Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 18 (7.5.1937)
- Date
- 1937-05-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Mai 1937 1 s e 1 i t Nr. 18 Seite 5 tätten, sprechen eine Reihe weiterer Gesichtsunkte religiöser und national er Natur für die Konzentration aller Kräfte ' auf die Weiterentwicklung ' des" palästinensischen Aufbauwerkes, ^uch h ei diesen Gesichtspurikteri; begegnen sich dcBlilsmäßig betonte und rationalle Erwägungen \n merkwürdiger. Uebereinstimmung. Wer in voller Ehrlichkeit des Herzens an jedem Morgen sein Gebet um flV^Jl pap' den Aufschrei des pKfl ni93S. W*HHS 'ti>V>b UWMi und des D'lin p tt^Xm JUS3j?l spricht, dem wird dßr Gedanke an eine weitere unheimliche Z e rstreuung und Z e r s p r*e n g u n g der jüdischen Volksteile Über alle Kontinente der Er.de, ein wirkliches Grauen, einen seelischen Schock geradezu verursachen, dessen sich niemand schämen sollte. ► Auch das gezückte Schwert der arabischen Terroristen kann dieses Grauen vor dem weiteren TttS unter alle Völker der Erde und die Sehnsucht nach dem heimatlichen Boden, möge er noch so unwirtlich sein, nicht ihrer Kraft und Wirksamkeit berauben. v Unausrottbar bleibt auch die Hoffnung auf schnellere geistige Gesundung des jüdischen Volkes, auf fiÖ^lP ftiWft im eigentlichen , Sinne, innerhalb ' Er ez Jisroels, im Schöße arabischer Umwelt- Kultur, als drüben in den Steppen Australiens oder den Prärien Kanadas. Man kann sich des Gedankens nicht erwehren, daß dort, wo jeder Span aus der Wand, und jeder Stein auf dem Felde von G'ttes Offenbarungen erzählt, die große Wende der jüdischen Seele zu G'tt und seiner Thora, aller vorübergehenden bolschewistischen Entartung zum Trotz, sich sicherer vollziehen müßte, als dn fernen Erdteilen, inmitten fortgeschrittener, säkularer Kulturen, im Schöße mechanisierter Gemeinschaften, wo alle Stimmen aus dem Uebersinnlichen von dem Geratter der Maschinen übertäubt und alles Licht der Unendlichkeit von den ltünstlichen Sonnen hochgesteigerter und selbstgewisser Zivilisationen zum Schatten degradiert werden. Und d enro c h! v Dasselbe Thoragesetz, das unsere leidenschaftliche Verbundenheit mit dem Boden des G'tteslandas legitimiert und über den Schein bloßer egoistisch-patriotischer Sentimentalität hinaushebt,, lehrt Uns auch die Grenze, über' die hinaus diese Verbundenheit samt den sie stützenden rationalen Erwägungen unsre politischen Entscheidungen nicht mehr ausschlaggebend beeinflussen darf. Ist man sich einmal darüber klar, daß der Drang der verfolgten und in ihrer wirtschaftlichen Existenz aufs schwerste erschütterten jüdischen Massen nach Auswanderung und die objektive Notwendigkeit dieser Emigrationsbewegung größten, Stiles, auch im günstigsten F a 11 e durch Erez Jisroel alle i n vorerst nicht befriedigt werden könaea, dann würde es ein Verbrechen sein, mit dem Hinweis auf das Heilige Land die aus der Gesamtlage sich ergebenden jüdisch-politischen Postulate zum Schweigen zu bringen. Das naheliegendste, oberste und umfassendste dieser Postulate ist die Förderung einer durchdachten, einheitlich gehandhabten jüdischen Auswandern n g s - und S i e d 1 u n g.s p o 1 i t i k , die allein imstande wäre, dem hier nur ganz flüchtig und andeutungsweise dargestellten komplexen Charakter der Auswanderungsprobleme einigermaßen gerecht zu werden. Solange es an einer jüdischen Instanz gebricht, die befähigt und bevollmächtigt wäre, auch nur im Stadium der Planung ein entscheidendes Wort für und gegen die in der Luft herumschwirrenden außerpalästinensischen Siedlungsprojekte ZU sprechen, bleibt nichts anderes übrig, als daß die jüdische Presse jeöfem Einzelnen Gelegenheit gibt, seine Meinung zu äußern und es sozusagen der Geschichte zu überlassen, die Bedingungen zur Verwirklichung dieser