Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1937-06-03 · Heft 22 (3.6.1937) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 22 (3.6.1937)
Date
1937-06-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2446951-2450961-2450982--83032-2541017
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

3, Juni 1937. Der Israelit Nr. 22 Seite 3 Renegaten des Geistes,. (Fortsetzung von Seite 1.) Hier behandle angeblich , der Prophet die Standsäule, die Deuter, 16, 22 als von G'tt gehaßt hingestellt wird, als gleich legitim mit dem Schiachtöpfer, ja die heidnischen Teraphim (Götzenbilder) als gleiqhwertig mit dem priesterlichen Ephöd. - Schon 'der ■anischließenide .Yers zeigt die Haltlosigkeit der .ganzen Position. „Nachher werden umkehren die: Kinder Israel und den Ewigen ihren G-tt suchen und Dawid, ihren, König, und bebend zueilen zu G'tt- und zu Seinem Gut am Endziel der Tage.'/ _ Also kann der vorausgehende Vers doch nur eine Verirrüng kennzeichnen, von der dann Israel sich abkehrt und zu G'tt den Heimweg sucht, sich abkehrt in Erkenntnis der fälschen Isolierüngspölitik, die es auch David seinem Körnig abtrünnig gemacht hat-' Aber das Sophistische des Äuerbach'schen Verfahrens tritt: erst 'so richtig ins Xicht, wenn man den ganzen Zusammenhang der Stelle sich vor Augen führt. Am Bild der E h e mit einer B u h 1 e r i n wird dem Propheten das Verhältnis G'ttes zu Israel demonstriert. Israel ist treulos, treubrüchig, hat Kulte des Heidentums sich zueigen gemacht wie eine verbotene Liebschaft. I n d i es e m B i 1 de wird also d 1 e k u 1 - tis c h e .Mi s c h f arm d« s R ei e hes Israelais Unzuc Et und Äbfal 1 g e^g © iß e 11, im Gegensatz zur Reinheit und Keuschheit echter. Religion. Als Strafe ikommt über das ehebrüchige Weib ihre zeitweilige Verstoßung, sie wird gewaltsam so vom eigenen Herd wie von den Liebhabern der Sünde getrennt. Zu diesem Weibe spricht der Prophet: (das. Vers 3) ,,Viele Tage wirst du mir einsam dasitzen, kannst nicht buhlen und nicht einem Manne angehören, so wenig wie ich dir. Denn — und nun kommt der Vers von oben — „viele Tage werden die Kinder Israel vereinsamt sitzen ohne König und Fürst, o;hne Opfer und Standsäule, ohne Ephod und Teraphim". Das Galuth wird alles vernichten, den legitimen König und all die Thronräuber, die zuletzt Jerobeams Königswürde usurpierten, das Opfer G'ttes und den Dienst an den Mazewoth, das priesterliche Ephod und die heidnischen Embleme. Dann erst, geläutert durch das Galuth, wird die Nation zuihr em G'tt, zu Haschern, dem wahren G'tt, und zu dem legitimen messiariischen König den Rückweg finden. Der Prophet m u ß also, um den Gegensatz zwischen dem Zustand in der Heimat und der Leere der. Verbannung aufzuzeigen, b e i d e s n e b e h e i n a n der kennezichnen, den echten G'ttesdienst und den Aberglauben) des Baalkultes. Nicht weil sie miteinander gleichberechtigt sind, sondern, weil eben die schmerzhafte .Katastrophe des 'Züsammehbruchs dem' reli$q&en Wirrwarr den Garaus machen soll. *»•; ' . Die Stelle, auf die sich Auerbach beruft, ^ann also schlechterdings nicht in dem ihr unterschobenen Sinne . verstanden werden. Und doch baut 'sich' der erste wie der zweite Band von „Wüste und;gelobtes Land" auf die oberflächliche Auslegung eines e i n z i g e n Verses auf, und triumphierend kommt Auerbach immer wieder, auf ihn zurück^ Welche das Judentum auf das gemeinste entehrenden Schlußfolgerungen aber aus dieser Annahme Auerbachs folgen, das sträubt sich die Jeder niederzuschreiben. Erst in den Tagen des Jirmija bei „der Reorm des Josijas", so folgert Auerbach, sei „zum erstenmal das Kindesopfer eindeutig V f.! u r t e i 11 und verboten; ebenso die religiöse Prostitution, die ja nicht als Exzept der Sinnlichkeit, sondern als echte, mythisch bedingte Form der G'ttesverehr.ung angesehen werden muß" (!) (S. 