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Der Israelit · 1937-05-13 · Heft 19 (13.5.1937) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 19 (13.5.1937)
Date
1937-05-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 19 Oer Israelit 13. Mai 1937 nalradikkle Studenten beteiligten. In Warschau wurden mehrere Juden niedergeschlagen und in die Weichsel geworfen. Trotz ihrer Verletzungen konn* ten sie schwimmend das Land erreichen. Urteile in dem Prozeß wegen der Unruhen in Czyzew. Warschau, 5. Mai, Das Kreisgericht in Lomza hat in dem Prozeß gegen 31 Nationaldemokraten, 'die am 5. Januar an den judenfeindiiohen Ausschreitungen in Czyzew teilgenommen haben, nach mehrtägigen Verhandlungen das Urteil gefällt. Es erhielten ein Angeklagter 10 Monate, fünf je 8 Monate und zwölf je 6 Monate Gefängnis, 'die übrigen wurden freigesprochen. Einzelne Verurteilte haben Strafaufschub erhalten. Den betroffenen Juden wurde eine Entschädigung von 500 Zloty izuerkannt. Bei den Ausschreitungen waren ein Jude getötet und 'dreizehn verwundet worden. Zwanzig jüdische Gemeinden in Polen zugrunde gerichtet. Warschau, 4. Mai, Vertreter der jüdischen Gemeinden von Randpplen hielten in Bialystok eine .Konferenz ab. Es wurde über eine Aktion für Hilfe und Aufbau beraten, und zwar zugunsten der zwanzig j ü d i s c h e n Städtchen im Kreise Bialystok, die durch die judenfeindlichen Exzesse und den wirtschaftlichen Boykott buchstäblich zugrunde gerichtet wurden. Eine Abordnung von Rabbinern und Gemeindeführern beigab sich zäun eisten Beamten des Kreises, dem Woywoden, um ihm namens der 200.0ÖD Juden des Kreise«', die 'die Konferenz beschickten, die gefaßten Entschließungen zu überreichen. Auch an Amerika, insbesondere an den Joint wurden Appelle gerichtet, der notleidenden jüdischen Bevölkerung im Kreise Bialystok durch konstruktive Hilfe einen Wiederaufbau ihrer Existenz zu ermöglichen. An die Bevölkerung selbst wurde die Aufforderung gerichtet, eine Panik zu verhüten und nicht kopflos die Flucht zu ergreifen, sondern mit allen Kräften zu versuchen, an der bisherigen Stätte ihrer Wirksamkeit wieder Wur zel zu lassen. Es ehrt die polnische Judenheit, daß sie den Mut und idie Hoffnung auf neuen Existenzaufbau im Lande nicht aufgibt. Damit beweist sie, wie wenig überflüssig sie im Lande ist, denn jede wieder aufgebaute Existenz kommt dem Lande und der Be völkerung zugute. Die großen Organisationen, die bei der Polenhilfe auf konstruktive Hilfe im Lande hinarbeiten, erhalten somit einen Resonanzboden im Willen 'der Bevölkerung selbst. Daß bei alldem ein Ablenken des Menschenstromes nach überseeischen Ländern von rettender Aktualität bleiben wird, muß nicht erst 'gesagt werden. Arierparagraph im polnischen Aerzteverband. Warschau, 9. Mai.. Auf dem am 9. Mai in Warschau abgehaltenen Kongreß der Aerztekammern Polens wurde mit 140 gegen 106 Stimmen ohne Debatte die Einführung des Arierparagraphen beschlossen. Die an dem Kongreß teilnehmenden dreißig jüdischen Delegierten verließen unter Protest den Saal. Die Ausübung der Praxis durch jüdische Aerzte ist durch den Beschluß nicht gefährdet, da der Verband keine öffentlich-rechtliche Körperschaft ist. Urteil gegen die mutmaßlichen Mörder des Ehepaares Minkowski in Przytyk vom Obersten Gerichtshof bestätigt. Warschau, 9. Mai. Der