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Der Israelit · 1937-05-07 · Heft 18 (7.5.1937) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 18 (7.5.1937)
Date
1937-05-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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7. Mai l s r a e Ii t Nr. 18 Seite 3 VOR DER ENTSCHEIDUNG. (Fortsetzung von Seite 1.)! , wandeln. Die Festlegung der jüdischen, und der arabischen Kantone wird wohl an den gegenwärtige*1 Besitzstand anknüpfen und wird die tinerschlossenen Gebiete nach irgendeinem Schlüssel aufteilen. Durch Abgrenzung der Kantone glaubt man den palästinensischen Kantonenstaat begründen zu können. Nun kann es keinem Zweifel unterliegen, daß diese Abgrenzung eine völlig im Fluß befindliche Entwicklung willkürlich unterbrechen wird. Die Abgrenzung bedeutet nichts andere® als . den endgültigen Verzicht auf weitere Extensivierung jes jüdischen Nätionalheims. Sie bildet aber nicht die leiseste Gewähr für die Entstehung eines palästinensischen Kantonenstaates. Wie die Verhältnisse heute liegen, fällt es ungemein schwer, an die Möglichkeit der all1 mählichen Bildung eines palästinensischen Staatsvolkes zu glauben,, bestehend aus dem arabischen und aus dem jüdischen Volk und getragen von dem Willen beider Völker zu staatlicher Einheit, der stärker sein müßte als der Wille jedes der beiden Völker zum Eigendasein. Schlechterdings nichts spricht heute für eine solche Mög-. lichkeit. Beide Völker sind night nur durch Sprache und Kultur völlig geschieden; auch ihre geschichtliche Vergangenheit trennt sie durchaus, und die Bereitschaft zur Blutmischung fehlt gänzlich. Der Glaube an ein palästinensisches Staatsvolk ist heute so phantastisch, daß jeder Vorschlag zur Lösung des Problems, der auf diesem Glauben beruht, praktisch überhaupt nicht in Erwägung gezogenwerden, käftfl.. Nur die Geschichte kann die Voraussetzungen für 'die Bildung eines Kantonalstaats schaffen. ■ Er ist nicht Anfang, sondern Abschluß. Ein ohne die geschichtlich entstandenen Voraussetzungen konstruierter Kantonalstaat verhält sich zu dem geschichtlich gewordenen Kantonalstaat, wie ein Homunculus zum natürlichen Menschen; Er muß bei der ersten Kraftprobe zerbrechen Nur die Mandatarmacht konnte ihn mit Gewalt zusammenhalten. Dies aber bedeutet keine Lösung des Problems, sondern seine Verewigung. Die Dinge würden nicht anders liegen, wenn man etwa Palästina seine endgültige Staatsform jetzt noch nicht geben, die Einteilung ^»Kantone vornehmen, im übrigen aber die Mandatsregierung belassen würde. Die Hoffnung 1 daß alsdann Palästina für England leichter zü&r^i£ieren wäre, ist durchaus trügerisch. Eine solche Regelung bedeutete durchaus ein Provisorium, noch dazu,.'ein solches, das in sich selbst keinerlei Tendenzen birgt, die etwa zu einem Definitivum, eben dem Kantonalstaat, drängen. Eine wirkliche Lösung des Problems könnte nur ein Vorschlag anbahnen, der bereits erkennen läßt, welche endgültige Staatsform denn nun Palästina jetzt oder iallmählich annehmen solle. Das völlige Schweigen des Mandats über diese Kardinals-; frage ist einer seiner schlimmsten Fehler. Der Vorschlag .cler; Kantonisierung schließt also, w.enn er nicht. grjade : das, worauf es iin ■ Grunde ankommt, , vöjkig; imiinklarenlassein und damit seine Ünzufanglichkeit offen zugeben will, den Gedankenjcies; Kantonalstaats zum mindesten als Ziel in sich ein. Die Zerlegung in Kantone ist aber ein völlig ungeeignetes Mittel, um die Entstehung eines palästinensjschen Nationalstaats m ,die Wege, zu leiten. In beiden Arten ' von Kantonen,:,würdev der Nationalismus, der dem Kantonalstaat entgegen steht, weiter um sich greifen, diepräumliche Trennung beider Nationen wurde sie nur noch weiter von einander entfernen, und 4ie Stellung der Mandatsregieruiig wurde nicht leichter, sondern bei weitem schwefer werden, als sie es heute ist. Der