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Der Israelit · 1937-06-03 · Heft 22 (3.6.1937) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 22 (3.6.1937)
Date
1937-06-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Feuilleton- Beilage Der Israelit Nummer 22 1937 Unter dem Baum; Von S. J. Agnon. (Schluß.) Wie es mir •erging, so erging €5 auch meinen . Gefährten. Von Tag zu Tag stärker "bemächtigte sich ihrer 'das Verlangen, in ihre Heimat zurückzukehren, das Wasser aus ihren Brunnen zu trinken, die Butter von" ihrem Kleinvieh zu essen und ihre Kinder die guten Lebensarten zu lehren, die sie. selbst im Lande Chaibar erlernt .hatten. : Allah blickte in unser Herz. Eines Tages brachten sie uns in ein. anderes, schöner als alle anderen Zelte ausgestattetes Zelt. Drei Greise säßen dort und der Glanz ihre® Antlitzes war wie da» Urlicht, das am ersten Tag erschaffen worden ist, und ihr Bart wie eine Fruchttraube «an der Dattelpalme. Uns überwältigte sogleich die Furcht vor ihnen. Wir fielen auf unser Antlitz, küßten den Staub von ihren Füßen und ich sprach: Eure Knechte sind wir. , '. Ich merkte, daß sie unsere Sprache nicht verstehen und begann meine Rede in jeder Spräche, die ich zu sprechen, verstand. Die Greise nickten mit ihrem Bart und ich erkannte, daß es ihnen angenehmer war, die Laute vom Haustier, Wild und Vögeln anzuhören, als' .die Sprachen der Ungläubigen. An der Bewegung ihres Antlitzes konnte man jedoch ers kennen, daß sie in ihrem Herzen nichts' gegen uns 'hätten. Als wir das sahen, weitete sich uns die Seele, wir dankten ihm, dem alle Danksagung geziemt, küßten 'zum zweitenmal den Staub von ihren Füßen und sprachen: G'ttes Schutz seinen Helden und seiften Greisen Ehre.' Der Tag war noch nicht zu Ende gegangen, da ließen sie uns leichte Kamele besteigen und brachten uns in unsre Heimatorte zurück, vielleicht in drei Stunden, vielleicht in zwei Stunden, vielleicht auch nur in einer Stunde, einen Weg von vielen Wochen und vielen Tagen. Dann trennten sie sich in Frieden von uns. G'ttes: Schutz und sein Friede sei über ihnen? Ich betrat mein Haus und sprach: Friede über euch, meine Söhnef Mein Segen aber war verwaist. Ehe ich noch wiedergekommen war, zogen meine Söhne aus und kehrten nicht zurück. Auch meine Freunde kamen nicht, mich zu segnen. Ein gleiches Los traf meine Söhne und meine Brüder. Diese und jene waren im Kampf gestorben. Auch unser Herr, der Sultan, hat seinen Geist dem Herrn der Geister wiedergeben müssen. Aber auch die Könige, die ihn mit Krieg überzogen hatten, waren-(gestorben.. Die einen starben von selber, die andern durch Menschenhand, Nicht die Zeiten waren zu Ende gegangen, die Könige waren zu Ende gegangen. - Jener Ruf aber: David, der König Israels lebt und. besteht! dröhnt noch in meinen Ohren. Zuweilen ist der Ruf wie ein« flammendes Feuer, zuweilen ist er süß wie ein Psalmenschatten. Ja, ich weiß, wem das Land Israels zubestimmt ist: keinem andern als Israel. Aber -wem au® Israel? Denen aus Israel, die vom Schöpfer, er sei erhoben, Pracht und Ehre und Kraft und Heldenmut und , Herzenswilligkeit uniä 'Holdsdnn erhalten haben, und die seinen Willen, er sei erhoben, aus Liebe tun. Sie sind es, die in«:Zukunft die Herrschaft im Lände ergreifen werden, und ihre Herrschaft; wird, sich immer weiter fortsetzen in alle Dauer. Ich stellte mich auf meine Füße und