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Der Israelit · 1937-05-21 · Heft 20 (21.5.1937) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 20 (21.5.1937)
Date
1937-05-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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21 Mai 1937 Der Israelit Wochenrundschau. Enttäuschung in Zahlen — Eine Orgel verstummt—Tripolis und Tel Awiw. Man glaubte erst, daß infolge eines Schreibiehjers eine Null weggelassen wurde, eo lächerlich, gering kam einem die Zahl von 770 bei der Verkündigung der neuen Z er ti f i k a t ens ch edule vor. Erst die folgenden Proteste zeigten der Welt, daß liier nicht ein Schreib- oder Druckfehler vorliegt, sondern edai Grundfehler du der Taktik der Regierungsstellen, 'die meinen, klug zwischen Juden und Arabern lavieren zu müssen und dabei schwere Ent* täuschungen den einen wie den anderen bereiten. Von jüdischer Seite verhandelte man auf der Basis von 15- bis 20.000 Zertifikaten. Die arabischen Stellen glaubten An ihrem blinden Fanatismus, eine völlige Einstellung der jüdischen -Einwanderung mindestens bis zur Veröffentlichung des* Komnxissiönsberichtes erwarten zu dürfen. 770 Zertifikate, von denen die Regierung noch 150 'zurückbehält! Das wird auf jüdischer Seite mit Recht als ein Hohn empfunden. Die Araber aber zetern, als wäre der Burgfriede bis zur letzten Entscheidung der Kommission mit .dieser Lockerung des Schlosses an den Toren Palästinas durchbrochen worden. So kann auch •die ITA. mitteilen, daß zur gleichen Zeit, da es jüdische Proteste regnet, auch arabische Proteste gegen eine jüdische Einwaniderunigsscheduie schlechthin bei der Regierung eingetroffen sind. Wenn aber dem so ist, so muß man sich fragen, ob es' sich für 'die englische Regierung gelohnt hat, die Juden so zu verärgern und so zu enttäuschen, wenn damit der Zweck bei den Arabern ja doch nicht erreicht ist. Wäre es nicht schon ratsamer gewesen, wenigstens die eine Seite voll zu ihrem Rechte kommen zu lassen, um der anderen Seite drastisch vor Augen zu führen, wie ungerecht Tind anmaßend sie in ihren Wünschen und Forderungen ist?.' * * * Die Züricher Kultiusgem ei n d e schaffte in aller F orm die Org e 1 im G ' t tesdi enst e ab. 177 Gemeindemitglieder stammten gegen 61 gegen dieses Symbol der Reform im G'ttesdienste. Besonders 'erfreulich ist, daß die Initiative zur Beseitigung der fremden Klänge im jüdischen Gebete von den beiden R a b b i n e r n ausging, dem älteren, der seine vierzigjährige Erfahrung mit der Orgel hat, und seinem jüngeren Kollegen, der unter der 'Voraus- ■setzung, daß di© Orgielfrage dem Plebiszit der Gemeinde unterworfen wird, seän Amt angetreten hat. In der Begründung wurde hervorgehoben, daß „die Orgel alssichtbares Symbol einer falsch verstandenen Assimilationsepoche in unsere Zeit 'hineinragte, und die Reform, deren Kriterium sie ist, nur ein Uebergang zum Christentum und zur Abschüttelung des Judentums sei." Mit der Abschaffung der Orgel sei die Rückkehr von einer Dekadenzperiode zu den eigenen Werten des Judentums vollzogen. Wir begrüßen diese Entscheidung der Züricher Kultusgemeinde als einen historischen Akt von höchster Bed'eutumg und Tragweite. Es ist unseres Wissens aum ersten Mal« nach dem Umbruch, daß eine Gemeinde den Mut aufbrachte, umzulernen und einen 'geschichtlichen Irrtum grundsätzlich und de facto richtigzustellen. Daß diese Rückkehr sich in der freien Schweiz