Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 18 (7.5.1937)
- Date
- 1937-05-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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KSK ICSI iP|o|o|| o—5"ftogo||o|[ Erziehung und Lehre v Pädagogische Beilage zum „Israelit" Organ des Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands IMIf^- H II HM— ■MKM10& —4 Hoäo lötl o-^ö t olioioil i— —IIIHIIräniM]^ —IIIHI Eine Droscho für Schewuaus. Von Hauptlehrer Nathan Adler da. Nürnberg . Finsteres Gewölk© schob sich wie «in undiirchdringlicher Vorhang vor ~ idae aufgehende Sonne •des 6. Siwan. Blendendes Feuer tauchte den Sinai, tun dessen Fuß Israel eines Sd311ii.es sich gelagert hatte, in helle Glut und. raubte den Menschen, die Luft zum Atmen. Die Welt wankte dri ihren Grundfesten; die hochragenden Gipfel der Berge (stürzten in sich .zusammen; Meeresf Inten und Stromes wogen erbrausten; Sonne, Mond und Gestirne hielten ihren rollenden Tanz/an/,- aus .den Urtiefen 'erschollen bange Stimmen. Sollte in einer neuen Wasserflut das Leben der blühenden Erde ertrinken? Sollte das lohende Feuer «die Welt in Staub und' Asche verwandeln? Nein! -=«-. G'ttes Majestät berührte das Antlitz der Erde, um «leanem Gesetze eine ^vergängliche- Stätte auf ihr zu bereiten. (76,9 a^nn) rmpm run» p« »»•» nvnvn o»as»a Es war der Akdomus zur Gesetzgebung. „Als G'tt das Recht 'der Tauro vom Himmel hören ließ, fürchtete sich die Erde und — sie ward auch wieder ruhig." (75,4 o-^nn) .rr?o '->T»y »mmi »aa«'»spi» Vai pa n»j*a v „Die Erde zitterte und alle, die auf ihr wohnen; ich aber hielt ihre Säulen fest, Sela," nih» ps in nyaffn o»apa :'aviin »ab rppTri las :rra tpna»»nna :ntn» rfr'riria i6s?ntn» nrb ntspp öki?nt>j?p.na^ ntn» dk?nuj?»i avoi '«a •■pipb s?n ibkt -vpb E»»-na?nm» na^i -nups» *)ioai>i Dsn'opn run}«» nnVn naV rn»n» 'n?wH ov *)f>a TPia-wn»! Dxi pa^pna on« minrt ö'Vap«ft Vs'i»» o« $nrtf> "i»8V iwwirß nwy.n —inav imn^ nans TTria'3K isV Von Nord und West, von Süd und Ost kommend, war der Herr der Heerscharen mit seinen Myriaden am Sinai seiner letzten Hoffnung, Israel, erschienen, um sein Wort zu künden dem tausendsten Gq- 3ohWcht, iv» efrah ms"«w». Warum fürchtete da der Erdboden für sich? Warum stöhnten die Gruadfeisten der Erde? — Unter einer Bedingung hatte der Schöpfer seiner Schöpfung den Bestand versprochen: Wenn Israel dereinst dies Tauro empfängt, wenn Israel, seinen Geäst mit den 613 g'ttiMcihen Vorschriften vermählt, dlatm sollt© das Schöpfüngsweirk von Himmel und Erde fest gegründet bleiben; wenn aber Israel das G'.ttesgesetz nicht annehmen würde, dann würde der wunderbare Weltenbau in ein finsteres Tohuwabohu zurücksinken. Das liegt in"' dem He des ">W7i Dl» angedeutet, in dem He, das in den vorangehenden fünf Schöpfungstagen n i c h t zu finden ist, meint Resch Lalcisrah. Nun konnte es auch weiterhin Abend und Monge«, werden, weil der 6. Tag wirklich kam, der für /die Menschheit ewig denk» würdige sechste Siwan. Chiskija fragt; Es ist rätselhaft, daß sich die Erde in einem Atemzug fürchten und — beruhigen konnte, als G'tt sein Gesetz auf Sinais Höhen offenbarte, Fürchtete sie sich— dann konnte sie nicht ruhig sein; war sie aber ruhig, dann braucht© sie sich nicht zu fürchten. Er antwortet: Anfang® war die Erde von der tiefen, inneren. Furcht erfüllt, wie sie ja in Erscheinung trat. Die Erde wußte, daß xsrael .die reine G ' 11 e s 1 eh r e annehmen wird. Israels Glaubensbekenntnis ms 'n Mipbs 'n l-?