Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 22 (3.6.1937)
- Date
- 1937-06-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr. 22 Der 1 s r a e 1 i t v 3. Juni 1937 abgeordnete Dr. Sommerstein an den Ministerpräsidenten und den Innenminister gerichtet. Eine Antwort ist bis jetzt noch nicht erfolgt. Die Gerichte haben ihre Arbeit aufgenommen In Warschau wurden 12 jüdische Jugendliche wegen ihrer Teilnahme an der Protestdemonstration verhaftet und zu Gefängnisstrafen bis zu 40 Tagen verurteilt. Das Kreisgericht von Lodz hat den Führer einer antisemitischen Jugendgruppe, Jan A n t c z a k , der dort zwei Juden auf der Straße überfallen und mit Dolchstichen 'getötet hatte, zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt. Das Kreisgericht in L o m z a hat fünf Angeklagte, die am 10. Januar an judenfeAndlichen Ausschreitungen teilnahmen, aus Mangel an Beweisen freigespro c h e n. Der Finaazimmisier wurde vom Verbände der Jüdischen Kaufleute in Brest ersucht, den geschädigten jüdischen Kaufleuten in Brest einen halbjährigen S t e u e r n a c h 1 a ß zu bewilligen. Der Finanzminister versprach, 'die Forderung wohlwollend zu prüfen. Amtlich wird mitgeteilt, daß in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres durch das zentrale Palästinaamt in Warschau 1510 Auswanderer nach Palästina abgefertigt wurden. Nach überseeischen Ländern fingen in der Zeit vom 1. April 1936 hin Endo April 1937 4764 Juden über Warschau. Den A r i e r p a rag r a p h en a b gel e h n t hat der Verband der Hausbesitzervereine Polens. Auf dem Kongreß des polnischen Journalistenverbandes haben die Nationalradikalen, nachdem sie bei den Wahlen eine Niederlage erlitten hatten, den Antrag auf Einführung des Arier- ' Paragraphen zurückgezogen. Auch die -Aerzte Schaft des Kreises Krakau lehnte auf einer Konferenz den Arierparagraphen aib. Dagegen führte der V e r b a n d der Elektroingenieure und die Vereinigung der Warschauer Arc h i t e k t e n den Arierparagraphen ein. Aus Wien wird berichtet, daß das dort bestellende Weltkonigreßkomitee jüdischer Frontsoldaten an den Marschall von Polen ein Protestschreiben zu den Vorgängen in Brest-Litows'k 'gerichtet hat. Warschau, 31. Mai. Der während des Pogroms von Brest-Litowsk schwerverletzte 47jährige Uhrmacher Baruch Silberberg ist im Warschauer Jüdischen Krankenhaus gestorben. Die Erfüllung seiner letzten Bitte, in Brest-Litowsk bestattet zu werden, wurde von den Behörden abgelehnt, — Die bei den Unruhen verwundete Gitel G r ü n b e r g ist nach Warschau gebracht worden, da ihr verschlimmerter Zustand eine Operation erfordert. Polen sucht Länder für „überflüssige Juden". Warschau, 23. Mai. Das polnische Außenministerium veröffentlicht unter der Ueberschrift „Palästina—Madagaskar" ein Communique, in dem erklärt wird, die polnische Regierung werde -weitere Maßnahmen treffen, um Einwanderungsmöglichkeiten für „überschüssige Juden" ausfindig zu machen, da .es offenbar unmöglich ist, alle in Palästina unterzubringen. Litauen. Die wirtschaftliche Lage der Juden in Litauen. Kowno, 28. Mai. Auf einer Konferenz von 86 jüdischen Genossenschaften wurde die wirtschaftliche Lage der Juden Litauens erörtert. 