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Der Israelit · 1937-05-13 · Heft 19 (13.5.1937) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 19 (13.5.1937)
Date
1937-05-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 19 D e r „Israeli ,t ,1% Mai 1937 müsse die Agudas Jisroel jeden Judenstaat ablehnen, dessen Grundlagen nicht die Thora und der Glaube sind. Ein Judenstaat ohne Thora sei von vornherein 'der Vernichtung geweiht. Die im Herbst in Marienbad zusammentretende Dritte K e n e s s i o G e d a u 1 o werde die Stimme des überlieferungstreuen Judentums auch in dieser Frage zur vollen Geltung bringen. Zum Schlüsse nahm 'die Konferenz einstimmig eine längere Resolution an, die an anderer Stelle dieser Nummer (Seite 10) im Wortlaute wiedergegeben ist. (Der Bericht über die Abendfeier zu Ehren des Präsideriten der Agudas Jisroel-Weltorganisation, Jacob Rosenheim, befindet sich im Korrespondenzenteil auf Seite 9.) Zur Frage des jüdischen Staates in Palästina. Die Exekutive der „Agudas Jisroel- Weltorganis ation " schreibt uns: „Angesichts der Erregung, die die Gerüchte über die angeblich geplante Errichtung eines autonomen jüdischen Staates in Erez Jisroel in weiten Kreisen der thoratreuen Judenheit hervorgerufen haben, gibt die Exekutive der Agudas Jisroel bekannt, daß sie die Entwicklung der Dinge vor und hinter den Kulissen seit Wochen mit Aufmerksamkeit verfolgt hat. Ueber die negative Einstellungx der thoratreuen Judenheit zu einem thoralosen jüdischen Staatswesen kann kein Zweifel bestehen/ Die Exekutive hält es jedoch nach reiflicher Erwägung nicht für angebracht, in dem gegenwärtigen. Stadium der Dinge Schritte gegen ein kaum in allgemeinen Umrissen bekanntes Projekt zu unternehmen. Die endgültige Stellungnahme in einer so tief in das religiöse Bewußtsein und in das religiöse Leben eingreifende Angelegenheit, die nicht von heute auf morgen entschieden werden wird, muß der Gesamtleitung der „Agudas Jisroel" im Einvernehmen mit dem R a h b i n i s c h e n Rate und letzten Endes der bevorstehenden «Kenessio Gedaulo" vorbehalten bleiben," Die neue Schedule — Entrüstungssturm in Palästina. Jerusalem, 10. Mai. Der High Commissioner hat für die vier Monate April—Juli 1937 im Ganzen 7 7 0 Zertifikate bewilligt. Davon werden vom Einwanderungsamt der Regierung 150 zurückbehalten. Das Bekanntwerden der lächerlich geringen Zahl der bewilligten Zertifikate löste eine Entrüstung aus, die in Leitartikeln aller jüdischen Zeitungen mit einer kaum gekannten Schärfe zum Ausdruck kommt. Alle Blätter betonen, daß angesichts des Arbeiterbedarf es in Palästina und der Forderungen ttnd Anträge der jüdischen Instanzen diese Bewilligung einen Schlag ins Gesicht des um seine Existenz und seine Zukunft ringenden Jischuw bedeutet. Die Jewish Agency gab eine Erklärung ab, daß sie wegen der Krönungsfeier ihren Protest gegen die neue Entrechtung des Jischuw noch zurückstelle. Die Krönungsfeierlichkeiten und die Juden in England und Palästina. London, 13. Mai., Der Anteil der Juden an den Krönungsfeierlichkeiten ist tief und herzlich. Die jüdischen Stadtviertel in Whitechapel wiesen reichen Festschmuck auf. Neben dem Festg'ttesdienste in der Hauptsynagoge, (über den wir an anderer Stelle berichten), fanden am Mittwoch in sämtlichen Synagogen Londons und des britischen Reiches feierliche G ' 11 e s - d i e n s t e statt. Unter den Auszeichnungen anläßlich der Krönung wird insbesondere die von Herbert Samuel hervorgehoben. Er erhält den Rang eines V i s c o u n t ■und wird damit Mitglied des1 Oberhauses, als welches er, nachdem er bei den. letzten Wahlen mit der liberalen Opposition eine Niederlage erlitten 'hatte, wieder führend in die Politik eintritt. In den Adelsstand erhoben wurde Julius Salter Elias. Der frühere Generalgouvemeur von Australien, Sir Isaac Alfred Isaac s , wurde mit einem hohen Orden ausgezeichnet. Einen hohen Orden erhielt auch der Oberkonrmandierende in Palästina, General1 leutnant Dill, für seine Verdienste zur Herstellung der Ruhe in Palästina. Auch Jerus a I e m und Tel Awiw feierten den Vorabend und den Tag der Krönung mit Illuminationen, Fahnen und Festg'ttesddensten in den Synagogen. In den reichgeschmückten Straßen Jerusalems und Tel Awiws bewegten sich festgestimmte Massen. Ein Tumult entstand in einer Straße von Tel Awiw, als dort plötzlich an einem Hause eine arabische Flagge gehißt wurde, die Ruhe trat wieder ein, als die Flagge niedergeholt wurde. An dem Festg'ttesdienst in der großen Synagoge, bei dem Oberrabbirter Amiel die Festrede hielt, waren die Mitglieder des Stadtrates vollzählig vertreten. Ein Gartenfest im „Gan Heneviim" beschloß die Feierlichkeiten in Tel Awiw. * Züricher Kultus-Gemeinde schafft die Orgel im G'ttesdienst ab. Z ü r i c h , 9. Mai. Die