Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 19 (13.5.1937)
- Date
- 1937-05-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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13. Mai 1937 D er ■ I, s r a e Ii t Nr, 19 Seite 7 seres Volkes, daß ineiner Zeitenwende, da alles auf Einheit des Fühlens und .daraus sich ergebende Einheit des Wollens ankäme, 'diese Einheit nur äußerlich, und nur auf Kosten G'ttes herstellbar wäre, der zu einem Parteianliegen degradiert würde, wiewohl er, heute wie einst* zu seinem Volke spricht: du sollst keine anderen Götter haben neben mir! Es ist die unermeßliche Tragik unseres Volkes, daß "seine gegenwärtige grauenvolle Zerrissenheit — von den tausendfältigen Gegensätzen in den Reihen der Treulosen selber war bis fetzt überhaupt nicht die Rede! — in ihm die staatsbildende Kraft nicht entwickeln konnte und daher, einstweilen, das Belassen der Staatsmacht in dritter Hand zur absoluten Notwendigkeit macht. Nicht nur der Thoratreue, sondern* ein jeder, de* die Dinge unbefangen sieht, , wie sie sind, wird dem beipflichten müssen. IV- Aber was denn? Wie kann das brennende Problem einer allmählichen Lösung zugeführt werden? Wenn weder Kantonisierung noch Judenstaat in Betracht " kommt, was bleibt übrig? Vor einigen Monaten habe ich", als Privatarbe.it freilich, einen Vorschlag veröffentlicht. Er ist gewiß kein IdefeL Aber er ist wenigstens eine Möglichkeit. Wäre es nicht an der Zeit, sich mit ihm zu befassen? Korrespondenzen* 3rg» Deutsches Reich. Zusammenschluß Von Gemeinden in Rheinland- Westfalen. Berlin, 4. Mai. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden bemüht sich seit längerer Zeit, im rheinischwestfälischen Industriegebiet einen Zusammenschluß der jüdischen Gemeinden herbeizuführen, um die bestehenden erhebliehen Unterschiede in der Steuer? liehen Belastung eng benachbarter Gemeinden auszugleichen. Es ist gelungen, 'einen Zusammenschluß der drei Gemeinden 'Duisburg., Hamborn und D u i s b u r g - iR u h r o r t zu einer J ü d is c h e n Gemeinde D u'i s b u r g herbeizuführen. Es stehefest, daß ein Zusammenschluß auch in .vielen, anderen Fällen nicht zu umgehen sein; wird. Die Durchführung eines wirksamen La&tenausgleiches. durch den Landesverband würde auch erleichtert'und gefördert werden, wenn in Gemeinden wie im westlichen Ine dustrierevier, in dem zahlreiche mittlere Gemeinden unmittelbar beieinander liegen,- durch Zusammenschluß ein lokaler Aus&leicik geschaffen werde-v Gutes Geschäftsjahr des Versicherungsvereins „Die Hille". Berlin, 5. Mai. Dar jüdische Versicherungsvierein a. G. „Die Hilfe" legt seinen fünften Geschäftsbericht für das Jahr, 1936 vor. Aus ihm ist'izu entnehmen:.Bei ihrer Grün-, dung war .es Absicht der „Hilfe", den jüdisejhen Gemeinden das Risiko für die Zahlung der Beerdigungsgebühren abzunehmen. „Die Hilfe" wollte auf dem Wage über 'die Gemeindien deren Mitglieder dazu bringen, durch eine Sterbegeld-Versicherung die Mög= - Henkelt zu schaffen, neben 'den ersten notwendigen Ausgaben besonders die Ffiedhofs>gebühren in vollem Umfange zu decken." Die Umschichtung des jüdischen Lebens hat die Streichung 'dieses Zweckes unmöglich gemacht.' Da® Eingehen einzelner kleinerer Gemeinden hat „Die Hilfe''1 veranlaßt, ihren Wirkungsbereich vorwiegend, . auf die mittleren und größeren Gemeinden zu beschränken. .Die Ergebnisse des ab-» gelaufenen Geschäftsjahres' ibereöhtigen zu der Er* wartung^vdaß es der „Hilfe' 'gelingen 'wird, .ihre Äuf-i gaben bis .