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Der Israelit · 1937-05-13 · Heft 19 (13.5.1937) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 19 (13.5.1937)
Date
1937-05-13
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Feuilleton- Beilage Nummer 19 1937 Unter dem Baum. v Von S. J. Agnctn, (Fortsetzung.) Indessen, auch unser-Leben war kein Leben. Von unseren Nahrungsmitteln' war nichts mehr übrig geblieben, und die Schläuche enthielten gerade noch Wasser genug, um den Mund damitzu netzen. Wir richteten unsere Äugen, aufwärts — alle Berge waren Berge aus Sand und au® Steinen. Wir wandten unser Antlitz zur Erde — die ganze Erde war wie weißes: Feuer... Kein Baum, keine Quelle, kein Tier oder Vogel; nichts außer Wüstendorn brachte die Erde hervor. Diese Dprnenart eignet sich noch nicht einmal zur Nahrung, für Kamele. Als wir der Pflanzen aber ansichtig 'wurden, da warf ein jeder sich mit seinem Kopf auf isie und saugte ihren Saft aus wie ein Nazarener am Schweinefleisch' saugt, -bis ihre Stacheln in unsere Zungen drangen, daß sie Kakteenblättern gleich wurden. Zu jener Sttode sank uns der'Mut, wir verflüchten die Stunde, irr der wir hierher .gekommen waren und wir1'schrieen auf: Ach, wohin sind wir gelangt! Schafft "Allah uhis nicht Wasser und Nahrung herbei, . o, dann sind wir verloren. Laßt uns zu ihm beten; vielleicht empfängt er unser Gebet und entreißt' uns dem Untergang. Alsbald erhoben wir unsere Augen zur Höhe und sprachen„Kein G'tt ist außer Allan, und Mohammed ist Allah® Gesandter." Wir versuchten, die Stacheln aus den Zungen zu entfernen und preßten die leeren Schläuche, ob sie uns. nicht/;dochnoch Wasser hergäben', sie aber gaben ' keines1'mehr , her. Wir verbissen Hie " Zähne in die; Schläuche,; sie aber gaben nicht® her. als 'Wind.: Wir konnten nicht weiterziehen, weil wir nicht wußten, iyohan7 wir gelangen, würden, und konnten - nicht ,bleiben; ,wp. wir waren., weil, wir doch'den Weg verloren, hatten. Da, entschlossen wir, ^uns, einen hohen Berg zu besteigen, daß Allah vielleichtdort, uns ejne. Quelle, einen Baum oder einen Strauch., entdecke- . ... i. : , AU die Bereiche., aiberf die sich unsereir Augen entdeckten, glichen... durchaus.: dem,; aus dem w - ka- , men. Kein Baum sproß, keine. Queue sproide'lte, kehi,} Vogel flog, kein• jBöclkl'ednblökte.(rBerg schloß sich an Berg und Wüste ah Wüste. Wiir,/entledigten,.uns; uns er es Waf fengerätsi und setzten .: uns" "mit1 verzagter Seele hin. 0, es war ein sehr schweres Sitzen.:i Brand befiel., unsere Glieder,., und unsere Zungen.! schrumpften, wie eial Schlauch fährumplt, in dem das Wasser ausgetrocknet ist'."' '•/ \-''^' ■ Ich; sprach' zu meinen Gefährten: Gibt esf noch' irgend" etwas, . wä® wir gemäßen können? Sie ^antworteten: •'.G^^i^t^pf|a;''Sc^ätt'c&e.''.'"Da;; sagte, ich: Kocht'sie, und "wir wollen sie esseik.,Wir entzündeten die Holzgriffe unserer Waffen und brieten 'die. Wasserschläuche. Ais'.-ti/fe Wa^serschläucrie zu Ende gegangen waren,^ brieten wir" unser S cfouh werk?'''1A1-« gar nichts mehr übrig geblieb eh war, stieigen wir abwärts. Aber all "; unser Abstieg War, wie, wennein Mensch von Wüste zu Wüste zieht," ';''". ,' ', Die Sonne war zum Westen gelangt, und der Tag dunkelte. Wir hofften auf einen erquickenden Wind. Die Nacht kam. Erquickung und Erleichterung aber kamen nicht. Mond und Sterne hingen schlaff, am Firmament» der Sand kühlte nicht ab,. und stickiger Lufthauch war zwischen .die Berge eingeschlossen. Auch die Nacht darauf war. nicht besser als diese.1 Ein stickiger