2's wurde festgestellt, daß im Gegensatz zu den allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnissen die Wirtschaftslage der Juden keime Besserung zeige. Die Staatsmonopole, die Konzentration des Außenhandels bei den Regierungsunternehmungen und die antijüdische Propaganda seien unter den Gründen für diese schlechte wirtschaftliche Lage zu nennen. Griechenland. Armut auch in Saloniki, Saloniki, 27. Mai. Nach einer von privater Seite soeben durchgeführten ZäMumg leben zur Zeit über 60.000 Juden in Saloniki. Von diesen werden 3 2 5 0 0 von der Jüdischen Gemeinde oder deren Wohlfahrtsansialteiti dauernd oder zeitweilig unterstützt. 65 Proz. der Jüd*ö von Saloniki Sind Arbeitnehmer; die Hälfte von diesen ist nur während eines Teile® des Jahres-, hauptsächlich als Tabakaiibeiter, beschäftigt. 25 Protz, sind Kleingewerbetreibende und Handwerker, 3 Proz. Kaufleute, 7 Proz. vollstänidiig erwerbslos'. Dabei ist im Vergleich zu den letzten Krisenjahren eine leichte Besserung, der Wirtschaftsverhältnisse festzustellen. Frankreich. Foundation ermöglichte 28 Millionen Dollar- Kredite in neun Monaten. Paris , 23. Mai. In den ersten neun Monaten des* Jahres 1936 nahmen 180.000 jüdische Familien in elf europäischen Ländern Kredite in der Höhe von 28 Millionen Dollar bei den mit Hilfe der American Joint Reconstruction Foundation geschaffenen Kreditkooperativen ilX Anspruch. Die Zahl der von dieser Kredithdlte erfaßten Personen beträgt, wie aus dem von den, Pariser Direktoren Dr. Bernhard Kahn und David J. Schweitzer, veröffentlichten Bericht hervorgeht, rund eine halbe Million. Damit hat -die Foundation dn dem abgelaufenen Jahr das größte Hilfswerk ' in Europa seit dem Weltkrieg geleistet. Die Foundation wurde 1924 zur Unterstützung der jüdischen Bevölkerung in verschiedenen Ländern Europas für Kreditgewährung an jüdische Kaufleute, Händler und Handwerker gegründet. Sie führt ihre Tätigkeit in elf Ländern mit Hilfe eines Netzes von 672 auf genossenschaftlicher Grundlage aufgebauten Kreditinstituten durch, die auch von jüdischen Landwirten und verschiedenen jüdischen landwirtschaftlichen Unternehmen in Anspruch genommen werden. Ihr Tätigkeitsigelbiet umfaßt Polen, Oesterreich, die Tschechoslovakeä, Griechenland, Lettland, Litauen, Rumänien, die Türkei, Bulgarien und Deutschland. In den letzten Jahren spielt auch die Wirtschaftshilfe für Auswanderer aus Deutsahland in mehreren europäischen Ländern und in Uebersee eine erhebliche Rolle. Ein „Antijüdisches Komitee für Frankreich", Paris, 30. Mai. Eine Reihe 'antisemitischer Gruppen, die bisher zahlenmäßig und ihrem Einfluß nach nur von geringer Bedeutung sind, beabsichtigen, eine judenfeindliche Einheitsfront in Frankreich zu schaffen. Zu diesem Zweck .wurde ein „Anlijüdisches Komitee für Frankreich" gebildet, dessen Vorsitz der Gründer des „Nationalklubs", der Pariser Abgeordnete und Stadtrat Darquier de P e 11 e po ix , übernommen hat. Pellepoix hat im vergangenen Jahr durch seine persönlichen Angriffe gegen Blum im Parlament Aufsehen erregt. Dem Ausschuß des, Komitees gehören