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Der Israelit · 1937-05-27 · Heft 21 (27.5.1937) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 21 (27.5.1937)
Date
1937-05-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 21 Der Israelit 27. Mai 1937 Siedlung ehemaliger jüdischer Frontkämpier in Paraguay, Berlin, 21. Mai. Der „Schild", das Organ des Reichsbundes jü discher Frontsoldaten, veröffentlicht . einen Bericht des früheren Vorsitzenden der . Ortsgruppe Koblenz des Reichsbundes, Gottschälk, der sich einer aus Deutschland ' ausgewanderten Gruppe ehemaliger jüdischer Frontsoldaten und Mitglieder des Sportbun des des Reichsbundes angeschlossen hat, um eine landwirtschaftliche Gruppensiedlung in Paraguay aufzuziehen. 35 km von Asuncion entfernt hat die Gruppe, die aus 13 Personen besteht, 35 Hektar bepflanztes Land, ein großes Haus und 24 Stück Vieh. E« ist die erste größte Gemeinschaftssiedlung in Paraguay. Das Eltern-Hilfswerk für die jüdische Jugend im letzten Schuljahr. Berlin, 18, Mai. Wie das. Elternhilfswerk für die jüdische Jugend (Berlin=Charlottenburg 2, ■ Kantstr. 158) mitteilt, hat es auch in dem Schuljahr 1936/37 Schüler und Schülerinnen der jüdischen Schulen aller , Richtungen durch Schulgeldbeihilfen unterstützt. Dabei stehen ' die Schulen _ der Gemeinde an erster Stelle. Aber auch an öffentlichen höheren und Mittelschulen sind in diesem Jahr noch eine Reihe von Schülern unterstützt worden, um ihnen die Erlangung der mittleren Reife oder des Abiturs zu ermöglichen. Im kommenden Jahre wird diese Gruppe fast verschwinden. Stattdessen werden Schüler der beiden neu er» richteten jüdischen höheren Schulen, der höheren Schule der Gemeinide und der des Bildungsvereins, zu. fördern sein. Alle bisherigen Schützlinge des EHW, die 'die Schule verlassen haben, konnten eine ihren Fähigkeiten entsprechende Lehrstelle oder andere Aufibildungsmöglichkeiten finden. Grundsätzliche Voraussetzungen alier Bewilligungen bleiben: besondere Begabung des zu Fördernden und wirtschaftliche Notläge der Eltern. Das Elternhilfswerk hält die Verwendung von Mitteln, die durch freiwillige Spenden aufgebracht wunden, nur dann für gerechtfertigt, wenn beide Voraussetzungen gleichzeitig vorliegen. Nur so könne verhütet werden, daß Anwärter auf geistige Berufe wieder in ungesundem Maße herangezüchtet werden. Blaue Beitrags-Karte neben der Jüdischen Winterhilfe. Berlin, 24. Mai. Das Wohlfahrts- und Jugendamt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin teilt mit, daß die Blaue Beitragskarte für Hilfe und Aufbau eine Sammelaktion darstellt, die unabhängig von der Jüdischen Winter* hilfe das ganze Jahr und deshalb auch während der Sommermonate durchgeführt wird. Die Blaue Beitragskarte ist ein sinnfälliger Ausdruck der Verbundenheit mit dem großen jüdischen Werk für Hilfe und Aufbau. Sie ist im Wohlfahrtsamt der Gemeinde, Abteilung Hilfe und Aufbau, Berlin C. 2 Rosenstr. 2—4, erhältlich. Gemeinde-Etat in Leipzig angenommen. Leipzig, 23. Mai. In einer Sitzung der Gemeindevertretung der Israelitischen Religionsgemeinde in Leipzig ist der Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1937/38 einstim* mig angenommen worden. Er schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 524, 532 RM. ab. Als Zuschuß für soziale Arbeit sind 119.206 RM. eingesetzt worden. Die Ausgaben des Sozialamtes der Gemeinde, die aus außerordentlichen Mitteln, insbesondere Spenden für Hilfe und Aufbau gedeckt werden, sind hierin nicht enthalten. Als Steuersatz sind 331/» Proz. der Einkommenbezw. Maßstabsteuer 1936 festgesetzt worden. Neue Verfassung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden genehmigt. München, 14. Mai. Der Rat und die Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden haben in ihrer Sitzung vom 21. März 1937 in München eine neue Verfassung beschlossen. Das Bayerische Staatsministe? rium für Unterricht und Kultus hat dazu an einer Entschließung vom 13. April festgestellt, daß es keine Erinnerung erhebt, wenn' der Verband diese, Verfassung seiner Tätigkeit einstweilen zugrunde legt. - Ungarn, Gebete für das italienische Königspaar in den Synagogen von Budapest. B u d a p e s t,. 