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Der Israelit · 1937-06-10 · Heft 23 (10.6.1937) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 23 (10.6.1937)
Date
1937-06-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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10. Juni 1937 De I 3 I i t Nr. 23 Seite 3 Belli Jakob"nt0Hf vor neuen Aufgaben. (Fortsetzung von Seite 1.) >^ V das Innere des Menschen engere Verbindungen jnit der Umwelt eingeht, .die in immer gefestigten Bahnen verlaufen, so daß eine „Weltanschauung" von unabänderlichem Charakter daraus wird. Aus welchen Gründen den Töchtern des jüdischen Volkes die restlose Versenkung ihrer ,<feistigen Kräfte in die mündliche Lehre (also lö3n) vom Gesetze selber versagt wurde, habe ich mich bemüht, in . einer manchen Leserinnen vielleicht bekannten kurzen Darstellung**) vor Jahren nachzuweisen. Der Satz r*W^j? ]HSn O'titt bedeutet lediglich die psychologische Feststellung, daß dem Durchschnitt nach der Frauen-Natur nicht jenes Maß von 'Konsequenz und Hartnäckigkeit, von spiy rVPWj? zu eigen ist, das als Erbschaft aus alten Zeiten die schlechte wie die gute Seite des jüdischen Nationalcharakters ausmacht. Er bedeutet eine Mahnung an die jüdische Frau, sich selber mit gesteigerter Bewußtheit zu Ernst und Charakterfestigkeit zu erziehen. Was aber ist die aTlT» ni'3' der überlegene Verstand, die überlegene der jüdischen Tochter oder der Frauenwelt überhaupt? nicht gesagt sein,* daß Mann an Verstand und Einsicht überlegen sei, ebensowenig wie die beiden scheinbar entgegenstehenden Aussprüche als über a 11 und absol u t gültige Feststellungen anzusehen sind. Wohl aber enthält diese Charakterisierung der weiblichen Geistesentwicklung als n'VJT' WS einen außerordentlich bedeutsamen Hinweis auf Gewiß soll damit jedes Mädchen j e d e m g'tfcliche Lehre zugewiesen hat: diejenige Lebenssphäre, die die dem Weibe vorwiegend d i e p r a k t i s c h e. Ist der weibliche Intellekt mehr noch als der männliche befähigt, mit den Dingen dieser Welt fertig zu werden, sie in ihrer Bedeutung nicht an sich, sondern für den Menschen zu erfassen, und in ihre Beziehungen zueinander „einzudringen" (-J*a zwischen), so wird es Aufgabe der jüdischen T ö c h t e r - E r z i e h u n g sein, diese Begabung zu nutzen, also nicht einseitig -— über das nötige Maß hinaus — die Köpfe der Mädchen mit theoretischen Erkenntnissen zm füllen, sondern ihre Aufmerksamkeit und ihr Interesse in systematischer Gründlichkeit dem praktischen L eb en in H a u. s u h d B e r u f z u z u w ende n. Freilich gilt es auch dabei, zunächst e i nmal diejenige Seelenstimmung in unseren Töchtern zu schaffen, die die Voraussetzung ihres Glückes und ihrer geistigen Existenz als Frauen und Mütter allezeit bilden wird; tZPfflt? nKI*'» Ohne ein gerüttelt Maß von Liebe zu Thora und Mizwohs und aufrichtiger G'ttesfusrcht,. wie es in unseren Tagen nun einmal nur aus der Kenn tu is und dem Verständnis von T'nach und rabbinischem Lehrstoff gewonnen werden kann, dürfen auch diejenigen nicht ins Leben treten, die k e i n e Lehrerinnen, sondern tüchtige, gründlich für ihren Beruf vorgebildete' Hausbrauen, M ü 1t e r , Haust ö c h t e r oder Kinderpflegerinnen, Hausgehilfinnen, Kindergärtnerinnen, Krankenpflegerinnen, S o z i aLb-e amtin - nen oder endlich Kleider- und Hutmacherinnen °der Handelsgehilfinnen usw. werden sollen. Aber es ist ja offenbar, daß die nTrp 7W2 des Weibes gerade -in. dieser Kategorie von P r a k t i s c h e n Lebensbetätigungen ihre Triumphe feiern wird. ... Wenn Bertha Pappenheim s. Ä. in Frankfurt kurz vor ihrem Tode die Anregunggab, eine Erweiterung des Beth Jakob-Schülwerkes nach «er Seile der praktischen Lebensberuf eins Auge ) Ohole Jakow, Band II, Seite. 