ferner der Verfasser einer Reihe judenfeindlicher Abhandlungen Henry Robert Petit, der Vertreter der antifreimauerischen Vereinigung Poi'rso und der Herausgeber der judenfeindlichen Monatsschrift „Reveil du Peuple", Jean BoisseT, an, Das neue antijüdische Komitee stellt sich die Aufgabe, jüdischen Einfluß in Frankreich und die Einwanderung von Ausländern, insbesondere von Juden, zu bekämpfen. Italien. Eine Gesellschaft christlicher Juden, Rom, 20. Mai. Wie vor kurzem auch im „Israelit" mitgeteilt, wurde in Wien durch einen berüchtigten Renegaten Abraham Pollak eine „Gesellschaft christlicher Juden" ins Leben gerufen. Nunmehr etabliert« sich eine Filiale dieser Gesellschaft auch in Venedig. Die Gesellschaft erstrebt eine Anerkennung des Rechtes der christlichen Juden in Palästina. In einer Proklamation erklärt Pollak feierlich, daß die christlichen Juden das Los des jüdischen Volkes in jeder Beziehung teilen wollten. — Und dennoch fahnenflüchtig! China. 50 Jahre Jüdische Gemeinde in Shanghai, Shangh a i, 17. Mai. Die Jüdische' Gemeinde in Shanghai wird im Herbst die 50jährige Wiederkehr ihrer Gründung feiern. Die erste Zusammenkunft jüdischer Einwohner in Shanghai zur Gründung einer Gemeinide fand während der Hohen 'Feiertage des Jahres 1887 statt. Einige der ältesten Juden, die bei der Gründungsversammlung zugegen waren, sind noch heute innerhalb der Gemeinde tätig. Bei den Jubiläumsfeierlichkeiten wird die Große Synagoge der aschkenasisehen Gemeinde, die jetzt 4000 Personen zählt, eröffnet werden, Gegenwärtig gibt es nur eine aschkenasische und zwei sephardische Synagogen in Shanghai. Amerika. Der Joint für jüdische Notleidende in Europa; 1.145.000 Dollar im ersten Halbjahr 1937, .New Y o r k , 23, Mai. Der Direktor des Joint Distribution Committee, Joseph C. Hyman, teilt mit, daß bis zum 30. Juni 1.145.000 Dollar für notleidende Juden dn europäischen Ländern ausgezahlt sein, werden. 10.000 Dollar wurden für die 'Gründung eines, zentralen Hilfskomitees in Italien ausgegeben, das den nach Italien ausgewanderten Juden die dauernde Niederlassung ermöglichen soll. Da« Zentralbüro wird in Mailand seinen Sitz halben. Das Joint Distribution Committee erwartet, daß die jüdischen Gemeinden Italiens die Arbeit des Büros weitgehend unterstützen werden Roosevelt an die jüdischen Kriegsteilnehmer Amerikas. New York, 24. Mai. Der Verband der jüdischen Kriegsteilnehmer Amerikas veranstaltete einen Gedächtnisg'ttesdienst für die Kriegsgefallenen, dem eine Parade von 40QO jüdischen Kriegsteilnehmern voranging. Anläßlich der Gedenkfeier richtete Präsident Franklin D. Roosevelt an den Verband eine. Botschaft, in der er die „stolzen Leistungen der Juden im Dienste des. . Vaterlandes" hervorhob.. Vermischtes. Berlin, 25. Mai. Der Hilfsverein der, Juden in Deutschland (gibt u. a. folgendes bekannt: Es ist unerläßlich, daß a 11 e Auswanderer zuvor bei den Beratungsstellen des Hilf s Vereins vorsprechen und sich über die •Einwanderungsmöglichkeiten genau unterrichten. Diese stehen in folgenden Orten jederzeit zur Beratuai und Hilfe bei Auswanderun. gen zur. Verfügung: Berlin, Ludendorffstr. 