Oberste Gerichtshof in Warschau hat entgegen dem Antrag de® Staatsanwalts das Urteil des Lubliner Appiellationsgerichtshofes gegen die Brüder Fronczkiewicz, 'die sich unter der Menge befanden, welche in das Haus des in Przytyk ermordeten Ehepaares Minkowski eingedrungen ist, bestätigt. Nur das 'Urteil 'gegen einen der vier P.fensonen, denen die Beteiligung an dem Ueberfall, nicht aber der Mord selbst nachgewiesen werden konnte, ist aufgehoben worden. Ferner wurden die Urteile gegen drei Niohtjuden aulgehoben, 'die zu kleineren Strafen wegen Beteiligung an den Ausschreitungen verurteilt worden sind. Maßnahmen gegen jüdische Anwälte in Polen gefordert. — Referat auf der Tagung des Verbandes polnischer Rechtsanwälte. Warschau, 9. Mai. Auf einer Tagung des Verbandes1 polnischer Rechtsanwälte in Warschau wurde die Stellung der j ü d i s c h em Anwälte in Polen zum Gegenstand eines ■eingehenden Referates gemacht. Nach Angabe des Vorragenden sind 53 (Proz. der Rechtsanwälte in Polen Juden. Unter den Referendaren sei der Anteil der Juden noch größ(er. Der Referent forderte gesetzgeberische Maßnahmen, deren Ziel .es »ein solle, einen Numerus clausus einzuführen, um den Hundertsatz der jüdischen Anwälte dem Hundertsatz der jüdischen Bevölkerung in Polen anzugleichien. In Amwaitskainmern, in denen die Zahl der jüdischen Anwälte den Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung überschreitet, sollten jüdische Kandidaten in Zukunft nicht mehr zugelassen werden. Die Woche. Berlin, Die „C.-y.-Zeitiung" erscheint in ihrer dieiswöchigen Ausgabe als F e s t - n u m m e r , da hundert Jahre vergangen sind, seitdem zum ersten Male eine Nummer der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" erschienen ist, deren Name die ,,C.s V.-Zeitung" jetzt als Untertitel führt. Die Festausigabe ist 26 Seiten stark und enthält neben vielen Aufsäzen zahlreiche Reproduktionen von Zeitungsköpfen, Anzeigen und Meldungen, sowie die Wiedergabe von Nachrichten aus der Vergangenheit der Zeitung. — Vor einigen Tagen feierte in Berlin Gustav L i e b e r m a n n n, ein Sproß der alteingesessenen Familie der Liebermanns und Vetter des berühmten Malers Max Liebermann, seinen 90. Geburtstag. Er nahm am Kriege von 1870 teil. Düsseldorf. Zum Gedächtnis des bei den Palästinaunruhen durch Araber ermordeten Heinz Brock, der aus Düsseldorf stammt, wird ein He inz B r o c k - O ed ä oh t nis - •garten in Palästina aus Spenden verschiedener jüdischer Verbände und Organisationen errichtet Werdens, Nürnberg. Die „Bayerische Volkiszeitung" meldet, daß Juden in sämtlichem Somnuerbädem der Stadt Nür n h> er g k ein" en Zutritt haben. Hamburg. Der Landesausscbuß der jüdischen Jugendorganisationen in Hamburg veranstaltet in der Zeit vom 5. bis 23. Mai 1937 eine Ausstellung „Wir jungen Juden, Wirken und Schaffen der jüdischem Jugend", im Gemeindehaus Johnsaliee 54. Die Ausstellung umfaßt alle Bezirke der jüdischen Jugendarbeit und der jüdischen Bünde sämtlicher Richtungen. Amsterdam. Kronprinzessin Juliane von Holland hat als Präsidentin des niederländischen Roten Kreuzes anläßlich ihres 28, Geburtstages u. a. auch den Juden D. Enis el aus Amsterdam und J. Ph. M o k aus Haarlem, die Silberne Verdienstmedaille des Roten Kreuzes verliehen. Paris. Die Stadt Mühlhausen hat beschlossen, eine ihrer