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Der Israelit · 1937-05-21 · Heft 20 (21.5.1937) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 20 (21.5.1937)
Date
1937-05-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 20 Der Israelit 21. Mai 1937 naissance anzubahnen? Wir hoffen es, wir glauben es! Denn unsere leuchtendsten Persönlichkeiten, unsere adeligsten Menschen stellten sich in den ,.Bruch der Zeiten" — wir nennen aus der Fülle die beiden ragendsten Gestalten: den C h o f e z C h a ) i m und Meir Schap i r o! Und wir stellen, damit unsere Hoffnung zur Gewißheit werde, die Frage: Wie sähe es in der jüdischen Welt, wie vor allem innerhalb der Jugend, wie in der östlichen Jugend aus, wenn nicht dem leeren, nationaljüdischen Volksbegriff das durch Agudas Jisroel verkörperte „G'ttesvolk", wenn nicht dem alles Thoragesollte ertötenden Histadruth-Materialismus der T h o r a t o t a 1 i s m us unserer Palästinenser, wenn nicht dein nackten Sozialismus der jüdischen Gasse Polens das Jauscherideal unserer polnischen Poalimelite gegenübergestellt worden wäre,' wenn nicht in das grauenvolle russische Dunkel unsere Rußlandhilfe einen Strahl wenigstens des Lichtes gebracht hätte?! IL Aber auch auf eine andere Seite agudistischen Wirkens weist der Midrasch zur Stelle uns hin, auch sie ist im eingangs erwähnten Rosen - heimzitat gestreift. Der Midrasch fragt: „Warum heißt es (Kap. 2. 1) „Jeder bei seinem Lager, nach den Wappen, nach ihren Vaterhäusern sollen die Kinder Israels lagern", warum sind hier die Väterhäuser erwähnt? So wie die Väter einst die Lade mit den sterblichen Resten Jakobs umstanden, nach dessen Geheiß umstanden und zu Grabe trugen, so sollte die Lagerung in der Wüste geschehen. Damit war von vornherein jeder Streit ausgeschaltet, jeder stand auf dem ihm vorbestimmten Platz, an der Stelle, die für ihn in den alten „Familienpapieren" aufgezeichnet sich fand. So gewiß, wie wir Jacob Rosenheim darin folgen, daß nicht Stammes-, Rassen- oder Volksbewußtsein — angedeutet in dieser Erinnerung an die den Oraun, die Lade des toten, aber ewig ungestorbenen Jakob umstehenden Brüder, — das Lebensprinzipum des . G'ttesvolkes bedeuten können, sondern einzig und allein die Thora, so gewiß kann dieses G'ttesvolk dennoch nicht an dieser Erinnerung vorbeigehen. -Es muß aus ihr vielmehr den Antrieb gewinnen, das zu pflegen, was uns Agudisten inzwischen ein selbstverständlicher Besitz geworden ist: das jüdische Gesamtheitsbewußtsein, das K1 a 1 - G e f ü h 1! Die brüderliche Verbundenheit in die Breite und in die Tiefe : zwischen Ost' und West, alt und jung, reich und arm, zwischen Chas s i d i m und Mdsnagdim! Daß sich die rfiX»3 DTJS' vor noch nicht gar zu langer Zeit in engem Kehillopatriotismus befangen und durch ihn ausgefüllt, vor nicht viel kürzerer Zeit wohl schon in Landsmannschaften zusammengefaßt, aber auch in diesem erweiterten Kreis nur auf dessen Pflege bedacht und von dessen Sorgen bewegt, daß sich diese EDTIK niSQa über .die Landesgrenzen und -besonderheiten hinweg die Hände! reichten, um sich nicht wieder loszulassen, daß sie einander verstehen, dann schätzen und schließlich lieben lernten, diese Tatsache, vor 25 Jahren von einzelnen Einsichtigen erhofft, von den großen Massen aber als Unmöglichkeit angesehen, sie ist das Werk der Agudas Jisroel! Sie ist eine ihrer großen Leistungen! Kein Land gab seine Eigentümlichkeiten preis, kein Kreis sein Sonderleben, aber alle wurden reicher, alle empfingen von einander, lernten von einander, halfen einander: Jacobs Söhne, sofern sie nur seine echten und treuen Söhne waren, sie fanden sich in voller Bruderliebe, mochte auch jeder