Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 20 (21.5.1937)
- Date
- 1937-05-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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- Slonim 1× ep/1000502
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21. Mai 1937 D « t I s r a e I i t Nr. 20 Seite 5 stellt werden und daß sie zu landwirtschaBMcher Arbeit geeignet sind.' Ich betoate, daß die Unteraiehmung durchaus, keine leichte Sei, es sei sehr schw:ej-jör Neuland durch «in •Experiment von, Verhältnis - mäßig kleinem Umfang und mit einer sehr .hesohrärikten Zahl von Menschen zu erschließen. Ich wies dä- . rauf hin, daß >es {nach ünisereh bisheiiigen Erfahramgen ziemlich lang' dauern wird< bevor Europäer sich kolonialen Verhältnissen' anpassen können. "Wir' stehen Koloni&ationsexperimenten in Madagaskar freundlich öetfenüber, weil wir em-& liberal© Haltung gegenüber ^freundeten Nationen, einnahmen,, die keinen Kolonialbesitzhaben, in dein sie ihre Bürger ansiedeln könnten; 'dies soll aber nicht in dem Sinne ausgelegt werden, daß wir einen Exodus, von Menschen hervorzurufen wünschen." Südafrika. Die neuen Bestimmungen über die Einwanderung nach. Südafrika. j Was sind „one way-paperS"? L'oTxdo^, 11- Mai.; Die im Zuge^ der Neuregelung der Einwanderung nach Südafrika vor kurzem getroffene Bestimmung, daß?Person'en mit sogenannten „einseitigen1 Ausweispapieren" [ohe way-päpefs) künftig zur Einreise nach Südafrika nicht mehr zugelassen* werden sollen, hat vielfach zu Unklarheiten über den Umkreis der von dieser'Maßnähme betroffenen;Pers.oiieätl geführt. Vom, Büro des, High Commässioner für Sgdafrika, an da« sich; die ITA. deshalb mit einer Anfrage, gewandt hat,- wird mitgeteilt, .daß /die Bestimmung sich auf von irgendeiner Regie ausgestellte Pässe bezieht,' die rdem -.Inhaber die Rückkehr ih da® Ausstellerland flieht-'^'«statten.) ........ "_ . " : ' Erfolg einer Agu^ainterventiqn. 11 •"'_* London, 12. Mai. Der \ High Commissioner für Flüchtlingsfürsorge ließ :nun den politischen Sekretär der Aguda, H. A; Goodman, wissen, daß die Ausweisung der jüdi* sehen Eingewanderten aus Deutschland in Südafrika, gemäß der Petition der Agudas.,Jiisroel, zunächst unterbleiben werde. Die Aufhebung der Maßregel erifolgte ^.äch den Verhandlungen des englischen- Vertreters' Südafrikas! mit der ^südafrikanischen. Regierung. Es ist ^zuversichtlich zu -hoffen, daß ,die Flüchtlmge später permanente Aufenthaltserlaubnis in Südafrika erhalten. England. •>•• . '-' Das neue Sonritagsnihegesetz in Kraft. / London, 12. Mai. Zu * Anfang dieser Woche trat das neue - S o nnt ä ig s r dhie'g e s>e t z , das. vorkurzem, unter besonderer^ Btefücksichtdiguiiig der sabbathalteoden Juden, imParlamente '.angenommen wurde, in Kraft. Danach dürfen orthodoxe Juden, die am Sabbat geschlossen haben, am Sonntag bis 2 Uhr mittags ihre Geschäfte öffnen. Scflowuaus-ÄkttOE in England für die notleidende jüdische Jugend in Polen. London, 17. Mai. Zugunsten der-notleidenden jüdischen' Jugend in Polen ist während: derSchowuaus*Feiertage in den Synagogen ^Englands, eine Spendenaktidn"'durchgeführt forden. Zu dieser Aktion hatte der- Vertreterrat' des V.er b asri d es *d e r! jüdischen H'|.I)$$ o r g a ni - s a t i one n aufgerufen. Durch die Beiträge dieses Verbandes ivärä " di© Speisung von 64.000 jüdisphen Kindern in Pölen mitermöglicht. Die..' Schowuaus- Aktion war dazu "bestimmt, die Fortführung dieses! Wahlfährtswerkes, auf., das die polnische Judenheit in