Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 22 (3.6.1937)
- Date
- 1937-06-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2450961-2450982--83031-2541016- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 Nr. 22 D e r I s r a e 1 i t 3. Juni 1937 Frau* Sara Scheniere r, Dr. Nathan Birnbaum und Dr. Deuts'chländer, Im' Anschluß an die feierliche Eröffnung wurden die angekündigten. Referate gehalten, über die noch Bericht erfolgt. 41 V Die Zementfabrik „Nester" arbeitet nicht mehr am Sabbat- Jerusalem, 31, Mai. Nach Vorstellungen der Oberrabbiner von Jerusalem, Haifa und Tel Awiwhat die Leitung der Z e m e h t f a b r i k „Nesher" beschlossen, ihren Betrieb, am Sabbat in'Zu- •kunft stillzulegen. , Die neue englische Regierung — Zwei Juden als Minister. .. . London, 28. Mai. In der nach dem Rücktritt Balduins von dem bisherigen Schatzkanzler Neville Cham-, b e r 1 a i n gebildeten neuen englischen Regierung befinden sich zwei J u d e n. Der bisherige Verkehrsminister Hor e- Be 1 i s h a, der sich große Verdienste um die Bekämpfung von Verkehrsunfällen erworben hat, ist Kriegsminister gewor-den. Als Minister für öffentliche Arbeiten ist Sir Philip S a s - s o o n , der bisherige Unterstaatssekretär im Luftfahrtministerium, berufen worden.-Bereits im vergangenen Jahr wurde Hore-Belisha in Anerkennung seiner Verdienste vonMinisterpräsident Baldwin zum Kabinettsmitglied gemacht, obwohl er als Verkehrsminister nur der Regierung als solcher, und nicht dem Kabinett als ihrem, engeren Ausschuß angehört hatte. Kolonienmmistef Ornksby-Gor'e; hat auch im Kabinett Chamberlain sein bisheriges Amt beibehalten. Wie der Minister die neue Schedule rechtfertigt. L o n d o n , 26. Mai. In der Unterhaussitzung vom 26. Mai bestritt es Kolonienminister Ormsby- Gore, daß für die Festsetzung einer so niedrigen .Einwandelurigsschedule für die Monate April bis Juli 1937 politische Gründe maßgebend gewesen seien. Er behauptete, daß die für die Regelung der Einwanderung geltenden Bestimmungen des Mac- Donald-Briefes vom Jahre 1930 auch diesmal streng eingehalten worden seien. Der Abgeordnete Geoffrey JV1 a n d e r hatte nämlich gefragt, ob der Kolonienminister bereit sei, die Gründe dafür anzugeben, daß auf Grund der neuen Arbeiterschedule für Palästina nur 770 Einwanderer in den Monaten April bis Juli zugelassen werden sollen, etwa ein Fünf zehntel der angeforderten Zahl und weit weniger als dm vergangenen Jahr. Er fragte weiter, inwieweit die Gründe für diese Einschränkung mehr politischer als wirtschaftlicher! Art seien. Minister Ormsby-Gore antwortete, der High Commissioner habe für die Monate April bis einschließlich Juli die Zulassung von 770 Einwanderern auf Grund der Arbeiterschedule bewilligt; bei der Festsetzung der Schedule in diesem Umfang sei keine Aenderung der Politik oder der Anweisungen eingetreten, Zweifellos habe sich der High Commissioner ausschließlich von den üblichen Kriterien leiten lassen ,denen zufolge er die wirtschaftliche, Aufnahmefähigkeit Palästinas' in Rechnung zu ziehen habe. Im weiteren sagte der Minister, es handele sich um die strenge Durchführung der Bestimmungen des MacDonald-Briefes von 1930 und der damals von der Labour-Regierung festgelegten Politik. Portugal lehnt Unterzeichnung des Genfer Auswanderer-Abkommens ab. Lissabon, 1. Juni, Ineiner amtlichen Erklärung wird den Berichten über Massenausweisung jüdischer Auswanderer, die in Portugal Zuflucht gesucht haben, entgegengetreten. In der Erklärung heißt es, daß es sich bei den Ausgewiesenen um Personen gehandelt; die in allen Ländern als unerwünscht gegolten hätten. Ausländische Juden in Portugal seien allgemein geltenden Gesetzen unterworfen, die die Einreise und den Aufenthalt von Ausländern regeln. Kein Jude habe daher zu befürchten, daß er in Portugal in eine schwierige Lage geraten könnte. Es sei auch für Portugal unnötig, dem vom Völkerbund vorgeschlagenen Abkommen beizutreten, demzufolge besondere Gesetze für jüdische Ausgewanderte geschaffen werden sollen, durch die sie fast die gleichen Privilegien wie die einheimische Bevölkerung erlangen würden. :!.•■»• Neue Ausschreitungen in zahlreichen Städten Polens. 