«zu einem gewissen Umfange zu lösen. Da- \ bei ßeßt .diese Edn^atzberei^ohaft ikewerlei eig^e j Opfer voraus. Jeder kann} in die Lage kommen, daß seine Reserven1 "aufgebraucht werden, , so daß' .gerade hei einem.£Todresfall'Mat;tel fehlen, kim^e1 tatowe&äKg- '- fiten.;;Äijsgabeiit>zu leisten; Die Verschlec&teramg vier finanziellen Lage zahlreicher jüdischer - Gemeinden: vermindert ihre. Bereitschaft, auf die Beerdigungs-g«.- bühren zu verzichten. Die Gemeinden und ihre. Mitglieder haben .also ein dringendes Interesse daran, daß eine Einrichtung aufrecht erhalten wird, die bei Mitglieder. Konstituierung der Repräsentanten-Versammlung' | - der Gemeinde "Hamburg^ y j '• '''■' .Hamburg , 7. Mai. -j Die Repräsehtä%tenversam'mlunig der Deutschds- faelitdscheoB Gemeinde in Hamburg,-„•. däei nach. einem! neuen' Wahlsystem, .gewählt .• wordenist, wurde. sat- •: zutigsgemäß kbnstituiert. Sie setzt sich aus sieben.; Vertretern-der religiös-liberalen' Riehtung, füni i'Zio- 22f.*'en< 'fünf^Konservativen rand' vier Vertretern der, wirtschaftspartei zusammen. Dr. Urias wurde 2?um, ersten Vorsitzenden, .die Herren. Horovitz und Alexander Levy zu gleichberechtigten zweiten Vorsitzenden gewählt. Dr. Urias gehört der religiös-liberalen Frak* tion an, er ist Vorsitzender des, Landesverbandes Hamburg im Redchsbund jüdischer (Frontsoldaten und Mitglied des fr^ührerrates des Reichsbundes. Di© beiden zweiten Vorsitzenden gehören der zdonistischen und konservativen Fraktion an. Bevölkerungszahlen aus den Gemeinden* Stettin, 2. Mai. Im ersten Vierteljahr des laufenden Jahres sind in der Synagogengemeinde Stettin elf Todesfälle und eine Geburt zu verzeichnen. Die Zahl der Zuzüge betrug 35, .die der Fortzüge 59. 37 Zugängen stehen 70 Abgänge gegenüber, so daß ein BevölkerungS'Verlust von 33 Personen eingetreten ist. Ende 1936 zählte die Gemeinde 1936 Mitglieder, so daß am 1. April 1937 1903 Personen vorhanden waren. Anfang 1936 umfaßte die Gemeinde noch 2153 Mitglieder.! Breslau, 2. Mai. Im ersten Kalendervierteljahr 1937 hat die Synagogengemeinde Breslau durch Fortzug, Auswanderung, Tod und Austritt 529 Personen verloren. Die Zugänge durch Zuzug, Geburten, Uebers oder. Rücktritt betrugen 264 Personen. Es ist mithin eine Bevölkerungsvermiinderung von 265 Seelen eingetreten. Am 31. Dezember 1936 waren 17.498 Mitglieder der Gemeinde vorhanden, am 31. März 1937 17:233. , , Krefeld, 2. Mai. Am 1. April 1937 zahlte die Synagogengemeinde Krefeld 1508 Personen. Im ersteh Vierteljahr 1937 sind 26' Personen zugezogen und 48 verzogen. Von' diesen gingen 20 nach Orten innerhalb Deutschlands, nach Palästina zwei und nach westlichen Ländern 2$. In der Berichtsaeit ist keine Geburt zu verzeichnen gewesen. " Aus