Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1937-05-07 · Heft 18 (7.5.1937) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 18 (7.5.1937)
Date
1937-05-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2450961-2450978--82985-2540965
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 10 Nr. 18 ■äh- Der Israelit •*£L 7^.Mai'0.937 ' n _ 5 wie ein geistvoller" Kopf sich äußerte, das Adelsprä dik a t'der Menschheit und des Menschentums, ' 'aber sie ist dem Läufe der Zeit unterworfen, deren Wandel sie mitmachen muß und die ihr fortlaufend ihr Siegel aufgedrückt. Sie ist daher Veränderungen und Wandlungen unterworfen; einzelne. Wörter verschwinden aus dem Wortschatz, neue Wörter wer* den geprägt und in Gebrauch genommen. Anders unsere Sprache, die Sprache des von allen Kulturvölkern anerkannten heiligen Buches, der Bibel. Wohl ist durch den Regenerator des Judentums, Esra, den Sofer, die althebräische Schriftform und ihre Zeichen aus religionspolitischen Gründen abgeschafft und die noch heute für das Hebräische gebräuchliche assyrische Quadratschrift an ihre Stelle gesetzt worden. Die Sprache aber als solche ist die gleiche geblieben, die Sprache der Erzväter, die Sprache der Zehngebote, die Sprache eines Moses, Davids und seiner Gesänge. Es ist die gleiche, die wir noch heute in unseren Gebetbüchern, in der Vorlesung der Thora vernehmen und die nun auch in Tausenden von Mündern im heiligen Lande als tägliche Umgangssprache gebraucht wird. Ihre Bestandteile, ihre Regeln und Gesetze — es sind genau dieselben, wie sie schon seit viertausend Jahren gebraucht worden sind und noch gebraucht werden, ohne Wandlung, ohne Veränderung, weshalb ich auch den Ausdruck „Neuhebräisch" nicht anerkenne, und je mehr sich das Hebräisch der Neuzeit der klassi vschen Sprache des T'nach nähert und dessen Aus drucksweise gebraucht, desto leichter und schöner wird es sich sprechen und hören lassen, die alte Sprache der Juden, die Loschaun hakaudesch,' in Wirklichkeit- — .... - eine heilige Sprache! Die Mischnah als Lehrstoff im Religionsunterricht. Die f| y& -Lichter. Von Rabbiner Dr, Michalski in Karlsruhe. (Fortsetzung.) Der gelöschte und dadurch besser nachher brennende Docht ist das Produkt und die Wirkung der Tätigkeit des Löschens. Mag er selbst jetzt nur die Absicht -haben, den Docht zu sparen/4) dieser Zweck wird nachwirkend beim späteren sparsameren Brennen erreicht, es gleicht dem im Heiligtum bei der Arbeit der Schmiede benötigten Kohlenfeuer,11) das Produkt selbst ist der Zweck der Tätigkeit,15) der Löschende ist auch nach strafbar. In den anderen Fällen ist es nach diesem straffrei, denn der Zweck der Tätigkeit erstreckt sich nicht auf den gelöschten Gegenstand. Bei der Errichtung des Heiligtums hat man nicht, um zu sparen, gelöscht. Trotzdem ist es nach Ansicht der Gelehrten eine Tätigkeit, die strafbar ist, da sie nicht durch Lebensgefahr verursacht ist. Selbst nach den Ansichten, die wie entscheiden,10} ist doch-, die Befürchtung einer jeden Verminderung der Brenndauer so stark, daß sie die erwähnten Leuchter, die dies nicht verhindern, von der Benützung ausschEeßt. "i nasra Die Beobachtung dieser Vorschriften ist für die jüdische Frau eine Lebensfrage. n»w m*ny '3 by inib Jiy»a mna 17) „Für drei Uebertrettingen sterben Frauen in der Stunde ihrer Geburtswehen. un npVinai n^na n'm.n'nvn pw bv dafür, daß sie nicht die Ehevonschriften, die nVn- Absonderung und das Entzünden des Schabboslichtes beachten." Der Mutter Vorbild ist bestimmend für den Pflichtgehorsam der kommenden Generation; Eine Mutter, die im eigenen Leben die wenigen, ihr befohlenen Gesetzesvorschriffcen, die ihtfem häus-' liehen Walten