Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1937-06-03 · Heft 22 (3.6.1937) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 22 (3.6.1937)
Date
1937-06-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450961-2450982--83033-2541018
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seite 4 Nr. 22 Der Israelit 3;< Juni 1937 Wenn jeder, der die Keren Hatorah-Ziete begreift, in die Keren HatOfah - SarTimeldoSe \ täglich wenige Pfennige legt, dann können wir allen unseren Aufgaben. gereiht werden. Dosen anfordern bei.« Keren Hatorah, Hamburg 13, Heinrich Barthstraße 21 Stellung wollen wir aber die Hoffnung verbinden, daß die zuständigen Geimeindekörperschaften, die aus dem Rundschreiben nun ersehen haben, welche Erbitterung schon der bloß© Gedanke am eine derartige Vergewaltigung in weiten Kreisen hervorgerufen hat, j en e ' unh e i 1 v o 1 l e n Beschlüsse nie fassen werden. Saul Wa h l, der jüdische Eintagskönig von Polen, hatte seinen Wohnsitz in Brest-Litowsk, damals und später noch Brisk genannt. Als der polnische Adel, so lautet die Mär, sich über die Königswahl nicht einigen konnte und der letzte Termin für die Wahl da war, setzte man kurzerhand den Hofjudea Saul Wahl für «inen Tag auf den Thron, damit nach 24 Stunden eine neue Karenzzeit für die definitive Königswahl anheben konnte. Die Sache ist reichlich legendär, aber Legenden spiegeln da® Bild und die Stimmung einer Zeit wider. Es ist nicht von Belang, wie sich die Dinge wirklich zugetragen haben, aber, man konnte, wenn die Gesellschaft in Polen sich nicht einig war, einen Juden für 24 Stunden auf den Thron setzen. Heute kann in der Stadt Saul Wabls ungestört 16 Stunden ein Pogrom wüten. Käme Saul Wahl heute in seine Heimatstadt wieder und sähe die eingeschlagenen Fensterscheiben in den von ihm errichteten Synagogen und jüdischen Wohlfahrtshäuseirn der Stadt, die Gegenwart und Wirklichkeit würden ihn viel legendärer anmuten als uns sein Erlebnis mit dem polnischen Königsthrone. Es ist eine historische, mit Akten und Dokumenten belegte Tatsache, daß Saul Wahl, mit oder ohne Thron, für die polnische Nation mehr getan hat, als viele Könige, Man weiß, daß um 1600 Delegationen der Brisker städtischen Bevölkerung beim König und auch königliche Delegationen im Auslände von Saul Wahl geführt waren. Es hat sich vieles geändert in den dreieinhalb Jahrhunderten seit jenem großen Brisker Juden. Getue wollten wir düe Akten über Brest-Litowsk schließen, kämen nicht, tagtäglich neue Berichte aus dieser und jener polnischen Gegend, die beweisen, wie Brest Schule machte und macht.. Aber gerade Brest-Litowsk wäre dazu angetan, daß sich Polen und die führenden Männer der großen polnischen Nation auf ihre Traditionen entsinnen. Hohe Beamte, uian sagt, sogar der Ministerpräsident, weilten nach den Ausschreitungen in Brest. Es wäre erwünscht, daß die Herren bei ihrer Anwesenheit in der Stadt > auch die Akten in den alten Archiven studieren und dem Volke einiges mitteilten aus einer Zeit, da die Juden in Brest und in Polen durchaus nicht „überflüssig und überschüssig" waren, da, man ihre prominenten Männer nicht nach Madagaskar oder Neuhebriden schickte, sondern, nach Warschau und nach Wien, um «die Interessen der Bevölkerung bei der Regierung und die Interessien des Landest in der Welt zu vertreten. Tempora mutantur!