Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 17 (29.4.1937)
- Date
- 1937-04-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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2*. April 1937 Der I s r a e 1 i t Nr. 17 Seite 5 Nach Abschlull der jüdiscl Die Jüdische Winterhilfe, diefür dieses Jahr zum Abschluß kam, zeitigte wiederum Wunder an jüdischer Nächstenliebe. für Berlin liegt der Bericht des Leiters der Jüdischen Winterhilfe, Max •Gundersheim; vor. Der Opferwillen habe auch im zweiten Jahr.der Durchfühlen war auch im zweiten Jahr der Durchführung groß. Trotz einer erheblichen Abwanderung betrug der Gesamtrückgang der eingegangenen Spenden im Vergleich zu 1935/36 noch nicht ein Achtel. Di© ZahlMer Betreuten habe sich, trotz einer ebenfalls erheblichen Abwanderung nicht verringert, was zum Teil durch die steigende Not, zum Teil aber auch durch die Zuwanderung aus der Provinz zu erklären ist. Die. Jüdische Winterhilfe hat im vergangenen Winter 15.561 Parteien mit 29.610 Personen betreut. Es wurden in der Regel Leistungen in einem Durchschnittswerte von etwa 5 RM, pro Kopf ausgegeben. 144.193 Lebensmitteischeine im Werte von 288.386 RM., die in 214 Spezialgeschäften einlösbar waren, wurden verteilt, 28.246 Zentner Kartoffeln im Werte''von "92.833,70 RM, ausgegeben. Zur Beförderung dieser Menge waren 94 Eisenbahnwaggons notwendig. 80.782 - Pfundpakete in einem Gesamtwert von 232.227,50 RM. erhielten die Bedürftigen. Es befanden sich darunter 8343 Diät- und Pflegepakete. Das Gesamtgewicht der ausgegebenen Pfundpakete übersteigt eine halbe Million Pfund. Außerdem bekamen die Betreuten 88.396 Zentner Kohlen im Werte von 119.334,60 RM. , Neben . diesen Regelleistungen wurden erhebliche Beträge für Sonderunterstützungen aufgewandt. Vor allem wurde über eine halbe Million zur. Beschaffung der notwendigen Bekleidungsgegenstände ausgegeben. Zu Chanuka wurden 5038 Kinder mit Kleidern, Spielsachen und Süßigkeiten beschert. . Wo es notwendig war, wurde in,besonders gelagerten Fällen »auch mit Barmitteln geholfen. 4ÖÖÖ Helfer waren neben 130 Festangestellten zur Erfüllung der großen sozialen ^Aufgabe tätig.. 2700 Büchsen wurden geleert und über 3500 Eintopfspenden in Gaststätten vereinnahmt. In Ergänzung der materiellen Hilfe führte die „Seelische Winterhilfe" vier Konzerte, fünfzehn Kindernachmittage und neunzehn Bunte Abende durch, die von annähernd 30.000 Personen besucht wurden. Etwa 400 Künstlern konnte, hierdurch ein Auftreten ermöglicht werden. Hundert Radioapparate wurden bei denjenigen ien Winterhilfe. Betreuten aufgestellt, die durch Krankheit oder Gebrechen an dem Besuch dieser Veranstaltungen verhindert waren. Auch wurden Buchspenden zur Verteilung gebracht. Nshr-^u die Hälfte der Betreuten waren Einzelpersonen, ungefähr ein Drittel Familien mit zwei Personen; die Familien mit drei Köpfen erreichten nur 15 Proz. der Gesamtzahl, die mit vier Personen 8 Proz., mit fünf Personen 2 Proz. Die Zahl der Familien mit« über sechs Personen beträgt unter 1 Proz. Nahezu zwei Drittel der von der Winterhilfe Betreuten wurden durch die öffentliche Wohlfahrt unterstützt. Ein Sechstel waren den jüdischen Wohlfahrtseinrdchtungen bisher unbekannt, sind also zum ersten Mal durch die Jüdische Winterhilfe erfaßt worden. Die Gesamtzahl der Betreuten bestand aus . 55 Proz. Frauen und 45 Proz. Männern. 