Baden,. Mannheim, 10. Mai. Dem „ Verein zur Wahrung des gesetzestreuen Judentums" ist e's zu verdanken, daß -wir in der Omerzeit Gelegenheit hatten, zwei wertvolle Veranstaltungen, zu besuchen. Kurz nach Pessach; führte uns Herr S. S c h a c h n o w i t z an einem Vortragsabend in die Welt Don Jizchak Abarbanels ein. Mit der ihm eigenen ansokatdieben Darsitellungsweise zeichnete der geschicht&kundige Redner dia Gestalt, des Thoraweisen, des jüdischen. Staatsmannes', des; Manne®, der viele Höhen und.., Tiefen jüdischen .Schicksals miterlebte. Wir sähen Abarbanel ah die=. semr- Äb£hdVi'so, wdis >da& 'Vortragsthema formuliert' war: einer! Gestalt dler Vergangenheit, geseihen in der' , Gagenwjart, Hera* Schachnowitz verband, in den ab-1 schließ enden S ätzen seines Referats Ab arbänel . mit 'einem 'Menschen unserer Tage, der uns kurz zuvor: genommen worden w*ar: Nathan Birnbaum, um fjfo!ganz kdappen Strichen diesen: Mann zukehren und innii;pin(zubeziehen in: die Reihe der Führenden, Mahnenden und Wegweisenden des jüdischen Volkes. Hätten wir so Gelegenheiti zwei „P;ri«£tefgestalten" kennen zu lernen und uns mit ihrem Wesen vertraut zu machen, so gab zum Schluß der Omerzeit, Herr Rabbiner Dr. Pincbas Kp.hn in der: Klaus£yna;goge; in tiefsch.ürjf enden. Worten ^nd-unnac^ähmMch_en Ge-j . dankenprägungein «in Bild des jüdischen Volkes, auf j : seineW :„ Er 1 ösutige w .©(g vb n G o äA'n zum' Si'näi 'wivöiL der zu Ende gehenden Knechtscha.fts-j zeit zur; beginnendien Zeit; d^s P^estertnm».. Ausge-' hend davon, daß er vor jyie-r Jahrzehnten, im Kreis-; der Väter und Großväter der heutigen .Generation in Mannheim vondenselben Gedanken ' gespröeben habe, zeichnete Ränb. Dr.'Kohn; iin bildhaft klarer •Fpxm die .„SjtatioQen", ,'^n-,; denen,... das . Volk Halt r<machte zwischen .Mazrajilm ,/und ,Sinai-^erg.; . , ■ War der VorttW' von S.Sdiachnowitz noch im; Näöhhäll des'Viis(^i$eiaden; .'Niasänfesteis' uiid'-monats, so führte der;-Äbend/ an, denj -Rabb. D^ I^ohn sprach, hin zum großen Fest des Siwan. Beide Redner fanden sehr dankbare Zuhörer. Was, am Ende des ersten Abends, der Vorsitzende des V. z. W., Prof. Darmstädter, sagte, war der Dank aller Anwesenden an Herrn S. Schachnowitz. Und das mwsWort, mit dem Herr Rabbiner Dr. Lauer treffend den Dank an Herrn Rabbiner Dr. Kohn abstattete, entsprach dem Empfinden derer, die den verehrten, greisen Raw an .diesem Abend gehört hatten, Wir dürfen wohl sagen, daß, dank den beiden Veranstaltungen des V. z. W., die Omerzeit nicht nur eine gewohnheitsmäßige Aneinanderreihung gezählter Tage war. Viele haben an dem vorüberziehenden Lebensschicksal Don Jizchak Abarbanels und an der Schildeu-ung des aus dem Going Mizrajims zur Freiheit des Slnaibergefi ziehenden jüdischen Volkes' von neuem den Sinn unseres Wanderns und unseres Zählens erkannt. K. D. Oesterreich. Verband französischer Priester lädt Juden zu einer Friedenskundgebung ein, Wien, 5. Mai. Der Verband der französischen Priester, die im Weltkrieg .an der Front, Dienst geleistet haben, wird -seinen diesjährigen Friedenskongreß auf Einladung des Bundeskanzlers Schuscnnigg in