sprach: Ge* segnet sei Er, der G'tt Israels',' der 'dir zu sehen gewährt hat, was du gesehen hast. Etwelcher sieht und erkennt nicht, was'er sieht; Du hast gesehen" und erkennst, was Du gesehen hast. Selig wir, daß selbst ihr wisset, wem das Land Israels zubestimmt ist. Wie gut wäre es für Israel, daß sie ihre Weisung wahrten, und gar '-erst, in dem Lande, von dem geschrieben ist (5. M. 71, 31—32): „Ihr werdet es ererben, ihr werdet darin siedeln, so wahret im Tun all die Gesetze." Der Tag aber ist kurz und des Werks ist viel, vielerlei Werkarbeit hat G'tt uns auferlegt: zu pflügen, zu säen, zu ernten, zu bündeln, zu' dreschen und zu worfeln, zu .pflanzen, zu hacken, zu lesen und zu keltern, zu garben und Oelbäume abzukämmen, Vieh und Geflügel zu füttern, Schafe zu scheren, und unser Ermüht es und unseren Fleiß vor den Schädlingen und Dieben zu bewahren. Doch das Wohnen im Lande selber ist g'ttgefällig. So bringe ich denn diese Pflanzen, die ich auf meinem Rücken trage, damit sie in unseren Ackerboden gepflanzt werden, wie gesagt ist (Arnos 9, 14—15}: j, . . . daß sie Rebhänge pflanzen und ihre Wediiej ' winken, Gärten machen und ihre Früchteessen. Ich pflanze in ihren. Böden sie ein, sie werden nicht mejhr aus ihrem Boden gereiutet, den ich ihnen gegeben habe — Er, dein G'tt, hats -gesprochen.'' So hat also der Heilige, er sei gesegnety seine Pflanzung an unsere Pflanzung gehängt." Geben wir unserer Pflanzung Bestand^ dann hat die Pflanzung des Heiligen, er. sei gesegnet, ganz gewiß Bestand. All die Welt ist des Heiligen, er sei gesegnet, und, er hat sie nach seinem Willen seinen Geschöpfen zugeteilt. Essaw und Jischmael haben, die Fülle der Welt an sich - genommen ,— sie töten einander, vernichten einander um der Herrschaft willen, die es sie zu erhalten verlangt — wir aber empfingen aus seiner Hand, er sei' gesegnet, dieses kleine Land. Nicht um die Herrschaft darin zu ergreifen, sind wir hierher gekommen, und nicht um darin zu schalten sind wir gekommen, sondern um <zu pflügen, zu säen und zu pflanzen. Nicht alles, was ich sprach, verstand der Edelmann. Er hatte nur kurze Zeit bei den Juden voti Chaibar verweilt, und es reichte nicht zu, daß' er vieles erlerne. Der Ausdruck seines Antlitzes aber Meß erkennen, daß meine Worte ihm richtig erschienen. . So saßen wir miteinander, solange wir säßen, bis der Tag sich wandte und ein Abendwind zu wehen begann. Da erhob der Edelmann sich von seinem Sitz und verabschiedete sieh zum Frieden. Als jener Edle/sich von mir verabschiedete, betrachtete er meine' Setzlinge zum zweiten Mal und sprach: „Nach wie vielen Jahren tragen 'diese da Früchte?" Ich sagte es ihm. Er seufzte und sprach: „Ich werde nicht mehr von ihnen essen, ihr aber und eure Söhne und die Söhne eurer Söhne werden dereinst davon essen." Ich hob meine Augen zur Höhe auf und sprach: „So der'Heilige, er sei gesegnet, uns hold ist." Kleine Dokumente eines großen Mannes. . i.. Unter dem Titel D'anan tpiK ist eine gut ausgestattete, über 100 Seiten starke Sammlung erschienen (P. Lewin, Warschau, Twarda 29), die Brief e vom Ger er Rebben enthält. Wer da glaubt, es mit chassidischen Briefen für chassidische Menschen zu tun zu haben, die zu Höhen hinauf und Tiefen hinab führen, ist nach einem Einblick in das Buch bald eines Besseren belehrt. Die einfachsten, täglichsten und sachlichsten Angelegenheiten, die um