'Warschau, 1. Juni. ' In Gbra-Kalwaria, dem;<5itz des berühmten „Gerer", Chassidimrabbis, ist es zu judenfeindlichen Ausschreitungen1 geköm'men. Sechs Juden wurden erheblich verletzt, mehrere jüdische Läden vernichtet und in vielen jüdischen Häusern die Fenster zertrümmert. Die Polizei stellte die Ordnung wieder her und traf Maßnahmen, um. eine Wiederholung der Ausschreitungen zu verhüten. Auch in B ria n s k\i bei Bielsk-Podlaski fanden arji Markttag Ausschreitungen gegen die Juden statt. Die jüäisfihen Marktstände wurden ofemblierl;i .die Fenster der jüdischen, Geschäfte, und der Synagoge- Jz#rifu#f mert und mehrere Juden verletzi:'Auch in Nö-' W ö - S w i e h t i n e ^urden die Fenster von zwei S y in a g o g e hr' und zahlreicher, jüdischer ,;Häiiser' zertrümmert; mehrere Juden wurden -mißhandelt. , ü 'Vi In den Straßen von Krak au wurden jüdische Passanten von.; riatiönaldemokrätischen Huligansi, überf allen : und mißhandelt. lAus einem Cafe'häus;wurden: die jüdischen Gäste gewaltsam entfernt. ' Auch'' in War S c h a ü " sind in verschiedenen Stadtteilen Juden auf der Straße überfallen worden. In Minsk-Mazowieck versuchten nationaldemokratische Agitatoren anläßlich - eines Gedenkg'ttesdienstes für den Sergeanten Bujak, dessen Ermordung •durbh; 'Ü&n. al;sj g&isjtig niit^ef-. V&rtig bekannten Jüdä-.'ChatzkeleWfiez im. vergangenen Jähr! zu den judenfeindlichen Aus; sdhreitungen in, dieser ' Stadt; 'geführt hat, ,* kberm'als einen Pogrom gegen -m.e jüdK ta-ung h^ieb>5züiühren, Ihre Bemühungen wurden 'durch d^s^eiiergisenfe Eingreifen der Polizei Vereitelt. (Siehe, auch .Korrespondenzenteil.) im rüH •;u«<. -m •::;hh.(" Deinen dem Taurohvolk, Deinen tf /Ö dem Taurobland, Deinen 2*70 als Bekenntnis für G'tt und Seine Lehre. Mohammedaner Indiens entsenden eine Abordnung nach London. Bombay, 1. Juni. Am letzten Freitag hat sich eine Abordnung der Mohammedaner Indiens nach London begeben, um zu versuchen, die britische Regierung von der Notwendigkeit einer Revision ihrer gegenwärtigen Palästinapolitik zu überzeugen. Die Mohammedaner Indiens "wollen von der englischen Regierung verlangen, daß sie den Forderungen der arabischen Bevölkerung Palästinas mehr ..entgegenkomme als bisher. Die Abordnung wurde von der indischen Palästinakonferenz gewählt nnd beauftragt,' der britischen Regierung die Einstellung der indischen Mohammedaner zum Palästinaproblem zu verdolmetschen. Sie besteht aus den Mitgliedern der gesetzgebenden Körperschaften der Vereinigten Provinzen und Bengaliens, Nawab Mohammed Ismail Khan und . Abdul; Rehman ' Siddigue. Die Abgesandten der indischen Mohammedaner werden sich kurze Zeit auch in Jerusalem aufhalten, um mit den arabischen Führern und mit, dem High Commissioner Fühlung zu nehmen.!; i ., Zu den neuen Devisen- . Bestimmungen über Auswanderung. Berlin, 31. Mai. Die Allgemeine Treuhandstelle '- für die jüdische Auswanderung teilt zu dem in der ITA, Nr-, 214 vom 26. Mai .wiedergegebenen Runderlaß 73/37 mit, , daß sich an 'dem .Verfahren bei der Empfehlung zum Ankauf von Auswandererguthaben bis SÖ00: RM. zur Transferierung mit 50 Prozj.michts geändert habe. Die Neuerung sei darin *zu sehen, daß 1 nicht mehr die Deutsche Golddiskontbank, sondern .die Allgemeine Treuhandstelle die Devisen zur Verfügung stellen wird;: Genehmigungen zum Devisenerwerb, von der Allgemeinen Treuhandsteile werden durch die zuständigen Devisenstellen erteilt. Die polnischen Kolonisations- Versuche und Frankreich, ■ >:■..•.■ - j: ■[:.- .jP;a riis ,-3;-Juni . Wie bekannt, ''Haken..iüe'p|ottiscn*e;& PJäifce.' zur Evakuierung von Juden nach, fernen . Jn&eln m Frankreich gewisse Unterstützung gefunden. Das jüdische Gemeindeblatt in Paris,; jjL'Univers Israeiite", macht uns einige interessante M'Heilungen <über_^ die. f , angebliche „Pplnisch-franzö' sische Allianz" zu .dieser gewaltsamen Lösung der Judenfrage. Wahr an den Berichten über , die Mitarbeit Frankreichs sei ntfr; däß'der Ko- | Ichienmimister;; Marius Möute t erklärt habßf 'e'ffie E r I e i d h't e r u n g von jüdischen Niederlassungen in gewissen französischen Kolonien zu studieren, was aber mit einer etwaigen Massen- ^kolonisation nichts,zu tuh habe. Wenn; es d«ß ■Anschein haben sohlte, als würde die menschen* 'freundliche Tat Frankreichs! unbewußt, die Eva* küierungspläne' desi Obersten Beck ^egünstigeö und förderjn, so1 wirld dieses* von offizieiler Seite bestritten.- -■ *''! "v '■.<■' /