20; Bremen, Gbernstr. 14; Breslau,, Wallstr. 9; Frankfurt a. M., Quinckestr. 26; Hamburg, Beneckestr. 6; Köln, Ruibensstr. 33; Leipzig, Goethestr. 1; München, Herzog Maxstr. 5; Nürnberg, Neeu Gasse 12; Stuttgart, Gartenstr. 15; Berlin, 26. Mai. Zur Bi&sp<rechun/g des Berichtes „Gemeinschaftsarbeit der jüdischen Jugend" in Nr. 19 unseres Blattes, wird uns vom Reichsausschuß der Jüdischen Jugendverbände mitgeteilt, daß die Broschüre nur an idie Mitglieder und 'die an der Arbeit der R,, d. j, J, interessierten Organisationen kostenlos abgegeben wird, Ein öffentlicher Verkauf findet nicht statt. Berlin, 26. Mai. In; einer Uebersicht Über die Kriminalität im dritten Vierteljahr 1936 wird angegeben, daß wegen außerehelichen Verkehrs zwischen Juden und Staatsarjigehörii^eai deutschen oder artverwandten Blutes 128 rechtskräftige Verurteilungen erfolgt sind. In 90 Fällen handelte es sich bei den Verurteilten um Glaubensjuden. Fulda, 1. Juni. Eine erhebende Weihestunde durften wir am vergangenen Sabbat erleben,-' Unser verehrter Raw, Herr Provinzialrabblner Dr. L. C a h n, der von einer Reise aus E. J. zurückkehrte, nahm bei einer Predigt 'die Gelegenheit wahr, leinen kleinen Ausschnitt seiner Reiseerlebnisse zu geben. Anknüpfend an das Haftora-Wort schildrte er in begeisterten und begeisternden Worten /den Eindruck, den er von f"ritf mitnahm. Er hatte dort die Jeschiwoth besucht und gesehen, wie sich Tda junge, lernbeflisisene Menschen mit » glühendem Eifer dem Thorastudium hingeben. In den Kibuzzim lernte er junge Leute kennen, die sich ihrer Aufgabe mit bewundernswertem Idealismus widmen. Besonders ergreifend war die Beschreibung, wie sich am Schwuausfeste die jüdischen, Maasen zur Heiligeö Mauer drängten, um das Mussaf-Gebet zu verrichten. Mit einem Appell, durch reiche Spenden dazu beizutragen, daß die etwa beschäftigungslosen Bebaüer des Erdbodens während des bevorstehenden Schmitto- Jahres nicht notleiden müssen, schloß, der verehrte Redner seine meisterhaften Ausführungen, Kitzingen, 1. Juni. Nachdem das Bezirksrabbinat Kitzingen 2x/% Jahre verwaist gewesen ist, wurde der Sohn des leider so früh verstorbenen Rabbiner Dr. Wohlgemuth, Herr Rabbiner Gotthelf W o h 1 g e - m u t h , Schüler des- 'Hildesheimer Rabbinerseminars zai Berlin, ab 1. September 1937 als Beizirksrabbiner von Kitzingen berufen. Gleichzeitig wurde ihm die Betreuung des Rabbinatsbezinks Ansbach übertragen. Kopenhagen, 26. Mal Aus Anlaß des 25jährigen Regiernrngsjubilätims bat der Rabbiner der Mach" s i k e H a d a s , Wölf S. Jacobson, dem König ein Exemplar seines jüngst veröffentlichten Buches mit einem Huldigungsischreiben zugestellt, worauf schon nach zwei Tagen die königliche Danksage eintraf. Die volle Adresse auf \ dem Briefumschlag war vom König e i g e n h ä nü i >g .geschrieben. Wochenkalender. Vom 5.—12 Juni 1937/ Vom 26. Siwan—3. Tämmus 5691 .nav *p p^n . 'i t\ pns "]h-nbv Samstag 5 26 l TP ■Sonntag 6 27 V - . lr/irm roian Montag 7 28 n? ■ " / Dienstag Juni 8 29 O' . Jüp T1D3 .01* Mittwoch 9 30 . ' 3-.: ,..; snn wrn '« Donnerstag 10 mt\ 1 K3 wnn »kit '3 Freitag 11 2 33 Samstag 12 3 .33-: ■ "^3. '« ■ p-i? mp y