ihrer gegenwärtigen Lage in besonderem Maße angewiesen ist, zu sichern. Die Woche- Berlin. Die „Tihemhessttsoliem Volksblät* ter" melden aus B ad &n h e1 m; „Nach langem Bemühen ist es der Gemeinde endlich gelungen, die Frage bezüglich des Eigentumsrechtes an dem in der Nähe des; Dorfes1 gelegenen verwahrlosten Juden- -• Jried3it>Ie ihren Wünschen gemäß zu erledigen. Die Reste der Umfassungsmauern und die Grabsteinfrümmer sind' entfernt, ' ■-die Wildheckenbeseitigt, und der £latz ist nunmehr eingeebnet und seiner Umgebung angeglichen worden:'' München. Die Kultusigemeiäide München hat in jüngster Zeit ein mehrstöckige® Gebäude erworben, in dam das Leb r Ii ng <sh «>i m untergebracht , wenden wird: — In eoner Sitzung der Gemeindevertretung^ wurden die Pläne für die ,.; Einführung eines neunten Schuljahres er5r* . •; ter.t. Vorbehaltlich der staatlichen "Genehmigung . wurde die Errichtung der neunten Voilcssobuliclasse beschlossen, Wicn, Im März d. J.;sandi einschl, der Angehörigen insgesamt 121 jüdische Personen aus^Oesterreich nach außereuropäischen Ländern ausgewandert. Hiervon gingen 13 Personen nach Palästina. Warschau. Die Wilnaer Jüs dlische Gemeinde hat von dem Wojwoden den Auftrag erhalten, ihre Bücher nur noch in polnischer Spräche zu führen. Bischer sind die Bücher der Gemeinde'stets in . j 4 d d i s c h e r Sprache Jgpführt worden. — In den jüdischen/ Zeitungen wird darauf hin-' , . g.ewieseni, däß" stich in letzter Zeit die Ueber- ■■ trotte jüdischer Angehöriger der freien Berufe zum Christentum mehren, obwohl 'die judenfeindliche Strömung in Polen Unter* schiede zwischen':-Glaiuherisjuden und getauften Juden nicht 'macht. Paris. Der V e rb a»n d j ü d iis cih:e.r VK?Jf'i e>g s t.eiiö e\h-- m e r hat in Paris; .jebje.. \M a ssenku n d - g e b u n g veranstaltet. Nach der Kundge* bung marseihierten idde Kriegsteilnehmer zum jüdischen ' Friedhof;':; wo' - ein G edenkg ' 11 e s d i e n s t. ifür die im Weltkrieg ge* Falleitieri °Juden stattfafid. SalönOcu-'-Das-- 'griechische^ P-aläs^äanit lin Saloniki ' hat in Zusammenarbeit mWder Gesellschaft S e - b u 1 u'Ü' d3f&1 Atisibildurig ' ■■ von C h a> 1 u z i m . für;-S c.hd f f ahr f un'd^'H a f enä'rb e i t atifgenommeh. Gleichzeitig .hat das Palastinaamt die Lei.tun/g der vereinheitlichten. Hachsonära,' in Grieohefiland überaomnien. Litauen. Aus Litauen. ' v' Kowno, 12. Mai. Die litauische Regierung erteilte nun Erlaubnis zur Wiedereröffnung des religiösen jüdischen. L e hrerseminar s ,, Jawne". . Mit Befriedigung wird ferner zur Kenntnis genommen, daß die Regierung die Verwaltung der Friedhofsvermögen in die Hand des Rabbinerverbandes gelegt hat, mit der Begründung, daß Verwal* tung der F riedhöf e als eine religj ö;S © Angelegenheit zu betrachten sei. Polen. Die Lage in Polen, Exzesse und Tote..— Ausschluß jüdischer Aerzte und Rechtsanwälte. — Lemberger Wahlen. — Warschauer Rabbiner zur englischen Krönungsfeier. Warecb.au, 18. Mai. In recht trüber Stimmung wurden die Feiertage in Brest-Litowsk verbracht Am Donmersta^i den 13. Mai, kam es, nach einem Streit zwischen einem jüdischen Metzger undv;ednem Polizisten!