Wind .beherrschte die. ganze 'Nacht,, die! Luft zeigte? keinerlei Veränderunig. ^ira 'großer Grimm" war jene Nacht in unseren Herzen. Wir hatten erwartet, des Nachts unsere Lippen mit Tau zu befeuchten .und unsere Glieder abzukühlen,, und am Ende war auch sie glühend wie der Tag. Wir blickten aufwärts: es schien, als wären Mond, Sterne und Planeten in der gleichen Bedrängnis. Die dritte Nachtwache, .rückte heran. Sterne und Planeten verdanken am Firmament, und ein leichter Wind fing an zu wehen. Kaum, daß die Sonne aufging, erhitzte auch der sich. Schließlich.machte er gemeinsame Sache mit., dem, Glutwind. In die Mäntel gehüllt drückten wir unser Antlitz zu Boden und weinten um unsere Seele wegen des Wüstenwindes. So saß ich da, ich weiß nicht mehr wie lange, das Gesicht zuBoden: gedrückt und diie Augen,nach unten gesenkt. Ich, Vor dessen."Blick die Heerhaufen sonst zu erzittern pflegten, hatte Angst, gegen ein Sandkorn das,f Auge zu erheben. Q, es waren schöne Tage, als ich an der Spitze meiner .Heerhaufen stand, und alles y<?ir meinen, Worten erbebte, schöner noch die Tage, 7(ais ick ' in ni-eiriem, Hause thronte'' und Knechfe- -ai$-.Mag$e---steunden ^davumIrnich iu bedienen. Der legie eine ßlühkolhle :auf^meine;.;Nar^leh,- und die befächelte mich mit einem Fächer /während d> s Springbrunnen ^ina f ßarten.(ihr -W^asser „-wie,; eine,: Krone ausf- Tautropfen Hh^ä^^ver^r^^^:^^'^^ Alsbald schüttelte ich mich frei, stand auf, tat •den Mantel von mir ab, erhob meine Stimme und sprach: Auf, wir wollen bergan steigen! Meine Worte aber verklangen wie die Stimme eines Rufenden auf einem Gräberfeld. Die mit mir waren lagen tot, und wenn sie nicht gestorben': waren, glichen sie Toten. In jener Stunde verlangte es auch meine Seele nach dem Tode. Ich entsann mich all 'der Köstlichkeiten ■der Welt, die sich lehemals für mein Wohl verbündet zu haben schienen, und wie ich nun plötzlich von allem .losgerissen bin, und ich war bereit, -meine Seele in den Schoß der Wüste zu verhauchen, in der eis kein Wasser zur Reinigung des Leichnams und keine Totengräber gibt, mich zu begraben. Ich hob meine Augen zum Himmel und sprach: Kein G'tt ist außer Allah! Er tue mit; mir, was über mich verhängt ist. Noch aber wollte der Todesbote seine Hand nicht an jenem Menschen abwischen. ■ Während ich . noch über mein Haus trauerte, das nun ohne Mann bleiben, und über meine Söhne, die ich zu Waisen maeben sollte,, hörte ich leinen Seufzer und sah einige meiner Gefährten sich regen. Da sprach ich: 0, ihr Brüder, zum Guten hat Allah euch bewahrt, daß ihr nicht in der Wüste sterben müsset. Weitet doch ein wenig eure Seele, und laßt uns auf den . Berg gegenüber steigen. War unser Abstieg auch vergeblich, mag unser Aufstieg . vielleicht doch nicht vergeblich sein. So ■ stand ich;da, zwischen den Lebenden und den Toten, da;s eine Mal v erhob ich meine Stimme, , das andere Mal flüsterte ich mir selber zu, nicht .um meine Gefährten zu wecken — denn ich war schon daran verzweifelt, daß sie sich erheben - würden —, hur um zu fühlen, daß ich selber noch nicht tot war. Schließlich vermochte auch ich .selber nicht mehr . zu r eden. Meine Zunge zuckte wohl noch, die Lippen aber blieben; «tili. >'■ - ■ ' £:Allah jedoch ließ die Stimme in, die Ohren meiner Gefährten eindringen. Allmählich erhoben, einigevon ihnen sich auf ihre Füße, um aufzubrechen.- Ehewir gingen, »bedeckten wir die Toten mit Sand — G'ttes Erbarmen- und sein Segensei über ihnen. und über allen Gläubigen und heteteit das Grablegungsgebet . für sie. Wasser zum Waschen ihrer Leiber'hatten wir nicht- Allah wasche-sievon ihren Vergehen rein und. 