Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 19 (13.5.1937)
- Date
- 1937-05-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 19 Der Israelit 13. Mai 1937 Die KEREN H jedes jüdische Haus! Siejgibt jedem die Möglichkeit/durch kleine tägliche Spenden die Arbeit des Keren Hatorah zu fördern. Bitte Dosen anfordern : Keren Hatorah, H a m b u r g 13, Heinrich Barthstraße 21 Stelle der Judenf rage die große ungarische Frage die öffentliche Meinung beherrschen sollte, von deren Lösung es abhänge, ob und wie das gemeinsame Leid der christlichen und der jüdischen Ungarn mit gemeinsamer Kraft gelindert werden könnte. Hofrat Stern und sein Kreis halten noch an der Fiktion der „jüdischen Ungarn" fest, und daraus erklärt sich manches in ihrer Apologetik, was der Jude, der anderswo in manchem umgelernt hat, heute nicht versteht. Im Kernpunkte seiner Feststellungen und Forderungen darf sich aber der Pester Kultuspräsident mit allen Teilen des* ungarischen Juden* tums einig wissen. Auf einem Bankett des Aueschusses für j üd is c h - r eli gi ö s e Erziehungsarbeit in Lon<!( n nahm u. a. auch der englische Unt errichtsminister Oliver S t a n 1 e y das Wort. Ein paar schöne beherzigende Worte dieser Rede seien hier festgehalten: „Wenn ich mich bemühe, meinen Kindern den Glauben meiner Väter zu übermit* teln, dann muß ich auch wünschen, daß euren Kindern der Glaube eurer Väter .erhalten bleibe." „Wenn sogar in' England eine Herausforderung an die jahrhundertalte Ueb erlief erung von Freiheit und Duldung gewagt wird, dann dürfen wir nicht länger schweigen." Wir haben über die Werbung für die jüdischreligiöse Erziehung) besonders die der Töchter, und ihr© Aussichten an anderer Stella und in anderem Zusammenhange ausführlich berichtet. U eb e r den Rahmen dieser Werbung hinaus werden 'die englischen Juden diese Worte eines englischen Staatsmannes zu schätzen wissen. Britische Reichskonferenz, Empire- Settlement-Bewegung und Judenfrage, Von Jacob Rosenheim in London. III. Unter diesen Umständen sollte die bevorstehende britische Reichskonferenz den Führern der jüdischen Organisationen wirklich zu einer erneuten G e w i s s e n s p r ü f u n g Anlaß geben. Was nützt es dem schwer geprüften jüdischen Volke, wenn American Jewish Committee und Board of Deputies, Alliance Israelite und Anglo Jewish Association, J\ C. A„ Joint, Emcol und Hias, Agudas Jisroel, Freiland-Ligen und Weltkongreß-Comite, jede für sich oder in kleinen Sondergruppen in den ausgetretenen Geleisen ihrer gewiß nicht zu unterschätzenden Arbeits-Routine weiter einhertrotten, während der Ruf der Stunde, d-er Ruf zu einer großen g e me in s a m e n Kraftanstrengung zur Rettung der Zukunft — aus nichtigen Bedenken heraus geflissentlich 'überhört wird, Die Stunde verlangt nach innen die Konzentration aller geistigen moralischen und materiellen Kräfte auf Planung und Finanzierung der jüdischen Wanderung und Siedlung, verlangt nach außen die Schaffung einer zentralen Stelle, die gegenüber den politischen Mächten in dieser einen einzigen s c h i c k s aisschweren Frage die Gesamtheit der jüdischen Organisationen vertritt. Wie lange wird man sich in selbstmörderischer Befangenheit weigern, dieser selbstverständlichen Forderung, die von einer steigernden Anzahl klar denkender, unabhängiger Köpfe vertreten wird, Genüge zu leisten? Die e i n e Organisation macht geltend, sie verliere ihren Einfluß auf die eigene Regierung, wenn sie sich mit internationalen Körperschaften zusammenschließe — was für demokratische Länder ein wirklich nicht ernst zu nehmender Einwand ist; die a n d e r e fürchtet das turbulente Auftreten