Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 18 (7.5.1937)
- Date
- 1937-05-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 18 Der Israelit 7* IMai 1937 Die Thora uns und den kommenden Geschlechtern zu erhalten, ist die unabweisbare Pflicht eines jeden Juden! Kannst Du nicht selbst durch „Lernen und Lehren" diese Pflicht erfüllen, so verhelfe wenigstens anderen dazu. Stütze und fördere den KEREN HATORAH! Keren Hcitorcih, Hamburg, He inriehBarthstraße21,Postscheckkonto: Hamburg 24753 d Das persönliche Venhalten Grünbauins auf dein Schiff© hätte uns weniger interessiert, stellte es sich nicht als Vorspiel für den Zwischenakt auf der Jeru- «salemer A. C.'Süzun^ heraus, Und das Traurigste dabei: Das Präsidium „stellt fest'1, und der Zwischenfall ist „erledigt". Und Rabbi Fishman, und Rabbi Brod,, und Rabbi Berlin, und -der ganze Misrachi? Werden wir wieder das schon bekannte Schauspiel erleben, daß einer der Herren bei Sonnenaufgang sein« Demission anmeldet, um diese von Soiimenuntergang nach gütlichem Zureden der Leitung zurückzunehmen? Was Grünbaum auf dem schwanken Schiffsboden an religiöser Anschauung von sich gibt, wird von seinen Kollegen in Jerusalem sanktioniert. Schöne Seelen treffen sich — zu Laad und zu Wasser ... Die Judenmission, die es> immer wundervoll verstand, im Trüben zu fischen, erlebt in manchen Ländern, wo die Taufe ihre Zugkraft und ihren Wert als Flucht du eine neue Welt verloren hat, schlechte Zeiten. In Polen herrscht aber unter den Jüdischen Millionenmassen so fürchterliche wirtschaftliche Not, daß die Herren glauben 'dürfen, sich dort mittels des Brotkorbes eine gewisse Kompensation verschaffen zu können. So waren dieser Tage in Warschau achtzig jüdische Kinder aus den ärmsten Schichten in die Netze der Missionäre geraten. Es fiel auf, daß diese .Kinder sich in den Abendstunden regelmäßig aus dem Elternhause entfernten, und man fand sie nach langem Suchen vollzählig in einem Missionshaus, wo sie verpflegt wurden und die Vorbereitung für die Taufe erhielten. Daß der polnische Staat diesen Seelenfang nicht billigt, muß nicht erst gesagt werden, und so dürften die vom Rabbinat getroffenen Maßnahmen, die jungen Seelen dem Judentum zu erhalten, den gewünschten Erfolg bringen. Bei der Gelegenheit sei noch einmal auf ähnliche Vorgänge, freilich schon chronischer Natur, in Jerusalem hingewiesen. Dort kann aber den Machenschaften der Mission nur durch ein einziges Mittel entgegengearbeitet werden: durch Ausbreitung des jüdischen Schulnetzes im Geiste des thoratreuen Judentums. Noch gibt es in Italien keine Jud en frage, aber jüdische Fr ag e n beschäftigen seit einiger Zeit, wie schon berichtet, die große italienische Presse sehr lebhaft. Im' Vorkriegs-Italien, das kaum soviel Juden zählte wie eine deutsche Großgemeinde, wäre* eine ^Diskussion um Juden nicht denkbar gewesen. Mit den nach dem Kriege an Italien zugefailenen früheren österreichischen Gebieten vergrößerte sich die Zahl der Juden Italiens wesentlich. Nimmt man heute Tripolitanien hinzu und jetzt auch noch die Juden und Falaschas in Abessini en, so kommt man schon auf 'die ansehnliche Zahl von annähernd 200.000 Juden. Da lohnt es sich schon wohl, ein wenig über den. Judenpunkt zu diskutieren. < Die in Florenz erscheinende jüdische Zeitschrift „Israel" protestiert — unseres Wissens der eiste Protei von italienisch-jüdischer Seite — gegen die Angriffe und die Behauptungen, daß ein Judesein außerhalb der Synagoge sich mit der italienische.n Staatstreue nicht vertrage. Die Ausführungen des zionistischen Blattes richten sich in der Hauptsache gegen die (bei uns besprochene) Schrift von Prof. Paolo G r a n o und die Behauptung, der Zionismus sei antiitalienisch eingestellt. Damit berührt .die Zeitschrift den (empfindlichsten Punkt 'der ganzen Angelegenheit. Unverkennbar spielen gewisse Verstimmungen zwischen Italien und England, die von der MittelmeerpoMtik der beiden Völker herrühren, bei der Haltung der italienischen Press« gegenüber den Juden mit eine