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Der Israelit · 1937-04-22 · Heft 16 (22.4.1937) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 16 (22.4.1937)
Date
1937-04-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 16 ,. W;-;,£?351S^ . D e r I s Wa e*;j"L;tvV-— ' /.', ' 22/Apr4;1937 legenheit, die sie einigermaßen beschäftigt'" werdensie ihn deshalb noch lange nicht. Gehen Es gibt gewisse Elemente dm Wesen des Bauern die «eine Untugenden sympathischer erscheinen lassen, als die entprechenden des Nichtbäuem, Seihe Verderbtheit ist sozusagen harmlose*, weil sie nicht wie die des' anderen durch den Schlamm Sündenbabels sich gewälzt hat, sondern der ersten Sünde im Paradiese verwandt ist. Minderheiten. Alles, was für die Minderheiten earreicht wurde, ist ein einziger Mißerfolg. Und was speziell die J u den betrifft, so sind säe noch das Stiefkind: selbst unter 'den Minderheiten. Die Entfremdeten und die Werbung um eie. Im Grunde lebt in, der Masse der Entfremdeten, ja, in sehr vielen entfremdeten Intellektuellen ein Art unausgesprochenen, oft auch. ausgesprochenen Eingeständnisses, daß das .Traditionsjudentum, denn doch das eigentliche Judentum ist und das Gefühl, daß ihre eigene Lebensführung eine Art Extratour ist, die nur als solche, so etwas wie eine Existenz berechtigung hat. Und die geistliche tradifionsireue Leitung wird eben auch den Entfremdeten gegenüber Führerweisheit, Form und Würde, Maß und Takt entfalten müssen. Man mache sich aber von dem Fehler frei, abzustoßen statt anzuziehen, sich abzuschließen, statt bei aller Konsequenz die Tore weit und gastlich zu öffnen, mürrisch, statt freundlich zu sein. Genug all. diesen Kleinzeugs, sondern mit Sturm hinein in den Sturm! Sturm auf die Seelen der Aufgewühlten', der Suchenden! Wie viele doch von ihnen, die unter der Schwere der Ereignisse erschauern, werden uns zuströmen, wenn wir ihnen das Fremde oder Fremdgewordene in seiner religiösen und religiöserzieherischen Ursprünglichkeit so stark und so schön zu bieten vermögen, daß sie zumindest nachdenklich werden. * * * Tröstet Euch auch nicht mit der alten Ausrede, daß G'tt ein kleiner Kreis von Treugebliebenen genüge. Es ist nicht wahr! Das ganze Volk hat Er ■ausgewählt für alle Zeiten. Das ganze Volk hat Er heilig haben wollen, will er heilig haben. G'tt wartet darauf, und wir haben in jedem Augenblick die Pflicht, alles zu tun, damit Er nicht zu lange warte. An diese Pflicht seid gemahnt. Wissen, Liebe und Schönheit. Die Hingabe an G'tt, die innige Einfühlung in seine überweltliche Erhabenheit, in die Wunder seiner Schöpfung, das ewig neue Staunen vor dem Glanz und der Pracht, die von ihm über die Welt als sinnvolle Ordnung und als Schönheit gebreitet sind, sind ebenso verpflichtender Bestandteil des Judentums, wie das Befolgen der ethischen und der Gebote religiöser Handlung. Der Jude muß G'tt, ihn liebend erkennen (Daas) und auf Seinen Wegen wandeln, muß im Menschen* bereiche G'ttes Sachwalter sein, d, h., das von G'tt ausstrahlende Erbarmen- (Rachamim) nachahmen und üben, ebenso jedoch die von G'tt ausstrahlende Weltenpracht (Tifeires), wo sie offen daliegt, dankend genießen; wo sie gebunden in den Dingen ruht, herausholen und sichtbar machen. (Wird fortgesetzt.) KURIOSA. Die Wiener Kultusgemeinide hatte dieses Jahr sog. „ S e d e r j a u s en!' an den Nachmittagen für die