östlicher Volksführer in der Zusammenarbeit oder die religiösen Ansprüche der orthodoxen „Extremisten"; die dritte glaubt, daß sie allein das Geschäft viel besser verstehe, als alle anderen zusammengenommen, und die vierte dreht den Spieß um und redet sich ein, mit großen Worten, demokratischen Wahlparolen oder gar mit bloßem guten Willen den Mangel an Erfahrung, Einfluß und Geld ersetzen zu können. Sieht man denn nicht, daß alle diese ,,Argumente" im Grunde nicht auf kühler, objektiver Selbst- und Sachprüfung, sondern auf tiefeingewurzelten vorgefaßten Meinungen und Stimmungen beruhen? Sieht man nicht, daß indessen die Verzweiflung immer größer, der dadurch erzeugte Druck der Massen auf Selbsthilfe immer gefährlicher und die kalte Zurückhaltung und Zerrissenheit der Organisationen zu einem immer schuldhafteren Vergehen an dem Wohl und Wehe des jüdischen Volkes wird? Nur ein zentralisiertes Wänder u n g s - und Siedl u n g & - A m t d e r j ü d isehen 0 r g ani s a t i oaen, in dem sich politischer Einfluß und finanzielle Stärke, Verbundenheit mit der jüdischen Volksseele, gereifte Erfahrung und Energie des Wollens miteinander vereinigen, könnte nach außen die nötige Autorität aufbringen, um gehört zu werden, nach innen aber die Verantwortung tragen für das, was an Lebensglück und Existenzsicherheit von hunderttausende]! jüdischen Seelen auf dem Spiele steht. IV. Nehmen wir an, wir hätten dieses Wand erungs - und Siedlungsamt der jüdischen Organisationen bereits, so wäre es heute ^seine aktuellste Aufgabe, kraft seiner Stützpunkte und Verbindungen in den verschiedenen Dominions und in England selbst die: Gewinnung der parlamentarischen) öffentlichen Meinung und der führenden Politiker für den Gedanken einer Empire-Siedlung durch Juden durch die Mittel der Aufklärung und Ueberzeugung zu versuchen. Die Momente, die eine solche Arbeit in keiner Weise als aussichtslos erscheinen lassen, haben wir bereits oben kurz angeführt, und sie gewinnen mit jedem Tage größeres Gewicht. In der Unterhaus-Debatte'vom 26. Januar hat zwar der berufenste, weil einflußreichste jüdische Abgeordnete Mr. de Rothschild, der .der liberalen Opposition angehört, seine Rede noch ganz auf der Voraussetzung aufgebaut, daß nur eine rein britische Dominion-Wanderung in Betracht kommen könne, wobei man den mit reichlicherem Bevölkerungszuwachs gesegneten irischen Freistaat mit heranziehen könne, aber es kamen doch — zunächst aus den Kreisen der Labour- Partei — schon einzelne Stimmen zu Wort, die auf die jüdischen Aus wanderungs willigen hinwiesen. Der Abgeordnete, Sir Robert Young, gab seiner Verwunderung darüber Ausdruck, daß die leeren Länderstrecken der Dominions nicht 'MIMPV* <aPw- Glaube, Vertrauen und Treue, Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. Tief bedeutsam, geradezu wegweisend, kennt die heilige Sprache nur ein Wort für diese drei Begriffe: mm«' Es gibt keinen wahren und folgerich» tagen G'ttesglauben, den nicht unerschütterliches G'ttvertrauen Bezeugt, und auch kein sieghaftes unverfälschtes G'ttvertrauen, das nicht in hingebungsvolle zum Aeußersten bereite Treue aiusmiiittdet. An des Schilfmeeres Gestade war es, wo das -erste Lied aus Mensch enmund zum Preise de® Schöpfers durch die Lüfte drang. Hier hatte Israel glauben und' vertrauen gelernt, da senkte sich über alle unterschiedslos der heilige Geist und in prophetischer Begeisterung sangen sie alle, 'die Alten und däe Jungen, die Män-' uer und ihnen nach auch die Frauen , von G'ttes unerreichbarer Macht und 'Liebe und bekannten sich; zu Ihm und zu seinem Walten und gelobten Treue und Hingebung: '„Das ist mein