Hauptstraßen nach Hauptmann Dreyfus umzubenennen. Ministerpräsident Blum wurde eingeladen, an der Feier .der Namensgebung teilzunehmen. Auch in C r o s n e s ist eine Straße nach Hauptmann Dreyfus umbenannt worden. Kowno. Auf Grund eines Beschlusses des litauischen Manisterraties wird ' ein Teil de® Ertrage® der S t a a t s 1 o 11 e r i e mehreren jüdischen sozialen und und philarftropischen Institutionen zuf allen. New York. Durch eine soeben abgeschlossene statis,* tische Erhebung wurde festgestellt, daß sich unter den 1,150.000 Studenten, die an 1319 Universitäten und Colleges in den Vereinigten Staaten und Kanada studieren, 105.000 Juden befinden. Sie bilden 9,1 Proz. der gesamten Studentenschaft. — Der Stadtverordnete von Montreal, Max S e i g 1 e r, nimmt als Vertreter der Judenheit Kanadas an den Krönungsfeierlichkeiten in London teil. Rumänien. Brief aus Rumänien. Bukarest, 2. Mai. Das Organ der orthodoxen Zentralkanzlei für Siebenbürgen, „Höemesz", teilt mit, daß die jüdischen Mittelschüler in Rumänien wieder (gezwungen werden, am Schabbo« zu schreiben. Das Schulinspektorat in Klauisenburg-Cluj hat in einem Rundschreiben den Ministerialerlaß, welcher auf mehrfacher Intervention der Zentralkanzlei die jüdischen Schüler vom Zwang des Schreibens am Schabbos befreite, für nichtig erklärt und angeordnet, daß sämtliche Schüler, die am Schabbos nicht .schreiben' wollen, sofort aus' den Schulen entfesmt Tverdeaj. Eme Intervention i&er Zentralkanzlei beim Inspektorat blieb erfolglos/. Nun sieht sich 'die Zentralkanzlei (gezwungen, im Einvernehmen mit den fuhrenden jüdischen Persönlichkeiten des AltreacheS' nochmals den ganzen Fragenkomplex aufzurollen und beim Ministerium efa*zus>chr>eiten. Der Bür-germieisiter der Stadt I a s s i , der liberale Politiker "R a e'"ö yit'za, liät am 11. April in einer Volksyersainmlung die unverhältkminäßig starke Anteilnahme der 'Ji^en im (Kampfe für die Vereinigung aller v^n Rumänien bewohnten Landteile hervorgSe* hoben und gleichzeitig anerkannt, daß sie" ihren Verpflichtungen dem Staate und der Stadt Iassi gegenüber stets begeistert nachgekommen seien. Die Be_ hauptung des A- Cuza, wonach die 14 Millionen Rumänen durch die Juden brotlos sind, entbehre jeder Grundlage. Auch der Justizminister Sassu erklärt in 'der „Dimineata": „Im Lande wohnen vier Millionen Minoritätsivölker. Diesen erklären wir: Uns interessiert nicht eure Abstammung, sondern bloß der Weg, den ihr gewählt habt. Wenn ihr getreue und loyale Bürger dm Staates seid und den Weg (Jes rumänischen Staates igehet, dann werdet ihr ebenso wie 'die Rumänen 'die schützende Kraft unserer Gesetze genießen." Die Union., der rumänischen Juden, „Uniunea Evreilor Roman" veranstaltete ein Meeting, auf welchem Dr. Fild ermann an Hand ausführlicher Materialien 'die Grundlosigkeit der antisemitischen Anklagen .bewies. In einer Polemik mit Dr. Fildermann behauptet nun der „Universul" nochmals, „den Zusammenhang der Juden mit dem Bolschewismus beweise Agudas Jisoroel, die "bekannt© .