oder jener Idee zu schaffen. Ueberblickt man jene Projekte, so gewinnt. man den Eindruck, daß es — abgesehen von der individuellen bezw. individuell unterstützten Wanderung — zur Zeit nur drei großen Gruppen von Wanderungszielen für Massensdedlung gibt: Afrika, (Französisches Kolonialgebiet) Südamerika einschl. der ICA-Siedlungen und die britischen Dominions. Was über die erste Gruppe bekannt geworden ist, klingt so entmutigend, daß ein außergewöhnlich hoher Grad von Optimismus dazu gehört, um die Aufwendung von Kraft und Geld zur Weiterverfolgung dieser afrikanischen Projekte zu empfehlen. Sie werden auch nur deshalb weiterverfolgt, weil bei dem herrschenden organisatorischen Chaos sich gewisse Verbände einmal darauf festgelegt haben. Dabei ist der französischen Regierung gegenüber in dem Wettlauf und der Konkurrenz der verschiedenen jüdischen Organisationen — Ica, Emcol, Freiland- Liga, Weltkongreß — die herrschende Anarchie wieder einmal in der beschämendsten Weise zutage getreten. Die weit wichtigeren und ernster zu nehmenden südamerikanischen Pläne leiden an dem bedenklichen Mangel, daß die politische Stabilität der meisten südamerikanischen Staaten für den, der die ^etterzeichen der Zeit zu deuten versteht, auf Jahrzehnte hinaus ein höchst unsicherer Faktor zu sein scheint, so daß selbst dort, wo man nicht schon jetzt, aus Angst vor gewissen Kategorien von Einwanderern, die Tore gänzlich zuschließt, die Sicherheit jüdischer S i e d 1 u n g e n schwerlich garantiert werden kann. Aus diesem Grunde sind auch die Anregungen des Internationalen Arbeitsamtes in Genf, die landwirtschaftliche Siedlungen in Südamerika ins Auge fassen, soweit jüdische Einwanderung in Betracht kommt, kaum von praktischer Bedeutung. Die ICA-Kolönien in Argentinien können leider nur gezählte Familiengruppen aufnehmen und sie böten deshalb auch dann keinerlei Lösung für das Auswanderungsproblem im Großen, wenn für die geistige Existenz der Auswanderer, für die Schaffung eines jüdischreligiösen Gemeinschaftslebens, in höherem Maße Sorge getragen wäre, als es — bis heute wenigstens — der Fall war. Charakteristisch dafür ist die schmerzliche Tatsache, daß für deutsche Ausw^clerungskandidaten die landwirtschaftliche Vorschulung auf dem bekannten Gute Neuendorf bei Berlin obligatorisch ist, in einem Milieu, das von Sabbat- und Speisegesetzen nichts weiß und damit die Parole der völligen Entjüdung des Auswanderers charakteristischer Weise schon in die heimatliche Vorbereitung auf das neue Leben hineinträgt. Man darf und muß es also ruhig aussprechen, daß trotz der vielen Organisationen, deren sich die Judenheit erfreut und von denen die älteren auf ihren Spezialgebieten gewiß Enormes und Dauerndes zur Linderung von Not und Elend, zur Besserung der ökonomischen Lage in den Golusländern und damit auch zur Aufrechterhaltung der moralischen Kraft des Durchdauerns leisten, gerade für die Lösung des außerpalästinenisischen Auswand e r U n gs- und Siedlungsproblems im Großen bisher so gut wie nichts geschehen ist. (Weitere Artikel folgen.) Briefkasten. H.;0., Berlin. War danken Ihnen für die Mitteilung, daß 'der Ausgleich erst »mprn *ma erfolgt. schraube ins Äuge faßt, weiß, was jenes Wedisenwort bedeutet. In Midraschim wind uns überliefert, daß zu Beginn der Knechtschaft in Aegypten sich Israels Söhne •anschickten', dn ähnex Lebensweise sich den Aegypten).. anzupassen, weil sie wähnten, .dadurch ihr Los zu erleichtern. G'tt aber setzt jetzt erst recht den Baß in die Herzen der Aegypter, der in gleichem Maße, wie sich die Juden ihnen zu assimilieren suchen, wuchs und wuchs. Bis Israel erkennen mußte, daß 'dies nicht der? richtige Weg sei. Dann erst taten sie sich zusammen' und gelobten, Namen, Kleider und Sprache nicht mehr zu ändern. Und