- ... Ein Jahr. Tel Awiwer Hafen -hat sich gerundet, und der Anlaß wurde in Tel. Awiw gebührend gefeiert. Der Glanzpunkt der Feier war'das feierliche Versptiechen des Vorsitzenden de© Hafen- Komites, daß nunmehr der Sabibat mit peinlicher Strenge im Hafen eingehalten w e r d e n s o 11. Im Tel Awiwer, dem Zionismus nahestehenden Wochenblatt „Hajessod" "wind alber diese» Versprechen nicht ganz rückhaltlos bejubelt. Es bleiben einige Zweifel und Bedenken. Es gab früher schon Versprechen 'dieser Art, und dennoch ereigneten sich gar zu oft Fälle krasser Sabbatentweihung,., im Hafen, idie die Gesetzestreuen zu scharfen Protesten herausforderten. Es wird im Artikel auch über Benachteiligung dier religiösem Arbeiter im Hafen geklagt. Die Gesetzestreuien sind im Hafenkomitee und in der Verwaltung nicht vertreten. Scharf und eindeutig, aber wie es scheint nicht unbegründet, ist folgende Anklage: „Würde man es bestreiten, daß unsi, den Gesetzestreuen, 11 Proz. der Hafenarbeiten gehören, so wäre es eine einfache Benachteiligung nach «irüer falsch ein Arithmetik. Wenn man aber offen zugibt, daß uns die 11 Protz, gehören und unsi dabei nur 2 Proz. gewährt, so ist es keine Benachteiligung mehr, sondern ein glatter und 'krasser Raub. Man wundert sich nicht über solche Benachteiliglungen von Seiten der Histadrmtth, aber das „neutrale" Hafenkomitee sollt© ein© jüdische nationale Sache, die sich im Wachsen befindet, nicht mit einer himmelschreienden Ungerechtigkeit belasten, 'die aller jüdischen RechtsauffasBung Hohn spricht. Wollte das Hafenkomitee dafür sorgen, daß auch die Gesetzes - treuen mit ganzem, vollem Herzen, der Juibiläumsfreude 'teilhaftig werden, so müßte neben dien Garantien für strenge Arbeitsruhe am Sabbat auch für eine neue, gerechte Arb e i t s v e r t e i 1 u n g gesorgt werden," Wir haben dem nichts hinzuzufügen. Die Reformrabbiner Amerikas, werden durch die bösen Winde, 'die durch die. jüdische Welt wehen, am Ende ebenfalls aus ihrem Schlafe geweckt. Auf der Z entr a 1 - K o nf eren z der am erlika mischen R ef o irmrabib in er (Central Conference of American /Rabbis), die vor kurzem in Columfous (Ohio) stattgefunden hat und an der 200 religiös-liberale Rabbiner aus allen Teilen der Vereinigten Staaten teilnahmen, verlangte der Präsident, der bekannte Geistliche der Emanuel- Synagoge in Chicago, Felix A. Levy, wieder Annäherung 'dies amerikanischen Judentums an die religiöse Ueberlief e r u n g. Der Führer der amerikanischen Reform gibt offen zu, daß es dem Ref ormjudentuim nicht gelungen sei, auf die große Masse der Judenhei/t ein e. n e nnensw-ert e Wirkung auszuüben. „Die Tage unserer Reform sind vorüber, es gibt nur ein Mittel zur Rettung des Judentums : R ü c k'k ehr zur t r a d i t i o n e 11 e n Religionsübung." Wolle man der Gefahr der Säkularisierung des Judentums entgegenarbeiten, so bleibe dafür Sein anderes Mittel, als sich /mit den orthodoxen und konservativen Juden zu verbinden. Wir hören »die Botschaft' — und es fehlt uns auch nicht der Glaube; der Glaube, daß das Aufdämmern besserer Erkenntnisse, wenn sie heute leider noch* nicht allzusehr verpflichten, sich vielleicht in Etappen langsam vollzieht, an deren Ende wirklicher )R ü c k k e h r zum.... Judentum der Thora, zum Judentum von Talith und Tefillin steht. Man hat schon solche Wunder in der wunderreichen jüdischen Geschichte erlebt. Die Diskussion in Italien überJudent u m und Zionismus