ausgesprochen provisorische Charakter, der Lösung würde eide Nationen immer wieder anstacheln, Anstrengungen zu machen, um das zu, irgendeinem Zeitpunkt einmal kommende Definitivum zu ihren Gunsten zu beeinflussen, und keinerlei Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß diese'Anstrengungen auf Seiten der Araber in zivileren Formen geschehen würden, als dies leider bisher der Fall war. II. Der Judenstaat. Der Plan des Judenstaates hat mit dem Plan der Kantonisierung die Zerlegung Palästinas unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Verhältnisse gemein. Er unterscheidet sich aber ganz .Wesentlich von ihm dadurch, daß er auf einen palästinensischen Bundes- oder Kantonalstaat durchaus verzichtet, die Einheit Palästinas endgültig aufhebt und aus den jüdischen Kantonen einen selbständigen Judenstaat bildet. (Auf das Schicksal der arabischen Kantone, ob auch sie einen selbständigen arabischen Staat bilden, oder einem bereits bestehenden arabischen Staat zugeschlagen werden sollen, mag hier nicht weiter eingegangen werden). Er trennt nicht nur faktisch, sondern auch staatsrechtlich und völkerrechtlich die streitenden Nationen und überläßt die Beziehung der neu gegründeten oder neu abgegrenzten Staaten zueinander der Zukunft. Er ist auf die Proteste beider Nationen durchaus gefaßt, aber er nimmt sie nicht sehr ernst. Er geht davon aus, daß letzten Endes beide Nationen die ihnen eröffnete Möglcihketi, sofort zum Rang einer Staatsnatioh emporzusteigen, ergreifen, und es bei einer nach außen zur Schau getfägeiieft jjnzufriedenheit bewenden lassen werden, innerlich eine jede froh, der Last der anderen enthöben zu sein. Er rechnet im besonderen bei den Juden mit dem Zauber einer Jahrtausende entbehrten Staatlichkeit, Verwirklichung eines langgehegten Traumes, Erfüllung eines zionistischen Ideals. Und wenn auch die Verwirklichung weit hinter dem Traum zurück bleibt, die Erfüllung dem Ideal schmerzlichsten Abbruch tut — Jeruscholajim! —: niemand hindert, nun erst recht, da der entscheidende Anfang geschah, den Traum weiter zu träumen, dem Ideal weiter anzuhangen. Den Arabern wiederum mag innerlich die Winzigkeit des Judenstaatess die Abreißung Jeruscholajims wohltun, mag der Zwang, sich fürs erste mit Fakten abzufinden! die nun einmal nicht wegzuleugnen sind, nicht allzuschwer fallen, zumal den Fakten räumliche Entwicklung genommen ist, zumal man gleichfalls an Traum und Ideal sich laben kann . . . Kein Zweifel, daß der Plan des Judenstaats weit ernster zu nehmen ist, als der Plan der Kantonisierung. Ist idieser durchaus ungeschichtlich, so macht jener Geschichte. Mit Geschichte ist es ein eigen Ding. Sie schließt die kühne Tat des Menschen keineswegs aus, sie behält sich nur die Sanktion vor. Ungeschichtlich, ja geschichtswidrig, ist eine Tat nur dann, wenn sie sich gewissermaßen selber an Stelle der Geschichte setzen, wenn sie Gebilde schaffen will, deren Lebensfähigkeit von Bedingungen abhängt, die nur die Geschichte in allmählichem Werden zur Entstehung bringen und damit sanktionieren kann. Der Kantonalstaat nimmt die Existenz eines Kantonalstaatsvolkes in völlig ungeschichtlicher Konstruktion vorweg. Der Judenstaat: wer kann leugnen, daß heute schon die vorwiegend von Juden besetzten Teile Merkmale jüdischer Staatlichkeit aufweisen? Warum sollen die Juden kein Staatsvolk sein? Der Plan des Judenstaates unterscheidet sich auch darin vorteilhaft vom Plan der Kantonisierung, daß er, soweit dies vom Tun der Menschen im geschichtlichen Leben überhaupt gesagt werden kann, zum mindesten formal ein D e f i n i - tivum schafft. Die Frage nach der Staatsform Palästinas wird zum Verstummen gebracht. All die Schwierigkeiten in der Auslegung des Mandats hören auf. Das vielgeplagte England hätte eine Weile vielleicht eine Sorge weniger. Daß der Plan dem Mandat widerspricht, bedarf keiner Erörterung. Man wird den Völkerbund in Bewegung zu setzen haben. Das wird vielleicht nicht ganz leicht sein. Ist es aber wirklich unmöglich? Ist es so ganz von der Hand zu weisen, daß die Königliche 'Kommission einen solchen Plan in Vorschlag bringen wird? Wenn nur die entfernteste Denkbar k e i t eines solch e n Planes besteht, darf da s thoratreue Judentum, vertreten durch die A g u d a, nicht einen Augenblick zögern, alles aufzubieten, ihn zu Fall zu bringen. (Fortsetzung folgt,J j?