vollzieht, darf erst recht vorbildlich sein iür alle Länder, die den Zusammenbiiuch der Assimilatdonsepoche unmittelbar und am eigenen Leibe erfahren haben. Vielleicht bedurfte es nur des mutigen Beispieles einer Gemeinde, daß die anderen bald folgen. Wir wollen es. hoffen! Im neuen Viertel von Tripolis ist der Sabbat allen Versprechungen zum Trotze, immer noch nicht freigegeben. Noch mehr: MarschallBalbo gestattet, vorausgesetzt, daß eine Mitteilung der -in Kairo erscheinenden jüdischen Wochenschrift „Israel" auf Wahrheit beruht, jetzt auch nicht mehr den jüdischen Kaufleuten in der neuen Stadt, ihre Geschäfte nach der Altstadt zu verlegen, wo dem Sabbat keine Grenzen gesetzt sind. Er braucht .die Geschäfte, der Herr Marschall, der für die Europäisierung der libyschen Hauptstadt besorgt ist, er braucht auch ihre schönen Warenauslagen, er.braucht aber den Sabbat nicht. Den 200 Juden, denen man wegen 'der Sabbatruhe die Lizenzen entzogen hat, hat man die Erlaubnis zur Oeffnung ihrer Läden nicht mehr erneuert, so daß diese jetzt nicht nur am Sabbat, sondern auch an Wochentagen feiern können. Es sei keine Aussicht vorhanden, so meint das Blatt, daß die den jüdischen Delegationen 'gemachten Versprechungen, den frommen Juden Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, in absehbarer Zeit erfüllt werden. Wir wissen nicht, ob und inwieweit diese Darstellung im Einzelnen den Tatsachen entspricht oder aus der politischen Atmosphäre, 'die sich zwischen England und Italien gebildet hat, 'geboren ist. Tripolis sollte aber dem Judentum ein Symbol sein, ein Symbol der Treue zu G'tjt und zum. Sabbat bis zum Martyrium, das warnende Gewissen für die Gola und für Palästina; insbesondere für Palästina, (Wo die Sabbatentweihung sich nicht einmal mit wirtschaftlichen Notwendigkeiten erklären und begründen läßt. '-; Rabbi Lazar Spira, der Munkaczer Rebbe y*T. Was man schon lange befürchtet 'hatte, traf leider ein. In den ersten Morgenstunden von Mittwoch hauchte der Munkaczer Rebbe im Alter von erst 67 Jahren nach längerer Krankheit seine Seele aus. Seit Monaten betete Jßan in Munkacz und in vielen Bethäusern der Welt um das kostbare Leben. Der Rabbi begab -sich im April auf Drängen seiner Freunde nach Budapest, um sich dort von den berühmten Merzten behandeln zu lassen. In den letzten Ta- £en, da er sein Ende nahen sah, bestand er darauf, in seine Gemeinde zurückzukehren, von wo er nun ]T»0 '3 in die Ewigkeit einzog. Noch am gleichen Tage, gegen 6 Uhr. abends, folgten tausende, Anhänger neben der gesamten Gemeinde Munkacz und zahlreichen Rabbinern •aus dem ganzen Lander auch aus Galizien und Ungarn, der Bahre. Ein ganz Großer, groß in der 1 noralehre, groß An seiner Frömmigkeit, aber auch groß in seiner Eigenart Und in der Form, die er für den Kampf um die Wahrheit und seine neilige Ueberzeugung wählte, ging in thoraarmer £eit von uns. Ein Führer ganz eigenen Gepräges, der nicht darauf ausging, sich die Populari- <^t der Masse zü erwerben, der aber durch die Eiserne Festigkeit und straffe Geschlossenheit Charakters auch dem Gegner innerhalb des thoratreuen Raumes hohe Achtung abringen mußte. Rabbi Lazar Spira war Oberrabbiner der orthodoxen jüdischen Gemeinde von Munkacz und verwaltete als solcher das geistige Erbe seines Vaters und Großvaters, die ebenfalls den Rabbinersitz in Munkacz inne hatten. Er war . aber mehr als das, er War C h a s s i d i m r a b b i aus eigener