entsprechen,! mißachtet, kann sie nicht der Zukunft anempfehlend Vererben. Die Stünde, die sie beginnen läßt, schlechtes Beispiel zu 'geben, läßt sie ihr Leben beschließen. Sie vermag nicht, die Gnadengeschenke G'ttesi so zu behandeln und so zu erhalten und zu verwalten, daß sie sie weiter zu geben berechtigt ist.' Der durch den Kreislauf des Blutes bedingte Pulsschlag de® Lebens ist an Vorschniften geknüpft, deren Beziehungen zu einander die gütliche Weisheit des Schöpfers kennt. osm vnntn dt »poy bv osa ->nm nt rwa"vn-apn *i»r.' G'tt sprach, XU Lug (etwa Liter) reines (flüssiges) Herzblut habe ich Euch gegeben, zur Behandlung des Blutes habe ich Euch Vorschriften gegeben. „Denn wie erhaben der Himmel über die Erde, so sind Meine Wege hoher als Eure Wege und Meine Gedanken als Eure Gedanken." Weil Meine Gedanken nicht Eure .Gedanken, sind auch Meine Weige nicht Eure Wege, lautet G'ttes Ausspruch.18) Dieser Satz i*) p-yi 'oin vgl. auch naV» nasV» z/ St. 15j s^i uns jww kwp 'anpn 'm Kp"T «ai ihk :«."b t\nv ">v DnB JVtfMP ^B» ">ZT\p- lo) oimtn 'Böin 'ijn rrm ">o '*nn im Gegensatz zu jri niiiuia». 17) Nach n*i ist ]mb zu vpkalisieren, vgl. I. B. M. 38, 28. nnnw nasVn- 18) 'n ntsio :vb mv ">v 19) < Jes. . 55, 8. gilt' auch| von den Ehevorschriften, von den Rein he-itevorsjtfhrif ten der jüdischen Frau.20) Irdisch,- vergänglich ist der Körper des Menschen in dem die g'ttliche Seele zu Gast weilt. Wandelbar und veränderlich ist der Stoff, die Materie des Irdischen. Krankheit und Schmerz bringt der Wandel mit sich,; besonders beim Körper der Frau. Doch edelste Schöpfung hat er zur Wirkung. Soll ein Wesen .gezeugt werden können vom - andern, so muß das erzeugende verändern sich können und auch da© Werdende muß wandelbar sein. So erklärt Ma&monides im, Führer der Verirrten die Wandelbarkeit des Körpers. Es schließt gerade 'die Vergänglichkeit die Kette der Geschlechter, sie führt sie zur Dauer zur Ewigkeit. Der Körper der Frau, macht die Wandlung durch, läßt sie zur „Chawah", zur leben spendenden Mutter alles Lebenden werden. Dieser Gedanke sei stete Mahnung an heilige Bestimmung und Aufgabe der jüdischen Ehe! Mit der Wandlung der Vergänglichkeit ist das Weben an der Ewigkeit verknüpft, ist physiologisch mit ,ihm verbunden. „Das Blut ist Träger des Lebens und der Seele." Blut läßt den Träger des Lebens und der Seele sie schaffen, wenn der Wandlungsprozeß zum Ziele geführt hat. Ein übermächtiger, von G'tt gefügter Zwang der Natur ists, dem sie erliegt, er scheint im Gegensatz zu stehen zum freien Willen des Men sehen. Wie kann das Streben nach Reinheit den Trieb der Natur bezwingen, wenn der Wille erliegt jener Macht, die alle Wesen bindet?! Die Tage, in denen das von G'tt bestimmte Naturgesetz den Frauenkörper bezwingt, den Reinheitswillen yer drängt, sind gezählt. Sie sind die Vorbereitungszeit , der Reinheit des Willems und der Schöpfung des Lebens. In ihnen ist alles, was Reinheit und dem Leben dient, verfrüht, verboten. Es entwurzelt die Seele. Jede Berührung wird peinlichst gemieden, es könnte die Sittlichkeit dem Naturzwang erliegen, es könnte in den Tagen des Natufzwanges, der im Bewußtsein und vor allem unberechenbar im unkontrollierten Unterbewußtsein die Reinheit des Willens trübt und Unreinheit weckt,21) die Sinnlichkeit triumphieren. Die darauf folgenden Tage, in denen das ReLhiheitsbewußtsein des freien Willens ans der geschwächten .Natur zu neuer Kraft und Klarheit sich durchringt, sind nicht gezählt, sie werden vom freien Willen mit klarem Bewußtsein als Triumph der Willensfreiheit, als Tage der Reinheit 'gezählt. Die Prüfung de® Reinheitszustandes, der Vorbeidingung der Erhaltung des jüdischen