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Der Israelit · 1937-04-29 · Heft 17 (29.4.1937) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 17 (29.4.1937)
Date
1937-04-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 17 Der Israelit 29. April 1937 KEREN HATORAH ist der Treuhänder des jüdischen Volkes für die Erhaltung seines nationalen Gutes vom Sinai. Helfet dem KEREN HATÖRAH! *: - ' ' - c '' ' '" '"■ P- ■ ' K e r e n Ha f'o rah, Ha m bu r g,H e i n r i c h B a r t h st r a ß e 2 1, P os t sc,h ec k ko n t o: Hamburg 24753 Wochenrandschaa Seelische Betreuung der jüdischen Auswanderer — Der nationale Block in Polen ohne Juden — Einigungsbestrebungen in Arabien — Churban Chewron. Auf einem Berliner Gemeindeabend, •der A u s w a n d e r u n ig © f r a g e n gewidmet war, wurde von -den beiden Rednern, Dr. Alfred Klee und Rabb. Dr. Manfred Swarsensky, die seelische Betreuung der Auswanderer als eine vornehme Aufgabe der jüdischen Gemeinde hervorgehoben. Der Bericht registriert, daß religiöse Gesänge und „Stücke aus dem Maari.w=Gebete" unter Orgelbegleitung die Veranstaltung einrahmten und vertieften. Warum nahm man nur Stücke und nicht den ganzen Lobgesang die® Abendgebets? Warum soll man nicht, wenn Juden abends zusamnienikommen, um über Auswanderung zu sprechen, Jakobs Wandergebet, aus dem das Maariw entstanden ist, ■ganz beten, ohne Orgel und Chor, aber au® tiefem jüdischem Herzen heraus:, im Vertrauen auf den Schöpfer und Lenker der Welt, der auch im. jüdischen Schicksal uns das Wechselspiel von. Licht und Finsternis erleben läßt? Die seelische Betreuung der Auswanderer tut not. Darum schätze man nicht gering, was wir in letzter Zeit aus den Agudainstanzen, ohne Gesang und Orgelklang, an Warnungen und Anregungen zu hören bekamen. Man berate die Auswanderer so, •daß sie nicht am Freitagabend oder am Sabbat in amerikanischein Häfen ankommen, wo sie sich, aufgewühlt wie sie sind, gezwungen glauben, am Sabbat zu unterschreiben. Man beachte die Warnungen vor gewissen Restaurationen in Nord- und Südamerika, die um den Magen und die Seele des Emigranten ringen, mittels der .drei hebräischen Buchstaben die den Zuständen in der Küche nicht entsprechen. Man verweise auf die Bemühungen von Young Israel in New York, über die wir erst in jüngster Nummer berichteten, jüdische junge Leute in sabbatfreien Stellen, deren es heute eine ganze Menge in New York und anderen Gegenden Amerikas gibt, iniiterzubringen. Man beachte dieises und noch vieles dazu, und sehe darin die schönste und idealste seelische Betreuung der jüdischen Auswanderer. * * In Polen wurde ein Lager der Nationa 1 e a Einigung gegaründet. Ob die Juden Polens in diesen Block eintreten können, darüber scheinen sich die führenden Männer im Polen, nach ihren Aussprüchen und Widersprüchen zu urteilen, selber noch .nicht einig zu sein. Oberst Kowalew©ki, der Stabschef Oberst Koos, hat sich Journalisten gegen* über dahin geäußert, daß das Lager der Nationalen Einigung Ausschreitungen gegen Juden in jeder Form entgegentreten und eine „organische Lösung" der Judenfrage anstreben werde. Wer sich als Jude im jüdisch-nationalen. Sinne bezeichnet, könne« natürlich dem Reigieruingslager nicht angehören, andererseits stehe es Polen mohammedanischen oder mosaischen Glaubens frei, im Blocke mitzuarbeiten, der einen Unterschied des Glaubens und der Abstammung nicht kenne. Insbesondere glaubte man aus den Worten Kowalewskis herauszuhören, daß g e taufte Juden, -die dien Willen der Zugehörigkeit zur polnischen Nationalität zu erkennen geben, dem Lager der Nationalen Einigung angehören können. Zu gleicher Zeit wurde aber von der Wilnaer Gruppe des Lagers der Nationalen Einigung in einer einstimmig angenommenen Entschließung kategorisch ein© reinliche Scheidung zwischen der polnischen und jüdischen Gesellschaft verlangt. VAeb leicht durch Wilna eingeschüchtert, ließ sich auch Oberst Kowalewski dazu bewegen, seine früheren Aeußerungen ein wenig zu korrigieren, um „Mißverständnisse" zu vermeiden. Es sei doch nicht so, sagte er später, daß polnische Juden ohne weiteres Mitglieder des Lagers werden können. Ein Wortbekenntnds zum iPolentum genüge nicht. E® seien wohl einige Ausnahmen denkbar, im Prinzip aber soll das Lager der (Nationalen Einigung aus katholischen Polen bestehen. Auch die Juden, die