seinen eigenen Lagerplatz treu hüten: er brauchte ihn nicht verlassen, ja, er durfte ihn nicht einmal verlassen. . Wir dürfen es feststellen, ohne durch so etwas wie Jubiläumsstimmung geblendet zu sein: Das, was Jacob Rosenheim vor 18 Jahren auf der Züricher Konferenz als Hoffnung, als Forderung aussprach, hat sich im Großen und Ganzen verwirklicht: „Innerhalb des von der Thora gespannten Rahmens müssen wir alle Nuancen der Orthodoxie zu Worte kommen lassen. Nur auf dem Boden des freien. Austausches der in der Thora genährten Gedanken kann eine Einheit zustande kommen; können alle, die auf dem Boden der Tauroh stehen,;zusammenge~ faßt und unter der Leitung der Gedaule Batauro zu einem wahrhaften Klall-Jisroel sich erheben." > , III. Darf Agudas Jisroel also ihren Gedenktag in frohem Festesjubel begehen? Wir möchten diese Frage verneinen! Nicht nur, weil die Zeiten so schwer sind, weil in so vielen Landen '■•nwm mxa D'iiru b&w n»a utik nicht nur, weil sie viele ihrer Aufgaben noch nicht gelöst hat — der Berufenste sprach es ja sogleich auf» der ersten Kenessio Gedaulo aus, daß diese Aufgaben eine Generation nur beginnen, kaum lösen kann — sondern auch, weil sie in diesen 25 Jahren zu viel Leid erlebt hat. Hatte sie, um Einiges herauszugreifen, zum EIuI 5674 ihre erste K. G. vorbereitet, so brach unmittelbar vor der Erfüllung ihrer ersten Hoffnung der Weltkrieg aus und es bedurfte neun langer Jahre, bis sie den furchtbaren Krieg und seine schwersten Folgen überwunden hatte, um diese Kenessio Gedaulo Wirklichkeit werden lassen zu können — hatte sie eine großzügige Alijo organisiert und, gestützt auf Verträge mit potenten Käufern, Badenkäufe großen Umfanges vorgenommen, da wurde Polen, wo die große Mehrzahl dieser Käufer lebte, von einer Finanzkrise , ergriffen, in deren Folge Agudas Jisrioel selbst in große, völlig unverschuldete, auch heute noch nicht gänzlich überwundene Verlegenheiten kam — hatte ihr Rabbinischer Rat sich endlich organisiert, da starben plötzlich in kurzer Folge einige seiner führenden Größen, starb seine treibende Kraft, der Lubliner Raw, auf der Mittagshöhe des Lebens — hatte sie in Beth Jakob eine Großtat geschaffen, vor der eine ganze Welt — Juden wie Ndchtjuden — in Bewunderung stand, starben-nacheinader dieses Werkes Gründerin, dieses Werkes Gestalter — nein, in frohem Festesjubel wird Agudas Jisroel ihr Jubiläum nicht begehen! Sollte Agudas Jisroel also stillschweigend an ihrem Jubiläum vorbeigehen? Auf diese Frage gibt uns wieder der Midrasch zu Israels Lager, von dem wir das Wesen und das Wirken der Agudas Jisroel ablasen, die Antwort. Entsprechend Israels Lager um die Lade, umgeben in den himmlischen Höhen den TU3n N0> den Thron der g'ttlichen Waltung, die vier «Engel: Michoel, der Künder der einzigartigen, unfaßbaren Größe G'ttes, 'Uriel, der alles Erleuchtende, Gawriel, der Träger aller Kraft und Refoel, der allem Leid und allem Schmerz Heilung Bringende. Es ist der Thron der g'ttlichen Waltung, der über Israels Lager, der über Agudas Jisroel schwebt — und G'ttes Engel, die Seinen Thron umrin.g e n , breiten ihre Flügel auch über unser Lages! Agudas Jisroel geht an ihrem Jubiläumstag nicht stillschweigend vorbei, weil sie sich, ihre Gründung, ihr Sein und den Weg ihres Seins als^.G 'ttes Willen begreift! Darum muß sie sich diesen Tag der Wiederkehr ihrer Gründung zum- T2?S3n "paiPn werden lassen. Sie' jubelt nicht, sie schweigt nicht, sie hält vielmehr Rückschau und Ausblick: sie denkt, dankt und gelobt! IV. Geben 2 5 Jahre, nach jüdischer Auffassung, begründeten Anlaß zu solcher Selbstprüfung — gerade 25 Jahre?! Wir, denen die Halacha untrüglicher Maßstab für alles