so deutlicher die Größe des Schreibers zeigen, werden hier behandelt. Die Schrift gliedert sich in vier Teile: Allgemeines, Agudas Jisroel, Erez Israel, Zeitungen, und Wahlen und dergl. Aber die Bezirke greifen ineinander und jeder für sich ist eine. Quelle beherzigenswerter Lehren für alle, Chassidim und Nichtchassidim, Jung und Alt, östliche und westliche Menschen. / Da sind Briefe, in denen die Fareuhde gewarnt werden, ihre Kinder nicht dem Unglauben in'" der weltlichen Schule schutzlos auszuliefern, sie auch von der verderblichen Literatur .fernzuhalten. Nebenbei mahnende Worte an die Eltern selbst, zwischen den Gebeten in den „Stüblech" nicht die. Zeit mit leerem Geschwätz oder Bösrede zu vergeuden, sondern jede Minute mit Lernen und Beten, auszu- : füllen. . Der Friede geht : dem Rabbi über > . alles-, darum beschwört er seine Getreuehi, jedem Streite, aus derh. Wege ' zu gehen und auch?'mit denen in J?rieden; zu leben, die zu einem anderen Rabbi als sie selbst hmaufschauen "und ^hinfahren. Einem Freund in Amerika schreibt er: „Ich habe das Geld (erhalten und 'die; Hälfte der Summe nach - der An-!gafc>,e dem wohltätigen Zwecke .zugeführt, die andere Hälfte für mich zu behalten muß ich Jedoch a'blefi n e n , da ich keinen Mangel habe." Einem jungen Mann in Argentinien legt er ans Herz: „Jeder Mensch muß dessen eingedenk sein, wozu er auf die Welt 'geschickt wurde, um seine Aufgabe mit vollem freudigem Herzen zu erfüllen, insbesondere, wenn man, wie Du, nach so weiten Fernen verschlagen ist, wo es vielleicht etwas schwerer fällt; den Anschluß an Juden und. Jüdischkeit zu finden." „Eines leider 'fehlt Euch," schreibt er einem Freundeskreisj „was mir so tief ins Herz schneidet: Die Liebe, die Brüderlichkeit und der Friede. Daß Ihr diese Güter wieder bekommt, Ast der Wunsch aller Wünsche, die ich für Euch habe?'. Solche -Mahnungen zu Frieden und Eintracht nehmen .den größten Raum im ersteh Teile ein. „Wo die Achtung der Person des Nebenmenschen fehlt, da fehlt auch das wahre. Chassidus," schreibt er ah einer anderen Stelle. Er rät seinen Freunden, täglich1 ein« - Stunde -aus dem Buche C h o f e z C h a j i m zu lesen, um sich die Leidenschaft .der Bösrede .abzugewöhnen, {Mit welcher Verehrung überhaupt dieser Gha^Adimfürst: von " jenem litauischen Gaon, dein Sachwalter des" Erbes de® Wilnaer Gaon spricht!,)! Voll Weh und, Entrüstung vernimmt der Rabbi, daß es S a b baten tw eih'ung auch in polnischen Städten gibt, und er fordert die angesehenen Rabbiiieh. auf,- nicht izu ruhen, Konferenzen einzuberuf en und selbst in . eigener Person darüber zu wachen,; daß in. ihren Gemeinden die Läden am Freitagabend rechtzeitig geschlossen werden. ii. , ■ ■ " In den aphoristischen Briefzeilen des zweiten Teiles offenbart sich.uns das große, allen jüdischen Interessen und , Sorgen warm entgegenschlagende Herz. Briefe über die Notwendigkeit und vitale Bedeutung der Agudas Jisroel zur geistigen' Rettung auch der polnischen Judenheit. richtet der Rabbi an Freunde und Verwandte in einem Zeiträume von Jahrzehnten, Briefe an' Chassidim, an Agudaführer, auch an kongeniale rabbinische - Führer, wie; den Rabbi von Lubawitsch. Teilnehmer der ersten und zweiten Kenessio feiern Wiedersehen und Wiederhören .mit den. kurzen. Reden des Gerer Rebben auf 'jenen Versammlungen. (Die einzigen Nummern, die in Jiddischdeutsch gehalten sind, während