7 Proz. der Gesamtzahl waren der Religion nach keine Juden, wurden also nur ihrer Rassezugehörigkeit wegen betreut, während auch unter den Spendern entsprechend den amtlichen Richtlinien, sich eine erhebliche Anzahl befand, die nicht der Religion, aber der Rasse nach Juden waren. Unter den Betreuten waren 72. Proz. Reichsangehörige, 19 Proz. Ausländer und 9 Proz. Staatenlose. Die Betreuung erfolgte" nicht nur auf Grund der gestellten Anträge, sondern auch auf Grund von Meldungen, daß Personen bedürftig waren. Korrespondenzen. Deutsches Reich. SemeSterbegin>n am Rabbinerseminar zu Berlin, Berlin, 20. April. Der Rektor, Herr Rabb. Dr. Weinberg, er-" öffnete das Sommersemester mit einer Ansprache. Er begrüßte u. a. die Vertreter des Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden und des Arbeits-' ausschuases für allgemieim-wisiseiisohaftlich'e Vorlesungen. In' tiefempfundenen Worten gedachte er Dr. Nathan Birnbaum® s. A., zu dessen Ehren eich die Anweisenden vno ihren Plätzen erhoben. Im Programm des kommenden Semesters ist erstmalig .den Hörern des Rabbinerseminaris Gelegenheit ge&oten, an allgemeinawisseaischaftlicben Vorlesunters der Menschen über alles Dunkle desi Daseins künden und verwirklichen. In jedem Spatenstich eines thorateeuen Chaluz, in jeder Mühsal eines thoratreuen Händlers und Handwerkers, in jedem aneifernideiii Worte eines Thoralehrers unserer Tage offenbart sich der ewige Sieg des freien G'ttes über das Muß des Alltags, verwirklicht sich die große Lehre; Reinheit ist Willensfreiheit. Kleines Feuilleton. Gedanken und Formulierungen Dr. Nathan Birnbaums. n. Gut und Schorn. Da das ethische Empfinden und das ästhetische gleicherweise ihren Ursprung in GHt haben, kann es. ja auch gar nicht wahr sein, daß'sich „gut" und i.schön" im tiefsten- Grunde widersprechen, daß ,,schön" an sich gleich, „ungut'' oder gar «/gut" gleich- bedeutend mit; „unschön" ist. Man muß1 vielmehr zwischen „schön" und „schön" unterscheiden, zwischen dem „schön" des irrenden, strauchelnden, das Schön© in hemem Urwesieai durch Ungute oder Unkeuschhedt verfälschenden Menschen und eben dem unverf älschten, 'das.; Gute nicht störenden Schönen, wie es aus des Allmächtigen Tiferesschatze quillt- Die Organisation. Daß Organisation allein nicht (genügt, hat sich in <",ea. letzten Jahren hinreichend1 gezeigt. Bloße Organisation ohne Ergreifung und Erschütterung der Seele vennehrt noch deren Oede. V D e r V o r s p r u n g. Daß dt© maßlosen Anklagen gegen unser Volk den Tatsachen widersprechen, steht fest. Wir wissen auch, daß wir .in manchen Beziehungen uns ' eines Vorsprang® rühmen können. Was die Scheu vor Gewalt, die Zähmung der Leidenschaften, die Schamhaftigkeit, die Reinheit des Familienlebens und den Drang, anderen beizustehen, betrifft, sind wir noch . immer am erster Stelle, Aber ebenso wissen wir, oder sollten wir wissen, daß wir durchaus macht frei von Untugenden sind. D*r innere Auftrieb. Wir sind sehr weit vom Ziele, und das Leben, das uns umgibt, — die aushöhlende Ver.gnügMchkeit (Mehumo betaanugim), die gierige Betriebsamkeit (Mehumo bemasso uwemätton) und der faule Aufgeklärtheätszauber (Mehumo behaskolo) der großen Städte — sowie das Beispiel unserer 'eigenen wachsenden Sündagkeit verführen Uns immer aufs Neue und immer weiter. Wir könnten, nur langsam auf- , wärts kommen und nur, wenn wif uns nicht® vortäuschen und mit eiserner Geduld daran arbeiten, unsere Seele zu reinigen. Ja und nein. Forsch© VeOTieanumg ümd laute Bejahung (des Moschiaoh) sind im Effekt nicht zu weit vonejiaauder entfernt.. Sie sind beide Versündigvng am kostbarsten Glaubensgute — nur. mit dem Unterschiede; eine gewollte und nicht weiter verwunderliche bei den Vers neinern, eine nichtgewollte und um so anstößigere bei den Bejahern. Neun Fürsorger und Fürsorgerinnen