180), denn' „objektiv gesehn, gehören zu den G'ttgeweihten (zu Nabi, Ikonen und Nasir) auch diev Kedesin, die Tempelpjröstituierten, die oft erwähnt werden." (S. 107.) Diese PerspektiYen eröffnen sich über die Urreligion Israels, wenn die Lüge von der einstens legitimen Mischreligion behauptet werden kann. Welcher Wahnsinn ist solche Konstruktion! Hätte der mit Hosea zeitgenössische Prophet l Arnos es als eine Entweihung des heiligen G'ttesnamehs bezeichnen 'können," daß Vater und Sohn zu der Tempelbuhlerin gehen, wenn er annehmen mußte, daß solches nach guter alter Vätersitte als . legitimier G'ttesdienst betrachtet wurde? Hätte Hosea sagen können; ,,Ich werde eure Töchter für ihre.Unzucht nicht strafen, denn auch sie, die. Männer, gehen ihre eigenen Wege mit Buhlerinnen, und mit den Kedeschoth opfern sie"; wenn das mosaische Kerngebot: „Du sollst nicht Unzucht treiben", nicht auch grundsätzlich, von Urbeginn an, jede kultische Ünsittlichkeit ein für allemal verboten hätte? Und warum sollte Esra, nachdem seit Jährhunderten Kanaan und seine Welt vernichtet war, im „Priesterkodex" noch angeordnet haben: (Levit. 20, 2ff.) „wer von Israel oder Fremdlingen sein Kind dem Moloch preisgibt, den soll die Volksvertretung steinigen!" Warum sollte post festum geboten worden sein: Gib nicht der kultischen' Schändung deine Tochter preis (19, 29), warum gewarnt werden: „nach Art der Kananiter, dahin Ich euch bringe, sollt ihr nicht tun"? (18, 3.) Zeigt sich hier nicht, was Auerbach selbst zugesteht, daß die „Gesetze und Riten, die diese Priester-Thora kodifiziert — uralt" sind? Welche Torheit also, zu sagen, erst zu Jirmijas Zeiten sei Kindesopfer und Tempelprostitution erstmalig verboten worden!- / Zu solch traurigen Verirrungen aber führt die assimilatorische Sucht, der Bibelkritik in ihre tempelschänderischen Fußtapfen zu folgen, daß die religiöse Prostitution noch mit einer Entschuldigung, als „mythische Form der G'ttesverehrung" uns vorgestellt werden soll. Weniger aufregend, aber gleich unhaltbar, ist Auerbachs Behauptung über die Bamoth, den Opferkult auf den Anhöhen. „Wenn freilich im Königsbuch dem sonst religiös einwandfreien .Joas (das heißt aber: dem Jojada; zum Vorwurf gemacht wirdj daß er die „Höhen" im Lande' nicht beseitigt habe, so trifft ihn hier keinerlei Schuld. Diese Tatsache zeigt nur mit voller Sicherheit — wa© ja auch ktdturgeseliiehlliea ganz hla# ist — daß zu dieser Zeit, k einem Mj & n s c h e n der Gedanke kommen konnte, an dieser Form des Kultus irgendwie Anstoß: zu: nehmen, daß vielmehr der von den Kananäern übernommene Dienst auf den Bamoth (Höhen) als völlig 1 egitim-galt." (S. 79.) Keinem Menschen! Auch Hosea (10, 5) nicht, der die Höhen des Unrechts als Sünde Israels geißelt? Auch Arnos (7; 9) nicht, der die Höhen ■Isaaks mit der Vernichtung bedroht,, auch Micha (1, 5) nicht, der die Höhen Judas in Jerusalem als das Verbrechen des : Hauses Israel hinstellt? Das genaue Gegenteil ist. d£r Fall. Ah. a 11 e n Stellen,'- von a 11 e n Propheten seit dem salomönischen Tempelbau, . wird die Illegitimität > der. Bamoth festgestellt (vergl/. Jes. 36, 7). Der Miß^ brauch des Wortes legitim 'ist durchweg die Legitimation Auerbachs. ' , ' „Die Teraphim^ einst ein J e g i t im e s= Kultgerät im Zelt der urzeitlichen' Ahnen (Gen. 31, 9)", so heißt's S. 166. Jeder . Schulbube weiß, daß Rahel die Teraphim; Labans als Götzenbilder stahl, daß Jakob, als er davon erfuhr, befiehlt: entfernet die fremden Götter aus eurer Mitte! (Gen; 35, 2). Und die Teraphim, die Michal in das Bett Davids legt, um seine Flucht zu verhüllen, können gar nicht' 'kultische Teraphim gewesen sein — die übrigens nach den Mitteilungen der Forscher kleine, tragbare Bilder waren (vergl. Gen. 31, 34; ferner Sploweitschik, die Welt der Bibel, S. 201) — sondern mußte eine Art Maske, nach Deutung von Josef