ist, dürfen diese Frage bejahen.' Die Mischna in Sukko (12a) lehrt uns, daß man die Sukko mit Bündeln von Stroh, Holz usw. nicht decken darf. 24 zusammengebundene Holzstücke bilden noch kein Bündel, -wohl ab er 2 5. So wird es im Jeruschalmi im Namen des großen Rabbi Chijo gelehrt; Taustaus zur Stelle bringen diesen Jer.uschalmi <tmd die religiöse Praxis ist durch ihn bestimmt '(Aurach Chajim 629, 15). Dies bedeutet doch wohl, daß 2 5 E in h ei. t e n — erst und schon — zu einemGanzen, zueine r neuen, h p h e ri.n Ein. h e i t werden. , r 24 Jahre agudistischen Wollens, agudistischer Arbeit können noch als eine Aneinanderfügung", Aufeinanderfolge von einzelnen Jahren gel-! ten, 2 5 Jahre agudistischen Wolfens, agudistischer Arbeit bilden eine Periode, einen in sich abgeschlossenen Zeit, a b s c h n i 11! Ob die Periode Epoche wurde — das ist die Frage! Dies der Inhalt des Jiap tPflJrt' den unsere großen Führer anzustellen habent den aber auch jeder von uns, der sich bewußt einordnet in das Lager der Agudas Jisroel, vorzunehmen hat, indem er hierbei von der Frage ausgeht: „Was habe ich beigetragen, das g'ttgewollte Ziel der Agudas Jisroel herbei zuführen, was habe ich geleistet, Steine wegzuräumen, die den Weg zu diesem Ziel versperren?" Unerbittliche Selbsterziehung, hingebungsvolle Einordnung in die Gesamtheit der Agudas Jisroel, erhöhte Bereitschaft, für sie zu leisten, zu opfern — zu solcher Forderung wird das Ueberschauen der ersten agudistischen Periode jeden Ernsten unter uns amfrafen. Bei diesem Schauen wird sein Blick in wehmütiger Dankbarkeit all derer gedenken, die vom Werdender Agudas Jisroel bis zum heutigen Tag sich hingaben ihrem Dienst und s t-a r b e n i n ihrem Dienst, bei diesem Schauen wird sein Herz in demütiger Inbrunst G'ttes Schutz für alle die herabflehen, die vom Werden der Agudas Jisroel bis zum heutigen Tag sich hingaben ihrem Dienst und leben in ihrem Die ms t! V. G'ttes Engel umschweben den Tiasfi NWS oben, Israels Lager unten-, mögen sie auch unser Lager schützen, unsere A g u d a s J i s-roelt Im Osten, über dem Lager Jehudos, schwebt Gawriel. Möge Agudas Jisroel in kraftvoller Energie, in mächtig gesteigerter Anspannung ihre „Politik" verwirklichen, ihre Arbeit / für Thora und Erziehung ausbauen auch das Wirtschaftsleben nach der Forderung G'ttes gestalten können! Im Süden, über den^ Läger Reuwens, schwebt Michoel. Möge es Agudas Jisroel beschieden sein, die Einzigartigkeitunseres G'ttes begriffes, unseres Volksbegriffes im Herzen ihrer Getreuen, im Rahmen ihrer Organisation immer fester zu verankern; möge die Welt es wissen und begreifen,, daß aller K a m prf, den Agudas Jisroel führt» führen muß, um dieser uns aufgetragenen Einzigartigkeit willen geschieht! Im Westen, über dem Lager Efrajims, schwebt R e f o e 1. Möge es Agudas Jisroel gelingen, im Heiligen Land eine Tätigkeit zu entfalten, an der das ganze j ü d i s c h e V o 1 k erstarkt und gesundet, möge unsere Tätigkeit dort beispielhaft sein, um unserem Wollen endlich so die Gefolgschaft aller zu erzwingen! Im Norden, über tdem Lager Dons, schwebt Uriel. Möge Agudas Jisroel gewürdigt sein, das Licht G'ttes in immer weitere Kreise uns e r e s Volkes, ja, der M e n s c h h e i t z# tragen, daß sie sich befriede, und befreie von all dem Dunklen und Häßlichen, das ihren Aufwärtsweg hindert! Möge Agudas Jisroel sich zu Häiipten immer den TOSn X0> immer die n^Sto wissen, möge sie ihr Lager und ihren we£ durch die W:e 11 und durch die Zeit allezeit als g'ttgewollt begreifen — "\ "'S ItfO' H "'S ^1 Ufr' (Weitere Aufsätze zum Jubiläum der Agudas;; Jisroel folgen.) *

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