*n»» »»» war nach dem wunderbaren Auszug aus «fem Lande Aegypten, wo sich sein G!tt als Herr über allen Herren erwiesen hatte, unumstößlich gesichert. Dieser ylaubensgrundsatz war ja von Jakobs Sterbebett her lebendige Tradition in der ägyptischen Golusnacht gewesen. Ueber minn iiVap, durch Israel bangte die Erde nicht. Die Frage war aber, "ob Israel djie Krone car 613 g'ttfiehen Vorschriften annehmen werdei um sie .durch alle Zeiten' hindurch sichtbar auf seinem Haupte zu tragen. Eine solche Krone der Religion konnte ' auch drückend schwer, empfunden wenden, piesier Gedanke von niseri o'vp versetzte die Erde m die heftigste Bewegung, so dlaß' sie An ihren Grundfesten wankte. Drohend wölbten sich die Bergwände De* Sinai über. d!as Volk der letzten G'tte®hoffn.ung und wollten sich .zur Gruft gestalten, wenn ein, Nein sich .aus dem Munde der Kinder Abrahams, Jiczchaks und Jakob© entringen sollte. ovn tat ib»8 So j»awi nü»M ViedtausendtetimimAj pflanzte sich dieser 'eine, dießer einzig M^Ui^^\Rid'''äW'L^.^^dtweh die!.Heer-. scharen: I^aelkfo innen: „Ihr habt gut ges^acheh." Und die Stimme der Liebe und des Erbarmens redete weiter: „Wer bat meine Kinder die Sprache der Engel gelehrt? — Ach, wäre ihr Herz ewig, ewig so ganz, so ungeteilt meinem Worte für ihr Glück geöffnet!" Unzählbare Scharen von Seraphim und Erelim eilten jetzt herbei und krönten jedes jüdische Haupt mit zwei Kronen für das Bekenntnd© zur religiösen Tat und zum g'ttlichen Wort, für nwstt und. Wenn man diese große, einzigartige Weltstunde in ein Gleichnis fass sen wollte, spricht der Midrasch, könnte man sagen: Einst lud iein König sein Volk zum Festmahl ein. Goldene Tische und goldene Stühle wurden auf einem weit sich ausdehnenden Anger aufgestellt. Den Höhepunkt erreichte das Fest, als der majestätische König mit iS'einem Hofstaat inmitten der Versammlung erschien. An einem Tische nahm auch er Platz. Damit man 'ihn als König sofort an seinem Tische erkennen konnte, sandte er einen Diener in seinen Palast) def aus der Schatzkammer zwei schon geschliffene Kristaübecher holen und 'sie als Tafelschmuck auf den Tisch setzen sollte. Als der Diener mit den kostbaren Bechern eilend® die Treppe herunterging; sah er nicht, daß an der untersten Stufe ein Kalb kauerte. Er stolperte über das Tier, fiel zu Boden und eines der kostbaren Gefäße zerbrach. Niedergeschmettert im Gefühl seiner Unbedachtsamkeit wa;gte der Diener nicht vor das Angesicht des Königs zu , treten. Als die Majestät den Grund des langeri Ausbleibens seines Dieners erfahren hatte, sprach er: Man stelle den einen Becher auf meine Tafel und