Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 20 (21.5.1937)
- Date
- 1937-05-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 20 Israelit '21/ Mai 1937 Kein jüdisches Haus ohne die KEREN HATORAH Sammeldose! B i 11 e Dosen bei d er Z e n t r a le a n f o r d e r n : H d m b urg 13, Heinrich Barthstraße 21 verschmähte, konnte es noch nicht einsehen, daß der Kampf um die heilige Sache des Judentums, den man nicht auf Karpathorußland lokalisieren konnte, sich viel besser und erfolgreicher in Gemeinschaft mit den Gesetzestreuen aller Lande und im Rahmen der orthodoxen Weltorganisation Agudas Jisroel führen ließe. Man durfte die Hoffnung nicht aufgeben, daß der Rabbi doch eines Tages über das enge Kampffeld in seiner Gemeinde auch den weiten Ausblick nach der Gesamtheit gewinnen werde. Die Hoffnung wurde nun durch den höheren Ratschluß der g'ttlichen Wallung zunichte gemacht. Ein ganz Großer in ^Israel ging zu früh von uns, und wir alle haben Anlaß, um einen pHXl zu weinen.; Noch vor der Bestattung des Rabbi wurde dessen Schwiegersohn, Rabbi Barüch Rabbin o w i t z , zu seinem Nachfolger sowohl als Rabbiner von Munkacz wie als;F ü Ji - r e r des Munkacz er G h äs $ idi mk r e(~i-1' ses ausgerufen. ,"//'' (j. ,'' Korrespondenzen. Deutsches Reich. Juden zur Doktor-Promotion nicht zugelassen. Berlin, 8. Mai. Der Reichs erziehimgisminii)s.ter. hat im Einyerneh'= men mit dem Stellvertreter des Führers, .dem Reichs¬ und preußischen Minister des Innern und. dem Auswärtigen Amt in einem Erlaß vom 15, Apfil mit sofortiger Wirkung 'angeordnet, daß Juden/ die die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, zur D o ktorprüfung nicht mehr zuzulassen sind. Auch •die "Erneuerung von Doktordiplomen hat bei ihnen zu unterbleiben. Zulässig bleibt die Promption. von jüdischen Mischlingen dm Sinne des §b2 Abs. 2 der Ersten Verordnung zum .Reiohsbüpgergesetz. Jn Zweifelsfällea ist die Entscheidung des Ministers .einzuholen. , . Deutsche Staatsangehörige haben dem Gesuch um Zulassung zur Doktorprüfung einen; ä;usgefülltein Fragebogen nach bestimmtem Muster beizufügen, dazu Geburtsurkunde, Geburts- und HeiratsuTkundeu der Eltern und der beiden Großeltern oder an Stelle - der Urkunden den Ahnenpaß. Für 'Ausländer bleiben die bestehenden Bestimmungen in1' Kraft. Gegen/die Aushändigung des Doktordiplome an diejenige« Ju-' den, welche die Promotionsbedingungen bei Eingang' dieses Erlasses bereits vollständig erfüllt, >d. h, auch die vorgeschriebene Pflichtexemplare der Dissertation ,an die Fakultät abgeliefert haben, bestehen keine Bedenken. ' ' : "■'' * Auslandsreisen jüdischer Wehrpflichtiger. Berlin, 14. Mai. Der „Schild", das Organ de« Raiehsbundos jüdischer Frontsoldaten, gibt' einen Bescheid des Reichskriegsministers und Oberbefehlshaber der Wehrmacht wieder, der auf eine Anfrage ides Reichsburides über, die Voraussetzunigen für idie Erteilung von Reisepäs-j sen mit Gültigkeit für das Ausland' ergangen ist.: In ihm heißt e<s, daß jüdisch© Wehrpflichtige der {£6musterten^Jahrgänge einen Wehrpaß erhalten; auch wenii sie als Angehörige der Ersatzreserve/, II nicht zum aktiven Wehrdienst herangezogen werden. Diese Wehrpflichtigen erhalten bei Vorlage des Wehrpässe© ohne weitere Rückfrage bei einer Wehrer'Satzdieai&tstell© durcJx die Paßbehörde den Reisepaß mit Gültigkeit für das Ausland. Ein Antrag an die, Wehre.rsatzdieniststelle ist nicht erforderlich. Jüdische Wehrpflichtige der nicht gemusterten Jahrgänge* (1912 und älter, m Ostpreußen 1909 und älter) erhalten keinen Wehrpäß. Ihnen kann von der Paßbehörde ohne weitenes '»der 'Reisepaß mit Gültigkeit für das. Ausland ausgehändigt, werden. Ein Antrag an die Wehrersatzdienststelle ist nicht e'rforderlich. .