243: „Bes Jakow Und das Thorastudiüm der Frau". zu fassen, so war sie dabei gewiß nicht von religiösen oder gar von prinzipiellen Erwägungen geleitet. Sie ging einfach von der Tatsache aus, daß man doch nicht alle Mädchen des Ostens zu Lehrerinnen machen oder ihnen das wissenschaftliche Studium als einziges höheres Lebensideal hinstellen dürfe, während die ganze soziale Entwicklung geradeauf eine Ertüchtigung des weiblichen Nachwuchses für ein schweres kampfreiches Leben inmitten eines für die Juden immer schwieriger sich gestaltenden Wirtschaftsraums hindrängt. Um so mehr darf man eine Fügung darin erblicken, daß diese rein rationellen Erwägungen durchaus zusammentreffen mit der immanenten Logik des M ä d c h e n e r z i e h u n g s p r o - g r a m m e s der Thora, wie es sich ja auch in dem ganzen Geiste des Mischle-Kapitels von der ^-»n r"llPK mit ihrer tatenfreudigen E r d g e b u n den h e i t widerspiegelt. Es ist daher erfreulich, daß die Zentralverwaltung von Beth Jakob in London, in ihrer letzten Sitzung beschlossen hat, Mittel in den Voranschlag einzustellen, um' durch Ausgestaltung des Instituts „Ohel Soro" in Lodz den Anfang zu machen, zu< einer Erweiterung des Bes Jakob-Erzdehungswerkes im oben entwickelten Sinne, wie dies grundsätzlich schon von der Krakauer Konferenz im Mai vorigen Jahres ins Auge gefaßt wurde. Die Kommission, die für das Programm und die Reihenfolge seiner allmählichen Ausführung — finanzielle und organisatorische Rücksichten zwingen zu langsamem Vorgehen — Vorschläge machen soll, wird sich natürlich sehr stark von praktischen Rücksichten, Personalfragen, lokalen Vorbedingungen usw. bestimmen lassen. Grundsätzlich scheint mir aber als erste aus der nTir na'l-Vorherbestimmung fließende Forderung die systematische Heranbildung von Haustöchtern und Hausmütte rn stehen zu sollen. Ich verstehe darunter die Wekkung des — heute vielfach schlummernden — Bewußtseins, daß die sachgemäße Führung eines Haushaltes eine Kunst und Wissenschaft darstellt, die erlernt werden muß wie jede Kunst u h d jede W issenschäft, die darum auch nicht um Haaresbreite weniger Würde verleiht, keine 'geringere nationale B e d e u t u n g besitzt und w e n i g e r Aufgebot von intellektuellen und sittlichen Eigenschaften erfordert, als etwa die Kunst der Pädagogik oder des Musizierens oder die ärztliche ■ oder pharmazeutische Wissenschaft. Im Gegenteil: je größer die Wirtsohaftsnot, in desto entscheidenderem Maße hängt /von der - überlegenen Kenntnis der Hausfrau die Auswahl der nahrhaftesten ob auch 'billigsten Nahrungsmittel für die AufrechteVhaltung der Gesundheit und Lebenstüchtigkeit der herannahenden Generationen ab, von ihrer Fähigkeit,: eine Atmosphäre der Reinlichkeit, der Ordnung, der gar nicht kostspieligen Behaglichkeit im Hause zu schaffen die moralische Zukunft von Malm und Kindern, von ihrer Urteilsfähigkeit in wirtschaftlichen Dingen, von ihrer Fähigkeit;aus Nichts Etwas zu machen in weitem Umfange das wirtschaftliche Durchhalten der Familien ab. Es darf vielleicht zum Kapitel „ E r n ä h - rung" darauf hingewiesen werden, daß der Völker b u n d in Genf seit längerer Zeit durch eine große internationale Kommission, der die hervorragendsten medizinischen Saohverständi- *gen aller Länder angehören, die Zusammenhänge zwischen der Ernährung und der Volksgesundheit untersuchen läßt. Diese Kommission, die soeben unter Vorsitz von Lord Astor ihre dritte Session beginnt, ist bei aller Verschiedenheit der Meinungen in Einzelheiten, doch zu dem Ergebnis gelangt, daß