Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 19 (13.5.1937)
- Date
- 1937-05-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450961-2450979--82997-2540978- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
,3. Mai 1937 Der i s r a e 1 i t Nr. 19 Seite 9 England. Die englische Judenheit ehrt Jacob Rosenheim. London, 10. Mai. Anläßlich 'des 25 jährigen Jubiläum® der Weltorga* nisatioo Agudi&s Jisroel fand am Sonntagabend in der g0se Hertz-,V'ersammlungshalle im Woburn House unter der Leitung de® Vorsitzenden der englischen adudistischen Landes Organisation, Harry A. G 6 o d - n, eine außergewöhnlich stark besuchte öffentliche Kundgebung statt zu Ehren von Jacob Rosenjj e {m, dem unermüdlichen Vorkämpf er der Idee der selbständigen Orthodoxie. In der sowohl inhaltlich als auch rhetorisch besonders hochstehenden Eröffnungsansprache des Ver-, sammlungsleiters, Mr. H. A. Goodman, wurde betont, wie sehr sich alle Kreise der englischen Juden {reuten, daß nunmehr Jacob Rosenheim beständig in ihrer Mitte wohne. Der Traum der Einigkeit des orthodoxen Judentums, — Chassdidim, Misnagdim und viele andere entgegengesetzt eingestellte Gruppierungen umfassend, — sei durch das gewaltige Werk Rosenheimsverwirklicht worden. Es kommt nunmehr der Präsident des Board of Peputies, Neville L a s k i , K. C, zu Wort und führt etwa folgendes aus; Er sei zwar nicht orthodox im agudistischen Sinne, müsse aber trotzdem den großen Erfolg, den 'die Aguda, allen unsäglichen Schwierigkeiten zum Trotze, auf verschiedenen Gebieten erreicht habe, anerkennen. Dieser Erfolg sei Jacob Rosenheim zuzusprechen. Nicht nur offiziell im Na« men der englischen Judemhieit, sondern' auch persönlich übermittle er an diesem Abend der agudistischen Weltorganisation und ihrem hochgeschätzten Präsidenten die herzlichsten Glückwünsche. Durch seine Abstammung und der seiner Gattin (einer Tochter von Chacham Dr. M. Gaster) von großen Rabbinen fühle er sich auch 'heute noch eng verbunden mit dem traditionellen Judentum und den Kreisen, die in ihrem praktischen Alltagsleben sich zu ihm bekennen. Er kommt dann auf die geplante K e - nessio Gedaulo zu sprechen, die in der Tschechoslovakei stattfinden soll und drückt seine Genugtuung und Anerkeinnfung darüber aus, wie dieses große und freiheitliche Land sich seinen jüdischen Bürgern gegenüber verhalten habe. Die hervorragenden Charaktereigenschaften von Rosemheim seien seine Begeisterung, Aufrichtigkeit und sein Verantr wortungsbewußtsein. Man hätte gehofft, daß der polnische Botschafter, der «ein Kommen zugesagt hatte, an dem Abend 'anwesend sein würde. Er, Redner, möchte trotzdem die Fragie der polnischen Juden, 'die so sehr in 'die Arbeitssphäre der Agudas Jisroel eingreife, nicht unberührt lassen. Die ganze englische Judenheit nehme ein starkes Interesse an dem Schicksal der 3% Millionen Juden Polens und er hielte es; für ©ine Unmöglichkeit, das'Wohlergehen und das wirtschaftliche Leben der polnischen Juden künstlich vom polnischen Volkskörper zu trennen. Man habe in letzter Zeit Zeitungsbeirichte gelesen, aus denen Tendenzen solcher Art hervorgehen, aber er könne sich nicht vorstellen, daß die polnische Regierung in Wirklichkeit solche Pläne hege. Mr. Neville Laski übergibt dann feierlich eine auf Per.gatnent künstlerisch angefertigte H u 1 d i g u n g