Hälevi ein Skelett gewesen sein, sicherlich nichts kultisches, Ebensowenig wie Jesajas 19, 19 mit der Mazewa an der Grenze Aegyptens etwa eine verbotene heidnische Säule meinen kann, sondern einen G'ttesobelisken, den man als Zeichen und Zeugen für Häschern in Mizrajim aufstellt. So einfach wird' es nicht gelingen, das Illegitime legitim zu machen, ein Bestreben, das „die in ihren Augen sich klug Dünkenden immer gehabt, Licht zur Finsternis und Finsternis zu Licht zu machen.": (Jes. .5, 20.) . (Fortsetzung folgt.) '•^■■v^ ag ■.v7Ük.d Wochenrundschau. Die Synagogengemeinde Königsberg berichtigt—In der Stadt von Saiil Wahl --f Ein Jahr Haien in Tel; Awiw — Dämmerade £rkenntiii? in Amerika — Man , diskutiert in Italien über Juden — Ru-; . ■ »' i manien.; Auf Grund eines R unds e h r e i bens der J ü - dis|c h -. k o nis e r vi a tli ven; Vere-inigun g ih«': Königsberg behandelten -wir in üngster Niunmer andieser Stelle den Versuch der Synagoigjanigemeinde,' zu Königsberg, den konservativen G'ttesdienst, aus Einfachheits- und Sparsamkeitisgründen, gleich vom Uberäleri' Rabbiner mitversorgen zu lassen. Vom Vor s-t a n d e d er S y n a g o g e n g e m e i n d e gehen uns darauf die im „Köndgsberger jüdischen Gemedndeblatte'' veröffentlichten! Amtlichen Mitteilungen zu, au® denen wir erfahren, daß „die Gemeindekörperschaften sich veranlaßt sahen, gegen Form und Inhalt des. Rundschreibens in den, , Sitzungen am 20. Mai 1937 schärfste Verwahrung einzulegen." : , Zur Sache erklären V o r-s t a n d und R e p r ä - sentantenversammlnng folgendes: „Infolge der verschiedensten Umstände verschlech-j tert sich die faninzielle Lage der Gemeinde aridau-'1 ernd. Die, Aussichten für das mit dem 1. Oktober beginnende neue Etatsjahr sind überaus unerfreulich. Eine Erhöhung der bereife sehr hohen Steuern muß vermieden werden. Zwangsläufig werden deshalb einschneidende Sparmaßnahmen r getroffen werden müssen. Pflicht der Gemeindekörperschaften ist es, die Möglichkeiten solcher Einsparungen eingehend in Erwägung .zu ziehen und ihre DurcMührung sorgfältig vorzubereiten. \. Zu diesem Zweck ,ist eine S p ar k o mmissi o n eingesetzt, die die einzelnen Etatsposten .unter Hinzuziehung an ihnen besonders interessierter Gemeindemitglieder. überprüfen und .gegebenenfalls i Vorschläge machen soll, damit die Gemeindekörper- 4chaften für die Etatsberatung un4i die infolge der; bereits alljährlich getätigten Kürztingen besonders j| Schwierig und verantwörfcungsvdli; ^©wordenen Ent-, .Schließungen ein möglichst vielseitiges und, ausführ-! Mches^ Material als .Unterlage zur . Verfügung haben. Die erste Sitzung hat aih 29. April 1937 stattgefun- :,den. Es .wurde zunächst der Friedhofs'.etat geprüft ■und; alsdann. in, Gegenwart zugebetener Gemeindemit-;!glie»der konservativ'el• Richtung der Synagogenetat erörtert. Dabei wurde' neben verschiedenen anderen ' Sparmöglichkeiten auch die: Einrichtung eines einheitlichen G'ttesdienst es' erwogen. Weitere Sitzungen der-Sparkommissdon' sind in Aussicht genommen. I r g e n d w e l c he Beschlüsse zu fassen, .;hat d i e;; S p ar k o m m i &® i o n wede-r das R e c h t noch, d i e A u f g a b e. Die Beratungen der Gemeindekörperschaften werden nach Abschluß der Arbeit der Sparkommissdon stattfinden." . Aus dieser Berichtigung nehmen wir nur mit Genugtuung zur Kenntnis; daß iTgendwelche Beschlüsse in der Sache noch nicht gefaßt sind und die Späirkömmission, 'die Etatrücksichten jüdisch-religiöses Leben zu opfern vorschlägt, solche Beschlüsse gar'nicht fassen kann. Mit dieser Fest- Rai im STRUMPFHAUS METZGER ZEIL 87 J^ft Herrenwäsche; Trikotagen und Badewäsche Sport- und Sacco-Anziige ■Leinen^ und LUslerkleldung!Soinmei;hiOseri in größter.Auswahl auf^unscl^^ Frankfurts. M. Hindenburgplatz 12 gegenüb. d. Hauptbahnhof

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.