Zöglinge der Schulen .der Kultusgemeinde unter Beibehaltung aller üblichen Sederzeremonien : eingeführt. Dazu schreibt mit Recht die Wiener „Jüdische Presse": „In der Haggadah heißt es; „Du sollst es Deinem Sohne erzählen. Man könnte glauben schon am Tage, darum steht geschrieben usw." Es muß unendlich schwer .gewesen sein, den Kindern, die am hellichten Tage beim Seder saßen, diese Stelle V'zu erklären. Oder sollten die Sederyausea „zum Trotz" veranstaltet worden sein, sozusagen als „Secher l'Trotz", da es, — wie die „Stimme" in ihrem Pessachartikel meint, — nur „der jüdische Trotz es ist, der unser Volk am Leben erhielt und erhält?" Wenn ein zweiter Festtag auf einen Sabbat fällt, ergibt sich »eine kleine Spanne im Zyklus der Wochenabschnitte zwischen Erez Israel und der Gola. So hat man dieses Jähr, «als wir letzten Pessachtag feierten, in Palästina die Sidra' „Schmini" vorgelesen. Schon eine Woche' später war' -der Aus gleich dadurch hergestellt, daß, während ,wir „Schmini" . lasen,, sie in den palästinensischen. Syna? gogen „Sasria" hatten, und.eine Woche später lasen wir die Doppelsidra Sasria-M'zora, während sie dort die Sidra „M'zauro" allein vortrugen. So kam alles . wieder in Ordnung. \ Zu welchem Ritu© möge .sieh wohl da* füh^eade zionistische Blatt in Berlin bekennen, wenn es in seiner Nummer vom 23. April unter der Uebersöhrift ,, S asria-M1 zor a'' üb er K a u f u n,d Verkauf ref e riert und vor f a 1 s c Ji e n Maß ea: u n d G e wichten warnt? Da® Blatt eilt also den Dingen sowohl in Palästina wie dn der Diaspora voraus, es hält bereits bei „Achare" und ,,lK,dau®ciliml^ Warum aber dann, wenn man schon falsche Maße und Gewichte verwirft, die falsche Deklaration „Sasria-M'zora"? Es gibt bekanntlich Leute, die, von „Sasria- M'zora" nicht gern sprechen. Der Inhalt dünkt ihnen etwas unästhetisch, weil sie die wundervollen talmudischen und agadiseben Ausdeutungen im Sinne des moralischen Aussätze der Verleumder, der Schädlinge der Gesellschaft, nicht, kennen, weil sie auch die tiefen Erklärungen von S. R. Hirsch nicht gelesen haben, die uns gerade diese Thorastellen im schönsten Lichte, jüdischer Ethik zeigen. Dann aber sei man korrekt und las«« auch die Ueberschrift weg. Bei der Gelegenheit noch ein kurzes Wort: Es pflegte keiner von Chemie oder Mathematik zu sprechen, der diese Wissenschaften nicht gelernt hat, es wird keinem einfallen, zu malen oder zu singen, so er mit diesen Künsten nicht begnadet ist. Von Thora, Talmud und jüdischen Disziplinen, von jüdischer Lehre und jüdischem Brauchtum spricht aber .heute alles. Es bedarf dazu keiner Qualifikation, keiner Vorbildung und keiner Legitimierung. Daher kommt es wohl daß man den Afikaumon nach Chad Gadjo verzehrt (C.*V. -Zeitung), das Lied am Meere in „•Wäjischlach" versetzt (Hamburger Familienblatt) und unter der Marke „Sasria- M'zora" über Kauf und Verkauf, Maße und Gewichte referiert, wie es hier in der „Jüdischen Rundschau" vom 13. April geschieht. Uraufführung eines neuen Palästina-Films. In Berlin wurde ein von der Filmstelle der Zionistischen Vereinigung für Deutschland hergestellter Palästinafilm uraufgeführt. „Hatikwah-Dokumente einer Hoffnung'.' sind die Bilder vom Werden des "Landes, von dem Rhythmus des palästinensischen Lebens früher und heute. Der Film beginnt mit einer Darstellung des Landes, wie es war, als die zioniistisehen Pioniere