• Ungarn. Jüdische Touristen-Gesellschaft bei Budapest überfallen. — Elf Vorletzte. Budapest, ,10. Mai. Am Sonntag Abend wurde in der Umgebung von. Budapest eine jüdische- Tourkteagaselkchaft von einem Meierhof aus von etwa zwanzig jungen Leuten überfallen, von denen einige mit verschiedenen Geräten bewaffnet waren. Esentstand ein Handgemenge, demgegenüber die wenigen in 'der Nähe befindlichen s Polizisten machtlos, waren.. Als vierzig weiter© Polizisten zur Verstärkung eintrafen, waren die Angreifer, bereits verschwunden. Acht Ueberfallene,.wurden von .der Rett'ungsäbteilüng an Ort und Stelle verbünden, drei weitere im Krankenhaus; sie befinden, sich alle in häuslicher Pflege. Es wurde eine strenge polizeiliche,.Untersuchung eingeleitet. Oesterreich, Arier-Paragraph im Verein der blinden Musiker! Oesterreichs. .'-/ ' ... . ..',. .' . ..;, Wien , 10.' Mai. , In der, General Versammlung des Vereins blin^- d*r, M-(u;sik er un.'ji., M u s i k 1 e h r e r wurde;der Antrag auf Emführmag das A ri e^'p ar a gra p h;e n angenommen und^eichzejtig; alle, jüdischen Mitglieder ausgeschlossen^ J3ie. blmden jüdischen Musiker erleiden ^dadurch schweren; ■ iSphaden, da der Verein als einzige offizielleij^teressenverfretung der blinden Musiker gilt Ulld ,die überaus wichtige, Stellenyer» mittlunigi' •durchführt., „ . , u "~> .'.'*'"'/, Die rjüdischen Musiker^, haben gegen' den Beschluß bei dem Gesamtverband der Blindenvereine Oesterreichs, der die letzte* Entscheidung zu; treffen haben wird, Einspruch erhoben. Jud^ndebatte im ungarischen Abgeordnetenhaus. " «. ' Budapest, 12. Mai. . . In der. Budgetdebatte des ungarischen Abgeörd* netenhauses wandte sich der : Reichstaigsabgeördniete / Dr. Johann V a z's ö ij'y i , ein Söhn " deis berühmten JustlZiniriisters Dr. Wilhelm Vaszonyi-, des einzigen Juden, der bisher einem ungarischen Kabinett angehört hat, mit längeren Ausführungen gegen die Forderung des' Grafeti Viktor ' K a jrtJo-1 y;i , das Judentum in Unigarn als nationale Minderheit zu deklarieren und den Numerus clausus auch auf die Mittelschulen auszudehnen. Auch der frühere Ministerpräsident.Graf Beth 1 e n berührte in jeiner großen politischen Rede die Judenfrage. Er erklärte, .die Gleichheit vor dem Gesetz dürfe nicht aufgehoben werden. Gegen eine Politik 'des Hasses sträube sich nicht. nur das Rechtsgefühl, sie Würde auch dazu führen, daß, Umgarn die Sympathien der Welt verliert. ,; Frankreich, Frankreich wünscht nicht, den Anstoß zu jüdischer Massenauswanderung aus Polen zu geben, Paris , 11. Mai. Die wesentlichen Punkte der Unterredung, die vor kurzem zwischen dem französischen Kolonienminister Marius, M ou t et,/und den, Mitgliedern der polnischen M aid ag a*jk <fri= Kd-jnmissxon in Gegenwart des polnischen...Botschafters/ An Paris! geführt wurde, werden in folgendem" Communiqüe zusammengefaßt: r.. „Die polnische Regierung hat bei der französischen Regierung angefragt, ob es ihr evtl. möglich sein würde, einer 'bestimmten Zahl polnischer 'Bürgel1 die Niederlassung in französischen Kolonien zu gestatten.. Unsere Antwort lautete, daß wir grundsätz* lieh in einem solchen Vorschlag. Vorteile:. für beide Seiten erblicken können, vorausgesetzt, daß den Anzusiedelnden ausreichende Mittel,..zur,5^§rfjigung ge- Kleines Feuilleton, Am Grabe von Don Jizchak; , Äbärbanel in Padua. Von J. Elimelech. Es war ein früher Sommermorgen, als ich in die alte italienische Stadt Padua einfuhr, die früher; eine altberühmte Residenz der Thora war. Ich irre' in den modernen Straßen herum und suche Spuren jüdischen Lebens. Vergebens. Ich wandele ziellos durch die Gassen und Gäßehen und suche die Gesichter nach jüdischen Zügen ab. Es ist aber besonders für einen Auswärtigen einfach unmöglich, Juden von Italienern zu unterscheiden. Passanten, die ich aufs Geratewohl nach der Synagoge, nach dem jüdischen Friedhof frage, reden viel, reden mit den Händen, aber wissien keinen Bescheid. Endlich