G'tt, ihm will ich in., meinem Herzen eine: Stätte bereiten, der G'tt meines Vaters-, denich erheben, will." ^phl yerMeß Israel wieder den Gipfel seiner G'tteserkenat!ni& und würde in seinem G'ttvertrauen erschüttert, als der; Wüste Gefahren dieses zur Bewährung bringen soll-: ten, und kleinmütig stürmten sie gegen den Himmel an und sprachen das folgenschwere Wort: „Ist wohl der Herr in unserer Mitte oder nicht?" Gar bald wurden sie aber aus ihrem Zweifel aufgerüttelt, und Israels Kinder erfuhren es: nain« vt „Ihm {Israel) sind die Hebel seiner Kraft J~»3WK Glaube, Vertrauen und Treue." Diese Erkenntnis, leuchtete unserm Volke auf, wnvn sn ~trr für die Zeit des Sonnenuntergangs und machte unsere Väter 'empfänglich für die alle Zeiten xmd Geschl&dhi&r üb^daiiernde Sinaikunde von Ihm, der ist ewig und unveränderlich in seinem Wesen und in der Ausstrahlung seiner hundertfältigen Wirksamkeit. Diese welthistorische Kunde wieder \neu zu erleben, dafür will uns 'die Sefirohzeit rüsten. Jeder Tag dieser Wochen, die' die goldene Brücke von Peßach "zu Schewuaus schlagen, bringt uns immer mehr in den Bann der Sinaüdeen und ^Forderungen. *iam \\vb Der Glaube an Ihn, der alles trägt und hält, der die Fäden aller Geschicke in seinen Händen hält und ewig am Webstuhl der Geschichte wirkt, ist der Quell .alle« Vertrauens und jeder Zuversicht, er soll aber auch der Sporn sein, daß wir' Ihm, dem Unendlichen, auf dessen Wink Himmel und Erde und alles, was sie füllt, lauschen, und die Grenzen in Treue hüten, die sein erhabenes Schöpferwort gezogen, unentwegt in freier, freudiger Entschließung folgen und mit unserem Sein und/ Können uns verhaftet fühlen.; }. Da wanken wir nicht, mögen auch Berge und Hügel erschüttert werden und unsere Hoffnungen fehl* schlagen, wenn wir uns an G'ttes Walten gebunden fühlen. Und wie der Tau des;Himmelsi .die lechzend© Erde labt, so rieselt der Laibetnank aus den Höhen als lindernder Balsam für die Wunden unserer Seele, so wir zukunfigewiß bauen können auf die Treue, mit der wir uns .als ein Glied fühlen in der Kette der Geschlechter, die vom Sinai über alle Zeiten hinweg das Lieht und 'die Wahrheit mit sich führen zur Erleuchtung der Menschheit und zur Befriedung der heiligen G'tteserde. So verstehen, wir und lassen es in unseren Herzen und Seelen widerklingen, das wundersame Lied von der na-ns: intcia "i "m 'na ntsa' -i&k man 71-a ■' „Gesegnet ist der Mann, der auf G'tt vertraut und: dem G'tt der Quell seiner .Zuversicht bleabii" Macht und Frieden/ Betrachtung zum Offenbaruiagsfeste. v 1 Von A. Mannheimer in Dettelbach. Der Midrasch erzählt uns Folgendes.: Als G'tt sich unter Donner und Blitz und mächtigem Posaunenschall auf dem Berge Sinai offenbarte, habe man dies in der ganzen Welt vernommen. Aus ihrer Ruhe geschreckt, horchten »die , fieddenvöilker . auf: Wae, sind da® für Stimmen,.. die aus der Luft auf uns eindringen? »Niemals; hörten wir so was, solche Worte.' Woher kommen sie? Was wollen', sie von uns? Was sollen wir ihnen? Wind einneues Tohuwabohu, kommen? Die verängstigten Völker liefen in ihrer Aufregung zu dem heidnischen Propheten Bileam und bestürmtem ihn mit Ären Frage». Er aber beruhigte sie mit den Worten: :.]ty> ivn'? njr/n G'tt verleiht heute Seinem Volke eine \ Macht. Be* ruhigt durch diese Aufklärung antworteten die Völker im , Chorus: "ibvz flt? iSa» <n» der Ewige; möge "Sein Volk segnen -mit Frieden. ., 1 . '.. " f- Ein Midrtaschwort, . ebenso - schön alsV, tiefsinnig. Ists ein Wunder,' daß .die Völker'in Aufregung'gerieten? An Stelle heidnischer <Ungebundehheit plötzlich eine auf reinsten und feinsten sittlichen Grundsätzen.