-, bei dem beide schwer verletzt wurden — der Polizist .starb kurz, darauf —, zu.schweren Ausschreitungen - gegen die Juden. Bald jga'b esv''m^TOre;'jüdische Verletzte und kaum noch eine (ganze. Fensterscheibe ••'an - den jüdischen Häusera. ''rKi^''^mUeac^re^Mäi6 : Panikbemächtigte sich der zahlreichen jüdischen -Bevölkerung der Stadt, "alle 'Lüden---"wurden 'geschlossen.....Erst am NachnMttag.gelang es der Pölizei, die 'Ruh« ' berzusiellen. "Die "dn' 'Wacscnaii verbreiteten Gerüchte, daß bei idiesen Ausschreitungen 16 Jttdan 1 «mai^et IwuridGn,^ habenl&ich glücklicherweise nicht bestätigt. Senator;Rabb. Sciiorr, der beim Innenministerium intervenierte, wurde versichert, daß Polizeiverstäb:kungen nach Brest-Litowsk abgegangen seien und die Untersuchung in aller - Objektivität geführt werden - soll. . Nieben den Ereignissen in Brest-Litowsk halten die polnischen Juden die Vorgänge in Slonim in Atem. In der Nähe der Stadt wurden zwei jüdische Hausierer iäuf: der Landstraße ermordet aufgefunden. Auch" das Pferd des einen Juden lag tot da. Im Dorfe Juchaupol wurde das jüdische, Ehepaar Neufeld bestialisch ermordet. Im ganzen wurden in Polen in den <, letzten Taigen vier Juden ermordet. Vor kurzem-wurde, wie .schon mitgeteilt, bei Ausschreitungen* in Wärschau, u. tä. ein f ün f j ä hr i - g esKind "namens Abraham1 S c h enk er er* schössen. Vier Zeugenhaben den Medizinstudenten 'Jan O l ei n a c z a k als den Mörder erkannt. Die jüdischen A e r z t e" sowohl wie die jüdischen. An w,ä.l.t e , haben .eine -Protesterklärung gegen den ßesohluß, der^ Verbände,, den. Arierpara- .graphen einz/u|ühren, veröffentlicht. . Di»e . A<uflösuji^ äer Nationaläsmokraiisehen " Para tei in Wi 1 n a: wurde -wieder a ürf.g eh o b;e n , so daß die Partei ihre Tätigkeit/ wieder in vollem Umfange äufnehmen . konnte.; •' ' In L e m b er g fand: .am, 9.1 Mai eine N e u w a h I d e r j udä-«j'c-3ie n . G e rn e i nd e- - V e>r t r e t u n, g .statt. Bei mäßiger Wahlbeteäligunig (53 Proz.) erhiel» ten-von den 30nMandaten.:die ^Allgemeinen Zionisten -16, der Bund 5, 'die WirtschaftMchen Gruppen 3, großesr Leßens^ Builtj inriesigen Buchstaben;" schief' anfgemalt auf das Schaufenster, stand: „Jossef Elkayim1: Das .■ gefiel mir. Ich trat ein, verlangte eine Dose -Sardinen, d. h. ich deutete bescheiden atif die Wand, an der 'die Dosen lagerten. Der Verkäufer gab mir die Sardinienbüchse in die Hand. Mutig frag itSt: „Haben Sie Hefe?" Wie vom Blitz getroffen, standen. .auf einmal dre;i Verkäufer aufrecKi■ -vor'mir. .»JVla .Se?;ma se?" sagten : a;lle dr|ei wi© im Sprechchör;> Ich sah mich> im. Laden , um •—;, da standein ein paar-Franen, sie 'fe^Bcbten' tun_ Käse, eine drückte mit beiden Händen an alle Brote, um das frischeste zu bekommen, die andere griff in das; Faß Oliven, versuchte dieselben, spuckte den Steiin in flottem Bogenzur offenstehenden; Ladentüre .hinaus. Ich konnte' nür stäiunen. E^fne Frau" : trat ein, sie redete eine singende Sprache, kaufte aEes Mögliche — aber keine Hefe.' Ich trat an den Ladentisch, bezahlte 1/^ Piaster und ging. Gegenüber war ein ähnliches Geschäft; ein kleines Schild teug unleserliche Namen. Ich trat ein, verlangte eine Dose Sardinen, frag zugleich: „Haben Sie-Hefe?" Der Mann mit den langen Pejes 'und den his-••■•übers-'Kniewer 1 henden Zizis sagte: ,vLo, lo Geweret." Ich sah mich um, da stand 'nöch eine Fra-u. Laut saigte ich,, damit sie es; höre: i.Also' Sie haben kein« Hefe?" - Der fromme Mann gab' mir 'die Sardinen,, ich bezahlte Wi Piaster — 'die Frau hattenichts gehör,t. Mein Netz' 'wurde schwerer, meine Laune dafür um so schlechter. Ich ging die Gasse abwärts, An,ein.dfitt&s Geschäft: truig idh mein Netz und meine . Sorgen. Ein Jüngling''frug' mich nach meinen, Wünschen. Ich verlangte^j'eiiriie^Dose- Sardinen,? er reichte sie n^ir. Ich frug ihm ,,Hä.beri'Sie Hefe?" Es traten viele Frauen ins Geschäft/' verlangten" durcheinanderre'dend.. ihre ^aren, ohne -jede Rücksicht auf imich zu nehmen. Das war komisjch.. Ich mußte vmach doch „zigeweinen" .