waren in den Bezirken "tätig, um in individuellen Fällen den besonderen Notstand zu ermitteln und Rat und Hilfe zu bringen. Mit dem Jüdischen Wohlfahrtsamt wurde auf das engste zusammengearbeitet. Aerzte waren in Krankheitsfällen und Rabbiner, wo religiöse Hilfe notwendig war, hilfsbereit. Neben" den Barspenden ging eine erhebliche Anzahl von Sachspenden, hauptsächlich in Bekleidung ein. » * * * In dem Rechenschaftsbericht der Jüdischen Winterhilfe in Köln wird u. a. mitgeteilt, daß ca. 20.000 Portionen frische warme Vollmilch bedürftigen jüdischen Schulkindern verabreicht worden sind. Zum Besten der jüdischen Künstler hat auch das Marionettentheater der Jüdischen Kunstgemeinschaft vor Kindern gespielt, die bei der Vorstellung mit Kuchen versorgt wurden. Für gewisse Betreute standen Eintrittskarten für Kulturbundveranstaltungen usw. zur Verfügung. Es sei sehr bewüßt davon abgesehen, worden, Veranstaltungen irgendwelcher Art mZUgunsten der Jüdischen Winterhilfe" aufzuziehen und ebenso bewußt sei davon abgesehen worden, eine sogenannte „seelische Betreuung" in Form von Zusammenkünften Nehmender und Gebender zu veranstalten oder Zusammenkünfte der Helfer mit den Betreuten, denen nach Meinung der Kölner Jüdischen Winterhilfe ein praktischer Wert nacht beizumessen ist, zu organisieren. •gen außerhalb der Universität teilzunehmen, dehn, so führte Herr Dr. Wednbeng aus, die Antwort der Orthodoxie auf unsere Situation soll nicht Verzicht, sondern der erneute Versuch einer echten Synthese von Thora und Derech-erez sein. Mit einer kurzen Würdigung 'Isak Abarbamels wurde zu dem wissenschaftlich eri Eröffnungs Vortrag des Herrn Seminardozenten Rabb. Dr. Grünb^rg: „Don Isak Abarbanel und. seine Stellungnahme zu bibelkrittsehen Fragen" übergeleitet. Sonder-Regelucg für die Juden im Buchhandel angekündigt. B erlin, 24. April. In einem Ueb erblick über ' „Vier Jahre Buch'han* del im nationalsozialistischen Staat", dem der Leiter des deutschen Buchhandels, Hauptamts-leiter R, L. Wilhelm Baur, im „Völkischen Beobachter" gibt, schreibt der Verfaisserj „Die im Buchhandel vorhandenen Einflüsise fremdrassigeir Elemente, im besonderen des Judentums, sind dank der Initiative des Präsidenten der Reiehsschrifttumskammer, Pg. Staatsrat Hanns Johst, beseitigt worden. Lediglich für die eigene jüdische Rasse sind Ausnahmebestimmungen in Vorbereitung." Moschiach. Was ist denn Moschiach anderes alsi der Held des d r i 11 e n Aktes in dem .gewaltigen g'ttlichcn Menschheitsdrama, in dem die Urväter die Helden des Vorspiels, .die Offenbarung am Sinai der erst« und der einsame Weg Isr ä e 1 s durch die Völker und Zeiten der zweite Akt sind! Und was ist er denn anderes, alsi das Ziel, um dessentwillen G'tt das Menschheitsdrama abrollen läßt; um dessentwillen 'er die Menschheit als das große Kampffeld der Leidenschaften und Ueberwindungen geschaffen hat; als das Ziel, zu dem hin er die Menschheit durch die Auserwählunig und Bewährung Israels leitet? Eine Sefer-Tora und eine Megillat Esther für König Georg VI* Als Krönungsgeschenk für König Georg VI. wer« den im Auftrag des Jüdischen Nationalrats (Waad Leumi) eine Sefer-Thora und eine Megillat Ester geschrieben,. Die beiden (Rollen .sind .aus kostbarstem Pergament hergestellt und erhalten eine künstlerisch ausgeführte Hülle aus Silberfiligran. Die beiden Hüllen werden nach Entwürfen von Raban in der jüdischen Kunstgewerbeschule Bezalel in Jerusalem angefertigt. Als Vertreter de® Nationafrats nimmt, wie berichtet, der Vorsitzende des Waad Leumi, Jizchak Ben Zwi, an den Krönungsfeierlichkeiten in London teil.