23. Mai.' Beim G'ttesdienst am letzten Freitag-Abend würden in allen Synagogen von Budapest Gebete für das* italienische Königspaar gesprochen, das jetzt bei demi ungarischen Reichsverweser, Admiral von Horthy, zu Gast weilt. Von den Rabbinern wurde in feierlicher Weise auf die Freundschaft zwischen Italien und Ungarn hingewiesen. Die Rabbiner brachten in allen Synagogen die Huldgiung der jüdischen Bevöh kerung zum Ausdruck,"lIn dem den Ansprachen fol genden Gebet wurde der Wunsch ausgesprochen, daß die Budapester Königstage gesegnet sein und der ganzen Bevölkerung ohne Unterschied des Be kenritnisses den Frieden vermitteln mögen. Die Woche, Berlin, Der Verein jüdischer Lehrer der Provinz Brandenburg hat nach 40jährigem Bestehen seine Tätigkeit eingestellt, nachdem sein Mitgliederbestand auf acht gesunken war. Hamburg, Wie das „Hamburger Tageblatt" meldet, hat eine außerordentliche! Hauptversammlung des Naturwis* s e n s c h a f 11 i c h e n Verein® in Hamburg euastimmig eine Aenderurig der Vereinssatzungen beschlossen, wonach Juden ausgeschlossen werden. Gleiwitz. Das Kaufhaus Fedor Karpe in Gleiwitz ist in arischen Besitz übergegangen. Wie die „Oberschlesische Volksstimme" berichtet, fand anläßlich der Geschäftsübernahme ein Betriebsappell statt, bei dem von mehreren Rednern dieser weitere Schritt auf dem Wege der Ueberführung jüdischer Geschäfte in arischen Besitz begrüßt wurde. München. Die. im Jahre 1740 erbaute Synagoge in Butten heim bei Bamberg ist verkauft worden. Die Jüdische Gemeinde Buttenheim entstand nach dem 30jährigen Kriege. Die künstlerisch geschnitzte Umrahmung des Aron Hakodesch der Synagoge ist nach Bamberg in die Obhut ' der dortigen Ge=. meinde gebracht worden. Amsterdam. Pressemeldungen zufolge soll demnächst an der Universität Leiden eine ordenti:che Professur für assyrische, babylonische, israelitische und heUenistische . Rechisgesohichte geschaffen werden. Als Inhaber der neuen Lehrkanzel ist der bisherige Privatdozent Dr. Martin D a v r d vorgesehen, der seit einigen Jahren an der Universität in Leiden und Amsterdam Vorlesungen über antike Rechtsgeschichte hält. Paris. Der hervorragende Slawist Prof. Dr, Louis E i s"e n m. a n n, Inhaber des slawistisohen' Lehrstuhls an der Pariser (Universität und Direktor des Institut Francais Ernest, Denis in Präg, ist am Freitag, den 14. Mai, in Paris im 68. Lebensjahr gestorben. London. König Georg VI, .hat nach dem Krönungsbankett in der GuildhalL an dem die ge- , sainte königliche Familie teilnahm, den. jüdischen Stadtverordneten F. J. C. Politzer, einen der Sheriffs der Stadt London, in den Ritterstand erhoben. In der Regierungszeit der Königin Viktoria waren zwei Mitglieder der Familie Politzer, .Sir. Benjamin Phillips und sein Sohn Sir George Faudel-Phillips, Oberbürgermeister von London. Saloniki. Die jüdische .Presse von Saloniki meldet, daß König Georg VT. von England den in Paris lebenden jüdischen Maler Jean d e B o 11 ö ii beauftragt hat, ein , Gemälde von den Krönungsfeierlichkeiten in London herzustellen. Jean de Botton ist ein bekannter aus Saloniki stammender Künstler. Jerusalem. In einer Pressekonferenz in Jerusalem gab der Manager des Palästina- Symphonieorchesters, Dr. Walter Simon, bekannt, daß Artnir o Tos-Canini' auch in der kommenden Saison mehrere Konzerte des Orchesters dirigieren wird. Bei einem der Konzerte wird auch der Gründer des Orchesters, Bronilav H u b e r m a n, als Solist mitwirken. — Die italienische Regierung hat durch" ihr Konsulat in Palästina h.urid e r t p a 1 ä s t i n e h s i s c H' - a r a bis che"1 Jugend fü h r'er zu einem Besuch nach Italien eingeladen. Während der ' Dauer ihres Aufenthaltes sind die arabischen Ju* gendführer Gäste der italienischen Regierung; sie sollen von Mussolini und Außenminister Graf Ciano empfangen werden. Algier. Das Gericht in Tunis verurteilte 21 Araber zu mehnnonatagen Gefängnisstrafen, ' weil sie in D j e b e 1 A b o i d jüdische Geschäfte geplündert hatten. Sidney. In Sidney ist iin Alter von 63 Jahren Sir Daniel Levy, einer der führenden Juden Australiens, gestorben. Sir Daniel war Abgeordneter des Parlaments von Neu-SüdwaieS ■und dessen Vorsitzender bis