- ' I m W a v'ük"j Wochenrundschau. Der Zwischenfall ist „beigelegt"— Judenmissiori; auf Seelenfäng— Keine Judenfrage, aber jüdische Fragen in Italien — Französische Widersprüche. Auf der in Jerusalem zu Ende gegangenen Satzung des': zionistischen Aktions-Komitees gab es auch eine sogenannte religiöse Debatte. Wie schon gemeldet,• rhatte Rabbi Fi&hman'in ■einem Referat die Furage der religiösen- Haltung ' in Palästina behandelt und eine grundlegende Aenderüng gefordert. Den Nachweis zu erbringen, daß alle Luzeroer Beschlüsse.und Abmachungen (bezüglich des Sabbat von der Arbeitenschaft außer acht gelassen wurden, fiel wahrlich nicht schwer. Das konnte auch Herr Grünbaum nddht bestreiten, aber er glaubte, Misrachi 'davor warnen;zu müssen, „die zio.«• ni&tische 'Organisation in einen neuen Kulturkampf zu drängen." Es .gehe überhaupt nicht an, jemand'' nur deswegen das Judentum abzusprechen, weil er seine nichtreligiöse Anschauung offen autag© trage. In'diesen und anderen Worten erblickte 'Rabbi ßr'o'd , Antwerpen, eine Beleidigung der Thqra. Eine solche Haltung sei imstande, die Grundlagen! der Zusammenarbeit der zionistischen Parteien .zu zerstören. Dafür erhielt Grünbaum im Namen des Misrachi einen Verweis in der Form eines Mißtrauensvotums. Nun war wieder die Reihe an Grünbouim, beleidigt zu tun. Sehl ganzes Leben habe er überall für die Freiheit der religiösen Anschauung gekämpft und müsse nun zu hören bekommen, daß er die Religion beleidige. Der Streit ging noch eine Weile weiter, bis das Präsidium eingriff und feststellte, daß die Aeußerungen Grünbaums „keinerlei Lästerung oder Beleidigung der Thora'' darstellen, und damit war, wie der Bericht regist* riert, der 'Zwischenfall beigelegt. Der gereizte Ton Grünbaums wird verständlich, wenn man da® Schiffseriebnis kennt, über das Drujanov, ein nationaler Schriftsteller, im zionistischen „Haarez" berichtet. , Auf dem, Schiffe befanden sich mehrerie Juden, froihme und nichtfromme, auch Rabbiner (u. a. Rabbi Mosohe Blau auf seiner Rückreise von Europa). Der Dampfe^ führte einen guten Koschertisch, an demsich die jüdischen Reisenden aller Schattierungen trafen. Ein zionistischer Führer an hervorragender Stelle war an.JBord, den man aber nie an der Koschertafel sah. Nur ein einziges Mal kam er: am Sabbatoacahmdttag, nicht um dort mit seinen Brüdern das Sabbatmahl einzunehmen, sondern um einen Vortrag über zionistische Probleme zu halten. Da entstand ein Tumult. Man rief im Chore: „Halten Sie Ihre Vorträge dort, wo Sie speisen, vor den arabischen Freunden." Der Redner meinte aber — mit genau den gleichen Worten, die wir auf der Sitzung des G. A. hörten, — er arbeitete sein Lebtag für die religiöse Freiheit, und man könne keinem sein Judentum absprechen, weil er seine antireligiöse Gesinnung offen zur Schau trage. Das Gros der Versammlung sprach ihm aber wohl das Judentum ab, und er mußte mit seinem ungehaltenen Referate zurück zu seinen arabischen und christlichen Freunden gehen, mit denen er alle Tage bei Tische saß. Dieser Herr hieß Jizchak Grünbau m, Mitglied des A. C. und der zionistischen Exekutive. Kauft im STRUMPFHAUS METZGER ZEIL 87 ^üch Herrenwäsche, Trikotagen und Badewäsche I lMi Sporl-und Sacco-ÄnzOge Lelnei}- und Lüsierkleldung Sömmerriosentin grofler Auswahl auf Wunsch Verarbeitung. Frankfurt a. M. Hindenburgplatz 12 gegenüb. d. Hauptbahnhof

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