Autorität, sozusagen Begründer seiner eigenen Dynastie, und Zehntaus ende hielten treu zu ihm und gingen mit ihm bis ins Letzte. Aber über seinen Chassidimkreis hinaus dürfte es keinen gegeben haben, der nicht die ragende Thoragröße und das unvergleichliche mj?"TX des Gaon anerkannt hätte. Eine große Anzahl von halachischen Werken und Responsen zeugen für die Thorakapazität und den Wahrheitseifer des Mannes, dessen Wege zur Erreichung der Wahrheitsziele nicht von allen verstanden und gebilligt wurden. Rabbi Lazar Spira trat 1913 als Nachfolger seines heimgegangenen Vaters das Rabbmat in Munkacz an und er brachte als p">*7Sl schon eine ansehnliche Anhängerschaft in das Amt mit, die dann wuchs und wuchs und sich bald über Karpathorußland hinaus auch auf die benach- _______Nr. 20 Seite 3 harten Teile Ostgaliziens, Ungarns und anderer Länder ausdehnte. Sogar in Amerika hatte der Munkaczer Rebbe eine zahlreiche Gefolgschaft. Von weit und breit strömten auch fromme Gelehrte nach Munkacz, um inder religiösen Bücherei des Rabbi, die in ihrer Art als die größte der Welt galt, seltene Werke und Handschriften zu studieren. Es war nicht für Jedermann leicht, an den Rabbi heranzukommen. Der Feuereifer, mit dem er besonders die unjüdisohen kulturellen Bestrebungen in seiner Gemeinde und Umgebung bekämpfte, ist schon nahezu sprichwörtlich geworden. Mochten die anderen toben, mit Polizei und Gericht gegen ihn vorgehen, er ließ sich nicht einschüchtern. Selbst angedrohte Gefängnisstrafen konnten ihn nicht daran hindern, von der Kanzel herab gegen das Hebräische Gymnasium in Munkacz und andere Institute, die die Oberrabbiner Rabbi Lazar Spira ^'st. Jugend vom traditionellen Judentum ablenkten, ZU wettern. Die gegen ihn angestrengten Prozesse kümmerten ihn wenig, er hatte als treuer Hüter des Glaubens dn seinem Kreise die Wahrheit zu künden und, gleich den Propheten, Schmähungen und Bedrohungen als Lohn entgegenzunehmen. An diesem Granit mußten auch die Machenschaften einiger zionistischer Persönlichkeiten zersplittern. Es störte ihn auch nicht, wenn neben den zionistischen Zeitungen auch die allgemeine Tagespresse der Tschechoslovakei sich mit seiner Person *!nd seinen Maßnahmen beschäftigte. Für ihn galt das Wort: 'n 1»^ ns» pro nmn t»s nmn ]->k Freilich hatten zuweilen auch thoratreue Menschen und Organisationen den Zorn des Munkaczer zu spüren. Die Streitigkeiten mit dem Beizer Rebben, die rein personeller Art waren, wurden später beigelegt. Aber er bewahrte auch eine gewisse Distanz zur A g u - das J i s r o e 1, die sich zuweilen auch zu offener Gegnerschaft auswuchs. Es hätte nicht allzu schwer fallen können, die von ihm geltend gemachten sachlichen Gründe zu widerlegen. Schwerer war es, über den Berg von Mißverständnissen, der sich zwischen ihm und der Agudas Jisroel erhob, zu ihm zu gelangen. Der Munkaczer ließ sich nicht so leicht von einer einmal vorgefaßten Meinung abbringen. Der Rabbi, der im Kampfe gegent die Areligiösen die modernsten Mittel, wie die Aufstellung eigener Listen für die Landeswahlen, die Gründung einer eigenen Wochenschrift in jüdischer Sprache, nicht Kauft im STRUMPFHAUS METZGER ZEIL 87 auch Herrenwäsche, Trikotagen und Badewäsche I Sport- und Sacco-flnzüge Leinen- und LUst er kleidun g Sommerhosen in großer Auswahl auf Wunsch Verarbeitung. Frankfurt a. M. Hindenburgplatz 12 gegenüb. d. Hauptbahnhof

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