalten werden muß. Die Leitung der H. O. N. U. A. J. hat ferner schon auf verhältnismäßig wenige Mitglieder eine Abgeordnete zugestanden, um mit Rücksicht auf idie wichtigen Beratungsgegenstände, insbesondere die Statuten möglichst getreu die Meinung der Urwählersehaft zu erfassen. Es wird Aufgabe derjenigen Kreise sein', die für den Selaschein zu werben haben, 'diejenigen Personen, die zwar agudistisch denken aber noch nicht organisiert sind, zu veranlassen, ihre an .. und für sich agudistische Gesinnung zunächst dadurch zum Ausdruck zu bringen, daß sie einen Selaschein erwerben. Der Selaschein soll ,ijeden Juden und jede Jüdin vor die Entscheidung stellen, ob sie wünschen, daß das öffentliche Leben des Judentums in der Diaspora wie auch in Erez Israel dem Thoragesetz unterstehen soll. Dies werden auch viele liberale Juden wollen, die in ihrem Privatleben das Thoragesetz nicht in allen Teilen verwirklichen, Auch ihnen wird daher Gelegenheit gegeben sein, den Selaschein zu erwerben. Es ist nicht der Hauptzweck de® Seiascheines, das aktive Wahlrecht zu verleihen, sondern er bedeutet in erster Linie eine ■Verstärkung der Agudas Jisroel und versetzt sie in die Lage, bei etwaigen Verhandlungen mit irgendwelchen politischen Stellen und andersdenkenden Faktoren des jüdischen Volkes geltend zu machen, daß nicht nur alle Agudisten und Agudistinnen, sondern auch die Selascheinerwerber "die Regelung des öffentlichen jüdischen Lehen« auf Grundlag© der Thora wollan. Es ist daher Aufgabe der nachgeordneten Frauen- und Mädchenorganisationen, dafür zu sorgen, daß der Selaschein in weiten Kreisen abgesetzt wird. Es wird dabei «'darauf hingewiesen, daß idie Eingänge aus Selascheinen, die an weibliche Personen abgesetzt werden, den weiblichen Organisationen 'zustehen. Es sei bemerkt, daß das Büro der H. O. N. U. A. J. gerne bereit ist, allen Frauenorganisationen und -Gruppen etwaig« Anfragen bezüglich der Durchführung des Wahl Verfahrens zu beantworten. Wochenrundschau. Erfreuliches aus Erez Israel—Verteidiger des Sabbat — Beruhigende und zugleich bedenkliche Erklärungen in Italien—Noch nicht nach Abessinien! —Man beruhigt auch in Rumänien. Erfreulich© Nachricht aus Erez Israel; Die größte jüdische Faibrik für Zement und Baumaterial „ N e - scher" hat sich entschlossen, ihren Betrieb am Sabbat zu s chIi eß en. Wer auch zu 'diesem Erfolge beigetragen hat, ob die Rabbiner, denen die offizielle Mitteilung von diesem Beschluß zugegangen ist, oder die Mitglieder der row "»-pnin, die in Jerusalem und Tel Awiw, oft unter schweren personlichen Opfern, ungeachtet der ihnen zuteil werdenden Schmähungen und Mißhandlungen, unablässig das öffentliche Gewissen für den Sabbat wecken — egal, all den Faktoren gebührt heißer Dank des gesamten Judentums. Denn es geht hier nicht allein um eine palästinensische ' Angelegenheit. Was in Palästina geschieht und nicht geschieht, geht uns alle an. Wird dort was Rechtes aufgebaut, kommt es uns und unseren Kindern zugute. Jede geistige Zerstörung fällt ebenfalls auf uns zurück. „Nestiher" ist das bedeutsamste Institut des Auf bau» im Lande. Der Aufbau einer Woche war aber bis dahin je am siebenten' Tage, an dem die Maschinen ratterten, illusorisch geworden. Nun bedeutet „Nescher" wirklich Aufbau, und diejenigen behalten recht, die den Glauben nicht aufgegeben haben, daß sich unter dein Einfluß deir '"«n, der Atmosphäre in dem Lande, in dem jeder Stein von G'tt und Seiner Thora zeugt, doch eines Tages der gesunde jüdische Sinn durchsetzt. Die Priester und ihr Pflichtbereich. Von Rabb. Dr. B. Cohen. Die Korachrevolte in der Sidra rückt den Machtbereich des Priesters m den Vordergrund unseres Interesses und läßt folgende Betrachtung als angebracht erscheinen. Die Kapitel 20—22 des dritten Thorabuches enthalten viele und bedeutsame Vorschriften des Priestertums in Israel. Fehlerhafte Tiere sollen zum Opfer nicht erwählt werden; mit Körperfehlern behaftete Menschen sollen keinen Priesterdienst tun; die Priester haben den Toten fernzubleiben; an' Toten und an anderen Unreinheiten verunreinigte Opferspeisen dürfen nicht verzehrt werden usw. Der Grundgedanke der meisten dieser Vorschriften ist; Für G'tt ist nicht das