Volkes, bezeichnet Hille! in der ersten Mischnah mit dem bedeutsamen Ausdruck „Bedenken" nTpia. Sprachlich vielleicht verwandt mit „Gewand" *U3r bezeichnet das wieder erwachte Bewußtsein des besseren Selbst, das Denken an die höhere Bestimmung und Aufgabe,. da» das Körperliche-wie ein Gewand umhüllen soll. Das soll de® Zeltes und der Ehegatten Wohnung Inhalt sein, wie Hiob (V, 24) es mit dem -gleichen Worte andeutet, da er Eläpha» sprechen läßt: „Und wissen wirst du, daß Frieden weilt in Deinem. Zelt, „bedenken" wirst Du Deine Stätte und sündigst nicht." Wesentlichste Vorschriften sind es,212) die .das Körperlichste mit nachwirkender Geistesähnung bekleiden. Die Absonderung des Fernbleibens und der Zurückhaltung wird zur Krone und Krönung der Selbstbeherrschung. „Lehret Israels Söhne die Krone der Zurückhaltung von ihrer "Unreinheit, daß sie nicht durch ihre Unreinheit ist er-, ben, indem sie iMeine Wohnung verunreinigen, die in ihrer Mitte ist,23) so läutet die ig'ttläche .Unterschrift unter '«die Vorschriften dies reinigenden Abschlusses körperlicher Ab weich ungszu&tändei. Jeder einzelne im Volke Israel steht auch in seinen schwächsten Stunden vor der- Aufgäbe, sich als Umgebung und Umkreis des Heiligtums zu fühlen und sich dessen würdig zu zeigen. „In ihrer Mitte", in der Mitte irdischer, veiigäniglicher Menschen, mit allen durch die Ver.gättgUcPf,e±t und Wandlung bedingten Schwächen ließ G'tt Seiner Wohnung, Seinem! Weilen, den . Platz! erwählen, -jä^iese von : G'tt : gekannten und gefügten Schwächen';jdes von G'tt bestimmten Naturgesetzes soll das Gesetz der Offenbarung das Seiner Wohnung Inhalt bildet, vom unfreien Zwang zur reinen ^.Erei* heit .zeitlich begrenzten, und gezählten sittlichen Wollens. führen, „Damit sie nicht durch ihre Unreittkeit sterben," sondern nach Abschluß der Unreinheit Träger reinen Lebens werden, sollen sie in vollendeter Reinheit ihren Lebensbemf. erfüllen. Vorzeitig und verfrüht erstrebt, wird 'die Stunde der Lebens- &pende 2ur Stunde des Todes. Verunreinigung raubt Lebenszweck und •Lebenisbexechtagung. „Da ging ich an dir vorüber und sah dich ersterbend in deinem Blute, und ach sprach zu dir, in? deinem Blüte; lebe auf, da sprach ich zu dir, in deinem Blute lebe auf,"24) so verheißt es der g'tt- 20) Diese Ausführung über ml will dem jüdischen Lehrer behilflich sein, im persönlichen Lehrgespräch mit Erwachsenen für die Beobachtung die-, ser Vorschrift einzutreten. 21J Die Unterlaigen des ruhenden, liegenden., Körpers — a»i»i aasm mrm — nicht die Objekte der tätigen Bewegung— swai »an nsaio •—werden erfaßt. --} Sprüche der Väter III, 23. 23}' III. B. M. 15, 31. : - 24) Jecheskel" 16, 6. ' } liehe Ordnungsruf,. idesse^ 'Befolgunig das> Lebejh! ge= "währt. "-■;f '■ ' " ' .i; Menschliche Wanidlun^des Körpers weckt!; Reinheitstrübung der Seiekf ^^{^waikg,'' idtem' der.^^per; erliegt, gefährdet durch; bewußte und tmbi^nßte Uebertragung auf idie Seele deren sittliche Willensfreiheit. Nach dem Reinigungsbad des Körpers folgt er-st das Reiinigungsbad der Seele, das sie befreit von dem Zwang des Menschenkörpers, der-an fälschlicher Angleichumg unter Verkennung des Unterschiedes von Körper und Seele auch sie in Fesseln schlagen könnte. Diesem Rednigungsbad der Seele bleibt fern alles, was auch nur :im entferntesten an Mens^cheiikraft und Menschenschwäche eirinnesrn könnte. Der bewußte Gegensatz hierzu allein vermag Reinheitsgedanken zu wecken. Nicht. Leitungswasser, das über von Menschenkraft, gebaute Schlammbecken geleitet wird, nicht von Menschenhand geschöpftes Wasser darf es sein, nicht in einer Wanne, nicht in einem Gefäß darf es sein, keine 'gefäßartige Vertiefung darf iin den Röhnen