nach Palästina kamen. Wüste, Karst und Sumpf werden in Bildern gezeigt, die seinerzeit aufgenommen worden waren. Ein Blick .auf die historischen Stätten Jerusalem, Tiberia® und Akko wird getan — alles in Aufnahmen, die zwanzig Jahre und länger zurückliegen. Bilder der Führer werden gezeigt, der Einzug Sir Herbert Samuels in Tel Awiw im Jahre 1920 vorgeführt und ein Begriff von der Kolonisationsarbeit vermittelt, wie sie unter schweren Anfängen zustande kam. Haifa und Jerusalem einst und jetzt -werden einander gegenübergestellt, der Bau des Ruthenberg-Kraftwerkes, die Entwicklung des Verkehrswesens und das Werden der Industrie gezeigt, Bilder vom Bau der Universität, von ihrer jEröffnung folgen. Das Wachsen der Kolonien wird in vielen Phasen anschaulich vorgeführt. Es wird der schwere Weg gezeigt, den .die Siedlungen bis zu ihrem Aufstieg von heute genommen haben. Der Film' gibt dann eine Darstellung der Geschichte von Tel Awiw in den Etappen des Gründungsjahres 1909, des Jahres 1919 und der Jahre 1923, 1926 und 1928! Tel Awiw als Dorf, als Kleinstadt, als Stadt mit 40.000 Einwohnern und als Zentrum, des Landes wird in geschickt komponierten Bildern dem Zuschauer vor Augen geführt. Er sieht dann die jüdische Großstadt Tel Awiw von heute, ihr Xeben und Treiben und den neuen jüdischen Menschen, wie er auf alter Erde in Stadt und Land sein Werk . tut. Der ifilm klingt in einer großartigen Bildersymphonie aus, die das Gesicht des heutigen Palästina in Land^; schaff und Mensch veranschaulicht. Der Film wurde bei seiner ersten Aufführung mit herzlichem Beifall bedacht.. Das Publikum folgte dem Ablauf der Bilder mit großer" Anteilnahme. Der . Film . wird noch wiederholt an Berlin und in den großen Städten des Reiche» gezeigt werden. (Nach diesem Berichte scheint der Film von der, Alt* stadt und ) jd.-eap;, .gett£tig-retö'giös*>n Leben 'Palästinas keine.Notiz zu nehmen. D. Red.). ' . Barcelona. Eine historische Skizze. Aller Augen sind nach Spanien gerichtet, wo jetzt der Moloch des Bürgerkrieges tausende Tote fordert und blühende Städte in Schutt und Asche verwandelt. Die Haltung Barcelonas, von dem ausschließlich alle geistigen und politischenImpulse, des . kata: Ionischen Volkes, ausgehen, ist v'on}'maßgebendem Einfluß., auf den ganzen Verlauf der Ereignisse; denn ohne sein« Hilfe wäre die^-Ma*!^^^ fellos schon in den bersten Phasen ^unterlegen.' ' . 'j ^»ft^t? .' : Aber nicht nur tagespollitiafclppri ^ndem'•l^ucli historische Bedeutung kommt dieser in gar mancher Beziehung ersten Stadt der Iberischen Halbinsel zu, und zwar nicht nur vom allgemeinen, sondedin auch vom jüdische« Standpunkt aus.. Barcelona, war -..einst eine der blühendsten und reichsten jüdischen. Gemeinden der Welt, eine „Gemeinde von Fürsten", wie sie der berühmte Poet Alcharisi in einem seiner Gedichte nennt. König Alfons IL, .der 1162 den Thron Kataloniens bestieg, war ein Jüdenfreund, ein Gönner und Förderer von Kunst und Wissenschaft, die damals in Spanien dn. höchster Blüte standen und besonders unter den. Juden unzählige Vertreter hatten, welche sich .zugleich aber in der jüdischen Gelehrsamkeit auszeichneten. Bekannt ist der Zeitgenosse de® Rambam und Verfechteir seiner Theorien, der „Fürst" B en V en es ti , den A 1 ch a risd als „Säule der Welt und Stütze aller Frommen", schildert, weicher 1131 bis 1203 in Barcelona lebte. Viel