alle anderen Briefe in einem schönen, fließenden Hebräisch geschrieben sind.) Kaum ein hartes Wort in dieser Sammlung gegen . M ens o h©n,. ereifern kann sich der Rabbi, wenn es gegen. Einrichtungen; geht, die aus dem Judentum hinausführen. Warme Worte findet der Rabbi zur Empfehlung des Finanzinstrumentes der Agudas Jisroel, des Ke r en Ha j isic hu w, einmal und noch, einmal, und immer wieder. Fest und unerschütterlich steht auch sein Urteil über, das Kulturproblem; Sein Ideal wäre, daß die Jugend ihre ganze Zeit und ihre ganze Kraft dem Thorastudiüm widmet, wo aber eine moderne Literatur nicht zu umgehen sei, sö müsse sie ganz und gar vipn mn*) sein. Die Sorge um die Jugend diktiert ihm .viele schöne und kluge Worte zum : Problem der Chedarim und Talmud Thora-Schulen in die Feder, aber ebenso viele scharfe Worte gegen die sog. Hebräischen Gymnasien in Polen, die die Jungen und die Mädels von Thora und Tradition ablenken. Ein einziger Satz an die Poale Agudas Jisroel, aber er besagt alles: .miDnm minn '3 bv b^n nvrb D3»i» nipmm awan vi>3j? III. Im dritten Teile sind Erez Ji sroel-Brief e enthalten. Keine überschwängliche Schilderung; wie alf© .anderen Briefe, ist auch hier alles klary sachlich und geordnet niedergelegt; Mitteilungen, Anregungen, Vorschläge und Pläne zur 'Erschließung des Bodens und zur Stärkung des jüdischen Geistes im Heiligen Lande. '.Die ersten Reisebriefe: stammen aus dem Jahre 5681. Seitdem hat der Rabbi sieben- oder achtmal Palästina besucht und jeder Besuch hat neue Früchte getragen, von denen 'diese Briefdokumente zeugen. . Wie glücklich der Rabbi ist als er zum ersten Male die Pflicht von Trumo. und .Masser .auf heiligem Boden erfüllen kann. Er nennt die Dinge, wie. sie sind, ohne zti retuschieren. Leuchtet aber zwischendurch ein Wort aus- Talmud, Midrasich oder Sohar auf, so horcht man gespannt.; Ein strählendes Lieht ist auf einen nüchternenBoden igeleitet. Wie einfach .und ohne Aufhebens über .seinen Besuch beim damaligen High Commissiorier H erb e r t S am ü e 1 (er nennt ihn bezeichnenderweise Elieser Sainuel) berichtet wird! Drei Zeilen: über seinen Besuch, .an jder W est-m a u er, erschütternd in ihrer .Einfachheit, und schon unmittelbar, darauf der Appell .äh -alle thoratreuen Meh^chern,', die Ruinen des heiligen Landes wieder aufzubauen, . Das Kapitel, in dem er die- Eigenschaften von Oberrabbiner Kük (Teil 3, Seite .61), däbiei die unvergleichliche Größe und . Frömmigkeit -.von.' Rabbi Chajim. S o iin e n f e 1 d und Rabbi Jerüham D i s k d n preist,\Wd ,lhedäüert, daß der Friede noch nicht hergestellt .ist, wird von ewiger historischerBedeutung bleiben. Ebenso die Wertung des alten Beizer Rebben im gleichen Brief. IV. \ Die Briefe gegen dier z i q n i s t i s c h e n Fonds und für den Austritt aus der W a ad L eumi- G e m ei n d e leiten zum Kapitel über Z ei,t un g e n und W a Jil'e n über, in dem sich der weite Weltmannsblick des Rabbi zeigt. Was er hier über die Unterstützung der agudistisehen Presse in Polen sägt, gilt auch' für andere Länder, Alles in allem ein herrliches. Buch, in dem /ein Führer spricht, der das jüdische Leben in «einer Totalität kennt und dem es gegeberr ist, mit klugen Blicke die Dinge zu überschauen und mit den einfachsten Worten das Tiefste und Bedeutendste auszusprechen. , " —tz.

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