bringt mich jemand in eine der engsten Gassen Paduas und zeigt . auf einen stattlichen alten Bau mit Kuppel. Die Synagoge von. Padua.; ■ Der verhältnismäßig weite Raum mit den vielen: hebräischen Inschriften an den Wänden beherbergt, kaum ein Dutzend betender Menschen. „Betender" ist ZU viel gesagt, Es beten vielleicht der'Rabbiner, einige Beamte, der Rest besteht aus bezahlten zünftigen Minjanleuten. Das ist alles,' wa£ ich von der jüdischen Herrlichkeit der früheren Zeiten in der; „Stadt der Weisen und Gelehrten" noch vorfinde... Nun wandere ich in Begleitung eines Wegweisers( nach dem alten jüdischen Friedhof; durch ein Gewirr YOn Gassen und Gäßehen, die fast aEe die Namen von katholischen Geistlichen und Kirchenvätern tragen. Auf Dela Kompanilo gelingt es mir' schließlich, den Wächter des Friedhofs, einen Schuhmacher, ausfindig zu machen,, der seinerseits die eigentliche Wärterin herbeiholt.' Die Frau öffnet das Tor und führt mich ans Gelände, wo Dutzende yön Grabsteinen mit zumeist unleserlitiher 1 Schrift in 'unförmlichen Reihen stehen. '", Mänehe Grabsteine "zeigen -r Tierbjldjär wie töw% uriä Hitsich, andere Händel die sich zum Segen erheben,' '!sd^ geltöni. wohl Kohanim. Es. gibt hier auch, runde GrabsteineJ Ich lese be* ' rühmte Namen wlp: Luzätto,' CastileV Triestp.- ^Die ältesten Mazewoth ' tragen Inschriften vbn manchmal' dichterischer Kraft. Auf einem Steine'lese'1'ichr' .',('' ^. ö'» 'hi^i -i^yi' rin ' ■ . i ' "iapV lrrnns"t]i& rjio ■ Meine Mühe, die Grabstätte von D-on Jizchak Abarbanel zu finden, äst umsonst. loh muß nach einem noch älteren Friedhof wandern, wo sich die Gräber von Abarbanel, „Maharam von Padua" (Rabbi Jehuda Minz) und. anderen Größen früherer Zeiten befinden sollen. Nach langem mühevollen Herumirren gelangen wir in einen großen Hof, der die Grabsteine der Großen beherbergt, ihre eigentlichen Grabstätten sind geschleift und längst bis zur Unauffindbarkeit verwischt. Aber auch die Denksteine sind späteren Datums. , , Inmitten des Hofes, steht der ragende Denkstein für D o n J i z c h;>a k Abarbanel, der bekanntlich 1505 in Venedig starb und' in Padua zu Grabe gebracht wurde. Die .Paduaer Gemeinde hat ihn hier vor Jahrzehnten für den, großen ,Juden "aufgerichtet, dem man auch.im Grabe 'die Ruhe nicht gegönnt hjat. Wir lesien"auf .dem Stein eine, hebräische Aufschrift," in der kurz die Geschichte', «lies jüdischen Fürsten und Staatsmannes erzählt wird. Zum Schluß heißt es: D^RaiäV. '»n as isj?h 'wa,i; ' ■ msVön 'nsna niu •»»■'3' •.. yrwvv imw «1^ D'annn inian lan^ .;"> iVTjra p' inwt ' * , -a"3nn" )i»n a'sn naViNS'-p'^p' , ■ Ich muß stärk-'bezweifeln, ob 'es noch jemand ia 'Padua;5gibt, der imstande ist, idiese Aufschrift zulesen und zü entziffern, ob es hier überhaupt einen gibt, der weiß, w em diese ehrend,? n....Worte gei't en'.' -> ■■i.'-r.'- ■ . ,})h-.: Mosaik aus Jerusalerb. v Von Bas Zelofchod. v -; . Manchesmal erinnere ich mich an meinen Erez Israel-Anfang. Er war schwer und ist zeitlos. Im* merhin war er oft sehr fröhlich, besonders, wenn man, wie ich, den Einkauf zu besorgen hatte, ohne Iwrithkenntnisse zu baben.; Eines Tages bekamen wir alle wie auf Kommando Gelüste iiach selbstgebackenen Berches.. Gerade aüi dem Wege zum Einkauf iu'Machne Jehuda «rinnofte ich mich, daß ich zü' Schabbos die, Gelüste still60' könnte Mutigstellte ich' mir den/Einkauf der taten einstweilen theoretisch; vor." Die freundii'ch^ Sephardimbegrüßten,mich mit „schafom: Ihageweret t bewegten dabei ihre Hand ledcht; -^;,Stirpe,— ^eI»' ten den Kopf--und ich .fü$t«!,medn. .Nete', zu Ztifriedenheit,; > denn ich -w^ßte.,: da^ajsi; noch nic daß "sie z ehn sagteini^si eben .erioffteV und toi einfer^Bfezahlung von .fünf PiasternjZuMeden waren. M'öin- Einkauf war. besorgt*' bij& . aui idie tfefelc ging in die Gasse neben dem Markt.'/Dä war