jeder im. Volke wird wissen, daß ich der Herrscher bin. So ging es G'tt mit Israel. Das Versprechen, alle« tun zni wollen, wsas .die Tauro .gebietet, da® i-j»stt> ging oft in die Brüche, Was blieb, das war das JOW das Vkw-. JW- Das Verstehen, verstehendes Lernen bleibt Ser Zukunftsanker jüdischen' Volkstums und jüdischen Priestertums. Darum „lernen" wir am Schowuaus-Abend. Die Erde fürchtete für ihre Zukunft, da es sich erst erweisen mußte, ob Israel 'die Moizwaus «anfüllen wirdi SitfV ist eine Furcht vor der1 'Zukunft, wie ins eine Furcht vor dem Augenblick, o,»B'. miaa 131 »ni»i bedeutet daher, die Ehrfurcht vor deinem Lehrer möge wie die Furcht vor deiner himmlischen Seligkeit dein ganzes künftiges Tun so beherrschen, daß du .stet© daran denkst, der üfoerra>g'enden Persönlichkeit deines Lehrers dich würdig zu erweisen. Dieser, das ganze Leben eines Menschen umspannende Automitätsiglaube an einen Lehrer hat allerdings den Goethe'schen Satz zur Voraussetzung: „Gar leicht gehorcht man einem edlen Herrn,, der überzeugt/ indem er gebietet." Wie konnte sich .die Erde beruhigen, fragt Chiskija. Lehrt uns doch ''die Geschichte Israels oft genug,. wie .unser Volk in törichter Verblendung vor dem Glänze der Kultur seinen Schmuck vom Choreb ablegte! ' Der Talmud untersucht mit psychologischer Feinheit die Frage, ob es mehr ist, wenn' einer etwas vollbringt, obwohl es ihm. nicht befohlen ist, 1i»8 nmyi r-iilSö oder wenn jemand dasselbe tut, uneil es' ihm. b ef oh.1 en is t, miyi niisa- Der Talmud entscheidet: *|»W n»iyi nns» wenn jemand das , tut, wozu er verp flicht et ist, so ist es mehr, •als wenn jemand das Gleiche freiwillig tutweil in dem verpflichteten Menschen der *ns» sieh'regt und ihm miBüstert: Mensch, du besitzest doch deine Willensfreiheit. Schüttle das Joch der religiösen Pflicht von .dir ab! Iß und trink, was dir wohlschmeckt! Arbeite, wann du willst! Wozu fastest du? Würde Israel außer zur theoretischen nilM fiVaj? auch zu B*'i n3P nVaj? überhaupt zu niSOM Dl»j? sich bereit finden lassen, wird es das Joch der 613 Gebote und Verbote auf sich nehmen, Speise- und Rein* heits.gesetze, jüdisches soziales Recht, Zizis, Tefiliih, Mesuso, Sucko, Schaufor, Mazzo usw. beobachten bis iri seine fernste Zukunft? — Darum fürchtete die Erde mit; vollem (Recht. Wie kotinte sie aber dann sofort zu dhirer unerschütterlichen Ruhe zurückkehren? Die Erde •fand ihre majestätische, gesetzmäßige Harmonie wieider, als Israel »»»11* J"J»W ein« müti'g liet, den Entsohluß aussprach, die Tauro aus freier, innerer Ueberz eu;gun>g zu empfangen und" zu erfüllen. In .diesem Moment schwand der böse Trieb aus ihren Herzen. Mit diesen!;'Kttfii&dttea'6^^'''itUe den''To^'-'tai4: da® Leid überwunden.:;Ünd wenni dar Tod von Adaans Zeiten, her als unaDänderMcnes' Ende der Irdsschen ndcfrt^festgesetzt gewesen wäre, wahrlich, der Tod wäre vom. G'ttesvolk aus der Welt verbannt worden. Wenn nun der Jezer hora durch MWi nvsi aus den Herzen entfernt war, konnte er das Gute nicht mehr '"rpaa zunichte machen: So verstehen wir .erst recht die Antwort Ghiskijas: rmpv tjnoaVrnKi' nb'nna Dreimal steht in ~\~3T] nach der Zusammenstellung des tzi'Hün Sya das Wort: Erstens hier: zweitens: «nipri iKiaa i!