für Polens Unabhängigkeit gekämpft und gearbeitet haben, hätten noch nicht ohne weitere© Anspruch auf die Mitgliedschaft des Lagens. Eine Lösung des Judeaip'roblems in Polen könne, grundsätzilich nur durch Aiis= Wanderung erfolgen. Damit sind aber 'alle „Mißverständnisse'' gründlich beseitigt. So denken auch die extrem assimila* torisch jüdischen Kreise in Warschau, die die bereits einberufene iKonfeireaiz .zur [Bildung eines- „jüdischen Sektor". im Lager, nunmehr abgesagt haben. * * Aus der bunten Fülle der Nachrichten aus und über Arabien seien folgende herausgegriffen: Arabische ZeAtunigen melden, daß das KolonienttuAisterium in London die iReigieirungen von Aegypten, Transjordanien, Syrien und Irak aufgefordert hätte, ihre Meinung über die Lösung des Palästinaproblems zu äußern'. E® kann kein Zweifel sein, — vorausgesetzt, daß die Meldungen stimmen, — daß die angerufenen Regierungen dem Wunsch© nachkommen,, und es kann ebenso wendig Zweifel darüber herrschen, in welchem Sinne ihre Gutachten ausfallen werden. Inzwischen sammeln sich die exponierten Vertre=* ter Arabiens zur Schaffung einer obersten Arabischen Repräsentanz, die, wie es heißt, so*,' gar unter Billigung der Londoner Regierung, alle arabischen Länder und alle arabischen Probleme, einschließlich des Palästinaproblems; umfassen soll. Eine Abart dieser Gesamtorganisation ist unter den Palästinaarabeim im. kleinerem Maßstab im Werden begriffen. Vielleicht darf es schon als eine; kleine Auswirkung dieser arabischen Sammlung angesprochen werden; daß sich in Bagdad der Ministerpräsident, ähnlich wie alle arabischen Führer in Palästina, mit aller Entschiedenheit gegen eine irgendwie geartete Teilung Palästinas ausgesprochen hat. Alle diese Dinge sind zwar interne Angele genheäten der Araber, zugleich aber tuen sie die vitale Notwendigkeit einer Sammlung aller jüdischen Kräfte deutlich dar und zeigen, daß wir auf die Einheitsfront nach außen, wie sie die Agudas Jäsroel. in Ere2 Israel schon bei früherer Gelegenheit anstrebte, ohne leider auf der anderen Seite Gegenliebe zu finden, nicht verzichten können, . - - - - * * •* Eine der ältesten Synagogen des heiligen Landes, die Abraham Awinu Schul in Hebron ist, wie die ITA, berichtet, dem Verfall preisgegeben und soll demnächst ganz (geschlossen werden. Die Synagoge ist über 400 Jahre alt und trägt ihren Namen mit Hinblick auf ihren Standort in nächster Nähe der Vätergräber in der Höhle Machpela. Freunde de® alten Jischuw erschauern bei dieser Nachricht. Hebron gehörte in all den Jahrhunderten, da die treuen Wächter über die heiligen Ruinen wachten, neben Jerusalem, Tiberias und Safed zu den „vier heiligen Städten" des Jischuwl Noch kurz vor den ersten Unruhen in Palästina wurde Hebron neuer Glanz und neue Bedeutungv verliehen durch die Verlegung eines Teile® der Sl o b o d k o e r J e s c h i w a nach der heiilijen Machpelaistadt; ein Versuch, den man im August 1929 .mit teuerem Märtyrerblut bezahlen mußte. Nach der damaligen großen Hebroner Metzelei war die Stadt vorübergehend von Juden entblößt, aber 'die alten Zionsfreunde kamen wieder und rafften die letzten Reste zu einem neuen jüdischen Gemeinwesen zusammen. Es. kamen auch wieder Touristen mach Hebron und beteten in der Abraham Awinu=Schul neben den Vätergräbern. Die jüngsten Unruhen hatten aber zur Folge, daß die letzten Juden von Hebron fortzogen, ohne wieder zu kommen. Die heiligen Stätten dort" sind schutzlos ihrem Schicksal überlassen, und die Polizei lehnt es ab, die Bewachung' der Synagoge noch weiter durchzuführen. Hätte in den Aufbaujahren dge jüdische Welt, in Palästina und in der Gola, — worauf wir immer und immer wieder hinwiesen —, dem alten Jischuw ein wenig mehr Aufmerksamkeit geschenkt und nicht das Schicksal Hebron© einfach den paar iheuerztea jüdischen Pionieren aus der alten Schule und die Bewachung der HeiUgtümer dem stummen Polizei* posten überlassen, so wären mindesteu® die heilige Erde und die heiligen Steine in der Väterstadt Hebron zu retten gewesen. Vielleicht ist es noch nicht zu spät! tW'r :> "^IP^-f' Gibt es ein Muß? Zeitgemäßes zur Reinheitslehre des Wochenabschnitts. Von B. Cohen. „Reinheit ist sittlich freies Wollen", In diese Worte läßt »ich die Hirschisohe Grundlehre von der Bedeutung der iReinheatsgesietze zusammenfasisea, welche die Thora den