'gewähre ihnen und uns ein leichtes Gericht. Jener-Berg war so steil und glatt, daß selbst ein 'Floh darauf ausgleiten mußte. Wir hatten den <; Gipfel' des Berges noch nicht erklommen, da stürzi ten meine Wegegenossen; schon, daß ihre .Glieder zerschmettert wurden, bis. schließlich von ums allen nur noch ich mit drei Gefährten übrigblieb. Als wir denn Gipfel des Berges - erreicht hatten und stehen blieben, da blickten wir auf Felder, Weinberge und Dattelpalmen, Kleinvieh und Rinder, während lieb- .liche Winde, wehten und gute Düfte von Gewürz- . arten und Wasserquellen iu uns dringen ließen. Ich erhob meine Augen zur Höhe und sprach: Gesegnet sei, der mir' den Rat ins Herz gab, hierher äufzü- ''steigen,. Lob und Preis dem Lob- und Preiswürdigen, der uns hierher hat kommen lassen. Nun brauchen wir nur noch hinabzusteigen, dann, sind wir gerettet, '.'•Der' Abstieg aber war doppelt so schwer als der Aufstieg. Auch wer das Ende unserer Gefährten'nicht gesehen" hätte, mußte fürchten, daß er zu einem Kno-. chenhäuflein würde; wie gar erst wir, die "Wir sie stxirzen'und fallen sahen, die einen mit zerschlagenem Köpf; die änderen mit zerschmetterten Gliedern. Doch die pait guten* Düften, beladenen Winde ließen uns die Lebensgeister wiederkehren, so daß die Seele sich uns wieder aufrichtete. Ich sprach zu meinen Gefährten.* Wir wollen .uns stark machen und hinabsteigen, - Wie gut, wenn wir lebend hinab gelangen! wenn aber nicht, wird es für .uns doch besser sein, daß unsere. Leiber an einem besiedelten Ort hinfallen, als daß wir in der . Wüste fallen. Denn. .sterben wir mter Renschen, bringt man 'Ums in ein Grab; sterben wir aber in der Wüste, verzehren uns böse Vögel, wie die Götzendiener,. G'tt verfluche sie, die ihre Toten den . Vögeln.. des Himmels aussetzen. Meine Gefährten stimmten mir sogleich zu und sagten: Schön hast du gesprochen. Sollen wir sterben, dann wollen wir unter Menschen sterben, die uns in ein Grab bringen. Bleiben wir aber am Leben, dann wollen wir in unsre Heimat zurückkehren, unser'Haus zu trösten und unsere Kinder zu küssen. Ein' jeder nahm seine- Seele in die Hand, und!wir stiegen auf Händen und Füßen ab»' wärts.' ";■ ''' "• ';. . '.;Nur wenige Augenblicke vergingen, da befanden wir uns schön an einem besiedelten . Ort'' mit Gärten, Pflanzungen, Dattelpalmen, sonstigen Fruchtbäumen und wogenden .Aehren, und die Erde' übersprudelte mit. Wasser. Und doch schien esV als wäre all unsere Mühsal hur darum gewesen, daß wir nun ganz und ■gar^fielen. -Noch "während/ wir daständen?' b'r&'c'Keh*';meiine Gefährten ^usanimen. Auch ich sank um und' "wußte nichts bb'ichlebe' oder iöt bin,: .' . : ,-;!Üf;"V:' 1 ..^chiuß..,folgt.), ..- Die Samaritaner auf dem Gerisim. Auf dem Berge Gerisim in der Nähe der alten Stadt Sieben, heute Noblus genannt, feierten die S am ari t aner , eine kleine halbjüdische Sekte in Nablus, die zwischen Juden und Arabern, im leeren Räume sitzt und nach ihrer Seelenzahl auf dem Aussterbeetat steht, ihr Passah fest mit Opferlamm und allem denkbaren Pomp. Dieses Fest hat sich nach und nach zu einer Attraktion für die Touristen herausgebildet und sichert das Budget der kleinen armen Gemeinde für das ganze Jahr, da es sich die Touristen schon etwas kosten lassen müssen, wenn 'sie das Schauspiel auf dem Gerisim genießen wollen. Warum die Samaritaner ihr Passahopfer erst am 14. I;ar, gleichsam als nos. abhalten, ist uns nicht klar. Die Wissenschaft gibt darüber keine Auskunft, wier sie überhaupt über das Problem der jüdischen, Abstammung der Samaritaner sich nicht ganz im klären ist. Der" Opferakt auf dem Gerisim ist aber nachweislich nicht so gar alten Datum®, und der 14. Ijar wurde offemsichtlich gewählt, um von den Juden und ihrem Pessach am 15. Nissan abzurücken. ' ' . Wußten aber die Guten, daß sie mit diesem Datum sich zu vsA D'xao qualifizieren? Ein Berliner Intermezzo in der Lebensgeschichte Nathan Birnbaums. 