>ij? sowv drittens: aana »awi (l, 20 -mos) s»n na*i »s inw^o ^aa "]bisr\ - Israel hat die 613 Verpachtungen vom Sinai mit dem 1*01? "[Jini 1^35" wns übernommen, es hat aber auch die sieben wanmja/ die D'K»a3n 'anao zu erfüllen, die Anordnungen der Weisen, „die ins Heiligtum eindrangen und ihre Stimme hören ließen," dann kann es ruhigen Gemütes dem „Beschlu§ seines Königs" entgegenharren. Hören und verstehen! Dies muß Israels Losung bleiben, vnv nan 3lt5 nata- So rundet sich .die „Krone Israels., die ma rinn« ins 613" + 7, 620, Daese Summe aus dem Zahlenwert von ">M ist gleich dem Wert der Buchstaben aus dem Worte nnon avn »3sV- "irß/ °20, beträgt auch zusammen idie Anzahl der Buchstaben der zehn Gebote. Das will sagen, wenn wir diese Gebote G'ttes lernen und üben, wird unsere Seele frei und rein und «gekrönt;. Mit der Erfüllung des Gesetze« weben wir uns das Lichtgewand unserer reinen Neschomo, wählen wir uns den Hochsitz in der Reihe der Zadikini, «die des Abglanzes «der g'ttlichen Schechina gewürdigt werden, Lesen wir die Stelle in rrs na» zu> Ende! ns) oip-psi rv?an »asVa sian oniwi n»a ni» bvnv ixrns» )i»ai (n~b n»y«2»») *iBRj{sni>»n»inn> mpnTnjn i&pttni na«!. ■ (iD»nnan DViyaw nria«? »owi V» bV\j? twm\ nma p^s isai paim 'n »»naii i owsn Ueber die Paitanim mit besonderer Berücksichtigung Elasar Hakalirs, Von J. Popper, Lehrer in Witzenhausen. (Schluß.) "; '."i Wenn auch eine Uebersetzung schwerlich die Reize und Schönheiten des Originals wiedergeben kann, so «sei dennoch zum Schluß eine Probe von Kalirs Dichtkunst aus der Mussaf-Keduscha des ersten und zweiten Tages von Rauschhaschana, die zwar nur den Namen Elasar ohne weiteren Zusatz als Verfasser trägt, aber der großartigen Diktion nach Kalir zugeschrieben werden darf, in der trefflichen Uebersetzung von Sachs hier mitgeteilt, betitelt: Das Weltgericht. Dein Ruhm, Deiner Allmacht Preis erfüllt die Weiten der Erde. Es erschallt vom Himmel Gericht, da banget sehwei* gend die Erde. Es-stürmt heran der Tag des Zorns; es dröhnen die Tiefen der Erde. Der Posaunen gewaltiger Hall ergehet und mahnet die Erde. ,JJeil dem Frommen" ertönt's im Jubel vom Ende der Erde. Schauer und Schrecken und Grauen und Angst verwirren die Erde. Stehst DU auf zum Gericht, zu strafen die Grenzen der Erde. ,3ahhet, ebnet den Weg!" ruft's zitternd empor von der zitternden Erde. Herrlicher, Mächtiger, Du antwortest mit mildem Ton der Erde: Warum banget das Land, p jauchzet, Tiefen der Erde! — Mögen sie's sehen, erkennen, daß E R König ist der Erde, Wie sie im Himmel ihn preisen, so loben ihn die Getreuen der Erde! Man ersieht aus diesem kleinen Beispiel die G'ttbegnadetheit des Dichters. Und noch Eines muß dem denkenden Juden bei der Besprechung .dieser . Jahrhunderte alten jüdisehen Dichtungen auffallen! die Sprache mit ihren Gesetzen, Regelä lind ihrer Modulationsfähigkeit ist,