sein, nicht darf ies „von Menschenhand erfaßt sein," nicht darf es veirmittelt sein durch Stoffe, die für symbolische Unreinheit irdischer Zwecke empfänglich sind. Das Naturelement des Regen- oder Quellwassers in fester Verbindung mit dem Naturelement des Erdbodens lenkt .die Gedanken auf .den Spender dessen, das frei bleibt von de<r Beeinflussung des menschlichen Körpers, auf daß auch die Seele, der sittliche Wille sich hiervon befreie. Ein Heiligungsmittel ist es ihr, wie es der dabei gesprochene Segensspruoh zum Ausdruck bringt. „Der Mensch ist frei und wäf er in.,Ketten 'geborien." Dieses Dächterwort findet seine Ergänzung in dem zweiten: „Gehorsam fühlt ich mich am schönsten frei."23) Auf sich selbst zieht sich der Körper in den Tagen der Schwäche zurück. Das Gesetz der Natur wird ergänzt und vertieft 'durch das Gesetz der Offenbarung. Ehevorschriften umgrenzen Tdie Würde und Weihe der Ehe, bis nach umfassender, gründlicher Prüfung einwandfrei erwiesen, daß die Schwäche des Körpers und der Seele gewichen und geschwunden ist. Untertauchend in dem alles Unreine abspülenden Naturelement kehrt als neues Wesen der Zustand g'ttgeschaffener Reinheit wieder. Gedanken sind dies, die das Körperliche mit geistigem Inhalt erfüllen wollen. Unabhängig jedoch" von allen Erwägungen heischt das G'ttesgebot unbedingten Gehorsam. Verhüllt doch der fremde Haarschmuck der jüdischen Frau bescheiden und keusch den Sitz der Gedanken. Pflichtgehorsam und G'ttestreue vererbein sich in kaum zu ahnender Weise auf die kommende Generation und bedingen Tod oder Leben des jüdischen Volkes. (Fortsetzung fdlgt.) „JüdiscH-pädagogischer Arbeitskreis," Wiie in der jüdischen Lehrerwelt allgemein bekannt sein dürfte, haben sich die jüdischen-Lehrer der Reichshauptstadt, soweit sie auf dem Boden des gesetzestreuen Judentums stehen, im „Verein gesetzestreuer -E-ehrer" Äusammenigeschlosseii, um im Sinne des Thoirajuidentuimsi in . gemeinsamer- Arbeit für die jüd^che Schule und die t jüdische Jugend zu arbeiten. /Innerhalb 'dieses gesetzestreuen . Lehreryereins ist s>ejit einiger: Zeit ein „Jüdisch-pädagogischer Arbeitskreis" entstanden. Es sind die Junglehrer, die sich da zusammengetan, tun, wie wir einem Briefe des Vorsitzenden des „Arbeitskreis", Herrn. ^Wilhelm Stern, zu entnehmen Gelegenheit haben, , „in! der Pädagogik unserer Schule eigene, jüdische Wegezu beschreiten." Es ist junges,- sprießendes "rLeben, das da zu keimen und blühen . sich anschickt., Der „Jüj disch-pädagb/gisiche Arbeitskreis" ,; gibt bereits ein. Rundschreiben heraus, das' nach Bedarf erscheint; an welchem jüngere und ältere Pädagogen, Lehrer und Rabbiner ^mitarbeiten. W^ir, &e<gr£u3e^ Kollegen und Kolleginnen und wünschen ihrem idealen Streben fortsdi^teadjen ' '"Erfolg.. . ^fir; v]bjeigfuJSen es vor allem, daß sie sich mit Gleicbgesiiinteni denen das Wort und. der Geist urisrer heiligen Thora in ihrer ewigen VerbiindUchkeitdie granitene Basis ihres. Denkens und Rollen®, äjsti zusarririiengefuniden haben. D"j?nn^. nsio n->nv. hvb sw b? ■ ■. •. %' Ehemalige Kölner! Wir sprechen im Namen aller „Ehemaiigen Kölner" unserem Freunde und Kollegen Jakob A pt in Hannover zu dem schweren Leid, das^ihn durch dejj Heimgang seiner Lebensgefährtin getroffen,:;; unsre herzlichste «Teilnahme aus und rufen ihm das alte jüdische Trosteswort zu: "^tiw ]v& ^as i8V7 iina im« oni' 'v»<r . Im Namen der „Ehemaligen Kölner": G u t, Köln K a u f m a n n , Sprendlingen. Mitteiiuhgen; die Pädagogische Beilage „Erziehung und Lehre" betreffend, sind an Lehrer L. Kaufmann in Sprendlingen, Kr. Offenbaoh,; zu richten. 23) min «>r .mnn »ipn bx

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.