Rolle. Der Zionismus ist für die Italiener eine britische Angelegenheit, Zionismus ist aber für die in jüdischen Dingen völlig unkundigen talienischen Presseführer Judentum schlechthin. Es ist ein .doppelter Irrtum, aber für eine völlige Aufklärung der Italiener in all diesen Punkten fehlt leider im jüdischen Italien noch das geeignete Organ. Auch die Französische Sozialpartei, die, auf dem rieohtesten Flügel stehend, schon wiederholt dem französischen Ministerpräsidenten sein Judentum vorgeworfen hat, nimmt nun durch, den Mund ihres Führers, Oberst de la Rocque, Stellung zur Judenfrage. Er verwahrt sich dagegen, als antisemitisch angesehen . zu werden, wenn er auch zugestehen müsse, daß er und seine Partei eine „Einwanderung von Parasiten", (worunter er Juden aus anderen Ländern versteht)), «mit aller Kraft bekämpfen. Nicht er schaffe den Antisemitismus, sondern Leon Blum, der mit der Annahme des hohen Amtes' erst die judenf eindlicheo. Kräfte auslöste. De la Rocque beschränkt aber seinen Kampf ' keineswess auf die Eingewanderten, er wolle den gleichen erbitterten Kampf gegen diejenigen Juden in Frankreich führen, die zwar französische Bürger sind, sich aber nicht vollständig der französischen nationalen Gemeinschaft angeschlossen hätten. Im übrigen aber respektiere, seine Partei alle Bekenntnisse und ziele auf eine-Rassentrennung schon aus dem Grunde nicht hin, weil das französische Volk selbst eine Rasenmischung, darstelle. Assimilation olne Vorbehalt u n d o hne B edin gung , , Assimilation an alle Sitten, Gefühle und Gedanken der Franzosen wünscht der Führer der Französischen Sozialpartei, Nicht der Paß, sondern die Gesinnung mache, es! Merkwürdig bleibt nur, daß auch Herrn Blum die Tatsache, daß er sich der französischen nationalen Gemeinschaft nicht nur angeschlossen hat, sondern diese an höchster Stelle vertritt und repräsentiert, vor den Angriffen der Partei de® Monsieur de la Rocque nicht schützt. Britische Reichskonferenz, Empire- Settlement-Bewegung und Judenfrage. Von Jacob Rosenheim in London.*] IL Das erste Wort gebührt bei der Abwägung jüdisch-politischer Entscheidungen, genau wie in jeder Lebensfrage des Einzelnen, der Thora. Diese aber läßt keine Zweifel darüber zu, daß — unter gewissen, heute als gegeben zu betrachtenden Vorauss et z u n g e n — dem Juden das Heilige Land das höchste Ziel seiner Wanderungs- und Siedlungsbestrebungen ist und bleibt. Nirgends in der Welt ist es eine Mizwoh, also eine unmittelbare Realisierung g'iilickeü Wollens, z u w ö hn e n und zu p r o d u k ti vieren .— außer auf dem heiligen Boden Erez Jisraels. *) Wir verweisen auf die hochhedeutsamen Ausführungen im Leitartikel der ,;Nr. 17, die hier ihre Fortsetzung finden. D. Red. Es kann also gewiß keine Rede davon sein, daß der entschlossene Wille des jüdischen Volkes, den ihm in geheimnisvollen geschichtlichen Entwicklungen zugereiften Rechtsanspruch auf ein nationales Heim in Palästina festzuhalten irgendwie durch andere nationale Aufgaben geschwächt werden dürfte. Was Erez Jisroel der Seele des jüdischen Volkes bedeutet, kann durch keine noch so dichte jüdische Siedlung in Kanada öder Australien ersetzt werden, und dieses seelische Band., das aus unergründlichen metaphysischen Tiefen seine Stärke und Unzerreißbarkeit schöpft, wird durch das klare Wort des G'fiesgesdtzes unzweideutig auch dem halachischen Denken gegenüber legitimiert. Abgesehen von dieser überhaupt nicht vergleichbaren Vorzugsstellung Erez Jisroels in der Wertskala erstrebenswerter jüdischer Siedlungs-!