Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 19 (13.5.1937)
- Date
- 1937-05-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Frankfurt a. M. | «^Mai 1937_ 3. Siwan 5697 Nummer 19 Die Religiöse Konferenz der A. J. in England Huldigungstelegramm an das Königspaar — Botschaften kirchlicher Würdenfräger Die in London aus Anlaß des 2 5jährige n Jubiläums der Agu da s Jisroel - W e 11 o r g a ni sation veranstaltete Religiöse Ko nler e nz war eine machtvoll« Kundgebung des thor atreuen Judentums in England, die das Interesse auch der nichtagudistischen Kreise im höchsten Maße fand. Es waren Delegationen aus ganz England und viele hunderte Gäste anwesend, Den—Vorsitz führte der Präsident der Agudas Jisroel in England und politische Sekretär der Weltorganisation, H. A. Goodman. An der Spitze seiner Eröffnungsansprache stand eine K u n d g e d u n g d e r Treue und Ergebenheit der religiösen Judenheit Englands für das Köniigspaar anläßlich der bevorstehenden K r ö n u n g. Er sei überzeugt, sagte der Vorsitzende,, damit im Namen und im Sinne der Juden der ganzen Welt sprechen zu dürfen. Es löste großen Jubel aus, als der Vorsitzende bekanntgab, daß auf das G 1 ü c k w u n s chtelegramm der Konlerenz an das K ö n ig s p aa r bereits die Antwort des Privatsekretärs eingetroffen sei, in der im Auftrag des Königspaares der Konferenz der aufrichtige Dank für die Huldigüngskundgebung ausgesprochen wird. * Der Vorsitzende hebt noch einmal die K u n dgebungen und B o ts e h a f t en der Kirch e n f ü r s t e ri und hervorragenden Persönlichkeiten -des öffentlichen Lebens an die Religiöse Konferenz der- Agudas < Jisroel hervor. (Siehe Korrespondenizenteil auf Seite 9.) Aus den weiteren Ausführungen H. A. Goodmans sei noch folgendes wiedergegeben: Die Aufgabe der englischen Agudisten sei eine doppelte: den notleidenden Juden in Ost- und Mitteleuropa zu helfen und an dem Wiederaufbau dös jüdischen Heimatlahdes im Geiste der Thora mitzuwirken, andererseits aber auch für das seelische Wohl dereniglischeiiJudenheit zu sorgen. Der Redner wies "auf die schwierigen1 'Probleme in dem religiösen Leben, insbesondere auf den! Gebiet der Mädcherieriiiehung, des 'durch die Gleichgültigkeit der Londoner jüdischen Bevölkerung gefährdeten 'Sabbatschutzes, des Kaschrut, der Heiligkeit des jüdischen Hauses usw. hin. In dieser Zeit tue eine geeighigte Orthodoxie n°t, die diie Souveränität der Thora im Leben Oes jüdischen; Volkes und im Leben des einzelnen Juden anerkennt. Das jüdische Volk stehe m dieser, Zeit geistiger, wirtschaftlicher, und Politischer Not aufdem Kreuzwege! Von der %udas Jisroel werde der rechte^ Weg gewiesen: Rückkehr zur! Thora. - . Lebhaft begrüßt, jbetritt der Präsident der Welt0rganisati9nv .Jacob R o s e n h e i m', die nbüne. : Seine A^usführungen finden ein gewal-!ges Echo im Publikum und werden oft von begeistertem Beifall unterbrochen. .Röseriheim wen- 6* sich gegen d|e „unverantwortlichen Vorschläge" für die Zwängsauswanderung großen Maßstabes. Nichtsdestoweniger müsse aber für die ungeheuer schweren wirtschaftlichen Probleme, vor die die Judenheit gestellt ist, eine befriedigende Lösung gefunden werden. Die Organisationen *müßten mit der Politik der Eigenbrödelei Schluß machen und eine Vereinig u n g z u r g e m e i n s a m e n Arbeit als das Gebot der Stunde erkennen. Gerade die Agudas Jisroel, der so oft der Vorwurf des „Separatismus" gemacht wurde, sei auf diesem Gebiete gegen j«de Absonderung, denn die Orthodoxie vertrete den Standpunkt, daß der Separatismus nur da bestehe, wo die Thora ihn verlangt, in Wirtschaftsfragen dagegen ein Zusammenarbeiten erforderlich ist. Was Palästina betrifft,' so sei die Agudas Jisroel mit der Jewish Agency einig in der A blehnung eines