früher; als in den 'anderen Teilen der Pyrenäischen Halbinsel stellte sich 'der Umschlag , zuungunsten der Juden in Barcelona ein, wo bereits 1263 auf Betreiben eines Apostates, des Dominikaners ChrLstiaaio, die religiöse Polemik und mit ihr 'die zwangsweisen öffentlichen Disputationen einsetzten. Zur gleichen Zeit lebte auch in seiner Heimatstadt Barcelona der gefeierte Rabbi S a 1 o m o ben Ader eth (Raschbo), dessen Lehranstalt einen Anziehungspunkt für Tausende von Thorajüngem aus aller Herren Länder bildete. Im Maimonidesstreit, der .damals allenthalben heiß tobte, nahm er eine gnmäßigte und würdige Stellung ein. 1300 siedelte sich in Barcelona infolge der Judenunterdrückunig in Deutschland auch der berühmte Ra'bbi Osch er ben Jechiel (Rosch) an. Und nun stand die katalanische Handelss.tadt am Mittelmeer, wo die zwei Größten von „Aischlcenas'1. und „Sefard" zusammenwirkten, als Mittelpunkt der jüSkschen Welt .da. 1 Auch unter dem Nachfolger Alfons', dem König Szimi I., der sich durch allzu große Toleranz nicht gerade auszeichnete, war die Lage der Juden in Barcelona eine leidliche, ihre Stellung eine geachtete. Leibarzt des Königs war der einflußreiche Jude B a c hi a 1 ben Mosche. Auch stand, damals der berühmte Gelehrte und Forscher Abraham ben Chisdai in höchster Gunst bei Hofe. Der erste blutige Tag, den die Juden Barcelonas erlebten, war der 5. August 1391, genau hundert Jahre vor den allgemeinen Judenaustreibungen aus Spanien. Bereits am 6. Juni hatte eine furchtbare Judenmetzelei ('die erste in Spanien) in Sevilla stattgefunden. Am 17. Tamus folgte eine Judenschlacht in Toledo. In Barcelona, dem Sitze des jüdischen Geistesadels, kam das Unglück am 5. August, an einem warmen, sonnigen Sabbattage. Die Juden Barcelonas galten, und1 nicht mit Unrecht, als sehr reich; die Mord: und Veorästungsarbeit war daher besonders lohnend. Es zogen,' von Geistlichen und Mönchen geführt und angespornt, die Pöbelhaufen ins jüdische Viertel; wo sie nach gründlicher Plünderung sengten und mordeten und keine einzige jüdische Seele am Leben ließen. Selbst diejenigen, .die in der Festung des Stadtpräfektecn Schutz fanden, fielen in die Hände der Mörder. Tausende nahmen die Scheintaufe an, die sie aber einem Leben' voll Angst und Pein entgegenführte und nur in den seltensten Fällen vor dem Scheiterhaufen schützte. Genau beschrieben sind die Schreckenstage von Barcelona in einem Werkchen des berühmten Forschers Rabbi Chisdai Kreskasch, der damals in Saragossa lebte und bei den blutigen Er* eignissen seinen einzigen Sohn, der sich zufällig in Barcelona aufhielt, verloren hatte. - 1492 zogen dann mit den anderen Juden Spaniens auch die letzten Juden aus Barcelona aus. Die Metropole jüdischen Geistes, von der man jahrhundertelang sagte, „ihre Luft macht weise", hörte auf. Die meisten gingen nach der Türkei, viele aber auch nach Marokko und dem Rifgebiet, wo sie sich im Laufe der Jahre in Kleidung, Aussehen und Sitten den Eingeborenen anglichen, \ dem väterlichen Glauben aber unwandelbare Treue bis auf den heutigen Tag wahren. .' 1 x - ', („Jüdische Presse", Wien.) Wochenkalender. Vom 24.-1. Max 1937 | Vom 13.-20. Ijar 5697 j *»T' i\i 24 mrua Samstag 13 ÄS 'in j?hb b^j? "nhtt Sonntag 25 ,14 -19 . '<•' ■ Montag 26 rip ' ">iv /vojwi Dienstag Mai; 27 T"K 16 19 ■ . .:. ■ '-■ J. 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