dieser Erneuerung des Bunde® mit G'tt dankten sie ihre Erlösung. . Sähen heute (Israels Söhne .allüberall unter der Wucht der Schickungen, 'ein, was unsere Väter in Mizraim damals .eingesehen haben, und suchten mit ganzem Herzen G'tt wieder, kein Zweifel, daß sie G'tt wieder .gastlich 'aufnimmt und sein Erbarmen über sie ausbreitet. Hatte doch König Menasse, der Sohn Chiskij.ahüs, da. -er, nachdem er allen . Götzen gedient hatte, in der Not seines Herzens zuletzt G'tt anrief, Liebe,. Erbarmen und Aufnahme bei G'tt gefunden. Es ist wahrlich Zeit, -daß ~wir erkennen die Wahrheit des Satzes V>sn »i»n inn mn *sk»3k »a im Und es wird im Talmud erzählt von den Misch- ^ahlehrerm, 'die. Schakale auf den. Trümmern des Hei= ^gtums herumlaufen sahen. Alle weinten sie, nur ^ahbd Akiba lachte. Er lachte, wie er selbst erklärte, weil .^r nun genau wußte) daß, nachdem die rrophezeiumg des -üii&a eingetroffen war, sich auch die spätere.Prophezeiung von S'c'haria, (der den Wiederaufbaudies Tempels vorausgesagt hat), erfüllen wird. Die Gelehrten nahmen Trost an. Wenn "^r nun erleben müssen, wie sich alles, was uns in jenem Liede für die Zeit vor der'Erlösung vorausgesagt wird, Wort für Wort erfüllt, so dürfen wir dessen gewiß sein, daß Moschiach selber nahe ist. Er kommt, so wir wollen und uns als Diener G'ttes bawähren. ' Kleines Feuilleton. Ehrung eines nichtjüdischen Mischna-Übersetzers. Die Tärbut-Organisation in London veranstaltete im Hause des bekannten Philanthropen I. M. Sieff einen Empfangsabend für den der anglikanischen Kirche angehörenden Kanonikus Danby, der kürzlich, als Professor für Hebräisch an 'die Universität Oxford berufen worden 'ist. Unter idein Vorsitz. Henry Sachers sprach zuerst Sir Philip Ha'rtog, der in seiner Begrüßung die Verdienste Danbys, der zwölf Jahre lang Kanonikus in Jerusalem gewesen war und die Mi s c h na ins En g Iis ch e ü berse t z t hat, fetterte. Dr. Simon Ra wid'o wiez wies auf die einzigartige Erscheinung Prof. Danbys in der englischen Gelehrtenwelt hin, die er nicht nur mit der Miscbna, sondern auch mit der modernen hebräischen Literatur bekannt gemacht habe. Charakteristisch . für ihn sei, daß er in sedner Uebertragung und* Kommentierung der Mischna besonders auch ■die traditionellen, jüdischen Kommentatoren, wie z. B. den Caan von Wihia und andere ziUer&. Der Redner bat Prof. Danby, auch in England ein Bundesgenosse der hebräischen Kulturarbeit zu sein. Prof. Danby erwiderte teils in hebräischer, teils in englischer Sprache. Er betonte seine Liebe für Palästina und das Judentum. Er habe in Jerusalem an so vielen Versuchen für die Schaffung einer neuen Verständigungsbasis zwischen Juden, Christen und Arabern teilgenommen und glaube'1 immer noch an diese Möglichkeit. Er freue eich, englische Leser in das von Ihm so hoch gesvhätzte alt^ und moderne hebräische Schrifttum eingeführt zu haben. Es machte auf die Versammelten einen starken Eindruck, als der anglikanische (Kanonikus Prof. Danby erklärtet, er bedaure es oft, Oxford für Jerusalem emgetaw"*** zu haben. Sein Herz und das Herz seiner Kinder sei und bleibe immer in Jerusalem. Bei dem Empfang, der im jüdisch-gesellschaft- . liehen und kulturellen Leben Londons ein wichtiges Ereignis bedeutete, waren die Elite der Londoner Judenheit, hohe englisch-christliche Würdenträger, angesehene Parlamentarier, Vertreter englischer Universitäten und führender Tageszeitungen anwesend. ■■HS999999SBB99aBBasBsaBaBaB Wochenkalender. Vom 8.-15. Mai 1937 / Vom 27. Ijar bis 5. Siwan 5697 »n-p «p Samstag mnaa i piö vipna nra 8 -V»K 27 IS wtnn ynm Sonntag 9 28 m Neumond: Montagnachm. . 1 Uhr 37 ,/8 Min. Montag 10 29 BS 10p *)1D3 DI» Dienstag Mai 11 P'o 1? unn WR1 Mittwoch . 12 2 Kp Dottaerciag 13 3 a? Freitag H 4 V Samstag 15 . 5 np mnv aiy *m»a