verstümmelten sog. „Judenstaates" an der Westküste. Vor allen; aber (Fortsetzung siehe Seite 2J Aus dem Inhalt: Die Agudas Jisroel zu den Teilungsplänen in Palästina........... . Seite 2 Die neue Schedule. — Entrüstung in Palästina. Seit« 2 Die Züricher Kultusgemeinde Schafft die Orgel ab..........Seite 2 Die Krönungsfeierlichkeiten und die Juden Seite 2 Britische Reichskonierenz und Judenirage. Von Jacob Rosettkeim......Seite 4 Vor der Entscheidung. Von Dr. Isaac Breuer Seite 6 Judenieindliche Bestrebungen in der belgischen Diamantenindustrie .......Seite 7 Die Madagaskar-Kommission bei dem französischen Kolonienminister . . . Seit« 8 Die englische Judenheit ehrt Jacob Rosenheim Seite 9 Der maronitische Patriarch in der Synagoge zu Beirut und beim Oberrabbiner von Aegypten........ . Seite 9 * Erez Israel............Seite 10 Literarische Warte ...... Seite 11 u. 12 * n. derfe st e. •Man nannte und niennt unsere drei historischen Feste, mit denen dem Auszug aus Aegypten, der Gesetzgebung auf dem Sinai und der Wüstenwanderung Denkmäler gesetzt sind, die W a n d e r- oder W a 1 Ifährtsfeste — weil zu diesen Festen fromme- Pilgerzüge sich auf allen; Straßen mit Sang und Klang gen Jerusalem bewegten. Unsere Feste sind zu W a n d e rfesten in anderem Sinne geworden. Wir feiern sie im Zeichen; einer-Judenwanderung, wie wir . sie — "wenn man vom Aufbruch zum ersten und zweiten Exiil absieht — in unserer Geschichte in döm Ausmaße kaum je erlebt haben. Aber;gerade das ^Wandertest- S c h w ii aus ist insöfern ein H e i"m% tf es t, als es uns zeigt, was durch alle Wande'rstationen uns den feisten Boden Sichert, Halt und Heim mitten in der ewit gen Bewegung bot. ,! Die Thora ist in der Wüste verkündet worden. Um, wie die Weisen bemerken, sie nicht an ein Land zu ketten, nicht in ein em Territorium zu verwurzeln., Wäre die g'ttliche Offene barungj ein flNfJ ftlSMV ein Bodengewächs Palästinas, sie hätte uns nicht bis an die Grenze des Landes als fahrende Heimat geleiten, nicht nach Verlust des Staates durch > alle Länder des Galuth begleiten können. Zwischen Wanderung ■ und Wanderung, zwischen Midbar und Galut liegt der nationale, an Grund und Boden gebundene Staat, der erste und der zweite Staat. Aber nur als Zwischenspiel; Und wenn wir heutefi^lÄ .iriK ftbtt' mitten in der Wanderimg neuen Wanderzielen entgegenziehen, so kann und darf sich keiner darauf berufen, daß er sich damit des Heimatrechtes der Thora begibt. Es obliegt uns, in allen Fällen den neuen Boden für die Wanderheimat der Lehre aufnahmefähig zu machen. Mit dürren Worten gesprochen: wir seien bei der Wahl der neuen Heimat immer darauf bedacht, daß unsere Seele und die Seele unserer Kinder nicht heimat- und wurzellos verdörrt, man wähle das Domizil da, wo Anschluß an Gemeinde und Gemeinschaft' igegeben, jüdische Erziehungsstätten und religiöse Institutionen vorhanden sind. Wildwest und Goldgrab ertum war nie ein jüdisches Wanderziel. Den babylonischen Talmud schenkten uns die ersten Goluswänderungen; die spanäsch-kastilische Philosophenr und Dichterschule, den Monumentalbau des rabbinischen Schrifttums deutscher und polnischer Observanz, die späteren Wanderungen. Wo ein jüdisches Zentrum lebt und blüht, egal an welchen Gestaden und in welchen Breitengraden, da ist eine j ü d i s c h e Heimat da. Es ist die heilige Lade des Bundes, die hier abgebrochen und dort aufgestellt wird und doch immer aufrecht s t e Jh, t. "Eine Wandergeschichte tut sich uns am Schwuaus mit dem Buche,.Ruth, auf, die Geschichte einer „hoffnungsfrohen Auswanderung", die in Weh ausklingt. und die Geschichte einer „traurigen Heimkehr", die zum A u sg a n g s - p u n k t d er jüdischen,Erlösung wird. Kann es ein Zufall sein, .daß uns die Tradition (Fortsetzung siehe Seite 3.)