geht weiter und nimmt immer schärfere Formen an. „Popolo d'Italia", ein. Blatt, das Mussolini sehr nahesteht, stimmt nun mit hellen Tönen in den Chor ein. Der Zionismus sei nur ein Mittel zur Stärkung des pöEtisohen, wirtschaftlichen und militärisichen Einflusses Englands im. Mittelmeer und somit gegen die Mittelmeerpolitik Italiens gerichtet, sagt das Blatt. Wer an der Schaffung eines Staates im 'Palästina arbeite, könnie nicht zugleich Bürger Italien® sein. Zum ersten Male wird in diesem Artikel auch offen ausgesprochen, daß F r e und« e hal tsrü ckisi e h ten auf d ie Araber und die i s lam i tiische Welt bei der Ablehnung des Zionismus und der jüdischen NationalheimpoKtAk in Italien stark mitspielen. Italiens Juden müssen entweder auf den Zionismus öder auf ihre italienische Bürgerschaft verzichten, ein Drittes •gäbe e© nicht. Im Gegensätze zu anderen; Pressestimmen wird freilich hier hervongehoiben, daß ersterer Verzicht möglich und erwünscht sei, (zumal die Leistungen der Juden in der Politik und in der faschistischen Bewegung nicht in Abrede zu stellen seien. Nach dem „Popolo d'Italia" nimmt auch die angesehene Zeitung Tribuna" auf Grund des an. dieser Stelle «chon besprochenen Granoschen Buches in ähnlichem Sinne zur Frage Stellung. Schon der Titel „Rom oder Zion" klingt wie eine Kampfansage. Aber auch „Tiibuna" verwahrt sich dagegen, au® einer antisemitischen Haltung zu sprechen. Die Judemfrag© in Italien sei aus der jüdischen Haltung heraus geboren, wie sie sich in dem Anteil der italienischen Juden am Zionismus dokumentiere. Es hieße, oft Gesagtes wiederholen, wollte man nachweisen, wie irrig dÜe Auffassung sei, als ließe sich Judesein und Staatstreue nicht vereinbaren. Für die Italiener ist aber Zionismus, und Judesein, soweit es seine Wurzeln in Zion hat, ein und dasselbe. Für uns' ist 'die ganze Polemik niur eine Bestätigung der seit Nero bekannten Tatsache, daß, wohin auch ein Pfeil abgeschossen wird, er stets „die Richtung nach Jerusalem nimmt", d. h., daß jedes' Weltgeschehen sich irgendw-ie im jüdischen Leben auswirkt. Denn die Auseinandersetzung in der italienischen Presse ist r'-M« M'jr-^fslr vff^lfel^- Selbstwürde., / Von Rabbiner Dr, M. Lewin in Hamburg. Das heilige Schriftwort ist uns Lehre und Wegweiser auch für alle Lagen und Verhältnisse des Lebens. Darin liegt sein Ewigkeitswert und das Zeugnis für seine Heiligkeit, daß es als Ernvn p rrnn über Raum und Zei^ erhaben nie und nimmer mit irdischen Maßstäben gemessen werden darf. Kann uns die Erzählung der Er^ai»; was uns die Sidroh über die Kundschafter berichtet, uns Spätgeborenen, für das, was wir erfahren und al® das Erlebnis unserer Zeit zu tragen haben, irgendwie Aufschluß bringen? Man lese nur mit Bedacht und in völliger Einfühlung, wie die Volksboten vor der Gesamtheit ihren Bericht mit den Worten abschließen: Quarta u'j'ffa »rm a'V'san p piv '33 a^'wn m wm bdi» . nnrpjn ot pi „Auch sahen wir dort die Riesen: die Anakssöhne,' von den Riesen, wir waren in unsem Äugen , wie Heuschrecken, und so waren * wir auch in ihren Augen." Die Kundschafter, die p*n i-»a7 das- Land so übel 'beleumundeten, kamen zu dieser ihrer großen Sünde, weil sie Ihn nicht sahen, der .einzig und allein über Israels Schicksale entschied und von dessen Wille es abhing, ob/ das, Werk seiner Verheißung schon jetzt zur Erfüllung kommen sollte^. Alsi ob nicht gerade wie 'die „wunderbare Rebe", die sie brachten, so auch idie großen riesenhaften Menschen, die sie angeblich sahen, gegen das zeugten, was sie vom Lande erzählen: K1»* rcattV nVsiS ps „Es ist ein Land, das seine Bewohner verzehrt."