bestimmt, was anderen Verwendungszwecken nicht mehr zugeführt werden kann; für G'tt ist das Beste gut genug und er ist der G'tt nicht allein der Leidenden und Gebrochenen, sondernder Schaffensfrohen und Gesunden. Der heidnische Gedanke der G'ttesverehrung an Gräbern soll uns fernbleiben {Hirschi)i. Nun kann eine Opferspeise von Unreinheiten, ein Opfer von Fehlern, frei und dennoch das ganze Opfer verwerflich sein,; das trifft zu, wenn der Gedanke des Opfernden ein äußerlicher und verwerflicher war, wie es der Prophet Jesaja im ersten Kapitel seines Buches Von seinen Zeitgenossen sagt: E.ure Opfer mag G'tt nicht, — nämlich auch wenn sie fehlerfrei sind. Selbstredend kann auch •manchesmal der Charakterfehler eines Priesters im gleichen Sinne den Wert eines Opfers in Frage stellen, dessen Besitzer selber keine Schuld trifft. Hier wird nun den Priestern die Verantwortung auch dann aufgeladen, wenn der Fehler im Charakter des Besitzers des Opfers steckt; der Priester darf nicht sagen: Jener ist sündig, und ich stehe rein da. Sondern der Priester ist verantwortlich, wenn er es verabsäumt hat, (jeden in Israel so über seine Pflichten inner- und außerhalb des Tempels zu instruieren, daß er sündenfrei bleibt. So hat ja auch G'tt den Propheten Jecheskel (im dritten Kapitel ©eines Buches ist das zu finden) ausdrücklich für die Sünden verantwortlich gemacht, die im Volke geschehen, ohne daß der Prophet den Sünder zurechtweist. Erst wenn er, der Prophet, die Kinder seines Volkes nach Menschenmöglichkeit verwarnt und bei ihnen kein Gehör gefunden hat, wird zu ihm gesagt: Du hast deine Seele gerettet; andernfalls ist er verantwortlich; G'tt fordert aus seiner (Hand das Blut derer, die in Sünde und Tod 'gerieten; Die Priester sind auch dafür verantwortlich, daß das Volk lernt, wie man „Opferspeisen verzehrt". Sie sollen sogar das Volk lehren, j edj&n Tisch als Altar, j ei« Speis© als Opfer zu begreifen. Das ganze Volk Israel soll sein tägliches Sichbefassen mit Speis und Tränk nicht als ein dem blinden Zwange des Muß gebrachtes Opfer, sondern als eine Stärkung: zum Dienste GHtes betrachten lernen, soll essen, um zu Lebenund G'tt zu dienen. Tut es. dies, so ist dies das Mitverdienst aller derjenigen, die das Volk in priesferlichem Verantwortunigsbewußtseih 'dazu angeleitet haben; verfällt das Volk :in; niederes Genuß-* leben, so sind auch -seine Opfer nicht mehr g'ttgefällig, und die; Schuldigen sind Jenef die es. nicht besser erzogen, . .. j i Wir Menschen sind aber darüber hinaus allesamt die Priester der ganzen Schöpfungswelt. Genießen wir die Freuden dieser herrlichen Schöpfungswelt in Reinheit und" zu unserer Kräftigung im Dienste G'ttes, dann haben wir die ganze Welt zu ihrem Schöpfer zurück erhoben; mißbrauchen wir die Gaben G'ttes in und um uns, so sind wir es, idie dem Schöpfer die Freude an seinem Werke rauben. An uns liegt es, ob sich die Blume auf dem Felde freuen soll, von uns bestaunt zu werden, oder ob sie sich für uns vergeudet vorkommt; an uns liegt es, ob uns das Korn «des Feldes gern oder widerwillig entgegenreift. So beladen wir uns mit der Verantwortung für Sinn und Wert der Schöpfungswelt G'ttes. Das Korn des Feldes reift uns gern entgegen, wenn wir Menschen uns es brüderlich teilen und alle die Gebote befolgen, idie uns über idie Annenversorgun£ des Ackerbesitzers gegeben sind. "Nicht umsonst meint Rab Abdime (Raschi Lev. 23, 22), ist dieses Gebot der' „Armenecke" des Ackers uns. mitten zwischen den Gesetzen über Feste und Opfer erteilt worden; wir sollen dairaus. lernen: Wer den Armen alle in! der Thora angeordneten Ackergaben ztlkonv men läßt, dem wird das angerechnet, alsrhabe er einen Altar errichtet tind darauf geopfert. Der Sinn ist''vermutlich: Er hat die Schöpfung gleichsam durch die edle Verwendung ihrer Gaben zu Cti erhoben. Wer dagegen da®. Brot, das die Erde '.hervorbringt, das Leckem .zum Anlasse des Leehem-Streiies ZWI" sehen Brüdern werden -läßt, hat siich selbem der Sünde 'beladen, daß er das heilige ihm zur Stärkung im Dienste' G'ttes 'gereichte Brot mißbraucht und zwischen Schöpfer. und Geschöpf ..eine' undurchdringliche Mauer errichtet, dem , Vater aller Wesen die. Freude an seinen Geschöpfen verdirbt.