Frage der Beibehaltung oder endgültigen Abschaffung der Orgel im G'ttesdienst bildete den Gegenstand der Beratungen in der letzten Generalversammlung der Israelitischen Kultusgemeinde in Zürich. D er Antrag auf endgültige A b s c 'h a f f u n g d e r O rgelwurde mit 177gegen61 Stirn m e n angenommen. Für den Antrag stimmten u. a. die b e i d e n Rabbiner, die Zionisten und. zahlreiche als liberal bekannte Persönlichkeiten aller Richtungen und Gruppen' der Gemeinde. . , ' . ' ,, In der vorangegangenen Aussprache wurde, zugunsten der Abschaffung vorgebracht, daß die Orgel als sichtbares Symbol einer falsch verstandenen Assimilationsepoche in unsere Zeit; hineinrage. Sie sei von der sogenannten Aufklärung eingeführt worden, die auch die BezeicHnttttg Israelit an Stelle des Wortes Jude verbreitet habe. Die Orgel sei nur ein Uebergang zum Christentum und zur Abschüttelung des Judentums. Es handele sich hier*um eine Frage der Rückkehr von einer Dekädenzperiode zu den eigenen Werten des Judentums; . 'die Entscheidung der Generalversammlung. sei eine histo-: rische. Die Anhänger der Beibehaltung der Orgel versuchten an Hand der Literatur nachzuweisen, daß der Or'gelfjrage gar nicht eine* so hone Bedeutung zukomme, wie man sie; ihr j hier beilege. Ein Gewissenskonflikt:'sei unbe-' gründet, da die Orgef yrdä^oiiis^etelicn--'•tiiöht < verböten sei. *'.' ''-; Transfer-Beschleunigung fürlandwirtschaftliche Siedlung in Palästina 75 Siedlerfamilien können das Vorzeigegeld sofort transferieren. ' Berlin, .10. Mai. Das Palästinaamt Berlin teilt mit: Es besteht die Möglichkeit, im Anschluß an die Beschleunigungsaktion cä. fünfündsiebzig Familien, (die zur landwirtschaftficlienSiedlung in Palästina entschlossen sind, sofort den Transfer ihres Vorzeigegeldes und damit die, Einwanderungseflaubnis zu beschaffen. Beteiligen können sich alle Personen, die a) eine Vormerkung zum Erwerb des Vor. zeigegeldes besitzen (ahne Rücksicht auf die Höhe der Nummer), b) noch nicht in Palästina eingewandert sind, c) über mindestens RM. 25.000 verfügen. Interessenten wird empfohlen, sich möglichst bald mit dem Palästinaamt in Berlin in Verbindung zu setzen. (Auskünfte erteilen ferner die Zweigstellen des Palästinaamtes im Reich, die Palästina-Treuhandstelle zur Beratung deutscher Juden GmbH., Berlin W. 35, Potsdamerstr. 28 und die Devisenberater,) Die Heranziehung von Juden zum Luftschutz. Berlin, 8. Mai. , Der R e i c hs m i ni s t e r der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe hat eine Durchführungsverordnung zum LuHschutzgesetz erlassen. In ihren Bestimmungen über die Heranziehung zu Dienstleistungen (Luftschutzdienstpflicht) sind besondere Vorschriften über die Luftschutzdienstpflicht von Juden vorgesehen, Auf den Gebieten des Werkluftschutzes, des Selbstschutzes und "des erweiterten Selbstschutzes können Juden zur Luftschutzdienstpflicht herangezogen werden, wenn es zum Schutz ihrer Person oder ihres Eigeniums notwendig ist. Darüber hinaus ist ihre Heranziehung nur auf Grund besonderer Bestimmungen, die der Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe im Einvernehmen mit dem Reichsminister des Innern erläßt, ztdässig. Die Opfer der „Hindenburg"- Katastrophe. Die Katastrophe vor Lakehurst hat tiefe Trauer und Bestürzung in der ganzen Welt ausgelöst. Unter den Opfern, denen und deren Familien unsere aufrichtige Teilnahme gehört, befinden sich, nach der Namensliste zu urteilen, auch einige J u d e n. Moritz F e i b u s c h , der zu den Toten zählt, war Fabrikbesitzer in San Franzisko. Er stammte aus Deutschland und war nach langer Abwesenheit vor einigen Monaten in die alte Heimat gekommen, um seine . alte Mutter und seine Geschwister aufzusuchen. Wie amerikanische Blätter berichten, erfreute sich Feibusch in seiner zweiten Heimat großer Achtung. Er beteiligte sich auch an jüdischen Hilfsorganisationen, .Die Familie Feibusch stammte aus Ro' gasen. in der früheren Provinz Posen, von wo Moritz Feibusch 1-896 nach Amerika auswanderte. Einwanderungsquoten in Brasilien iür 1937 festgesezt. . R i o d e: J a n e i r o; 4. Mal. Das brasilianische-Arbeitsministerium hat bis zur endgültigen Entscheidung des Parlamentes die Einwanderunigsquoten für 193tf festgesetzt. Für Italien ist eine Quote von über 27.,000 vorgesehen; es folgt Portugal mit fast 23^000 und Spanien mit 1L536. Für Japan ist eine Quote von 3546 bestimmt worden1, für Deutsche eine Quote von 3099. Für Polen ist eine Quote von 2035 festgelegt. Der Bundesrat für Außenhandel hatte voreiniger Zeit bereits ^ttgetjegt, 'zunächst einmal' für jedes ' Land eine Mindestquote von 3000 Einwanderern jährlich festzusetzen, um den sofortigen Bedarf' an landwirtschaftlichein Arbeitskräften <zu decken.; v:f

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