^nitteleuro: päische Organisation, 'die mit Sympathie und Liehe die kommunistischen Bestrebungen begleitet und mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützt und ermuntert hätte." Die jüdischen Blätter Rumäniens müssen nun den Publizisten Romulu® Seiseanu darüber aufklären, daß Agudasi Jisroel die Organisation d'Br orthodoxen'Massen ist, 'die überall wirken kann, nur im kommunistischen Rußland verboten ist, weil sie den atheistischen Kommunismus bekämpft. In seinem blinden Hasse hat sich „Universul" wieder einmal lächerlich .gemacht. Arierparagraph vom Verband der rumänischen Rechtsanwälte angenommen. Bukarest,' 9. Mai, Der am 9. Mai in Bukarest abgehaltene Kongreß •des Verbandes der rumänischen Rechtsanwälte hat 'die Beseitigung aller nicht re&nblütigen Rumänen aus dem Anwaltsstand beschlossen. In dem Beschluß heißt es., daß eine „totalitäre autochtone Zusammen Setzung der Justizbehörden" gesichert und zu diesem Zweck die Registrierung aller Rechtsanwälte überprüft werden soll Leitungen von Rechtsanwaltskammern, (die idiese BescHüsse nicht durchführen, sollen aufgelöst wenden. i Die demokratischen Delegierten erklärten, sich diesem Beschluß nicht, fügen zu wollen, und wurden aus der Versammlung entfernt. Sie hielten eine eigene Konferenz ab und richteten an König Carol telegraphisch einen Protest gegen den Beschluß des Verbandes'. Frnkreich. Unfefsttchung in Algerien* Pa rfs', 5. Mai. Die ewigen Plank elei^ä in Algerien haben die Pariser [Regierung zur Efiisendung einer Unter; su c h un g s k o mmis s i o n veranlaßt. Die Kommission ist jetzt nach Paris z'ttrückgekehrt und hat Bericht erstattet, aus dem Einzelheiten noch nicht bekannt sind. Soviel geht aber heute schon hervor, daß die französische Regierung fest entschlossen ist, die hunderttausend Juden in Algerien vor Entrechtung und Diffamierung zu schützen.. Es wurde von der Delegation einwandfrei"festgestellt, daß die Propaganda in Algerien sich nicht allein gegeta .die Juden, sondern auch igeg>eii das f r a n z ö &is ö"h e Regime richtet. Die französisch© Bevölkerung in AI« gerien beträgt rund eine Million, ist aber im Vergleich zu der mohammedanischen Bevölkerung ebenfalls nur eine Minorität, und es> darf erwartet werden, 'daß 'die Maßnahmen der Regierung, über deren Einzelheiten man demnächst erfahren wird, auch ausgeführt werden, im Interesse der Franzosen sowohl wie im Interesse der Juden. Die Madagaskar-Kommission beim französischen Kolonienminister, Paris, 6. Mai. Kolöni^nmiaister Marius M o u t iß t .empfang affl 5. Mal (die Mitglieder der polnischen Madagaskar- Kommission, Major Lepecki und Leon Adler, zu einer längeren Unterredung Über ihre Aufgaben. Die Mit* glieder der Kommission sind am Abend nach Madagaskar abgereist. Wie der ITA. mitgeteilt ward, ist inzwischen durch Fachleute festgestellt worden, daß für jüdische Kolonisation nur der Süden oder Norden der zentralen Region der Insel in Betracht kommt, .ein Gebiet, das an 'dasjenige grenzt, das für tropische Landwirtschaft und die Gewinirjiuimjf von Bodenschätzen verwendbar ist. Das Innere von Madagaskar ist ^as am stärksten .!bevölkerte und der Zivilisation, und der Industrie am ineister erschlossene Gebiet. Sein Klinia ist nicht <ganz tropisch, sondern entspricht etwa dem von Kleinasien oder Kalifornien/ Der tönige- Boden ist jedoch: rör ßeKauuÄg nieihi geeignet. Andererseits ^ibf es im L^äe^iittttern fjdfleih£-: jMlnerallehälze, ins* besondere Niekelerzlager. Zu finrer ^iisßeuTtuög wäre jedoch iein sehr erhWBliches" KamtaPnotwendiif. Viv, K.--r Vf f : ■ ■ vr«.-

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