•und" ..redete mitten durch die FraiimgestMten: „Haben Sie Hefe?", Der freundliche Jüngling frag eilfrig: „Ma sq? ma se?"; Ich' probierte, ihm zu'erklären, daß . ich Hefe, zu den Chales benötige. Er brachte mir Mejhl und rMohn, .ich zuckte mutlos die Schultern und verwünschte dm Innern unsere feudalen Gelüste'. JoljLVsah, wie' der^ Jüngling zu den Frauen vpn mir sprach upd .hcjrte auch da® Wort „cihkllah". Daj drehte 3; sich plötzlich . eah ganzer Fraueft verein zumir ujid *m erlösendem 'MammeloscHön frÄgen mich z^ei Fraueni n'Wüst daifft Ihr Madäinme"? Befreit i ..underieichtert, .saigie.-' ich': „Ichr will pöfsob^et Hefe,, ZU, Chales.,'', »WQ^ sie will' Sohemarüm"!1 ertönte es jpiötziicb.. .von allen Ecken.! Da stand "schon1 djer eifrige Verkaufer,, zeigte mir ein frisches Pake'f Hefe, gab mir ein Teilchen,..paclite mir Sardinen und Hefe ein — diesmal bezahlte ich zwei Piaster. Ich wollte gehen, da zupfte mich eine der Frauen am Arm. „Madama, Ihr darft wissen 1zu sogen Schemäriim, mer versteht ndt, aß Ihr ©ogt Eiwen; Ihr kummt vun Teitschland?" Ich nickte, dankte und grüßte. Stolz trat ' ichi\<$ek .Hedmweig' an, daß ich mittels dreier Sardinendöseri'doch noch zu Schemariinr kam. Viele Monate stand ein junger ' Mann schon 'in Verhandlungen, um legalisiert zu werden .— alles mißlang. Heute hatte er ' wieder umsonst den ganzen Tag nach Arbeit "gefragt, hatte'sich die Füße fast wundgelaufen. Er stand, an einem Blumenladen und sah den Goldfischen zu, die in einem großen Bassin schwammen. Plötzlich fühlt er eine "Hand auf seiner Schulter;' ein ganz langaufgeschoissener Polizist steht neben.,.ihm, fordert ihn auf, mitzugehen. (Er 'fühlt sich bereits verhaftet)»--Sie gehen in eine kleine Gasse rhifl5e mT "Än^eanem Hanise, nda® gar nichtnach Recht und Gesetz aussieht, bleiben sie stehen. Es geht zwei Stufen hinauf — >ein kleiner Gang — durch eine Glä^türe in ein 'kieuies ^Zimmer Hinein. Da sitzt noch eine Gruppe Männer. Die beiden treten ein. Ein Raunen geht durch das Zimmer — alle stehen auf und .v^m Fensterplatz 'C-rtönt in halblauter Stimme; „aschref jaüschwej: wei&eehöh". Der;iPplizist gibt seinem Begleiter,jeine alte Tefilloh in die Hand, beugt sich zu ihm und sagt: „Wissen Sie, mein' Vater hat heute Jahrzeit." ,',..• * •:. Wieder einmal, auf dem Heimwege vom, Markt, sitze ich im Omnibus, mit Netz und Korb'beladen. An' einer Haltestelle bittet ein Armer um eine Gabe. Es ist mir unmöglich, meine Hand frei zu machen und den „berühmten Mil" aus der Tasche zu nehmen. Der Chauffeur gibt dem Geduldigen etwas, „es ist ein Blinder" sagt er zu mir. Ein neuer Fahrgast ist bewegt von der. Tatsache, greift hurtig in seine Westentasche —rstößt dabei mit seinem Handkoffer an 'die Eiertüte in meinem Netz. Ich opfere zwei Eier, die ganz -gemächlich .ihren Bach über meinen Mantel ergießen. Eine Frau, die auf der Bank hinter mir sitzt, zupft mich am Aermel, was bleibt mir anderes übrig, als. mich umzudrehen? Sie hält mir einen Mil. hin für den'. Armen. Ich lege also mein Netz auf den Boden. Die Frau gibt mir den Mil und sagt: ,i,Tut mir a Toiwe, er äs« a Blinder." Indem ich den Mil weitergebe, fallen mir zwei Bananen aus dem Netz auf . das Trittbrett. Der Blinde hebt sie auf, hält sie mir hin. „Eßt sie gesinderheit" sage ich. Der Chauffeur dreht den Motor an, ich drehe mich