>''Mlf > Um Israels Erlösung. Aus einer Botschaft des Gaon «Rabbi Elchoron W a s si ^ermann, iBaranowici (Polen-)!, I. '«1 rmtn riT»n m ad? ians nnsi „Und nun schreibt euch dieses Lied; lerne es Israels Söhne, lege es in ihren Mund, auf daß dieses Lied Zeuge sei für die Söhne Israels". Diese Worte beziehen sich nach Raechi «uf das unsn »Lied. In diesem Liede sind' alle , Schicksale und Schickungen Israels, all seine Erlebnisse seit seinem Volkwerden bis ans Ende der Tage enthalten. Und so ist auch die Zeit vor Ankunft des M o s c h i a c h darin angekündigt. Wie auch Rasehi zur Stelle bemerkt; „Bis dahin waren ee Worte der Mahnung, damit, wenn .die Androhung eingetroffen ist, "das Lied Zeuge ist, daß sie gewarnt wurden." Von nun an aber folgen die Trostverheißungen, die sich erfüllen, wenn das Maß der Leiden voll ist. Als Zeitpunkt für die Erlösung wird jene Stunde bezeichnet, da alle Stränge reißen und Israel einsieht, daß alle äußere Hilfe zunichte sei. —nxy os«i SUSI' es sich von allen, auf die es vertraute, verlassen sieht. Dann fragt G'tt; ' 'ttl W>ni>K ■>» „wo sind ihre Götter, daß sie ihnen helfen?" In diesem Bilde können wir unsere Zeit ials die der Erlösung vorangehende erkennen. Bei allen Leiden unserer Geschcihte war bis. dahin das Stadium der xum "vras oas noch nicht erreicht. Heute aber belehrt uns ein Blick auf die Religioasverfo'lguagen in Rußland, auf die religiösen Zustände in einem Teile Palästinas, wo die Feinde der Thora unbeschränkt herrschen, darüber, daß sich das mtsi "Vis? dss in all seiner erschütternden Deutlichkeit ankündigt. II. wvrttt 'KiOKi* Es ist uns 'überliefert, daß in der Zeit vor dem Messias Israel alle Götzen ausprobieren wird, um schließlich einzusehen, daß sie alle nichtig sind und zur Erkenntnis zu gelangen Hin 'Js ik*v daß es nur Einen gibt, der ihnen beisteht. Aber gibt es noch heute Götzen? In der, alten igroben Form wohl nicht mehr, aber die Idole und Phantome, denen "Israel nachgeht, sind seine Götzen, Vertraut Israel auf Parteien, Parolen, Schlagworte, so sind diese Parolen und Sohlagworte seine Götzen. Vertraut Jemand auf eigene Kraft, so macht er sich der Selbstanbetung schuldig. Wie groß aber ist die Liste solcher Götzen, denen Israel seit Einbruch der Haskalah gedient hatl Jedes Jahrzehnt. hatte sein eigenes neues Schlagwort, von dein man. .alles Heil erwartete. Und das Ende? Sie verschwanden alle gleich dem Rauche, nicht ohne schwere Opfer zu fordern, Opfer nicht attein an Geld und Gut, sondern auch an Seelen. Unsere Kinder wunden dem Moloch einer freigeästigen Erziehung, wie sie die jüdische Geschichte 'bisher micht. gekannt hat, zum: Opfer. (> . m. .;,; ':-; Wir lesen in Jecheskel 29, daß Mäzraini seine: Strafe bekam, weil es der j,bruchige.Stäb" 'für das: Haus- Israels war, d. h., Weil -Israel vorübergehend sein Vertrauen auf diese® Land gesetzt hatte. Man fragt sich, was* dabei Mizraim verschuldethatte. Aebnlich lautet die Frage bezüglich der ägyptischen Götter, an denen Strafgericht: ausgeübt wurde, obwohl sie doch nichts dafür konnten, daß sie Gegenstand der Anbetung wurden. Der Talmud befaßt sich schon mit »dieser Frage .und sucht sie in dem Sinne zu lösen, daß der Gegenstand der Verführung von der Strafe mitereilt wird. IT by nbpn nuav »asa- Und in Wahrheit erlebten wir in den letzten Jahren, daß ganze Vereine und Parteien, auf die große Teile der emanzipierten Juderiheit ihr ganzes. Vertrauen setz» ten, in denen sie*sich auch betätigten,einfach von der politischen Bildfläche verschwanden. Sollte dies nicht eine Lehre sein, wie müßig es sei, uns nun an anderen Richtungen zu orientieren und! unser Heil von dort zu erwarten? Mit Hinblick auf diese „brüchigen Stäbe" fragt die Schrift- "151 wa&K-.-»« IHM' „Wo sind nun ihre Götter, der Hort, auf den ste vertrauten? Mögen sie nun aufstehen und ihnen helfen. Sehet doch, daß Ich „allein es bin, und daß keiner meiner Hand entgeht . , ."; - ' ~ IV. , V . Wir lesen in der Schrift: msVsa lax-m D^sa-psa "jriss i . „Wie in den Tagen deines Auszuges aus dem Lar.de Mizraim werde ich 'dich Wunder erleben lassen." D'ß Weisen meinen dazu, daß die der Erlösung vorangehende Zeit dem Schlußakte in Mizraim -ganz' äi?nj lieh ^eia wird, d. h,,1 die Leiden -werden 'sich bis .?ur Unerträglichkeit steigern. „Stroh wird nicht gegeben und 'die nötige* Zahl der Ziegel-soUen''sie'abliefeni. Wer beispielsweise*''dem Zusammenbruch'- derju4ischen Existenzen in Polen, die Verstopfung -der Verdienstquellen bei steter Anziehungder ..'.Steuer-