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Der Israelit · 1937-04-29 · Heft 17 (29.4.1937) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 17 (29.4.1937)
Date
1937-04-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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29. April 1937 ■■; ' D e rl Israelit Britische Reichskonferenz, Empire- Settlement«Bewegung und Judenfrage,. (Fortsetzung von Seite 1.) quellen, um unserem Lande gerecht zu werden!" Nun war:. der Gedanke,, den inneren Zusammenhalt und die kulturelle Einheit des Empire dadurch' zu stärken, daß man die britische Binnenwanderung aus dem Mutterlande in die Dominions begünstigte und durch Staatszuschüsse subventionierte, von jeher sehr populär — unter den englischen P o I i t i k e r n; aber: die Bewohne r des britischen Inselbereiches selber haben trotz aller Ermunterungen, und allen gebotenen Vorteilen zum Trotz, nur in sehr geringem Umfange der Parole der „migration" Folge geleistet. Sie haben meist vorgezogen, selbst während der Jahre der höchsten Arbeitslosigkeit, mit bescheidenen A'rbeitslosen-Unterstützungen durchzuhalten, statt die Risiken eines überseeischen Siedlungs- oder EinzelexistenzaufbaUS einzugehen. Infolgedessen war die große Rede, mit der der zuständige Minister, Ramsay Macdonald, im Januar die diesjährige Empire Settlement-Bill einführte, auf , einen außerordentlich melancholischen Ton gestimmt. Macdonald klagte in beweglichen Worten über den Mangel an Interesse, der sich in der englischen Oeffentlichkeit gegenüber diesem fundamentalen Empire-Problem geltend mache. Das sei um so schmerzlicher, als die wirtschaftliche Depression und damit die Arbeitslosigkeit in den Dominions allmählich weiche und die. Zeit herannahe, in der die Dominions bereitsein w ü>r den, eine stärkere britische Einwanderungswelle aufzunehmen. , Damit hat Macdonald nun eine Seite des Problems berührt, die seine ganze Schwere' zeigt. Die Erkenntnis von der inneren N ö t w e ndigkeit einer liberalen, ja aktiv vorwärts treibenden Einwanderungspolitik hat bisher nämlich noch keineswegs dazu geführt, daß die Regierungen der Dominions nun auch die praktische Konsequenz aus dieser ihrer Erkenntnis ziehen und die Tore ihrer Länder weit aufmachen für eine kulturell und sozial erwünschte, sogar staatlich subventionierte Einwanderung. Im Gegenteil. Macdonald erklärte, daß die kanadische und neuseeländische Regierung überhaupt noch nicht gewillt seien, staatlich unterstützte Einwanderungsgruppen aufzunehmen. Die australische Regierung studiere das Problem, und habe die Ministerien der Einzelstaaten um gutachtliche Aeußerungen ersucht. Diese Aeußerungen gehen dahin, daß vier von den sechs Staaten des australischen Commonwealth ' jede Einwanderung ablehnen, während Queensland und Süd-Australien erklären, es sei Raum für die Immigration begrenzter Mengen b e st immter Typen von Einwan- , derern. Hinter dieser steifen Haltung der Regierungen steht natürlich die o r g a n i s i e r t e Arbeiters c h a f t , die in jeder Einwanderung eine unerwünschte Herabdrückung des Lohn-Niveaus-,' auf alle Fälle eine gefährliche Belastung des Arbeitsmarktes erblickt. Diese .';Befürchtung —: über deren mögliche e h e b u n g noch zu sprechen sein wird —, ist an und für sich um so begreiflicher, als nach Lage dj&r- Dinge' £t^..d^.P^ini3]ions..'.weniger eine landwirtschaftliche, als eine industrielle Einwanderung und Besiedlung in Frage kommt. Die weitgehende Mechanisierung der Landwirtschaft und die Anwendungmoderner Kultivatu.nsmethadGn hat gerade \ dort die Produkt;vkraft so. enorm gesteigert, daß der . Anteil Menschlicher , Arbeitsleistung und damit die Absorptionsk^aft der Landwirtschaft--für neue Areitermass'en an sich gering ist, 'während die Erschließung: ti e ü e r Anbauflächen, wiederum das ^roblem des lA b s a t z es und der Aufrechterhaltung rl;en t a b 1 e r Preise ' in gefährlicher Weise .kompliziert. So denkt -man denn in den Dominions, wenn überhaupt, in allererster Reihe an organisierte 'industrielle, Kolonisation, die die Dominions allmählich befähigen ^würde, ihren ungeheuren Ueberschuß an Rohstoffen, an Wolle, Häuten, Erzen usw. selber zu verarbeiten und statt der Rohstoffe Fertigprodukte auszuführen. Man wird diesen Gedanken festhalten müssen, wenn es sich später darum handeln wird, zu prüfen, auf welche^ Weise der, heute unüberwindlich scheinende Widerstand gerade der Labour- Kreise der Dominions gegen eine große( Einwanderungsbewegung abgeschwächt oder .beseitigt werden kann. Wie von uns seinerzeit berichtet wurde, vollen* defce Sanitätsrat Dr. Moritz W a 1 l»a ch in Jerusalem am 3.. Januar (20. Tebeth) sein siebzigstes Lebensjahr. Aus diesem Anlaß stattete am 31. März 'der High Commisisioner Artur Wauchope dem Allgemeinen Krankenhaus Schaare Zedek, des« szzk Erbauer und Leiter Dr. Wallach ist, einen Besuch ah. Zur Sammlung für eine Sommerliegehalle im Krankenhaus -als Stiftung auf den Namen von San.