/'' Bar jeden G'ttvertrauens waren sie aber auch ohne Selbstachtung und Selbstwürde. „Wir waren in unsern Augen wie Heuschrecken." Ist denn Körperkraft und Riesenmaß wirklich entscheidend iuad vollends der einzige Wert und Gradmesser für wirkliche Größe und Würde? Daß sie eben am. Sinai gestanden, gewürdigt waren der Gnade der Erlösung, Mosche und Aron als Führer und Lehrer hatten, daß der Stammväter Traditionen in Ehren gepflegt wurden, — das bedeutete diesen Männern, 'die als des Volkes Beauftragte hinausgezogen waren, also wenig oder überhaupt nichts. „Und so waren wir auch s in ihren Augen." Wir brauchen gar nicht zu fragen: nn ^tt» fSHi» „Woher hatten die Kundschafter diese Erkenntnis gewonnen?" Wer hat denn ihnen dieses Urteil über sie überbracht? Nun, wer sich selbst nicht achtet, »kann auch bei andern nicht, Achtung finden. Das haben Israels Söhne und Töchter in glücklichen Tagen vielfach vergessen. .Sie fanden alles überall schön und gingen auf fremdes Feld, um einzelne zurückgelassene Aehren aufzulesen. Was wirklich groß und erhaben ist an. unserm Judentum, sie sahen es nicht und (gaben verantwortungslos ihre Selbstwürde preis. Wie sollte man das Judentum; würdigen, wo es von so Vielen unseres . Volkes' in seinen t Bindungen und Lebensäußerungen preisgegeben wurde? . Wie 'sollten wir. nun endlich alle um- , gelernt haben und in unserm Eigenwextägen unsere Ehre und Wurde suchen, "Da würde das Leid uns zü einem Quell der' Erhebung werden. So' darf denn als ein. schönes Zeichen der Einkehr es . gewürdigt - werden, daß . in einer angesehenen Gemeinde die Zeichen der Zeit erkannt worden sind und ['die Orgei in einem jüdischen G'tteshauis als Irrtum und Verfehlung jüdischer Neuerungssucht gebrandmark* wurde. Sollte 'dieses Beispiel nicht Nachahmung finden, daß nun überall Israels G'tteshäuser jüdische, volljüdische Andachtsstätten werden, befreit von allem, was sie entstellt und entjüdischt und chres wahren Schmuckes entkleidet? Warum sollen wir wirklich nicht alle Fehler und Irrtümer, die begangen sind, abstellen und uns ganz zurückfinden' als volle aufrechte Juden? Da® kann zur Sinngebung unserer Zeit werden. Wir müssen Selbstachtung bezeugen und in Selbstwürde das schätzen und zur Geltung bringen, was jüdisches Wesen, jüdische Sitte und jüdisches Leben gebeut, durchdrungen von der gläubigen Zuversicht: ,,"öi lim« NPa.Ti '7 U3 fsn t=)R „Wenn der Herr an uns Wohlgefallen hat, da*10 bringt er uns ans Ziel," Kleines Feuilleton. Die Bibel beim Londoner Krönungsakte, Ueber die mit der englischen Köruigskrönuirig zü* sammenhäingeodeai Vorgänge, die uns Juden betrer fen, wurde in Wochenschau, und Kornesponde*5-7-^1 alles Nötige berichtet. Es verlohnt sich/aber auch, ihre inneren Ereignisse zu ibetrachtenr Zwar vollzogeu sich idiese nach;;dem dem katholischen, nahe1 verwandten* aniglikajniisieh.en. Ritus»! -für dein■-■fbed uns. J*** den. weder, i: Literesse " noch. Ve^tandniisi; yptrhiaind^1 .sein dürfte, Was usus aber aufmerken > lassen *""*-' das ist. die , fortwährende Bezugnahme auf aitbiblische Vorgänge und Zitate,; über Hand einer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.