Kohanim und dem Volke Israel auferlegt. Das Gegenstück dieser Lehre lautet: „Sich durch irgendwelche finsteren Mächte im Willen gebunden zu wähnen, — ist. Unreinheit." Auf diesen Gedanken baut Hirsch seine Deutung der Vorschrift, den Toten und die Gebärende für unrein anzusehen, auf diesen Gedankein auch seine Betrachtung des Heidentums (etwa in der Geschichte Bileams) und der Opferlehre: Immer ist Helligkeit und Willensstärkung unser Anteil, Die neuere Religionsvergleichung hat viele frappante Bestätigungen dessen erbracht, was in diesem System der Gesetzesdeutung seinerzeit auffällig er* schien. Wir leben aber nicht in einer Zeit der religionsvergleichenden, sondern in einer Zeit der wirb schaftlichen Beweisgründe, und auch diese Beweisgründe erbringen au® unserem heutigen täglichen Erleben den Beleg: Freier und starker Wille allein führt auf den W«g G'ttes. Keinen Bestand hat 'in der Volksseele der heutigen Judenheit alles das, was von feindseliger oder außenstehender Seite beharrlich» auf sie eingesprochen wurde über Zeitbedingtheit der Thora. und geschichtliche Entwicklung ihres Textes., Abseits vom stillen Kreise der Widerleger jener Angriffe hat sich die Wandlung in den jüdischen Seelen vollzogen. Man hat aus dem Geschehen der Zeit die anigesproebene Lehre gezogen: Die Thora kam au® überirdischen Höhen, ist überzeitlich. Und zugleich mit .diesem Wandel hat sich der andere, wichtiger© abgespielt: Man hat auch erkannt, daß die Thora jedem Juden gilt und keinerlei besondere Lebensumstände von ihr dispensieren. Die Gelehrten zögern noch mit dieser Erkenntnis oder mit ihrem Eingeständnasse,' di© Jugem<d und das Volk sind auf diesemHeimwege vörangeeilt. Man will nicht Sklave de® Muß sein, ®ei esi ein klimatisches, ein berufliches, ■ein — nationales, ja, ein jüdisch-nationale® Muß. Die Rückkehr zum thoragemäßen Tun und Denken erfolgt vielfach nicht mehr unter „dunklem Drange"; selbst al® „Rückkehr zur Stimme der Nation in uns"; will die Jugend ihre Umstellung vielfach nicht mehr begriffen sehen. Man 'ist zur historischen Bejahung de® - Sinai-Aktes erwacht; man hat sich zur freien Befolgung eines Gesetzes aufgerüttelt, das man als „heute am Sinai empfangen" 'erlebt; man legt Zeu^näs für G'tt, für Schöpfung und Offenbarung ab. Wenige nur sind wohl soweit gelangt; aber diese Wenigen sind 'richtunggebend, und sie 'haben; mehr Gefolgschaft als mancher .literarisch arrivierter G'ttsucher. Die Gefolgschaft. mag weniger kraftvoll ihren Weg gehen .als die- Führenden, aber das'Ziel wird aüch sie nicht au® den Augen verlieren. Diese Beobachtung sollte auch uns, die wir das Glück haben, zur Thora erzogen zu sein, das Gewissen schärfen. Sie sollte uns insbesondere ergebener als je'dem Gedanken der Reinheit werden lassen, .die zugleich WiMensfredhieit Ast* In Dankbarkeit sollten wir uns »diesem Gedanken vom Morgengrauen jede® Tages, an widmen: Vom HändereAnigen aus nächtlicher Gebundenheit, vom Anschauen des zum Himmelsglanze reichenden Schaufaidens geleite uns dieser Gedanke durch die Welt des täglichen „SiohsRiC'ht'e:nis" im Gebete zum „Erbeben der Hände in Heiligung" vorm Essen; er sei unser steter Schutz vor Versuchung, unser steter Ansporn zum Dienste G'ttes. „Es sei dir zum Zeichen auf deinem. Arm und zum Schmuck zwischen deinen Äugen"; die G'tt geweihten Tage seien „zu Zeichen und iBestämmungsizeiten''-. selbst des Himmels. Lichter iseiemi uns. nur Sinnbilder der Bestimmung, 'die durch 'diese Zeiten uns ins Bewußtsein gerufen werden sollen. So wird' uns das ganze irdische Leben, 'die ganze Schöpfung, zu einem Symbol der Welt unsere® Sollen». Und voll wachen Dankes nur nach stetem Segensspruche ziehen wir aus dieser Welt iNutzen, und Freude, um uns zum Dienste G'ttes zu stärken: Und um zugleich uins zum Erfragen heutigen Geschickes zu stählen. Denn alle Kraft, die da® heutige Erleben erfordert, fließt uns nur aus dem Quell der gelebten Reinheitslehre. Im Sinne seiner RieiinheatsJehiie hat S, R. ULrsch der sinaitischem G'tteslehre den. auf Bmd&odeshinweisenden iNamen „Religion" abgesprochen; als einzige, das menschliche Wollen von niederen Tenden* zen frei machende ,G'tteslehre wird sie* die Zeit de® Fallens aller niederen Bindungen überstehen und gerade in ihr den Sieg de® freien Schöpfer® und Vas m

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