s - adresse an Herrn Rosenheim und versichert ihm nocheinmal, 'daß er die 'höchste persönliche Hochschätzung für ihn fühle. Mr. H. A. Goodman teilt dann der Versammlung mit, daß die englisch© Agudas Jisroel aa das englische Kön igs pa ar während einer am Nachmittag abgehaltenen und ebenfalls stark von London und der Provinz besuchten Versammlung ein Ergeben.heitste legramm gerichtet habe, das bereits vom Privatsekretär seiner Majestät beantwortet wurde. Alsdann erhebt sdch die Versammlung, während Kantor Roth mit Gefühl und Andacht das Gebet für -die königliche Familie vorträgt. Es betritt nun der Ghiefrabbi Dr, J. H. Hertz das Rednerpbdium, Viele würden fragen, meint Dr. Hertz, was habe der Ghiefrabbi mit Agudas Jisroel zu tun? Nun, er sei kein Agudist, aber eines könne ar mit voller Uebierzeugung sagien; keine Bewegung hätte solch heilige Aufbauarbeit geleistet wie Agudas Jisroel durch Bes J akob, Dieses allein spreche schon igenuigeaim für den Geist der Agudas Jisroel. Man könne ferner eine Bewegung beurteilen nach ihren größten Männern. Und hier könnte Agudas Jisroel auf Jacob Roseniheim, diesen geistvollen Schriftsteller^ tiefen' Denker und praktischen Idealis* *en, mit großem und berech$igteim Stolz blicken. Jeder Agudist sollte versuchen, das Geheimnis d i e - ®'©s einzigartigen Mannes sich anzueignen, i^in Kampfmittel sei die Keduscha. Es sei für jkn, den Chiefrabbi, eine große Freude und hohe Ehre, tterrn Rosenheim ehren zu dürfen. Es ergreift .dann Herr Jacob Rosenheim selber Unter stürmischem Beifall 'das Wort und entwickelt *° fließendem Englisch Programm und Ziel, der Aguas Jisroel und die Probleme, >(Me'die herannahende ne«sio Gedaulo 1"'zü-Mosen versuchen wird. y Als letzter Rednjer^ dies Abends legt Rabbi Dr. S. 0 h ön f e 1 d 'ein Bekenntnis' zur Person und' Wirk? ^nikeit Rosenheim® ab, worauf Mr. Gooidman die Versammlung beschließt. Alles inallem kann man sagen: Es war ein großer Abend, den keiner vengessen wird, , E. M. St. Die Botschaft des Bischofs von Durharh. London, 4. Mai. Di© VOn uns bereits mitgeteilte Botschaft des Bischofs von Durham »an 'die Agudas Jisroel hat folgenden Wortlaut: „Gerne sende ich Ihnen einige Zeilen mit dem Ausdruck meines tiefen Mitgefühls mit Ihren Glaubensgenossen, die fetzt in so vielen Ländern Härten zu erdulden haben, loh kann nicht die historische Funktion der Juden als geistliche Lehrer der Menschheit und den ungeheuren Nutzen vergessen, zu dem ■die treue Erfüllung dieser Funktion geführt hat. Nur mit Staunen und Bewunderung kann ich auf die standhafte Treue blicken, mit der die Juden angesichts dauernder Unterdrückung an ihren geistlichen Bindungen festgehalten haben, Notwendigerweise muß ich glauben, daß die heroische Vergangenheit des jüdischen Volkes zu der Hoffnung berechtigt, daß seine Zukunft durch einen nicht 'geringerem Heroismus verklärt sein wird. Ich glaube, daß 'die Geschichte aufs Neue den Triumph jüdischen Glaubens und Mute® zu verzeichnen haben wird, Ich freue mich, daß die Juden wenigstens int Britischen. Reich mit der Aufrechterhaiiung ihrer Bürgerrechte rechnen können und ich glaube, daß die in den Gesetzen zum Ausdruck kommende Gerechtigkeit Englands in dem Willen und dem Gewissen des britischen Volkes eine feste Grundlage hat." Dank-G'ttesdienst der Juden Englands anläßlich der Krönung König