-Rat Dr. Wallach, bei der ca. LP 500.— zusammenkamen, hat der High Commissioner wenige Tage nach dem Besuch (entsprechend den 70 Jahren) LP 70.— beigetragen, worüber alle Jerusalemer Zeitungen berichteten. '■' Das Bild, zeigt den High Commi&sioner beim Eintritt ins Hospital. Links sieht man San.=Rat Dr. Wallach, in der Mitte den High C o m m i s - «ioner, rechts iseinen Sekretär K i s s> i I o w (Jude). Steht der großzügigen Empire-Binnenwanderung so von der S ei t e de r Dominions manches schwere Hindernis im Wege, 'so wird die Lage auchaufder britischenSeite .nicht bloß durch die bereits erwähnte mangelnde Begeisterung der britischen Bevölkerung für die Uehersee-Wanderung kompliziert, sondern; auch durch objektive: Momente. . . '.< -. , . ■England", .'.-ist mit jedem Jahre w e nvi g e r in der Lage, die notwendigen Massen als Pioniere britischer Kultur und spezifisch britisch-politischer Lebensauffassung in die Dominions hinauszusenden: die Arbeitskräfte werden in steigendem Umfange im eigenen Lande gebraucht in einem. Augenblick, modern die gesamte Industriemit Hochdruck arbeitet, um die Aufrüstung .durchzuführen und dabei' doch die Friedensmärkte!:nicht zu verlieren. ' . _ - ,. .;„...,.._„., Nr. 17 Seite 3 Darüber hinaus aber erhebt sich vor der englischen Oeffentlichkeit wie vor der Staatsführung das ohnedies dräuende Gespenst des G e b u r - t enrii c k g a n g e s . das' auch nach etwaigem Abflauen der industriellen Höchkonjünktür — auf die Länge der Zeit hinaus geschehen nicht Zeichen und Wunder — eine großzügige Empire-Siedlungspolitik mit britischem Menschenmaterial gänzlich aussichtslos ersehe i n e n läßt. Man hat auf Griind der Geburten- und Sterblichkeits-Statistik von 1933 drei verschiedene Schätzungen für die voraussichtliche Bevölkerungsbewegung der : nächsten Jahrzehnte berechnet, von denen die er s t e die optimistische Annahme macht, daß durch mancherlei durchdachte Maßnahmen die Geburtenrate wieder auf das Niveau von 1931 gehoben werden könne und die Sterblichkeit sich noch wei'7 ter senken lasse. Die zweite Schätzung geht von einem Gleichbleiben beider Faktoren gemäß dem Stande von 1 9 3 3 aus, die dritte, pessimistische, aber wahrsc he in.lichs.te,' rech;- net mit einer sich verstärkenden Tandenz der Geburtenbeschränkung für die nächsten '50 Jahre. Auswa n d e rung und Einwanderung sind außer Betracht geblieben. Es ergibt sich für 1975 bei der Sehätzung Nr. I eine-britische Bevölkerung in England und Wales von 43 Millionen, bei II 36 Millionen, bei III 31 % Millionen, während die Bevölkerungsziffer heute 40 Millionen ist. Ueberblickt man diese Tatsachen, so ergibt *sich ohne Weiteres, daß eine Verwirklichung der Empire-Settlement-Pläne überhaupt nur dann möglich sein wird, wenn der Gedanke aus seiner nationalen Verengung befreit und mit einigen Samenkörnern weltbürgerlicher Gesinnung befruchtet wird, mit anderen Worten, wenn man sich entschließt, die leeren Territorien d e r Do m in i o n s mit kulturell, wirtschaftlich und politisch der britische n E m p i r e - P o 1 i t i k geeignet er'SC 'h e inendem Mensche n m a t er i a 1 n i c h t - br i t i s c h e n Ursprungs zu bevölkern, Angesichts; der Tatsache, daß die britische Politik niemals eigensinnig an doktrinären Vorurteilen festgehalten, sondern es immer und überall verstanden hat/-ihre Ziele in geschmeidiger Anpassung an die wechselndsten Konstellationen und oft in engster Kooperation auch mit fremden Stämmen' und Bevölkerungsgruppen zu verwirklichen, sollte man es nicht für eine Utopie halten, die organisierte Heranziehung auswanderungswilliger europäischer Juden zur rationellen. Lösung des Empire- Siedlungsproblems den weiter blickenden Politikern der Dominions und dem britischen Kabinett unter der — wahrscheinlich kühneren und entschlosseneren — Führung Neville Chamberlains plausibel zu machen. Bevor 'man die Mittel und Wege ins Auge faßt, die zu diesem Zwecke beschritten werden könnten, gilt es aber, die ganze Frage zunächst einmal unter dem Gesichtspunkte der jüdischen Volksinteressen zu betrachten. (Ein zweiter Artikel folgtj Wochenkalender. Vom I.-8. Mai 1937 f Vom 20 -27. Ijar 5697 1 •»m> tp I mrun Samstag 1 20 i s Sonntag 2 ■ 21 tre Montag 3 .■22 3X Dienstag Mai 4 *»"* 23 as Mittwoch 5 24 ns Donnerstag 6 25 ns Freitag .7 •26 IS Samstag 8 '27 rs 'i jns 'flpna nna . virm yonan

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