Wien abhalten. Der Verband, der als Spitzenorganisation der katholischen Frontkämpfer gilt, hat auch jüdische Frontkämpferorganisationen zu .dieser Kundgebung eingeladen. Der Kongreß soll Ende August stattfinden. Belgien. Unternehmer und Arbeiter der belgischen Diamanten-Industrie wehren gemeinsam einen judenfeindlichen Vorstoß ab. Antwerpen, 4. Mai. Unternehmer und Arbeiter der Diamantenindustrie und des iDiamantenhandels Belgiens, eines der bedeutendsten Wirtschaftszweige des Landes, haben sich zu einer gemeinsamen Abwehraktion gegen die Bemühungen einer kleinen judenfeindlichen Gruppe, die Juden ans der l^amantenindustrie zu verdrängen, zusammengescfilosisen. In einer von dem Verband der Diamantenindustriellen Belgiens und der Gewerkschaft der Diamantenarbeiter erlassenen Proklamation wird bekannt gegeben, daß einige Diamantenhändler der Regierung ein Memorandum unterbreitet .haben, in dem der Ausschluß der Juden aus der Diamantenindustrie verlangt wird. Dieses Ansinnen werde an die Regierung gestellt, obwohl es Juden waren, die .diese Industrie aufgebaut und ihr ihre geachtete Stellung auf dem Weltmarkt gesichert haben. In der Denkschrift wird erklärt, es sei gefährlich, die Konzentrierung der Diamantenindustrie in jüdischen Händen zuzulassen, da, die Juden mit keinem Lande fest verbunden seien und jederzeit die gesamte Industrie mit Leichtigkeit aus Belgien, nach einem anderen Lande verlegen könnten. Demgegenüber wird in der Proklamation des Industriellenverbandes und der Gewerkschaft hervorgehoben, daß die Juden für die Diamantenindustrie Belgiens wichtiger sind als .die kleine Gruppe der Unterzeichner des judenfeindlichen Memorandums. Die in der Denkschrist enthaltenen Behauptungen werden als Entstellungen bezeichnet, mit denen beabsichtigt werde, Unterscheidungen zwischen belgischen Bürgern und Angehörigen ver* schiedener Glaubensbekenntnisse zu machen. Es wird verlangt, daß die fünfzehn Unterzeichner des Memorandums aus dem Diamantenhandel entfernt werden, da dessen Bestand durch diese judenfeindliche Propaganda gefährdet werde. Polen. •' ' V - Wiedereröffnung; der Warschauer Universität. — Juden, werden ferngehalten. i :. Warschau, 4. Mai.; Die seit längerer Zeit geschlossene. .W^chauer Universität ist am 4. Mai wieder eröffnet worden. Die 'Eingänge wurden jedoch von national demokratischen Studenten besetzt, die den! jüdischen Hörem den Eintritt verwehrten. Polnische Juden bitten den englischen König um Palästina-Eittwandcrungs-Zertifikate. Warschau,; 3. Mai. , r, Anläßlich der bevorstehenden Krönung König Georg VI. von England'sind von tausehden pomischen iJiudeii ah den König Glücl^unschkundgebungen gerichtet worden. Beigefügt sind^ allerlei Bitten, in den .meisten Fällen 'die, ihnen Zertifikate für die Einwanderung nach Palästina zur Verfügung zu stellen. Die Ausschreitungen am polnischen National- Feiertag. .,: '(_.,4V.. , W.arschau, 5. Mai, Am polnischen. Nationalfeiertag am ,3. Mai sind außer in Warschau auch in'Lodz und Lemberg Ausschreitungen gegen Juden begangen worden, an denen sich, hauptsächlich nationäldemokratische und hatio-