Georg VI. London, 9. Mai. Anläßlich der bevorstehenden Krönung König Georg VI. fand in der Großen Synagoge in Aldgate ein F es t g '11 esdi ens t statt, an dem Vertreter aller Richtungen der englischen Judenheit teilnahmen. Oberrabbiner Dr. Hertz wies in seiner Predigt darauf hin, daß der zentrale Gedanke in der Pracht und dem Glanz der Krönungsfeier 'die Begrüßung des Monarchen zum Antritt einer Herrschaft sei, die auf Gerechtigkeit und Freiheit gegründet ist. Die Krönung bedeute eine Weihe, nicht nur des Königs, sondern auch der Völker für 'die erhabenen Traditionen, deren Verkörperung 'diese Gemeinschaft freier Nationen geworden sei. England sei die. stärkste Hoffnung der Welt gegenüber der Bedrohung dieser Ueb erlief erungen. England und seine Tochternationen hätten in dem Bereich menschlicher Beziehungen immer gezeigt, „wie gut und wie angenehm es für Brüder ist, in Einigkeit miteinander zu leben," Während des G'ttesdienstes wurde vor geöffneter Thoralade ein eigens für diesen Tag verfaßtes Gebet für den König und die königliche Familie gesprochen. Die englische Nationalhymne wurde bei der Feier in hebräischer Sprache gesungen. Polen «ad das Palästina-Problemi. Ein diplomatischer Schritt in London. London, 6. Mai. Im Hinblick auf die bevorstehende Fertigstellung des Berichtes der Kgl. Kommission über die Lage in Palästina hat der polnische Botschafter in London, Graf Raczynski, dem Unterstaatssekretär im Außenministei4t«n, Sir Robert Vansdttart, einen Besuch abgestattet und ihm gegenüber nochmals das Interesse der polnischen Regierung an dem Problem des Balästinamandatsi und der Möglichkeit jüdischer Auswanderung nach Palästina betont. Lord Lytton, Lord Lloyd und Lloyd George von der Kö'nigl. Kommissiotn vernommen. London, 6. Mai. Da® Kolonienministerium gibt in einem Communique bekannt, daß die Kgl. Kommission für Palästina in der letzten Zeit in geschlossenen Sitzungen Bekundungen des Earl of Lytton, Lord Lloyds und Lloyd George® entgegengenommen hat. Die Zeugenvernehmungen der Kgl. Kommission sind nunmehr abgeschlossen. Aegypten. Der maronitische Patriarch beim öberrabbiner von Aegypten. Kairo, 2, Mai, Der Patriarch der maronitäscheii Kirche des Libanon, Mgr, Ardda, der vor kurzem in Beirut. eins Sympathieerklärung für da© jüdische Volk abgegeben hat, besuchte in Kairo, wo er sich auf der Durchreise nach.Rom und Paris aufhielt, den Oberra'bbiaer v.o n Ae gy p ten , Haim Nabum Efiendi. Bei dem Empfang . waren die angesehensten Vertreter des ägyptischen Judentunis sowie, hervorragende Repräsentanten 'anderer Bekenntnisse zugegen. Die Abschieds!eier,.die die; Juden1 Beiruts.für den Patriarchen veranstaltete, fand in der Magen Abraham-Synagoge statt. Der Patriarch war von dem Bisch oi von Beirut, Ignatius M ub arr ak , und fünfzehn 'hohen maronitisohen Geistlichen Begleitet. An der Spitze der Vertreter der Jüdischen Gemeinde waren Öberrabbiner Schabbatai B a h - b o u t und der Gemeindevorsitzende, Joseph D. F a r c h i, erschienen. Vor der Synagoge war ein Triumphbogen mit der Aufschrift „Willkommen im Namen des Herrn. — Gesegnet sei Dein Kommen und Dein Gehen" erriclhtet. Die Schüler der Alliance- Sehule und der Gemeindeschulen bildeten mit den Mitgliedern des Makkabi und des jüdischen Pfadfinderverbandes Spalier. Beim Eintreffen des Patriae chen spielte 