1930 wohnten in Berlin 'annähernd 70.000 Ostjuderi, die innerhalb;. der^ Großgemeinde doch ein Zentrum .'.für!sieh mit. ausgeprägtem Khillaleben..und einer gewissen". Autonomie unterhielten. Die Ostjuden waren im Rabbinat .mit einem .eigenen^ Raw yertreteh, hätten, eihie eigene Chewrä. Kadisoha und eigenen Pl,atz lauf dejh Friedhof.' Die Führer der großen Gemeinde hatten damals /ein . gewisses Interesse, den religiösen Teil! des- .Ositjudeammszu unterstützen, um durch ihn einige Verbindung mit der selbständis gen orthodoxen Gemeinde zu erhalten.;;'"' , r Bis. zu 1930 war. idie .Berliner, Khilla durch, eine Zionistische .Mehrheit feföhrt. Die letzten Wahlen vor dem Umbruch fanden , ^m- 30. November,. 1930 statt, und .das reUgiösA Os.tjudentum trat zum., ersten Male selbständig mit eigener Liste unter dem Namen „Konservative Partei',' „ihi, den. Wahlkampf ein. Auf •dieser Liste Nr?.4 stand...4&-'-«r^teV~''S:telle'äls-'-Spitzenkandiidaf Dr. Nathan Birnbaum, der damals - seinen Wonnitz .in Berlin hatte. . Auf dem Programm; der Konservativen,, Partei, welches als Wahlplattform diente, wurde gesagt, daß die Kandidaten. dieser Partei für alle .religiösen Institutionen eintreten ( Wollten, ebenso für streng religiöse Erziehung. Das Schulwesen, der Berliner Jüdi-; sehen Gemeinde soll an «seiner Spitze eine große Jeschiwa haben.. Einer besonderen Unterstützung sollen sich Kaufleute, die den Sabbat halten, erfreuen usw. Dr.., Birnbaum, selbst stellte dem Ostjudentum als Ziel, eine Offensive auf den jüdischen Westen zu unternehmen und frisches jüdisches Leben in die ins dolenten Kreise de« Westjudentums hineinzutragen. Mit dem Berliner Versuch sollten die Ostjuden auch in anderen Steudten und Ländern Kuropas aus. der Lethargie geweckt werden. Eine Demonstration des lebendigen Judenforjp, welches, allen Schwierigkeiten zum Trotze, den historischen Weg der Judenheit fortsetzen will, sagte Birnbaum in seinen Aufrufen und Vorträgen. Leider war: die Zeit für diese großen Ideen noch nicht reif. Eine ganz geringe Stimmenzahl fiel .auf die Liste von Dr, Birnbaum, und seine großen Pläne waren durch die Gegenwerbung der Zipnisten und Liberalen zunichte gemacht. (Jüdische Arbeiterstimme, Organ der Poale Agudas Jisroel in Polen. Nr. 23.) Marpniten und Juden. Der Patriarch der m a r o n i t i s c h e n Kirche in ,der Levante richtete ein Schreiben an die Beiruter jüdische Gemeinde, in dem er idie hohen Verdienste der Juden in Palästina hervorhob und die Bildung einer Einheitsfront von Juden und'MaToniteni die" in gleicher Weise Verfügungen ausgesetzt sind, forderte.1 Der Maroniten-Patriarch hat keinen Einfluß auf die arabische Welt, er ist Exponent eines Sons derkreises, der im arabischen System geduldet -— oder auch, nicht geduldet, —...wird. -Eine Einheitsfront -mit den Maroniten werden die; Juden gern eingehen,,, abef nicht gegeh die Araber, sondern,:, wenn 'einma), idie Stunde geschlagen hä't, äih liebsten unter Einbezieig,., der. Araber., . >. •.- •'•••;: ■■ ■ -i• , ■

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