zu seinem To de. In dem Uebergari-gskabinett des Jahres 1932 war er Justizminister und Geherai-, Staatsanwalt. New < YörkV Gouverneur Lehman, .zeichnete 4000 Dollar für den'-' Palestine Appeal,: ::'' ■ ' " /.;■; Oesterreich. Die Blinden-Vereine Oesterreichs und der Arier- Paragraph. / .Wien, 23. Mai. Die jüdischen Mitglieder der Vereinigung blinder Musiker in Wien hatten sich an denaGesamtverband der"'Blihd'envereihe Oesterreichs'- mit einer Beschwerde gegen die Einführung de® Arierparagraphen, in dieser Vieirednigung gewandt. Diese ist nunmehr vom Gesamtverband aufgefordert worden, die Einführung des Arierparagraphen ,bis zum 20. Jum rückgängig zu machen, widrigenfalls sie als aufgelöst erklärt werden würde. Tschechoslovakei. Der Prager Bürgermeister erklärt: Auch die Minderheiten müssen sich zu Hause fühlen, , ' .. -tt Prag, 17. Mai, Anläßlich seiner Amtseinführting hielt der. neue Bürgermeister von Prag,,Peter Z e nie 1, am.-14. Mai eine programmatische Rede. Ueber das Verhältnis zu den Minderheiten führte er aus: „Wir müssen unsere Nation positiv lieben, müssen aber deswegen nicht andere Nationen hassen. In diesem Geiste wollen wir das Verhältnis zu den nationalen Minderheiten gestalten. Entschlossen mit den besten Kräften opferwillig und uneigennützig im Sinne der schönsten nationalen. Tradition für ein tschechisches und nationales Prag zu arbeiten, müssen wir auf Grund dieser Tradition und aus unserer Abneigung gegen jeden Druck wünschen, daß unsere Minderheiten sich in Prag zu Hause fühlen." Polen» Proteste gegen die Einführung von Arier- Paragraphen. - Warschau, 20. Mai. Der Verband der Warschauer 'Krankenkassenärzte, der zum großen Teil nichtjüdische Aerzte Umfaßt, hat einen Protest gegen die Einführung de© Arierparagraphen im allgemeinen polnischen Aerizteverband beschlossen. Ebenso hat die allgemeine -Aerztevereinigung der Stadt Drohobycz eine Protestresolution gegen 'die Einführung des Arierparagraphen gefaßt, Bei Beratungen anläßlich der bevorstehenden Generalversammlung des polnischen Journalisten-Syndikats wurde auch die Frage der Einführung des Arierparagraphen erörtert. Man glaubt jedoch, daß die Verhältnisse im Journalistenberuf für eine solche Maßnahme noch nicht reif sind und deshalb ein entsprechender-Antrag nicht zu erwarten ist.-Dagegen dürften in die neu© Leitung keine Juden, die in polnischen Redaktionen tätig sind, gewählt werden. Die Redaktionsmitglieder der bewußt jüdischen Presse in jiddischer und polnischer Sprache haben bekanntlich seit langem eine eigene jüdische Sektion innerhalb des polnischen Journalistenverbandes organisiert. Litauen. Vorstoß des litauischen Büdungs-Ministeriunis gegen die jüdische kulturelle Autonomie. Kowno, 20. Mai. Das litauische Bildungsminästeiiuni hat eine Verordnung erlassen, derzufolge der Unterricht in gewissen Lehrfächern in Zukunft nur noch in litauischer Sprache erteilt werden darf. Da diese Verordnung das gesamte hebräische und jiddische Unterrichtswesen gefährdet, wurde' eine allgemeine Konferenz der jüdischen1 Volksschullehrer einberufen, an der sich die Lehrerschaft aller Schulorganisationen ohne Unterschied der Richtung beteiligte.' Die von etwa 300 Delegierten besuchte Konferenz hat einstimmig den Beschluß gefaßt, die Regierung zur Zurückzielking düetser Verordnung aufzufordern, da sie im Widerspruch zu dem in der Verfassung verankerten Minderheitenschutz steht, nach dem 'die Minder5 heilen berechtigt sind, ihre Jugend - in der - eigenen Sprache au erziehen. Demnächst soll auch eine Konferenz der Lehrer der jüdischen höheren Schulen zu dem gleichen Thema Stellung nehmen. Amerika. Größter Wöhlfahrfs-Drive von Felix M. Warbur£ angekündigt. New York, 21. Mai. Der Ehrenpräsident de® , American Jewish Joint Distribution Committee, Felix M. Warburg,' kündigte auf einem Bankett jüdischer WphUahrisvereinigungep von New York und Brooklyn eine gemeinsame Sammelaktion , jüdischer Wöhlfahrtseinrichtungen an, durch die 6,250.000 Dollar aufgebracht; werden sollen. Damit wird ,die in der Geschichte, ider jüdischen Hilfs- und Wohlfahrts«inrichtungen größte Saiwnsläktion eingeleitet. (ITA.) .

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