'die Kapelle des Makkabi die libanesische Hymne. Der Gemeindevorsitzende erklärte in einer Ansprache, da® jüdische Volk Wierde sich stets des berühmten Hirtenbriefs erinnern, den der Patriarch an alle christlichen Kirchen des Orients gesandt hat, und in dem er gegen die Verfolgung von Juden schärfsten Protest erhob. Besondere Dankbarkeit empfinde die Judenheit von Beirut für die Haltung, 'die der Patriarch ihr gegenüber stets eingenommen hat. Patriarch Arida sagte in seiner Rede u. a.: „Wir sind stolz darauf, mit den Juden gleichen Stammes zu sein. Wir haben ihnen alles zu verdanken. Unsere heiligen Gebote sind der Thora entnommen, unsere Religion gleicht der ihren. Wir beten zu demselben G'tt. Wir achten da® jüdische Volk, und wir lieben ebenso die heilige Stadt Jerusalem." Bischof M u b a r r a k versicherte sodann im Namen des Patriarchen und im eigenen Namen, daß der Libanon den Kindern Israels immer offen stehe. Es gebe dort genug Raum für di« Juden und für die Libanesen. Es isei seit langem der Wunsch des Patriarchen, daß das jüdische Volk frei nach dem Libanon einwandern könn e. Es folgte ein kurzer G'ttesdienst unter der Leitung des Oberrabbiners. Dann wurde dem Patriarchen eine kostbar ausgestattete Rolle mit einem in hebräischer und syrischer Sprache geschriebenen Gebet für eine glückliche Reise überreicht. Südafrika. Kirche in Südafrika läßt den Gläubigen freie Hand, Pretoria, 2. Mai. Zu der Frage der judenfeindlichen, Propaganda in Südafrika hat der Rat der holländischen Kirche eine Entschließung gefaßt, in der die Stellungnahme zum Antisemitismus dem Gewissen der Gläubigen überlassen wird. Diese sollen selbst entscheiden, ob er im öffentlichen Interesse gerechtfertigt sei. Amerika. Ein Sabbatprozeß in New York. New York, 4. Mai. Vor einem hiesigen Gerichte kam ein Prozeß zum Austrag, den ein Vater gegen den Sohn anstrebte. Der Vater hatte dem Sohne 400 Dollar unter der Bedingung geschenkt, daß ©r streng den Sabbat h a 11 e. Der Sohn nahm wohl' das Geld an, hielt aber die Bedingungen nicht .ein. Das Gericht verurteilte den Sohn zur Rückerstattung der Geld* summe. Teilung Palästinas verletzt die religiösen Rechte der Juden. Resolution der Konferenz der orthodoxen Rabbiner Amerikas. New York, 3. Mai. Die in Atlantic City tagende Konferenz des Verbandes der orthodoxen Rabbiner in den Vereinigten Staaten und Kanada hat einstimmig eine Resolution gegen die beabsichtigte Teilung Palästinas gefaßt. In der Entschließung wird eine derartige Teilung als offenkundige Verletzung der im Mandat und in der Balfour-Deklaration enthaltenen Zusagen, sowie der religiösen Rechte des jüdischen Volke® bezeichnet. Gleichzeitig sprach 'die Konferenz anläßlich der bevorstehenden Krönung König Georgs VI. Segenswünsche für das Königspaar und seine Untertanen aus. Konferenz der orthodoxen Rabbiner Amerikas zum Aguna-Probiem. Entscheidungen von 1500 rabbinischen Autoritäten angeführt. ' New York, 5. Mai. Der Verband der orthodoxen Rabbiner Amerikas hat anläßlich seiner in Atlantic City stattfindenden JahTeskonferenz eine Broschüre veröffentlicht, in der ' die Entscheidungen von 1500 rabbinischen Autoritäten aller Länder zum Aguaa Proiblem enthalten sind. In diesen, Entscheidungen ward übereinstim* mend erklärt, daß eine Frau, deren Mann verschollen ist, nicht geschieden werden kann.