es ein Irrtum ist, zu glauben, die zweckentsprechende Volksernährung sei (innerhalb eines Existenzminimums natürlich) eine Frage des Einkommens. Sie ist vielmehr '— so sagt der Ber rieht der schwedischen Unterkommission — eine Sache der Erziehung. „Selbst das Einkommen eines Armen," heißt es da, „kann zur zweckentsprechenden Ernährung dienen, vorausgesetzt, daß die Leute wissen, was sie essen s o 11. e n , um lebenstüchtig zu bleibe n." „Unwissenheit führt zu falscher Diät". Als praktisches Beispiel wird, interessanter Weise, der Lattich (unser TH»' der mtn der MWö) angeführt, dessen „äußere Blätter tatsächlich den höchsten Nährwert besitzen". > Das Komitee des Völkerbundes betrachtet es als seine Aufgabe, die einfachen Tatsachen dem Mann auf der Straße zum Bewußtsein zu bringen. Was hier von der Ernährung als Grundlage des CDDTlUPSl^ 11KB ömawn für die Erhaltung der jüdischen Volksexis'tenz in schwerster Prüfung ausgesagt ist, gilt in erhöhtem Maße für alle anderen Zweige der Haushaltführung: für Gesundheitspflege, Säuglings- und Kinderpflege, elementare Krankenpflege — alles ureigenste Gebiete irdischen Seins, auf denen sich die mTP WS des Weibes zur Rettung des Volksganzen betätigen soll. Daran schließen sich dann entsprechende Spezialberufe für Mädchen, die auf Grund besonderer Vorbildung denjenigen Hausfrauen gegen Entgelt zu Hilfe kommen, die die Bürde dieser umfassenden Haushaltführung nicht allein zu tragen vermögen oder tragen wollen. Hat ein Mädchen diese spezielle Berufs-Vorbildung als Hausgehilfin, Hauspflegerin, Säuglings- oder Kinderpflegerin, Erzieherin usw. erworben, so braucht sie auch die soziale Abhängigkeit, in die sie sich durch Eintritt in die Hausgemeinschaft des Arbeitgebers begibt, nicht als Druck oder gar als Entwürdigung zu empfinden. Sie wird das Bewußtsein ihrer Würde nicht nur als ebenbürtige Tochter Israels in sich bergen, sondern auch ihrer beruflichen Ueberlegenheit sieh bewußt sein. Die Anpassung der manchmal sozial noch erziehungsbedürftigen Hausfrauen an die berechtigten Forderungen der Hausgehilfinnen wird sich dann allmählich, aber sicher schon vollziehen. Auch die Wohlfahrtspflege de r G emeinde wird in Polen mehr und mehr fachlich gut vorgebildete Kräfte erfordern und es kann keine schönere Aufgabe für Bes Jakob geben( als hierfür Persönlichkeiten heranzubilden, die nicht nur sanitäre und wirtschaftliche Belehrung und Hilfe, sondern auch dal stille, wärmende Licht echter Frömmigkeit in die Häuser der Armen tragen oder in den Kliniken oder Sprechzimmern der Aerzte den Hilfesuchenden mit dem Geiste eines wahrhaft jüdischen' Gemilus Chessed ihre Dienste widmen. Ueber das weite Gebiet der weiblichen "Berufstätigkeit in Handel und Industrie in diesem Zusammenhange zu -sprechen, liegt keine Veranlassung vor. Die Orthodoxie wird nur unter dem Drucke äußersten wirtschaftlichen Zwanges ihre Töchter. zu diesen Berufen ermuntern, die der Aufrechterhaltung des n&'JB ^btt m nTOD schwere Gefahren bereiten. Aber dieser wirtschaftliche Zwang liegt ja vielfach vor und es gilt daher, ihn in dem Bewußtsein gegenüberzutreten, daß Mädchen, die in Büros oder Fabriken gehen sollen, einer Stärkung ihres religiösen Wissens und Fuhlens in verdoppeltem Maße bedürfen. Nicht nur während der Dauer der Vorbildung, sondern auch in den freien Stunden, die ihnen nach der Tagesarbeit bleiben. / Hier kann und wird die Organisatdonsarbeit der „Bnos Agu das J i s r o e l " reiche Gelegenheit zur Bewährung finden. Die Bnos-Organisation wird ein Band schwesterlicher Gemeinschaft um die berufstätigen Mädchen schlingen,

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